Was kos­tet der Mond? Eine Reform unse­res Boden­rechts ist über­fäl­lig

Mensch sein ist im Grunde genom­men unver­ant­wort­lich. Kaum gebo­ren, ist man ein erheb­li­cher Kos­ten­fak­tor für Eltern und Gesell­schaft und schul­det allen mög­li­chen Leu­ten Geld. Irgendwo müs­sen wir uns ja mit unse­rem phy­si­schen Leib auf­hal­ten, aber wohin wir uns auch bewe­gen, der Boden, den wir betre­ten, ist schon ver­teilt und gehört jeman­dem.

Mensch sein ist im Grunde genom­men unver­ant­wort­lich. Kaum gebo­ren, ist man ein erheb­li­cher Kos­ten­fak­tor für Eltern und Gesell­schaft und schul­det allen mög­li­chen Leu­ten Geld. Irgendwo müs­sen wir uns ja mit unse­rem phy­si­schen Leib auf­hal­ten, aber wohin wir uns auch bewe­gen, der Boden, den wir betre­ten, ist schon ver­teilt und gehört jeman­dem. Und die­ser Jemand ver­langt von uns Geld, das wir erst ver­die­nen müs­sen – mit dem Ein­satz unse­rer Zeit und unse­rer Ener­gie. Geld für?s Woh­nen, Geld für?s Pin­keln, Geld für?s Auto hin­stel­len … Eine Selbst­ver­ständ­lich­keit, über die zu kla­gen kei­nen Sinn macht? Nicht ganz, denn das Boden­recht, wie es heute exis­tiert, hat irgend­wann ein­mal sei­nen his­to­ri­schen Anfang genom­men – wie es auch ein­mal ein Ende haben könnte. So hofft Heike Wür­pel, und beleuch­tet die Absur­di­tät von Pri­vat­ei­gen­tum an unser aller Lebens­grund­la­gen.

Wis­sen Sie eigent­lich, wem der Mond gehört? Fra­gen Sie ein­mal den Kali­for­nier Den­nis Hope. Der hat schon 1980 beim Grund­buch­amt in San Fran­cisco sei­nen Anspruch auf unse­ren Tra­ban­ten ange­mel­det und dies auch der Regie­rung der USA, der dama­li­gen Sowjet­union und der UNO mit­ge­teilt. Nach acht­jäh­ri­ger War­te­zeit ohne Ein­spruch betrach­tet er sich nun, übri­gens nach der glei­chen Regel, nach der man einst den India­nern das Land weg­nahm, als Eigen­tü­mer des Mon­des. Inzwi­schen hat Hope schon für mehr als 15 Mil­lio­nen Dol­lar Mond-Parzellen an Inter­es­sen­ten ver­kauft, inklu­sive Schürf­rech­ten. Alles fein säu­ber­lich katas­ter­mä­ßig erfasst und nota­ri­ell beur­kun­det. Das Glei­che hat er inzwi­schen auch auf acht Pla­ne­ten und 61 wei­tere Monde aus­ge­dehnt. Nach­zu­le­sen unter: www.moonshop.de.
Nun könnte man ein­wen­den, dass das nicht mög­lich ist. Und tat­säch­lich gibt es das so genannte Outer Space Treaty, das 1967 von den Mit­glieds­län­dern der Ver­ein­ten Natio­nen unter­zeich­net wurde und in dem sich alle Län­der ver­pflich­te­ten, keine Land­rechte außer­halb unse­res Pla­ne­ten anzu­mel­den. Lei­der ver­gaß man in dem dama­li­gen Text pri­vate Per­so­nen und Fir­men. So wurde 1979 das Moon Treaty, als eine Neu­auf­lage des Abkom­mens beschlos­sen, das das Ver­bot auf Pri­vat­leute und Fir­men aus­dehnte. Dies­mal unter­zeich­ne­ten nur neun Staa­ten und ver­pflich­te­ten sich damit zur Ein­hal­tung. Alle­samt Län­der, die keine Raum­fah­rer­na­tio­nen sind.

Pri­vat­be­sitz – keine Selbst­ver­ständ­lich­keit
Heute besit­zen, den aktu­el­len Zah­len nach, 2.000.000 Men­schen aus 176 Län­dern rund um die Erde außer­ir­di­schen Boden­be­sitz, und 300 Mil­lio­nen ame­ri­ka­ni­sche acres (1 acre = ca. 0.4 Hektar) der Mond­ober­flä­che haben einen pri­va­ten Besit­zer. Das eigent­lich Erstaun­li­che an die­ser Geschichte ist nicht, dass sich jemand gefun­den hat, der diese Boden­rechte für sich in Anspruch nimmt, das Erstaun­li­che ist, dass nie­mand dage­gen Ein­spruch erhebt.
Letzt­lich ist es auf der Erde nicht viel anders. Pri­vat­be­sitz an Boden ist für uns heute ein Ding der Selbst­ver­ständ­lich­keit. Kaum jemand käme auf die Idee, dage­gen zu pro­tes­tie­ren, abge­se­hen von klei­nen Grup­pie­run­gen und ein­zel­nen Stim­men. Aber war Pri­vat­be­sitz an Boden in der Geschichte schon immer Usus? Nein.
Pri­va­tes Boden­recht kann­ten die ger­ma­ni­schen Stämme erst seit dem 8. Jahr­hun­dert. Wäh­rend Gewäs­ser, Wald und Weide noch lange All­mende, also von allen genutz­tes Gemein­ei­gen­tum blie­ben, wech­selte der Acker mit Ein­füh­rung der Drei­fel­d­er­wirt­schaft in die Hände der Bau­ern. Damals bestimmte der Ham­mer­wurf die Größe des Lan­des. Jeder Ein­zelne hatte das Recht, den Grund und Boden für sich so weit abzu­tren­nen, wie er den Ham­mer schleu­dern konnte. Mit der Ein­füh­rung des römi­schen Rechts durch Kai­ser Maxi­mi­lian im Jahr 1495 wurde Pri­vat­ei­gen­tum an Boden Schritt für Schritt Nor­ma­li­tät.

Lukra­ti­ves Geschäft mit dem Boden
Aber sehr bald schon began­nen die Pro­teste gegen die neuen Gepflo­gen­hei­ten. Im Eng­land des 17. Jahr­hun­derts äußerte sich bei­spiels­weise Tho­mas Spen­cer (1750–1815) zu die­sem Thema. Er ver­trat die These, dass der pri­vate Besitz an Boden die Ursa­che der Ver­elen­dung der Arbei­ter sei. In Deutsch­land setz­ten sich von 1850 an Auto­ren für die Ver­staat­li­chung des Bodens ein. Es ent­stan­den Sied­lungs­pro­jekte, wie die Vege­ta­ri­sche Obst­bau­ko­lo­nie Eden nahe Ber­lin im Jahr 1893, und selbst auf poli­ti­scher Ebene war in Deutsch­land direkt nach 1945 eine Boden­re­form vor­ge­se­hen. Sogar die CDU ver­langte sie in ihrem Ahle­ner Pro­gramm von 1947. In Ost­deutsch­land wurde der­weil ent­eig­net – ent­schä­di­gungs­los. Im Wes­ten schlief die Bewe­gung wie­der ein, wahr­schein­lich nicht zuletzt auf­grund des kom­pro­miss­lo­sen ost­deut­schen Bei­spiels.
Dafür kam es auf­grund der güns­ti­gen Preise für Bau­grund­stü­cke zu einem rela­tiv schnel­len Auf­bau des zer­stör­ten Wes­tens, bis 1960 durch das Bun­des­bau­ge­setz (bzw. des­sen Lücken) eine freie Preis­bil­dung für Grund­stü­cke ermög­licht wurde. Die Preise explo­dier­ten.
Wo ste­hen wir heute? Die Qua­drat­me­ter­preise für Boden lagen 2002 im Bun­des­durch­schnitt bei 78 ¤. Die Spit­zen­werte fin­den sich im Bun­des­land Ber­lin mit durch­schnitt­lich 258 ¤ pro Qua­drat­me­ter. Der Immo­bi­li­en­um­satz lag 1997 bei 274 Mil­li­ar­den DM. Der Wert von Immo­bi­lien hat sich zwi­schen 1988 und 1997 fast ver­dop­pelt. Eine Inves­ti­tion von 100.000 DM im Jahr 1970 war 1995 auf satte 786.000 DM gewach­sen. Immo­bi­lien samt dem dazu­ge­hö­ri­gen Boden sind die Anla­ge­form schlecht­hin.

»Eigen­tum ist Selbst­ver­stüm­me­lung«
Doch ich erwähnte vor­hin die klei­nen Grup­pen von Men­schen, die mit mah­nen­der Stimme dar­auf auf­merk­sam machen wol­len, dass es so nicht wei­ter­ge­hen kann. Und sie haben gleich­zei­tig Lösungs­vor­schläge parat.
An ers­ter Stelle sind hier die Frei­wirt­schaft­ler erwäh­nens­wert, die sich auf die Ideen Sil­vio Gesells (1862–1930) stüt­zen. In sei­nem Buch »Die natür­li­che Wirt­schafts­or­dung« stellte Gesell das gesamte herr­schende Geld­sys­tem in Frage und machte auch vor dem Pri­vat­ei­gen­tum an Boden kei­nen Halt. In sei­ner Schrift »An die Über­le­ben­den« heißt es:
»Die ganze Erd­ku­gel, wie sie da im präch­ti­gen Flug um die Sonne kreist, ist ein Teil, ein Organ des Men­schen, jedes ein­zel­nen Men­schen. Dür­fen wir nun gestat­ten, dass ein­zelne Men­schen Teile die­ser Erde, Teile von uns selbst, als aus­schließ­li­ches und aus­schlie­ßen­des Eigen­tum in Beschlag neh­men, Zäune errich­ten und mit Hun­den und abge­rich­te­ten Skla­ven uns von Tei­len der Erde abhal­ten, uns ganze Glie­der vom Leibe rei­ßen? Bedeu­tet ein sol­ches Vor­ge­hen nicht das­selbe wie eine Ver­stüm­me­lung von uns selbst?«
Die Human­wirt­schafts­par­tei in Deutsch­land, gegrün­det Ende der 40er Jahre, hat sich ganz den Leh­ren Sil­vio Gesells ver­schrie­ben, sie ist aller­dings bis heute rela­tiv klein geblie­ben. Wolf­ram Trieb­ler, der 1. Vor­sit­zende der Par­tei stellte im connection-Gespräch die Grund­la­gen einer neuen Boden­rechts­ord­nung, ange­lehnt an Gesell, vor. »Ich sehe nur eine Mög­lich­keit: Grund und Boden darf kein Han­dels­ob­jekt sein. Jeder sollte den Boden benut­zen kön­nen«, sagt Trieb­ler (siehe Inter­view).

Der Boden als Müll­halde
Wenn die Boden­frage aber so ein­fach zu lösen wäre, wieso hat der ursprüng­lich vor­han­dene Gemein­be­sitz an Boden sich nicht ein­fach bis heute durch­set­zen kön­nen? Wieso kam es dann über­haupt zum Umweg über den pri­va­ten Grund­be­sitz? Könnte das Pro­blem nicht viel tie­fer lie­gen, als es die Anhän­ger der frei­wirt­schaft­li­chen Lehre ver­mu­ten? In unse­rer Ein­stel­lung zum Boden über­haupt?
Beob­ach­ten wir uns doch für einen Augen­blick selbst. Wie gehen wir mit Boden um? Boden, der in unse­rem Besitz ist, Boden der Frem­den gehört und Boden, den Staat oder Gemein­den ihr Eigen nen­nen?
Ich brau­che nicht lange zu suchen, um Bei­spiele zu fin­den. In dem Schwarz­wäl­der Luft­kur­ort, in dem ich wohne, gibt es einen wun­der­schö­nen klei­nen Wei­her. Rundum ste­hen Bänke für die eher älte­ren Spa­zier­gän­ger. Und die Umge­bung der Bänke ist gar­niert mit Glas­split­tern, Tem­po­ta­schen­tü­chern, Cola­do­sen und Chips­ver­pa­ckun­gen. Wenn man Glück hat, kom­men auch noch Angel­ha­ken dazu, die sich als Ver­zie­rung nack­ter Fuß­soh­len beson­ders gut eig­nen. Aber ich muss gar nicht bis zum Wei­her gehen, um den Müll im Wald zu ent­de­cken, er brei­tet sich an allen Enden und Ecken aus. Nur im Ort ist nichts zu bemer­ken. Doch das hat einen ein­fa­chen Grund. Die Gemeinde bezahlt einen Müll­samm­ler, der jeden Mor­gen eine Stunde durch die 2000-Seelen-Gemeinde läuft und auf­räumt. Er konnte sich noch nie über Arbeits­man­gel bekla­gen.

Die ver­baute Erde
Täg­lich wer­den in Deutsch­land 122 Hektar Boden in Sied­lungs– oder Ver­kehrs­flä­chen umge­wan­delt. Das macht 22,4 Fuß­ball­fel­der. Die Hälfte davon gilt als ver­sie­gelt. Die Boden­ober­flä­che wird in die­sem Fall also mit prak­tisch undurch­läs­si­gen Mate­ria­lien bedeckt, von natür­li­chen Boden­funk­tio­nen, wie Was­ser­durch­läs­sig­keit, Was­ser­spei­cher­fä­hig­keit, Boden­frucht­bar­keit und der Funk­tion als Lebens­raum für Orga­nis­men kann hier keine Rede mehr sein.
Wir schaf­fen es also, eine Flä­che so groß wie die Ober­flä­che des Starn­ber­ger Sees inner­halb von nur 94 Tagen in Beton zu ver­wan­deln, beim Chiem­see brau­chen wir 134 Tage, und der Boden­see ist in unge­fähr 2,5 Jah­ren mit undurch­läs­si­gen Mate­ria­lien bedeckt. Da sich Deutsch­land einer Gesamto­ber­flä­che von etwa 357.000 qkm erfreut, brau­chen wir für die Ver­wand­lung die­ses Lebens­raums etwas län­ger: In 702 Jah­ren wird jedoch auch hier der gesamte Boden zur Sied­lungs– und Ver­kehrs­flä­che gewor­den sein, in 1503 Jah­ren leben wir auf dem schöns­ten Beton. Ohne Nah­rung, ohne Grün (und den dazu­ge­hö­ri­gen Sau­er­stoff) und ohne Was­ser, das frei flie­ßen kann.

Gemein­nutz und Eigen­nutz
Auch von der Land­wirt­schaft kön­nen wir nicht gerade behaup­ten, dass sie beson­ders ver­ant­wort­lich mit dem Boden umgeht: Unge­fähr 54 % der Flä­che Deutsch­lands wird land­wirt­schaft­lich genutzt (siehe Gra­fik). Jähr­lich lan­den auf die­sem Boden 34.678 Ton­nen Pflan­zen­schutz­mit­tel, d.h. Her­bi­zide, Fun­gi­zide, Insek­ti­zide u.a. Stoffe. Dazu kom­men 100 Kilo Stick­stoff und 25 Kilo­gramm Phos­phat pro Hektar und Jahr. Aus­ge­nom­men davon sind die öko­lo­gisch bestell­ten Flä­chen, die jedoch machen gerade ein­mal 4,3 % der gesam­ten Land­wirt­schaft­flä­che aus. (Daten: Umwelt­bun­des­amt, Green­peace und Nabu).
Die Bei­spiele sind erschre­ckend und zeich­nen doch gleich­zei­tig ein rea­lis­ti­sches Bild von unse­rem Umgang mit einer unse­rer wich­tigs­ten Leben­grund­la­gen. Woher kommt die­ses Ver­hal­ten? An die­ser Stelle kann jeder in sich hin­ein hor­chen. Wie gehe ich mit mei­nem Besitz und wie mit dem Besitz von Freun­den um? Wie gehe ich schließ­lich mit dem Besitz von anony­men Frem­den um, mit dem Besitz des Staa­tes bei­spiels­weise? Gibt es da Unter­schiede bezüg­lich mei­ner Sorg­falt, mei­nem Bemü­hen, meine Umge­bung schön und sau­ber zu gestal­ten? Wenn ja, was sind die Ursa­chen für die­ses unter­schied­li­che Ver­hal­ten?

Fang bei dir selbst an!
Es gibt eine Aus­sage in »Gesprä­che mit Gott« von Neale Donald Walsch, die ich hier auf­grei­fen möchte: »Sei die Ver­än­de­rung, die Du in der Welt sehen möch­test!« Das heißt für mich über­setzt: Hör auf nach Ver­ant­wort­li­chen zu suchen, bei denen die Feh­ler lie­gen könn­ten. Warte nicht mehr auf die Leute, die es rich­ten sol­len. Fang an, dich selbst zu ver­än­dern und die Ver­ant­wor­tung für dein Han­deln zu über­neh­men.
Viel­leicht klingt das für Viele zu pro­fan, ein »Trop­fen auf den hei­ßen Stein« kann doch sowieso nichts aurich­ten. Natür­lich kann mir, wenn ich meine innere Ein­stel­lung ver­än­dere, nie­mand garan­tie­ren, dass sich der Rest der Welt danach rich­tet. Ich finde es aber wich­tig, sich selbst zu ver­än­dern, sobald der, der ich im Augen­blick bin, nicht mehr dem ent­spricht, der ich sein möchte.
Kon­kret: Bin ich jemand, der nach Alter­na­ti­ven in sei­ner Lebens­weise sucht, die für alle Betei­lig­ten – ins­be­son­dere die Umwelt – ver­träg­li­cher sind? Bin ich auch jemand, der danach han­delt? In jedem Moment?
Wenn wir uns diese Fra­gen wirk­lich stel­len, wenn wir damit begin­nen, sie uns zu beant­wor­ten und danach zu leben, wird sich auch in der Boden­frage (und nicht nur dort) eine gang­bare und von allen Sei­ten unter­stützte Lösung eröff­nen. Sie mag so ähn­lich funk­tio­nie­ren, wie es sich Sil­vio Gesell einst vor­stellte, sie könnte auch ganz anders aus­se­hen.
Der Weg dort­hin führt für mich nicht über Gesetze und äußer­li­che Ver­än­de­run­gen. Der Weg geht über die eigene innere Ver­än­de­rung. Und die hat jeder selbst in der Hand. Hier und jetzt.

Wei­tere Infos unter: www.connection.de

Auto­rin: Heike Wür­pel, 33, Freie Jour­na­lis­tin, kre­iert, orga­ni­siert und beglei­tet maß­ge­schnei­derte Rei­sen für Kör­per, Geist und Seele und bringt mit Vor­liebe andere Men­schen dazu, ihr Leben selbst in die Hand zu neh­men.

Inter­view mit Wolf­ram Trieb­ler, Vor­sit­zen­der der Human­wirt­schafts­par­tei
»Grund und Boden darf kein Han­dels­ob­jekt sein«

con­nec­tion: Herr Trieb­ler, wem gehört der Boden?
Trieb­ler: Boden ist Gemein­gut. Um mit Gesell zu spre­chen: »Die Erde gehört zum Men­schen, sie bil­det einen orga­ni­schen Teil sei­ner selbst.« Oder um die Bibel zu zitie­ren: »Grund und Boden sind Eigen­tum Got­tes.« Alles, was Men­schen haben und tun, hängt vom Boden ab. Boden hat Mono­pol­cha­rak­ter, er kann nicht pro­du­ziert wer­den und nicht belie­big ver­mehrt wer­den. So wie die Luft und das Was­ser. Es kom­men immer mehr Men­schen zur Welt, die Boden­menge jedoch bleibt gleich. Wozu das führt, lässt sich leicht vor­aus­se­hen. Es bleibt kaum mehr etwas für den Ein­zel­nen übrig. Den Men­schen ohne Boden­be­sitz wird die Lebens­grund­lage ent­zo­gen. Das Pro­blem ist schon ohne Pri­vat­ei­gen­tum leicht zu errech­nen: Jedem ein­zel­nen bleibt immer weni­ger Boden zur Ver­fü­gung. Auf­grund des Pri­vat­ei­gen­tums wird die Lage jedoch noch sehr ver­schärft. Dies ist auch einer der vor­ran­gigs­ten Gründe für Kriege.
con­nec­tion: Wie sieht Ihre Lösung aus?
Trieb­ler: Ich sehe nur eine Mög­lich­keit: Grund und Boden darf kein Han­dels­ob­jekt sein. Jeder sollte den Boden benut­zen kön­nen.
con­nec­tion: Wie wol­len Sie die­ses Ziel errei­chen?
Trieb­ler: Es müs­sen Gesetze erlas­sen wer­den, die fest­le­gen, dass Staat und Gemein­den kei­nen Grund und Boden mehr an Pri­vat­per­so­nen oder andere Län­der ver­kau­fen dür­fen und dass der pri­vate Boden, der zum Ver­kauf ansteht, zukünf­tig von Staat und Gemein­den gekauft wird. Bei­spiels­weise in Form eines Vor­kaufs­rech­tes, das wirk­lich genutzt wird. Die Gemeinde wie­derum ver­pach­tet den Boden und nutzt die Pacht­be­träge für das Wohl aller.
con­nec­tion: Wenn diese Erträge aber nun aus dem Bau von Park­häu­sern resul­tie­ren soll­ten oder aus dem einer Che­mie­fa­brik statt aus um-weltbewusster Land­wirt­schaft? Dann ersti­cken wir an Fabri­ken, schlech­ter Luft und Beton …
Trieb­ler: Das wäre nur mög­lich, wenn es keine Umwelt­schutz­be­stim­mun­gen gäbe oder wenn sie auf­ge­ho­ben wür­den. Außer­dem steht die Boden­re­form im Zusam­men­hang mit der Geld­re­form, die das wirt­schaft­li­che Wachs­tums­prin­zips kom­plett infrage stellt. Eine sol­che Reform würde auch zu einer Umkehr im Den­ken füh­ren. Wenn die Wirt­schaft nicht mehr dem Zwang unter­liegt, Kapi­tal­er­träge erwirt­schaf­ten zu müs­sen, wäre das eigent­lich schon die Lösung.

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