Wege aus der See­len­fins­ter­nis

Depres­sion ist eine ernst­hafte Erkran­kung, die Jung und Alt glei­cher­ma­ßen tref­fen kann. In Deutsch­land lei­den rund acht Mil­lio­nen Men­schen an einer Form der Depres­sion. Dabei sol­len Frauen dop­pelt so häu­fig betrof­fen sein wie Män­ner.

Die Depres­sion über­win­den ? Spi­ri­tu­elle Alter­na­ti­ven zur Medi­ka­tion – Der Zen-Weg aus dem See­len­tief
Wie leicht gehen uns Sätze wie "Das Wet­ter kann ja depres­siv machen" oder "Bist du aber depres­siv heute" von den Lip­pen. Dabei machen wir uns in den sel­tens­ten Fäl­len klar, dass Depres­sion eine ernst­hafte Erkran­kung ist, die Jung und Alt glei­cher­ma­ßen tref­fen kann, ganz gleich wel­cher Gesell­schafts­schicht wir ange­hö­ren. In Deutsch­land lei­den rund acht Mil­lio­nen Men­schen an einer Form der Depres­sion. Dabei sol­len Frauen dop­pelt so häu­fig betrof­fen sein wie Män­ner.
Antriebs­lo­sig­keit, tiefe Trau­rig­keit, schein­bare Inter­es­se­lo­sig­keit und ein Abfall der Leis­tungs­fä­hig­keit sind nur einige für Außen­ste­hende erkenn­bare Sym­ptome. Weni­ger offen­sicht­lich sind die Ängste der Betrof­fe­nen, Schlaf­stö­run­gen, das Gefühl nichts wert zu sein, die innere Unruhe oder Selbst­vor­würfe. Freunde und Fami­li­en­mit­glie­der ste­hen den Ver­än­de­run­gen, die sich im Ver­hal­ten des gelieb­ten Men­schen zei­gen, hilf­los gegen­über. Miss­ver­ständ­nisse und Streit sind vor­pro­gram­miert. Um die­sen Situa­tio­nen aus dem Weg zu gehen, gren­zen sich depres­sive Men­schen immer häu­fi­ger aus, zie­hen sich in die See­len­fins­ter­nis zurück und mei­den die Men­schen, die ihnen sonst immer sehr nahe gestan­den haben.

Behand­lungs­mög­lich­kei­ten ohne Medi­ka­tion Hilfe fin­den Betrof­fene zwar in jeder psych­ia­tri­schen Kli­nik oder bei nie­der­ge­las­se­nen Fach­ärz­ten, aber die Angst, "weg­ge­schlos­sen" zu wer­den oder durch eine Medi­ka­tion mit Psy­cho­phar­maka nicht mehr "Herr ihrer Sinne" zu sein, lässt viele vor die­sem Schritt zurück­schre­cken. Eine Alter­na­tive und immer häu­fi­ger auch eine Ergän­zung zur klas­si­schen Behand­lung bie­tet die Psy­cho­the­ra­pie.
In Kom­bi­na­tion mit und ohne unter­stüt­zende Medi­ka­mente haben Psy­cho­the­ra­pien gute Erfolgs­aus­sich­ten. Zu den ange­wand­ten Metho­den gehö­ren u. a. die Gesprächs­the­ra­pie, Körper-, Gestalt– und Licht­the­ra­pie, sowie die Behand­lung durch Schlaf­ent­zug.
Ein völ­lig neues Licht auf die Behand­lungs­mög­lich­kei­ten einer Depres­sion wer­fen die Psy­cho­the­ra­peu­ten Phi­lip Mar­tin und Carlo Zum­stein. Obwohl ihre metho­di­schen Ansätze unter­schied­lich sind, haben sie doch eines gemein­sam: den Bezug zur Spi­ri­tua­li­tät. Wäh­rend Carlo Zum­stein einen scha­ma­ni­schen Ansatz für die The­ra­pie gefun­den hat, arbei­tet Phi­lip Mar­tin mit Metho­den des Zen-Buddhismus.
Wäh­rend sei­ner Col­le­ge­zeit hatte der Ame­ri­ka­ner ein Buch über tibe­ti­schen Bud­dhis­mus in die Fin­ger bekom­men und war fas­zi­niert. Er machte sei­nen Abschluss in bud­dhis­ti­scher Psy­cho­lo­gie und begann als Sozi­al­ar­bei­ter mit der Betreu­ung psy­chisch Kran­ker. Als er selbst in eine tiefe Depres­sion abglitt, fand er Kraft in der Zen-Meditation.

Die Depres­sion akzep­tie­ren "Zunächst war ich mir nicht sicher, ob Medi­ta­tio­nen Platz in mei­ner Depres­sion hat­ten", erin­nert sich Phi­lip Mar­tin. "Sie müs­sen wis­sen, Men­schen, die in einer Depres­sion ste­cken, füh­len sich oft wert­los und machen sich selbst dafür ver­ant­wort­lich, dass sie in die­ser Situa­tion gefan­gen sind. Wenn Sie jetzt zu den Men­schen gehö­ren, die sich auf einem spi­ri­tu­el­len Weg befin­den, haben Sie einen Grund mehr, sich Selbst­vor­würfe zu machen. Ich meine, ich habe so lange schon medi­tiert und mich mit dem Zen beschäf­tigt, ich hätte in der Lage sein müs­sen, es zu ver­hin­dern oder zumin­dest es kom­men zu sehen. Ich bin so ziem­lich durch alle Sta­dien der Selbst­vor­würfe gegan­gen. Mein nächs­ter Schritt war dann zu ver­su­chen, die Depres­sion durch Medi­ta­tion wie­der los­zu­wer­den."
Ganz so ein­fach war es dann aber doch nicht. Phi­lip Mar­tin: "Am Ende musste ich mir ein­ge­ste­hen, dass meine Prak­tik eher dazu geeig­net ist, die Dinge zu akzep­tie­ren anstatt sie von mir fort­zu­schie­ben. Als ich schließ­lich begann, die Depres­sion zu akzep­tie­ren und damit zu arbei­ten, konnte ich meine Tech­nik dazu nut­zen, die Tie­fen der Depres­sion zu erkun­den."
In sei­nem Buch Der Zen-Weg aus der Depres­sion (O. W. Barth Ver­lag, Bern 2000) stellt Mar­tin Übun­gen vor, die sich jeweils mit einem Grund­pro­blem (Tod, Furcht, Zwei­fel, Zorn, Zeit etc.) aus­ein­an­der­set­zen. Dabei ver­mei­det er aus­schwei­fende Erklä­run­gen, denn beson­ders die Kon­zen­tra­tion fällt depres­si­ven Men­schen oft sehr schwer. So kön­nen sich Betrof­fene den ein­zel­nen The­men Schritt für Schritt nähern.

Der Angst mit Auf­merk­sam­keit begeg­nen Phi­lip Mar­tin ist davon über­zeugt, dass die Zen-Methode "eigent­lich in jeder Form der Depres­sion funk­tio­nie­ren kann." Er glaubt, "Medi­ta­tion kann beson­ders nütz­lich für Men­schen sein, die in einer erns­ten Depres­sion ste­cken", schränkt jedoch ein: "Aller­dings kann eine über­trie­bene Form der Medi­ta­tion die Situa­tion noch erschwe­ren. Denn dadurch kann die Stim­mung auch sehr leicht in eine Beses­sen­heit umschla­gen." Der posi­tive Aspekt der Meditations-Praxis ist die Tat­sa­che, dass der Prak­ti­zie­rende nicht jeden Tag 45 Minu­ten oder län­ger dar­auf ver­wen­den muss. Fünf Minu­ten kön­nen schon aus­rei­chen, um zur Ruhe zu kom­men.
Mar­tin weiß: "Gerade bei schwe­ren Depres­sio­nen kämp­fen die Betrof­fe­nen mit einer läh­men­den Angst und Panik. Ich möchte ihnen so eine Mög­lich­keit zei­gen, diese Panik in den Griff zu bekom­men. Es gibt schon genug Furcht und Panik in der Depres­sion selbst, wir müs­sen sie nicht auch noch for­cie­ren, indem wir davor dann auch noch Angst ent­wi­ckeln."
Phi­lip Mar­tin sieht eine Chance im Zusam­men­wir­ken von Psy­cho­the­ra­pie und alter­na­ti­ven Heil­me­tho­den. Dabei bleibt er rea­lis­tisch: "Ich glaube nicht, dass nun die­ser der ein­zige wahre und funk­tio­nie­rende Weg aus der Depres­sion ist. Depres­sio­nen spie­len sich auf so vie­len ver­schie­de­nen Ebe­nen ab: auf der kör­per­li­chen, psy­cho­lo­gi­schen und auch auf der spi­ri­tu­el­len Ebene. Eini­gen Pati­en­ten hilft Johan­nes­kraut, und ande­ren eine Medi­ka­tion. Ich plä­diere jedoch dafür, dass wir uns der Sache ein wenig mehr öff­nen und die Depres­sion als eine Form des Sich-Fühlens erken­nen, die wir nicht ein­fach nur als eine psy­chi­sche Erkran­kung abtun soll­ten. Wir dür­fen den spi­ri­tu­el­len Aspekt nicht ver­ges­sen. Wir müs­sen ler­nen, dass sich diese bei­den Sei­ten näher kom­men müs­sen."
In Mar­tins Sprech­stunde kom­men immer wie­der Kli­en­ten, die sich mit der Ein­sei­tig­keit einer Medi­ka­tion nicht wohl füh­len. Gerade für sol­che Men­schen, kann der Zen-Buddhismus eine sehr hilf­rei­che Alter­na­tive sein. Wich­tig ist für alle Betei­lig­ten, ob nun The­ra­peu­ten oder Pati­en­ten, offen für diese Sicht­weise zu sein. Für Mar­tin ist dies die Vor­aus­set­zung für jede spi­ri­tu­elle Pra­xis. Egal, ob man sich nun mit dem Bud­dhis­mus oder ande­ren spi­ri­tu­el­len Rich­tun­gen beschäf­tigt.

Ohne jede Erwar­tungs­hal­tung Da Phi­lip Mar­tin selbst an Depres­sio­nen litt, fin­den seine Kli­en­ten ein tie­fes Ver­ständ­nis für ihre Pro­bleme. Wäh­rend sei­ner Lesun­gen in Buch­hand­lun­gen macht er häu­fig die Erfah­rung, dass einige der Zuhö­rer auf­ste­hen, um Fra­gen zu stel­len. Nicht sel­ten sagen sie dann, sie seien depres­siv, hät­ten aber bis­lang mit nie­man­dem dar­über gespro­chen, außer even­tu­ell einem Arzt oder The­ra­peu­ten. "Nun haben sie plötz­lich den Mut, sich in einem Raum vol­ler Men­schen mit­zu­tei­len. Das zeigt mir, dass wir auf dem rich­ti­gen Weg sind", freut sich Phi­lip Mar­tin.
Sein Buch Der Zen-Weg aus der Depres­sion bie­tet auch für Ver­traute und Part­ner eines depres­si­ven Men­schen Hin­weise, wie sie den gelieb­ten Men­schen unter­stüt­zen kön­nen. Phi­lip Mar­tin: "Das Posi­tive für einen depres­si­ven Men­schen ist die Erfah­rung, dass es bei der Medi­ta­tion kei­nen Druck und keine Erwar­tungs­hal­tung gibt. Wenn jemand depres­siv ist, fällt es ihm sehr schwer, mit ande­ren so umzu­ge­hen, wie sie es nor­ma­ler­weise von einem erwar­ten. Es ist z. B. in der Regel unmög­lich, in Ruhe zusam­men­zu­sit­zen und sich dabei wohl zu füh­len. Da ist stän­dig der Druck, etwas sagen oder tun zu müs­sen. Ein Depres­si­ver muss Kon­takt zu ande­ren haben, aber gerade das fällt so schwer. Hier kön­nen wir mit jeman­dem ruhig zusam­men sit­zen und medi­tie­ren. Wir kön­nen die­sen gemein­sa­men Moment ein­fach genie­ßen, ohne jede Erwar­tungs­hal­tung. Sehr hilf­reich kann es auch sein, ein­mal schwei­gend gemein­sam zu essen."
In jedem Fall müs­sen Fami­lie und Freunde eine gehö­rige Por­tion Geduld und Ver­ständ­nis auf­brin­gen. Auch wenn Auf­mun­te­run­gen gut gemeint sind, haben sie in der Regel die ent­ge­gen­ge­setzte Wir­kung.

Hilfe für Fami­lie und Freunde "Häu­fig füh­len sich Bekannte und Ange­hö­rige von dem Depres­si­ven zurück­ge­sto­ßen", weiß Phi­lip Mar­tin. "Aber es ist falsch zu den­ken, der Kranke wäre ärger­lich auf sie. Ein gutes Bei­spiel sind kurze Mit­tei­lun­gen, die man auf dem Anruf­be­ant­wor­ter hin­ter­lässt mit der Bitte, der andere möchte doch zurück­ru­fen. Aber es pas­siert nichts. Dann hat es nichts damit zu tun, dass der Kranke den ande­ren nicht mehr mag, son­dern viel­mehr, dass er auf­grund sei­ner Depres­sion im Moment ein­fach nicht in der Lage ist, zurück­zu­ru­fen. Ich gebe in sol­chen Fäl­len immer den Tipp: Hin­ter­las­sen Sie Ihre Nach­richt, aber fügen Sie ruhig hinzu: "Du musst mich nicht zurück­ru­fen. Ich wollte dich nur wis­sen las­sen, dass ich an dich denke, mir Gedan­ken mache, und wenn du magst, dann lass mich wis­sen, wie es dir geht." Wenn dar­auf keine Ant­wort kommt, würde ich es ein­fach wie­der ver­su­chen. Machen Sie sich klar: Es ist nicht die Per­son ? es ist die Depres­sion! Häu­fig ist der erste Weg, eine Kom­mu­ni­ka­tion in Gang zu brin­gen, ein­fach ein­mal aus­zu­spre­chen, dass man stink­sauer auf die Depres­sion ist, weil sie mir den Freund oder gelieb­ten Men­schen weg­nimmt."
Die Geduld von Fami­lie und Freun­den wird oft auf eine harte Probe gestellt. "Was die Sache eigent­lich so kniff­lig und für alle Betei­lig­ten so frus­trie­rend macht, ist die Tat­sa­che, dass man zwar mit guter Absicht her­an­geht, der Erkrankte sich aber schnell kri­ti­siert und bevor­mun­det fühlt, was ihn ver­un­si­chert und noch tie­fer in die Depres­sion sto­ßen kann. Denn dann geht es wie­der mit den Selbst­vor­wür­fen los", meint Phi­lip Mar­tin und fügt hinzu: "Aus eige­ner Erfah­rung kann ich sagen, dass ich es mei­ner Frau ? die mich immer sehr unter­stützt hat ? häu­fig sehr schwer gemacht habe. Ich bin dann immer rich­tig ärger­lich gewor­den und habe ihr an den Kopf gewor­fen, dass ich keine Hilfe brau­che. Ich käme sehr gut allein klar. Mir ginge es gut. Dabei war es mehr als offen­sicht­lich, dass es mir eben nicht gut ging. Das Schlimme ist: Wenn ein Betrof­fe­ner die Depres­sion als sol­che nicht erken­nen will, glaubt er irgend­wann, dass diese Stim­mung nun ein­mal zum Leben gehö­ren muss."
Phi­lip Mar­tin plant eine Fort­set­zung sei­nes Buches, in dem er sich noch stär­ker auf die täg­li­che Zen-Praxis kon­zen­trie­ren will.

(Phi­lip Mar­tin hat Psy­cho­lo­gie und bud­dhis­ti­sche Phi­lo­so­phie stu­diert und hat über 15 Jahre als The­ra­peut und Sozi­al­ar­bei­ter für die Washing­ton County Com­mu­nity Ser­vices gear­bei­tet. Er lebt heute in Min­nea­po­lis und ver­an­stal­tet Work­shops über Zen-Psychologie.)


Die wich­tigs­ten The­ra­pie­for­men

  • Gesprächs­the­ra­pie In Ein­zel­sit­zun­gen mit dem The­ra­peu­ten wird die Situa­tion des Betrof­fe­nen skiz­ziert und Mög­lich­kei­ten der Pro­blem­lö­sung geklärt. Wich­tig für den Kli­en­ten ist, dass er das Gefühl bekommt, ver­stan­den und ernst genom­men zu wer­den.
  • Grup­pen­the­ra­pie Das Beson­dere an die­ser The­ra­pie­form ist der Erfah­rungs­aus­tausch mit ande­ren Teil­neh­mern, der mit­un­ter inten­si­ver sein kann als allein mit dem The­ra­peu­ten.
  • Fami­lien– und Paarthe­ra­pie Gemein­sam mit dem The­ra­peu­ten kön­nen Kli­en­ten und ihre Ver­trau­ten und Part­ner pro­ble­ma­ti­sche Gefühle offen aus­spre­chen und kon­struk­tiv bewäl­ti­gen.
  • Kör­perthe­ra­pie Hierzu zählt u.a. die Atem­the­ra­pie. Durch bewuss­tes Ein– und Aus­at­men soll der sog. "fla­chen Atmung" ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den, denn ein kon­stan­ter Atem­rhyth­mus kann inne­rer Unruhe und Angst­zu­stän­den ent­ge­gen­wir­ken. Zu die­ser The­ra­pie­form zäh­len auch das Auto­gene Trai­ning sowie Übun­gen zur bewuss­ten An– und Ent­span­nung.
  • Gestalttherapie/künstlerischer Aus­druck Die künst­le­ri­sche Gestal­tung bie­tet Mög­lich­kei­ten, see­li­sche Vor­gänge und Zustände ohne Worte aus­zu­drü­cken. Der Betrof­fene kann ebenso Ängste und Aggres­sio­nen abrea­gie­ren und sich so davon befreien.
  • Licht­the­ra­pie Kli­en­ten, die eine sog. "sai­so­nale Depres­sion" haben, lei­den unter der dunk­len Jah­res­zeit. Um dem Lich­t­ent­zug ent­ge­gen­zu­wir­ken, wer­den sie stun­den­weise direkt mit einer star­ken Licht­quelle bestrahlt. So erhofft sich die Psy­cho­the­ra­pie eine kurz­fris­tige Auf­hel­lung der Stim­mung.
  • Schlaf­ent­zug Depres­sive Men­schen kämp­fen häu­fig mit Schlaf­stö­run­gen. Ihr Tag-und-Nacht-Rhythmus ist emp­find­lich gestört. Dem soll durch einen kon­trol­lier­ten Schlaf­ent­zug abge­hol­fen wer­den. Dazu darf der Kli­ent bei­spiels­weise nur bis zur Mitte der Nacht schla­fen, den frü­hen Mor­gen und den fol­gen­den Tag muss er wach blei­ben. Wie bei der Licht­the­ra­pie hält die Stim­mungs­auf­hel­lung in der Regel nur sehr kurz an.

Die Haupt­grup­pen depres­si­ver Erkran­kun­gen

  • Psy­cho­gene Depres­sio­nen Psy­cho­gene (rein psy­chisch aus­ge­löste) Depres­sio­nen sind die am häu­figs­ten dia­gnos­ti­zier­ten Depres­si­ons­for­men. Sie haben see­li­sche, meist erleb­nis– oder lebens­ge­schicht­lich bedingte Ursa­chen. Sie sind eine – bis zu einem gewis­sen Grad nach­voll­zieh­bare – Reak­tion auf akute oder lang­dau­ernde Belas­tun­gen. Man unter­schei­det drei Grup­pen:

    • Reak­tive Depres­sion Die reak­tive Depres­sion ist durch ein schmerz­li­ches äuße­res Ereig­nis ver­ur­sacht. Meist han­delt es sich dabei um Lie­besent­täu­schun­gen, Todes­fälle, Zurück­set­zung, Part­ner– oder mate­ri­elle Pro­bleme. Inhalt­lich bleibt die Depres­sion auf die­ses aus­lö­sende Ereig­nis begrenzt.
    • Neu­ro­ti­sche Depres­sion Bei der neu­ro­ti­schen Depres­sion han­delt es sich um eine gestörte Ver­ar­bei­tung bestimm­ter Erleb­nisse, nicht sel­ten schon aus der Zeit der frü­hen Kind­heit. Dabei kann es sich z.B. um eine lang nach­wir­kende gestörte Eltern-Kind-Beziehung han­deln, aber auch um jedes andere, nicht aus­rei­chend ver­ar­bei­tete Ereig­nis, das dann in sog. Schwel­len­si­tua­tio­nen des Lebens (Puber­tät, Nach­pu­ber­tät, Hei­rat, Schwan­ger­schaft, Meno­pause, Rück­bil­dungs­al­ter) wie­der bedeut­sam wird.
    • Depres­sive Ent­wick­lung Die depres­sive Ent­wick­lung ent­steht unter dem Druck einer gefühls­mä­ßi­gen Dau­er­be­las­tung ohne Aus­sicht auf Ent­las­tung. Dazu gehö­ren u.a. lang­jäh­rige zer­mür­bende Ehe­kon­flikte, andau­ernde beruf­li­che Über­for­de­rung, Ent­wur­ze­lung durch Aus­sied­lung oder Exil usw.
  • Endo­gene Depres­sio­nen Die endo­ge­nen Depres­sio­nen ent­ste­hen "aus dem Inne­ren des Orga­nis­mus" (endo­gen). Sie sind also bio­lo­gi­scher Natur. Zwar gehen auch hier manch­mal erkenn­bare Aus­lö­ser vor­aus (Unfall, beruf­li­che Zurück­set­zung, mate­ri­elle oder zwi­schen­mensch­li­che Ver­luste usw.), doch im all­ge­mei­nen ist keine ein­leuch­tende Ursa­che fest­zu­stel­len. Obwohl Kli­en­ten über zahl­rei­che kör­per­li­che Beschwer­den kla­gen, lässt sich meist kein krank­haf­ter Befund nach­wei­sen (außer z.B. Gewichts­ver­lust usw.). Und den­noch hat die endo­gene Depres­sion ver­mut­lich orga­ni­sche Ursa­chen, die man aber bis­her nicht genau nach­wei­sen kann (bestimmte Stoff­wech­sel­stö­run­gen des Zen­tra­len Ner­ven­sys­tems). Auch bei die­ser Depres­si­ons­form unter­schei­det man drei Unter­grup­pen:

    • Depres­sio­nen mit meh­re­ren Pha­sen Zwi­schen den depres­si­ven Pha­sen lie­gen län­gere Zeit­räume, in denen der Betrof­fene wie­der völ­lig nor­mal gestimmt und voll leis­tungs­fä­hig ist.
    • Manisch-depressive Ent­wick­lung Bei der manisch-depressiven Erkran­kung wech­seln sich depres­sive und mani­sche Pha­sen (gekenn­zeich­net u.a. durch Hyper­ak­ti­vi­tät und Eupho­rie) meist unre­gel­mä­ßig ab.
    • Invo­lu­ti­ons­de­pres­sion Die sog. Spät­de­pres­sio­nen im vor­ge­rück­ten Alter wei­sen prak­tisch nur depres­sive Pha­sen auf. Zwar sind ihre Krank­heits­zei­chen im all­ge­mei­nen mil­der aus­ge­prägt, der Ver­lauf dafür um so lang­wie­ri­ger.
  • Soma­to­gene Depres­sio­nen Kör­per­lich begründ­bare (soma­to­gene) Depres­sio­nen ste­hen in ursäch­li­chem Zusam­men­hang mit einer kör­per­li­chen Krank­heit oder Funk­ti­ons­stö­rung. Dabei unter­schei­det man zwei große Grup­pen:

    • Orga­ni­sche Depres­sio­nen Als eine unmit­tel­bare Folge von Hirn­er­kran­kun­gen oder –schä­di­gun­gen, Schlag­an­fall, alters­be­dingte Abbau­pro­zesse usw.
    • Sym­pto­ma­ti­sche Depres­sio­nen Als see­li­sche Folge kör­per­li­cher All­ge­mein­schä­di­gun­gen und –erkran­kun­gen, die eine Hirn­funk­tion indi­rekt beein­träch­ti­gen, z.B. Infek­tio­nen und Kreis­lauf­er­kran­kun­gen, aber auch die Ein­nahme, beson­ders die miss­bräuch­li­che, von ent­spre­chen­den Arz­nei­mit­teln.


Fra­gen, die hel­fen kön­nen, eine Depres­sion zu erken­nen:

  • Kön­nen Sie sich noch rich­tig freuen?
  • Füh­len Sie sich elend, zer­schla­gen, wie schwer erkrankt – jedoch ohne ent­spre­chen­den Grund?
  • Fällt es Ihnen in letz­ter Zeit schwer, Ent­schei­dun­gen zu tref­fen?
    Haben Sie das Inter­esse an Din­gen ver­lo­ren, die Ihnen zuvor viel bedeu­te­ten?
  • Nei­gen Sie in letz­ter Zeit ver­mehrt zum Grü­beln?
  • Haben Sie oft das Gefühl, Ihr Leben sei sinn­los gewor­den?
  • Füh­len Sie sich müde, schwung­los, kraft­los – und zwar ohne vor­an­ge­gan­gene Anstren­gung?
  • Kön­nen Sie nicht mehr schla­fen (erschwer­tes Ein­schla­fen, häu­fi­ges Erwa­chen wäh­rend der Nacht, quä­len­des Frü­her­wa­chen mit mor­gend­li­chem Stim­mungs­tief)?
  • Spü­ren Sie immer wie­der anhal­tende, schwer zu beschrei­bende Druck­ge­fühle, Schmer­zen, beson­ders im Kopf, in der Brust, im Rücken?
  • Haben Sie kei­nen Appe­tit mehr, evtl. an Gewicht ver­lo­ren?
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