Wege zum Frie­den:
ERZÄH­LEN, ZUHÖ­REN, VER­STE­HEN
Die Dia­log­ar­beit von Dan Bar-On

Ist ein fried­li­ches Zusam­men­le­ben der Men­schen auf unse­rem Pla­ne­ten mög­lich? Was hin­dert uns daran? Was waren und sind die Gründe für Hass, Feind­schaft und Krieg? Las­sen sie sich aus­räu­men? Sind wir fähig und bereit, zu ler­nen und unsere Ein­stel­lun­gen zu ändern? Nicht nur bedeu­tende Den­ker und Weise, wir alle stel­len uns diese Fra­gen – immer wie­der. Der israe­li­sche Psy­cho­loge Dan Bar-On enga­giert sich seit Jahr­zehn­ten für einen ganz hand­fes­ten, kon­kre­ten Weg…

Ist ein fried­li­ches Zusam­men­le­ben der Men­schen auf unse­rem Pla­ne­ten mög­lich? Was hin­dert uns daran? Was waren und sind die Gründe für Hass, Feind­schaft und Krieg? Las­sen sie sich aus­räu­men? Sind wir fähig und bereit, zu ler­nen und unsere Ein­stel­lun­gen zu ändern? Nicht nur bedeu­tende Den­ker und Weise, wir alle stel­len uns diese Fra­gen – immer wie­der. Der israe­li­sche Psy­cho­loge Dan Bar-On enga­giert sich seit Jahr­zehn­ten für einen ganz hand­fes­ten, kon­kre­ten Weg: Die Mau­ern des Schwei­gens durch­bre­chen. Das betrifft den heu­ti­gen Nah­ost– und die vie­len ande­ren Kon­flikte welt­weit, aber auch unser eige­nes all­täg­li­ches Leben.

Sprach­lose Opfer
Tante Bella war in vie­len Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern gewe­sen und hatte dabei alle Ver­wand­ten ver­lo­ren. Wie­der ein­mal lag sie völ­lig ent­kräf­tet in einem Vieh­wag­gon, wohl auf dem Weg zum nächs­ten Lager. Doch dies­mal war das Heu frisch. Es gab kein Gebrüll deut­scher Wachen, als der Zug am nächs­ten Mor­gen hielt. Statt­des­sen wur­den sie freund­lich von einem Mann in einem wei­ßen Anzug begrüßt. Es war der Prinz von Däne­mark er emp­fing die jüdi­schen KZ-Überlebenden, jeden ein­zel­nen per­sön­lich.
Die Wei­ter­fahrt ins schwe­di­sche Reha­bi­li­ta­ti­ons­heim emp­fand Bella als Pri­vi­leg. Schon allein die Zug­toi­lette benut­zen zu dür­fen! Doch auf der Toi­lette starrte ihr ein frem­des Gesicht ent­ge­gen. Erst nach mehr­ma­li­ger Über­prü­fung musste sie fest­stel­len, dass es ihr eige­nes Spie­gel­bild war. Sie hatte sich jah­re­lang nicht im Spie­gel gese­hen, nur die aus­ge­mer­gel­ten Kör­per ihrer Lei­dens­ge­nos­sin­nen. Dass sie selbst auch so aus­sah, war ein unge­heu­rer Schock. Erst über vier­zig Jahre spä­ter erzählte Bella ihrer Nichte davon. Das uner­träg­li­che Gefühl von Ver­lo­ren­heit und Ein­sam­keit hatte sie ver­drängt.
Die Nichte war eine Stu­den­tin von Dan Bar-On, Pro­fes­sor für kli­ni­sche Psy­cho­lo­gie an der Ben-Gurion-Universität in Beer-Sheva, Israel. Sie hatte ihre Tante Bella im Rah­men sei­ner Frie­dens­for­schung befragt. Bar-On kom­men­tiert Bel­las Geschichte in einem sei­ner Bücher so:
"Die­ses Bei­spiel zeigt, dass es ein gesell­schaft­li­ches Ver­schwei­gen und ein per­sön­li­ches Ver­stum­men gibt. Beide zusam­men erzeu­gen eine "Ver­schwö­rung des Schwei­gens", auf­grund derer nur ein­zelne Geschich­ten eine Chance haben, erzählt zu wer­den. Geschich­ten, die sowohl für den Erzäh­ler als auch für den Zuhö­rer als akzep­ta­bel gel­ten."

Worum geht es hier? Um erleb­tes Leid, seine Ver­ar­bei­tung und sei­nen erlö­sen­den, gewalt­lo­sen Aus­druck im Erzäh­len. Tante Bella steht für viele Men­schen, die den Holo­caust über­leb­ten, und für alle, die unsäg­li­ches Leid durch andere erfuh­ren. Den Trau­ma­ti­sier­ten feh­len die Worte und der geeig­nete Rah­men, um sich aus­zu­spre­chen. So blei­ben die Erin­ne­run­gen – umklam­mert von Gefüh­len tie­fer Scham, Wert­lo­sig­keit und Ver­zweif­lung – in einem inne­ren Gefäng­nis. Und wir­ken sich den­noch aus: Sie über­tra­gen sich "still­schwei­gend" auf die fol­gen­den Gene­ra­tio­nen, kön­nen deren Lebens­ge­fühl und das poli­ti­sche Klima der Gegen­wart beein­flus­sen. Der Haken dabei ist, dass die all­ge­mein akzep­tier­ten Geschich­ten meist nicht den Schlüs­sel zur Öff­nung lie­fern. Sie ver­de­cken eher die indi­vi­du­elle Tra­gik, statt sie zu berüh­ren.

Bar-Ons eige­ner Weg
Dan Bar-On, heute einer der wich­tigs­ten Exper­ten in Fra­gen inter­kul­tu­rel­ler Kon­flikt­be­wäl­ti­gung, fand einen pas­sen­den Schlüs­sel zum inne­ren Gefäng­nis. 1938 in Paläs­tina als Sohn des jüdi­schen Ham­bur­ger Arz­tes Hans Bruno gebo­ren, steht er nicht als neu­tra­ler Gelehr­ter da. Seine For­schun­gen betref­fen ihn selbst. Die engere Fami­lie wan­derte zwar bereits 1933 nach den ers­ten Nazi-Schikanen aus und ent­kam so dem Holo­caust. Doch Dans Kind­heit und Jugend in der israe­li­schen Hafen­stadt Haifa war natür­lich über­schat­tet vom Hei­mat– und Pres­ti­ge­ver­lust sei­ner deutsch­spra­chi­gen Eltern und Groß­el­tern.
Als jun­ger Mann wollte er mit die­ser Ver­gan­gen­heit Schluss machen, schloss sich im Kib­buz der neuen, kämpferisch-nationalen Bewe­gung der Israe­lis an und änderte sei­nen deut­schen Fami­li­en­na­men in Bar-On. Doch in den Krie­gen von 1967 und 1973 begann die ange­strebte Iden­ti­tät als Israeli zu brö­ckeln.
"Als ich spürte, dass mein Leben aus­ein­an­der­fiel, begann ich eine The­ra­pie. In ihrem Ver­lauf lernte ich die Tat­sa­che anzu­er­ken­nen, dass die Insta­bi­li­tät in Israel nicht auf­hö­ren würde, nur weil ich Mit­glied in einem Kib­buz war."
Bar-On ver­suchte, seine deut­sche Her­kunft in sein Leben zu inte­grie­ren. Er dis­tan­zierte sich zuneh­mend vom Kib­buz­le­ben und begann ein Stu­dium der Psy­cho­lo­gie und Sozio­lo­gie an der jun­gen Ben-Gurion-Universität. In einem Arti­kel von 1970 befür­wor­tete er die Grün­dung eines paläs­ti­nen­si­schen Staa­tes, sehr zum Ärger sei­ner frü­he­ren Kibbuz-Anführer.
In die­ser Zeit fiel ihm auch auf, dass die leid­vol­len Erfah­run­gen euro­päi­scher Juden im Zio­nis­mus des auf­stre­ben­den Staa­tes Israel kein Gehör fan­den. Sie stör­ten. Das waren Versager-Geschichten. Holocaust-Überlebende gal­ten im Kib­buz nicht etwa als Hel­den, son­dern als Feig­linge. So errich­te­ten sie eine Mauer zwi­schen ihrem neuen Leben in Israel und ihrer schreck­li­chen Ver­gan­gen­heit in Europa – eine Mauer des Schwei­gens.
Ihre Kin­der aber spür­ten diese Mauer und bau­ten als Reak­tion wie­derum eine wei­tere Mauer auf. Und das­selbe galt für die Täter und ihre Kin­der. Auch die­je­ni­gen, die an den Nazi­ver­bre­chen betei­ligt waren, hüll­ten sich in Schwei­gen, lie­ßen ihre Kin­der in einem Zwie­spalt von auf­wüh­len­der Ahnung und bür­ger­li­cher Beru­hi­gung.

Die Kin­der von Opfern und Tätern begeg­nen sich
Nach vie­len Stu­dien erkannte Bar-On, dass die gän­gi­gen Theo­rien nicht die indi­vi­du­elle Pro­ble­ma­tik erfas­sen kön­nen. Er ent­wi­ckelte eine Methode des Inter­views, mit denen er die Kin­der von Opfern in Israel und die von Tätern in Deutsch­land befragte. Schließ­lich wagte er ein muti­ges Expe­ri­ment: In Deutsch­land wollte er erst­mals die Kin­der von Opfern und Tätern, von jüdi­schen Holocaust-Überlebenden und von NS-Verantwortlichen, in einem Semi­nar zusam­men­brin­gen. Sie soll­ten ihre Geschichte erzäh­len und ein­an­der zuhö­ren.
Natür­lich gab es Berüh­rungs­ängste. Mar­tin Bor­mann, Sohn des gleich­na­mi­gen Reichs­lei­ters und engen Ver­trau­ten Hit­lers, war einer der Semin­ar­teil­neh­mer. Bor­mann und Bar-On hat­ten sich geschrie­ben, doch beide sahen der per­sön­li­chen Begeg­nung mit mul­mi­gen Gefüh­len ent­ge­gen. Als sie sich dann gleich am Anfang ihre Unsi­cher­heit ein­ge­stan­den, ent­wi­ckelte sich sehr bald eine gegen­sei­tige Offen­heit und ergie­bige Zusam­men­ar­beit, die bis heute anhielt und als vor­bild­lich gel­ten kann. Auch die übri­gen Teil­neh­mer waren natür­lich ner­vös. Die Deut­schen frag­ten besorgt nach, ob auch keine Jour­na­lis­ten dabei seien.
An jenem ers­ten denk­wür­di­gen vier­tä­gi­gen Tref­fen 1992 in Wup­per­tal nah­men zehn Deut­sche und zehn Juden teil. Die Deut­schen waren zwi­schen 44 und 62 Jahre alt, die Juden zwi­schen 26 und 53. Viele arbei­te­ten als The­ra­peu­ten und Sozi­al­ar­bei­ter. Lena, die jüdi­sche Ehe­frau von Dirk, dem Sohn eines Gesta­po­kom­man­dan­ten, eröff­nete die Erzähl­runde. Mit drei Jah­ren hatte sie 1941 in der Ukraine ein Mas­sa­ker über­lebt und war drei Jahre lang von ihrer Groß­mut­ter auf einem Dach­bo­den ver­steckt wor­den. Spä­ter fand sie in Israel ihre Mut­ter wie­der, ging nach Deutsch­land und hei­ra­tete dort.
Mar­tin Bor­mann berich­tete von sei­ner Erzie­hung an der Nazi-Eliteschule "NAPOLA" und wie er nach Kriegs­ende getrennt von der Fami­lie in Öster­reich lebte. Als er erfuhr, was sein Vater im Nazi-Regime getan hatte, kon­ver­tierte er zum christ­li­chen Glau­ben, den sein Vater ver­ach­tet hatte. Er trat einem katho­li­schen Orden bei, arbei­tete in den 60er Jah­ren in der Mis­sion in Afrika und spä­ter als Reli­gi­ons­leh­rer in Deutsch­land.
Die Teil­neh­mer der Gruppe spra­chen Eng­lisch, auch das Expe­ri­ment selbst lief unter einem eng­li­schen Titel: TRT = "To Reflect and Trust" (in etwa: "Nach­den­ken und ver­trauen"). Es gab viele Trä­nen und Umar­mun­gen. Obwohl etli­che der jüdi­schen Gesprächs­part­ner ihre gesamte Fami­lie ver­lo­ren hat­ten und auf sich gestellt auf­ge­wach­sen waren, schie­nen sich die Deut­schen stär­ker ent­wur­zelt zu füh­len. Ihre Fami­lie, ihr sozia­les Umfeld war ihnen – nach dem Semi­nar ganz beson­ders – erschre­ckend fremd und unheim­lich gewor­den.

Der Kreis des Ver­trau­ens wei­tet sich aus
Doch alle Teil­neh­mer waren anschlie­ßend tief ergrif­fen von der Begeg­nung. Die Juden fühl­ten eine Befrei­ung von Hass gegen die Deut­schen, die Deut­schen eine Befrei­ung von Schuld. Alle woll­ten den Pro­zess der Ver­stän­di­gung fort­set­zen. Und so geschah es auch.
Im fol­gen­den Jahr, 1993, traf sich die TRT-Gruppe in Israel – unter stren­gen Sicher­heits­vor­keh­run­gen und gefilmt von der BBC – dann in den USA und ande­ren Län­dern. Das Pro­jekt wurde so popu­lär, dass 1998 im Rah­men der Ham­bur­ger Körber-Stiftung andere Kon­flikt­par­teien zum Dia­log ein­ge­la­den wur­den: Katho­li­ken und Pro­tes­tan­ten aus Nord­ir­land, Far­bige und Weiße aus Süd­afrika, Paläs­ti­nen­ser und Israe­lis.
Der Kon­flikt zwi­schen Paläs­ti­nen­sern und Israe­lis ist beson­ders bri­sant. Er hat sich zum welt­wei­ten Kon­flikt zwi­schen ame­ri­ka­ni­schem Kapi­ta­lis­mus und islamisch-terroristischen Fun­da­men­ta­lis­mus aus­ge­wei­tet. Aus­gangs­punkt und Zen­trum des Kon­flikts ist aber die Ver­let­zung der Men­schen­würde. Immer wie­der hören wir den Vor­wurf von Mus­li­men, dass sie sich von den west­li­chen Groß­mäch­ten, allen voran den USA, wie Men­schen zwei­ter Klasse behan­delt füh­len. Die Bil­der und Nach­rich­ten aus dem Irak und Paläs­tina bestä­ti­gen das.
Der von Bar-On ange­regte TRT-Dialog-Prozess zwi­schen Juden und Paläs­ti­nen­sern brachte schmerz­hafte Ein­sich­ten. Nach­dem Miriam ihre Geschichte als Holocaust-Nachkommin erzählt hatte und die Geschichte von Paläs­ti­nen­sern anhö­ren musste, begann ihre "Opfer-Identität" zu brö­ckeln:
"Als der nächste Paläs­ti­nen­ser sprach, wand ich mich. Schon wie­der war es eine Geschichte über Ver­fol­gung, Angst und uner­träg­li­che Ernied­ri­gung. Ich konnte nicht glau­ben, was ich da hörte. Ich konnte den Gedan­ken nicht ertra­gen, dass meine jüdi­schen Mit­men­schen die­sen Leu­ten sol­chen Schmerz und sol­ches Grauen zufüg­ten. Ich wollte ihre Taten ver­tei­di­gen, sie als Isra­els Bedürf­nis nach Sicher­heit begrün­den, als Schutz vor Ter­ro­ris­mus. Doch ich konnte nicht ein­mal mich selbst davon über­zeu­gen." Schließ­lich führ­ten die schmerz­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen jedoch zu einer unver­gess­li­chen tie­fen Her­zens­be­geg­nung aller Betei­lig­ten.

Der eigene, all­täg­li­che Frie­dens­dia­log
Auch wenn wir keine Nach­kom­men von Holocaust-Überlebenden oder Nazi-Schergen sind, die Arbeit von Dan Bar-On betrifft uns alle. Denn wir ken­nen die Mauer des Schwei­gens, die zugleich eine der Ver­ur­tei­lung ist. Den­ken wir doch nur an irgend­je­man­den, dem wir mög­lichst nie mehr begeg­nen möch­ten. Der uns belei­digt hat, viel­leicht nur durch eine unab­sicht­li­che Bemer­kung. Wir sind ver­letz­li­che Wesen. Darin liegt auch die Würde des Men­schen. Sich ver­letzt zu füh­len ist zutiefst mensch­lich. Das soll­ten wir als ers­tes akzep­tie­ren.
Der nächste Schritt ist ebenso mensch­lich, bedeu­tet aber eine Mut­probe. Ein Anruf: "Hallo, ich wollte nur sagen, ich möchte diese Sache zwi­schen uns berei­ni­gen. Ich fühlte mich ver­letzt, aber lass uns dar­über reden!"
So oder ähn­lich könnte unser per­sön­li­ches Frie­dens­an­ge­bot lau­ten. Wir soll­ten dabei weder sofor­ti­ges Ein­ver­ständ­nis erwar­ten noch alles bis ins Detail pla­nen. Wich­tig ist:

  • Keine Vor­würfe
  • Nicht zu sehr in die Ver­gan­gen­heit abschwei­fen.
  • Die eige­nen Gefühle ehr­lich äußern, doch dabei nicht dem ande­ren die Schuld für diese Gefühle geben.
  • Nach­fra­gen, wie sich der andere gerade fühlt.
  • Ihm Zeit für Ant­wor­ten geben, auf­merk­sam und gedul­dig zuhö­ren.

Sollte es beim ers­ten Ver­such der Kon­takt­auf­nahme zu üblen Beschimp­fun­gen kom­men, been­den wir das Gespräch mit einem freund­li­chen "Danke, ich glaube, wir soll­ten hier jetzt abbre­chen. Doch bitte, lass es uns noch ein­mal ver­su­chen. Ich ruf dich wie­der an?"
Wir sind uns viel­leicht nicht so recht bewusst, wo Krieg und Frie­den eigent­lich statt­fin­den. Da flim­mern täg­lich die Bil­der von Bom­ben­an­schlä­gen und Opfern auf dem Bild­schirm. Das ist irgendwo weit weg und berührt uns womög­lich kaum noch. Dann klopft unser Nach­bar gegen die Wand. Beschwerde: Fern­se­her zu laut. Unver­mit­telt steigt eine Welle der Wut in uns hoch: "Die­ses blöde Schwein! Ich könnte den?!"
Das ist unser klei­ner Privat-Krieg. Doch genau aus sol­chen Impul­sen und emo­tio­na­len Reak­tio­nen erhal­ten die Kon­flikte und Kriege in der gan­zen Welt ihren Zünd­stoff und ihre Nah­rung. Bud­dha und Jesus haben es deut­lich ver­kün­det: Die Wur­zeln des Krie­ges lie­gen in jedem von uns, in Unwis­sen, Gier und Hass. Und dazu gehö­ren eben lei­der auch die reli­giö­sen Über­zeu­gun­gen. Die meis­ten Kriege wur­den im Namen Got­tes geführt. Gott als Deck­man­tel für Gier und Hass. Hier kön­nen und müs­sen die Begeg­nun­gen der Reli­gio­nen für Ver­stän­di­gung und Auf­klä­rung sor­gen (siehe Kas­ten). Doch letzt­lich sind wir selbst für den Frie­den in unse­rem Leben ver­ant­wort­lich – in jedem Moment.


Autor: Chris­tian Salve­sen


Frie­dens­ar­beit im Inter­net
INEF (Chris­toph Wel­ler, Uni Duis­burg): www.friedensgutachten.de
Insti­tut für Frie­dens­päd­ago­gik, Tübin­gen: www.friedenspaedagogik.de
Platt­form Zivile Kon­flikt­be­ar­bei­tung ("Frie­den braucht Gesell­schaft?): www.konfliktbearbeitung.de

Bücher von Dan Bar-On
Die "Ande­ren" in uns – Dia­log als Modell der inter­kul­tu­rel­len Kon­flikt­be­wäl­ti­gung. (Edi­tion Körber-Stiftung)
Die Last des Schwei­gens. Gesprä­che mit Kin­dern von NS-Tätern. Erwei­terte Neu­aus­gabe (Körber-Stiftung)
Den Abgrund über­brü­cken. Mit per­sön­li­cher Geschichte poli­ti­schen Feind­schaf­ten begeg­nen. (Körber-Stiftung)

Das aktu­elle Buch:
Erzähl dein Leben! Meine Wege zur Dia­log­ar­beit und poli­ti­schen Ver­stän­di­gung. (Edi­tion Körber-Stiftung, Ham­burg 2004)

Dan Bar-On ist Pro­fes­sor für Psy­cho­lo­gie an der Ben-Curion Uni­ver­si­tät in Israel und Co-Direktor von "PRIME" (Peace Rese­arch Insti­tute in the Middle East). Für sein Enga­ge­ment für Frie­den und Ver­stän­di­gung wur­den ihm u.a. das Bun­des­ver­dienst­kreuz und der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis ver­lie­hen.

Inter­re­li­giö­ses Forum in Edin­burgh
Zum zwei­ten Mal fin­det in Edinburgh/Schottland das "Inter­na­tio­nale Fes­ti­val der Spi­ri­tua­li­tät und des Frie­dens im Mitt­le­ren Osten" statt, und zwar vom 14. 2. – 6. 3. 2005. Einer der Begrün­der und Lei­ter die­ses Fes­ti­vals ist Dr Neil Douglas-Klotz. Neben sei­nen For­schun­gen zum ara­mä­i­schen Urtext der Jesus-Worte lehrt er die uni­ver­sel­len Frie­den­s­tänze, die sein Leh­rer Samuel Lewis aus dem Sufis­mus ent­wi­ckelte. Seit Jahr­zehn­ten tra­gen sie welt­weit zur Herz-Begegnung der Men­schen bei. Musik und Tanz kön­nen die ideo­lo­gi­schen (poli­ti­schen und reli­giö­sen) Bar­rie­ren oft bes­ser über­win­den als Vor­träge und Dis­kus­sio­nen. So spie­len sie auf die­sem Fes­ti­val – wie auch das Geschichten-Erzählen und alle visu­el­len und dar­stel­lende Künste – eine gleich­be­rech­tigte Rolle neben der ver­ba­len Ver­mitt­lung und Aus­ein­an­der­set­zung. Dazu kom­men gemein­same Medi­ta­tio­nen, Gebete, Rituale, Frie­dens­mär­sche, Mahl­zei­ten und vie­les mehr.
Es gibt im Nahen und Mitt­le­ren Osten neben Juden, Mus­li­men und Chris­ten etli­che Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten, die hier­zu­lande kaum bekannt sind. Etwa die Bahai?i oder die Anhän­ger des Zara­thus­tra. Wir sind auf die­sem Fes­ti­val ein­ge­la­den, die Lebens­wei­sen der unter­schied­li­chen Gemein­schaf­ten mit­zu­er­le­ben. Grund­thema ist das Ver­ste­hen der Ande­ren mit dem Ziel des Frie­dens. Dazu gehört natür­lich auch der theo­re­ti­sche Aspekt: Zu erken­nen, wor­auf es bei der Ver­stän­di­gung ankommt. Vor­träge, Podi­ums­dis­kus­sio­nen, Semi­nare und Work­shops zu The­men wie "Gewalt­lose Kom­mu­ni­ka­tion" oder "Unvor­ein­ge­nom­me­nes Hören" ("Deep Lis­ten­ing") ver­mit­teln hier wirk­same Metho­den. Her­aus­ra­gende Per­sön­lich­kei­ten wie der drei­mal zum Frie­dens­no­bel­preis nomi­nierte Elias Cha­cour inspi­rie­ren durch ihre Mensch­lich­keit. Info: www.eial.org

Woche der Brü­der­lich­keit
Unter die­sem Motto orga­ni­sie­ren die Gesell­schaf­ten für christlich-jüdische Zusam­men­ar­beit all­jähr­lich im Früh­jahr eine Viel­zahl von Ver­an­stal­tun­gen, die über ganz Deutsch­land ver­teilt sind. Höhe­punkt dabei ist die Ver­lei­hung der Buber-Rosenzweig-Medaille. 2004 wurde sie an Joschka Fischer ver­ge­ben, 2005 erhält sie Peter von der Osten-Sacken vom Ber­li­ner "Insti­tut Kir­che und Juden­tum? – am 6. März in Erfurt. Die Lau­da­tio wird Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Otto Schily hal­ten. Die Woche der Brü­der­lich­keit (6.-11. 3. 2005) steht im Zei­chen der Aus­söh­nung, nicht nur zwi­schen Juden und Deut­schen bzw. Chris­ten, son­dern zwi­schen allen Kon­flikt­par­teien.
Infos unter:
www.deutscher-koordinierungsrat.de
www.klak-christen-und-juden.de
www.ikj-berlin.de

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