Vasati – Der vedi­sche Bru­der des Feng Shui

Die vedi­schen Schrif­ten des alten Indien ent­hal­ten zu allen Lebens­be­rei­chen wert­vol­les Wis­sen. Die Archi­tek­tur und das Woh­nen nach ganz­heit­li­chen und kos­mi­schen Gesichts­punk­ten ist eine bis heute im Wes­ten noch unbe­kannte vedi­sche Wis­sen­schaft.

Vastu Parusha Mandala
Abb. 1

Wohn­raum zu schaf­fen bedeu­tet, ein Uni­ver­sum zu schaf­fen. Im vedi­schen Welt­bild ist der Mensch ein Abbild des Uni­ver­sums, das durch eine Viel­zahl von Kräf­ten und Ener­gien auf ihn wirkt. Er kann sich die­sen Ein­flüs­sen nicht ent­zie­hen, da er als Bestand­teil der Natur von ihnen abhän­gig ist.
Gestal­tet der Mensch seine Umge­bung, indem er ein Haus oder eine Stadt baut, so han­delt er damit in Bezie­hung zur Natur, zur Erde und zum Uni­ver­sum. Archi­tek­tur ist daher Aus­druck sei­ner akti­ven Bezie­hung zur Natur und zu sei­nem gesam­ten Lebens­raum. Indem er baut, schafft der Mensch Räume, in denen er lebt, arbei­tet, sich mit ande­ren Men­schen aus­tauscht usw. Archi­tek­tur hat daher auf der einen Seite die Funk­tion des Schut­zes und der Siche­rung des indi­vi­du­el­len Lebens­be­reichs, schafft auf der ande­ren Seite jedoch auch Raum für Kom­mu­ni­ka­tion, sozia­les Leben und Berüh­rung mit der Natur. Sie steht in der Pola­ri­tät von Begren­zung und Berüh­rung, die auch das Grund­prin­zip des Schöp­fungs­pro­zes­ses an sich dar­stellt. Der Schöp­fer­gott Brahma wird daher in den Veden auch als der ursprüng­li­che Archi­tekt des Uni­ver­sums bezeich­net.
Der Mensch spie­gelt als Mikro­kos­mos die Ord­nung des gesam­ten Kos­mos wie­der. Zwi­schen ihm und dem Kos­mos ste­hen die Gebäude, die der Mensch aus sei­ner eige­nen Krea­ti­vi­tät her­aus schafft. Sie sind also auf der einen Seite Aus­druck schöp­fe­ri­scher Gestal­tungs­kraft und auf der ande­ren Seite spie­geln sie das Uni­ver­sum wie­der. Die Ener­gien und Kräfte des Uni­ver­sums wer­den durch das Haus auf den Men­schen pro­ji­ziert. Auf diese Weise wer­den sie fokus­siert, nach Qua­li­tä­ten geord­net, gefil­tert oder ver­stärkt, je nach­dem, wie die Archi­tek­tur mit den kos­mi­schen und natür­li­chen Gege­ben­hei­ten har­mo­niert. Nach vedi­scher Ansicht ist es die Auf­gabe der Archi­tek­tur, Räume unter­schied­li­cher Qua­li­tä­ten für die ver­schie­de­nen Berei­che und Funk­tio­nen des Lebens zu schaf­fen. Schla­fen und Kochen sind z.B. zwei ver­schie­dene Aspekte des Lebens, und sie unter­lie­gen unter­schied­li­chen Ein­flüs­sen und Ener­gien. Daher soll­ten im Schlaf­zim­mer andere Kräfte wir­ken als in der Küche, um deren Funk­tio­nen opti­mal zu unter­stüt­zen.

Vastu und die Veden Der Teil der Veden, der die­ses Thema behan­delt, wird als Vastu bezeich­net. Das Sans­krit­wort "Vastu" bedeu­tet Gebäude bzw. Wohn­raum im wei­tes­ten Sinne. Die Wis­sen­schaft des Vastu ist in einer Viel­zahl jahr­tau­sen­de­al­ter Sans­krit­texte wie der Vas­tus­ha­s­tra und dem Mat­sya Purana nie­der­ge­schrie­ben und gilt als Teil des Sta­pa­tya­veda, wel­cher wie­derum dem Athar­va­veda ange­hört. Prak­tisch gese­hen wird das Wis­sen des Vastu seit Jahr­tau­sen­den in leben­di­gen Tra­di­tio­nen über­lie­fert, die als Schü­ler­nach­fol­gen bezeich­net wer­den. Ursprüng­lich kommt die­ses Wis­sen von Wei­sen wie Vish­vakarma, Brighu, Atri, Maya und ande­ren, und ist seit Urzei­ten inte­gra­ler Bestand­teil des vedi­schen Wis­sens und Grund­lage der Zivi­li­sa­tion.
Vastu wird in fünf Berei­che unter­teilt:

  1. Die Lehre der Ori­en­tie­rung,
  2. die Pla­nung des Grund­ris­ses auf der Grund­lage des Vastu Puru­sha Man­da­las,
  3. die Lehre von den Pro­por­tio­nen und Mas­sen,
  4. die sechs For­meln der vedi­schen Archi­tek­tur und
  5. Cha­rak­ter und Ästhe­tik von Gebäu­den.

Die Ori­en­tie­rung des Hau­ses und des Grund­stücks Die Lehre der Ori­en­tie­rung bezieht sich sowohl auf das Grund­stück als auch auf die Aus­rich­tung der Gebäude. Hier­bei spie­len die Eigen­schaf­ten der Him­mels­rich­tun­gen eine ganz wesent­li­che Rolle, die durch unter­schied­lichste Ein­flüsse bestimmt sind. Der erste Fak­tor ist der Lauf der Sonne, die unser Leben ganz maß­geb­lich beein­flußt. Die Sonne ist die Quelle des Lebens, indem sie es mit Ener­gie und auch mit Ord­nung (Entro­pie) ver­sorgt. Sie ist der Urquell der Gesund­heit, kann jedoch auch Ursa­che von Ver­bren­nen und Tod sein, je nach­dem, wie man sich ihr nähert. Die Sonne geht früh­mor­gens im Osten auf, wobei die genaue Him­mels­rich­tung des Son­nen­auf­gangs wäh­rend des Jah­res um ein paar Grad wan­dert. Wäh­rend der ers­ten sechs Monate des Jah­res bewegt sich der Son­nen­auf­gang Rich­tung Nor­den, wäh­rend er sich die zweite Hälfte des Jah­res Rich­tung Süden bewegt. Das Licht der Mor­gen­sonne gilt u.a. auf­grund sei­nes idea­len Anteils an ultra­vio­let­tem Licht als beson­ders för­der­lich für den Men­schen und sollte opti­mal genutzt wer­den. Der Osten gilt daher als die beste aller Him­mels­rich­tun­gen und steht für Neu­be­ginn, Stärke, Gesund­heit und spi­ri­tu­el­len Fort­schritt. Der Bewe­gung der Sonne ent­spre­chend, kom­men daher auch dem Nord­os­ten und dem Süd­os­ten beson­dere Bedeu­tung zu. Wäh­rend der Süd­os­ten dem infra­ro­ten Anteil des Son­nen­lichts zuge­ord­net wird, über­wiegt im Nord­os­ten der ultra­vio­lette Anteil. Der Süd­os­ten steht daher mit dem Feu­er­ele­ment in Bezie­hung, wäh­ren der Nord­os­ten dem Was­ser­ele­ment zuge­ord­net wird. Aus die­sem Grunde befin­det sich die Küche nach Vastu am bes­ten im Süd­os­ten des Hau­ses und auch die Feuer bzw. Koch­stelle im Süd­os­ten der Küche. Was­ser­in­stal­la­tio­nen und Trink­was­ser­be­häl­ter sind am bes­ten im Nord­os­ten auf­ge­ho­ben, der dem Prin­zip der Rein­heit und des Gött­li­chen ent­spricht. Die Mor­gen­sonne wird auch vom Ayur­veda für the­ra­peu­ti­sche Zwe­cke emp­foh­len. Ihr Licht hilft den Augen, doch auch der ganze Orga­nis­mus ist für die­ses Licht sehr dank­bar. Am Nach­mit­tag ändert sich die Qua­li­tät des Son­nen­lich­tes sehr deut­lich. Ab 15.00 Uhr sollte man sich nicht mehr der direk­ten Son­nen­ein­strah­lung aus­set­zen, da sie dem Kör­per mehr Ener­gie raubt, als sie ihm gibt. Zur Zeit des Son­nen­un­ter­gangs tritt die Bedeu­tung der Sonne in den Hin­ter­grund und läßt den Ein­fluß der Sterne und Pla­ne­ten stär­ker zur Gel­tung kom­men. Aus dem in unse­ren Brei­ten­gra­den so begehr­ten Süden erreicht uns Son­nen­licht min­de­rer Qua­li­tät. Es wird daher emp­foh­len, im Süden hohe Bäume zu pflan­zen, die am Nach­mit­tag Schat­ten spen­den. Auch sollte im Süden auf dem Grund­stück ebenso wie im Wes­ten nicht so viel Platz gelas­sen wer­den wie im Nor­den und Osten, um die Ener­gien im rech­ten Ver­hält­nis zu hal­ten. Schließ­lich geht die Sonne im Wes­ten wie­der unter, wodurch dem Wes­ten die Qua­li­tät der Ruhe zukommt. Er ist der ideale Ort zum Stu­dium und zum Schla­fen für Kin­der.
Dem Vastu ent­spre­chend wer­den Grund­stück und Haus so geplant, dass die vor­teil­hafte Nord­ost und Ost­sonne maxi­mal genutzt wird und die weni­ger vor­teil­hafte Süd und Süd­west­sonne einen mini­ma­len Effekt hat.
Neben dem Bewe­gungs­ver­lauf der Sonne gibt es eine Viel­zahl geo­lo­gi­scher Ein­flüsse, wel­che die Qua­li­tät der Him­mels­rich­tun­gen bestim­men. Als ers­tes wäre das Magnet­feld der Erde zu nen­nen, des­sen Feld­li­nien in Süd Nord Rich­tung ver­lau­fen. Diese Achse sollte mit einer der Haupt­ach­sen des Hau­ses und auch des Grund­stücks zusam­men­fal­len, so dass die Sei­ten des Hau­ses in die Haupt­him­mels­rich­tun­gen wei­sen. Wei­sen hin­ge­gen die Ecken des Hau­ses in die Haupt­him­mels­rich­tun­gen, sind die Prin­zi­pien des Vastu nicht so exakt anwend­bar. Die­ser Fall gilt als nicht so güns­tig. Das Magnet­feld der Erde beein­flußt vor allem den Blut­kreis­lauf des Men­schen. Sein Kopf bil­det den magne­ti­schen Nord­pol und seine Füße den Süd­pol. Daher sollte man mit dem Kopf nie­mals Rich­tung Nor­den schla­fen, um keine absto­ßen­den magne­ti­schen Kräfte her­bei­zu­füh­ren. Am bes­ten schläft man Rich­tung Osten, um spi­ri­tu­el­len Fort­schritt zu begüns­ti­gen, Rich­tung Süden, um die Gesund­heit zu för­dern oder Rich­tung Wes­ten, um reich und berühmt zu wer­den.

Die acht Himmelsrichtungen und ihre beherrschenden Gottheiten
Abb. 2
Die Auf­tei­lung des Grund­stücks und des Gebäu­des Einer der Haupt­as­pekte des Vastu ist die Auf­tei­lung des Grund­stü­ckes und des Gebäu­des auf der Grund­lage des Vastu Puru­sha Man­da­las. Das Vastu Puru­sha Man­dala ent­steht in der Ver­bin­dung eines qua­dra­ti­schen Git­ters und dem zwei­di­men­sio­na­len Abbild des Vastu Puru­sha. (s. Abb. 2) Die Per­sön­lich­keit, die das Wis­sen des Vastu ver­kör­pert, wird als Vastu Puru­sha bezeich­net. Sie liegt auf dem Boden und bil­det die Grund­flä­che eines jeden Gebäu­des. Der Vastu Puru­sha ver­kör­pert den kos­mi­schen Men­schen, der wie­derum eine Wider­spie­ge­lung des gesam­ten Uni­ver­sums ist. Auf sei­nen Glie­dern resi­die­ren Wesen­hei­ten, die wich­tige Aspekte des Kos­mos beherr­schen wie z.B. Agni, der Beherr­scher des Feu­ers oder Vayu, der Beherr­scher der Luft.
Die vedi­sche Kos­mo­go­nie sieht den Kos­mos als von macht­vol­len Wesen­hei­ten beherrscht an, die als Halb­göt­ter bezeich­net wer­den. Ihnen wurde von Vishnu, dem Höchs­ten Wesen, die Ver­ant­wor­tung für ver­schie­dene Berei­che der kos­mi­schen Admi­nis­tra­tion über­tra­gen. Auf diese Weise wird jeder der acht Him­mels­rich­tun­gen ein Halb­gott zuge­ord­net, des­sen Ein­fluß die Qua­li­tät der jewei­li­gen Rich­tung prägt. Den Osten beherrscht Indra, der König der Halb­göt­ter. Er ver­kör­pert Macht und Stärke und gewährt neben die­sen Eigen­schaf­ten Wohl­stand, Reich­tum und Gesund­heit. Dem Osten ent­spricht das väter­li­che Prin­zip. Da dort die Sonne auf­geht, wird dem Osten unter den acht Him­mels­rich­tun­gen die erste Posi­tion ein­ge­räumt.
Der Wes­ten wird Varuna, dem Halb­gott des Was­sers zuge­ord­net. Da im Wes­ten die Sonne unter­geht, steht die­ser für Ruhe und Abschluß. Auch Stolz, Ruhm und Reich­tum sind Eigen­schaf­ten, die im Wes­ten zu fin­den sind. West­li­che Räume im Haus eig­nen sich her­vor­ra­gend als Schlaf­zim­mer, vor allem für Kin­der und als Orte des Stu­di­ums und der Krea­ti­vi­tät.
Die beherr­schende Gott­heit des Nor­dens ist Kuvera, der Schatz­meis­ter der Halb­göt­ter, der für Wohl­stand und Reich­tum steht. Wei­ter­hin ver­kör­pert der Nor­den das müt­ter­li­che Prin­zip. Ebenso wie der Osten, der dem väter­li­chen Aspekt ent­spricht, sollte auch der Nor­den eines Grund­stücks nicht bebaut wer­den, um nicht das männ­li­che bzw. das weib­li­che Prin­zip ein­zu­schrän­ken.
Die vierte Haupt­him­mels­rich­tung, der Süden, wird von Yama, dem Herrn des Todes beherrscht. Daher gilt der Süden für glück­ver­hei­ßende Tätig­kei­ten als unge­eig­net. Im all­ge­mei­nen fin­det man im Süden Schlaf­zim­mer und Lager.
Vastu Parusha Mandala mit 81 Quadraten
Abb. 3

Die Neben­him­mels­rich­tun­gen ent­ste­hen aus der Kom­bi­na­tion der Haupt­him­mels­rich­tun­gen, so daß sie mehr Eigen­schaf­ten ver­kör­pern als diese. Ihnen kommt daher im Vastu beson­dere Bedeu­tung zu. Teilt man jede Seite des Grund­stücks bzw. des Hau­ses in neun Qua­drate auf, so wer­den jeweils zwei Qua­drate am Rande in jeder Rich­tung der ent­spre­chen­den Neben­him­mels­rich­tung zuge­ord­net. (s. Abb. 3)
Der Süd­os­ten wird von Agni, dem Halb­gott des Feu­ers beherrscht. Er ist der ideale Ort für alles, was mit dem Feu­er­ele­ment in Zusam­men­hang steht. Da diese Rich­tung außer­dem für die Gesund­heit sehr för­der­lich ist, sollte die Küche des Hau­ses unbe­dingt im Süd­os­ten pla­ziert wer­den. Alle ande­ren Orte sind weit­aus weni­ger geeig­net. Der Süd­os­ten wird vor allem vom infra­ro­ten Anteil des Son­nen­lichts geprägt. Er eig­net sich nicht für Was­ser­in­stal­la­tio­nen, da das Was­ser­ele­ment mit dem Feuer stän­dig in einem Span­nungs­ver­hält­nis steht.
Was­ser sollte am bes­ten im Nord­os­ten auf­be­wahrt wer­den und auch in der Küche soll­ten sich die Was­ser­in­stal­la­tio­nen vor allem im Nord­os­ten des Rau­mes befin­den. Auf diese Weise kön­nen Feuer und Was­ser auf ideale Art und Weise mit­ein­an­der har­mo­nie­ren. Der Nord­os­ten wird von Ishan, Gott Selbst, beherrscht, wodurch diese Rich­tung zur reins­ten Him­mels­rich­tung wird. Sie sollte auf dem Grund­stück nicht bebaut wer­den und inner­halb des Hau­ses eig­net sie sich nur für beson­ders reine Zwe­cke. Tra­di­tio­nell rich­tet man im Nord­os­ten den Altar oder Tem­pel­raum ein. Er eig­net sich jedoch auch sehr gut zur Medi­ta­tion. Der Nord­os­ten steht eben­falls mit der männ­li­chen Fami­li­en­nach­folge in Zusam­men­hang. Ihm sollte beson­dere Auf­merk­sam­keit geschenkt wer­den.
Ebenso wie der Nord­os­ten und der Süd­os­ten eine Pola­ri­tät bil­den, ste­hen auch Süd­wes­ten und Nord­wes­ten in einem sol­chen pola­ren Ver­hält­nis. Im Nord­wes­ten resi­diert Vayu, der Halb­gott des Win­des und des Luf­t­e­le­ments. Daher ist der Nord­wes­ten sehr leicht und vor allem mit dem Prin­zip der Bewe­gung ver­bun­den. Im Nord­wes­ten soll­ten daher vor allem beweg­li­che Dinge wie Fahr­zeuge und Tiere situ­iert wer­den. Auch Gäste füh­len sich im Nord­wes­ten wohl. Gene­rell steht der Nord­wes­ten für die Bezie­hung zu ande­ren Men­schen und hat viel mit Gast­freund­schaft zu tun.
Der Süd­wes­ten hin­ge­gen ist die schwerste aller Him­mels­rich­tun­gen. Über sie fin­den nega­tive Ein­flüsse Ein­lass in das Grund­stück bzw. das Gebäude. Daher sollte der Süd­wes­ten maxi­mal beschwert wer­den, so dass der Ein­fluss die­ser Kräfte mini­miert wird. Glück­ver­hei­ßende Tätig­kei­ten soll­ten dort nicht aus­ge­führt wer­den. Was­ser­re­ser­voirs, Bäder und Toi­let­ten soll­ten sich nicht im Süd­wes­ten befin­den. Am bes­ten wer­den dort schwere Dinge, Gerüm­pel oder Bau­stoffe gela­gert. Der Süd­wes­ten steht mit dem Ver­hal­ten und der Hal­tung eines Men­schen in Zusam­men­hang und auch mit sei­ner Sterb­lich­keit.
Im Zen­trum des Rich­tungs­kreu­zes befin­det sich die Resi­denz Brah­mas, des Schöp­fers die­ses Uni­ver­sums. Er ver­eint alle pola­ren Eigen­schaf­ten in har­mo­ni­scher Art und Weise und führt den voll­kom­me­nen Aus­gleich der Ener­gien her­bei. Daher sollte das Zen­trum nicht bebaut wer­den, son­dern für die Zir­ku­la­tion der Luft und die Ein­strah­lung des Lichts im Haus offen und frei blei­ben.
Diese gene­relle Ein­tei­lung der acht Him­mels­rich­tun­gen und ihrer Qua­li­tä­ten stellt ein sehr prak­ti­sches Werk­zeug zur Auf­tei­lung eines Grund­stücks und zum Gestal­ten eines Grund­ris­ses dar.

Das Vastu Puru­sha Man­dala Ein fei­ne­res Schema ergibt sich aus dem Vastu Puru­sha Man­dala, dem ein Git­ter von neun mal neun Qua­dra­ten zugrunde liegt. Jedes die­ser 81 Qua­drate wird von einem Halb­gott beherrscht, der damit die Eigen­schaft die­ses Teils prägt. Dem­ent­spre­chend hat jeder die­ser Abschnitte seine spe­zi­fi­sche Funk­tion und Qua­li­tät.
Die vedi­sche Phi­lo­so­phie ver­steht den Kos­mos als Mani­fes­ta­tion eines uni­ver­sa­len tran­szen­den­ten Bewußt­seins voll­kom­me­ner Intel­li­genz, wel­ches die Welt ent­fal­tet und sie als bele­ben­des Prin­zip durch­dringt. Die­ses nicht­duale Bewußt­sein wird als Brahma bezeich­net und seine per­sön­li­che Form als Vishnu. Der somit hei­lige Kos­mos mani­fes­tiert sich als ein voll­kom­me­nes Man­dala, in dem alle Ele­mente der Schöp­fung in voll­kom­me­ner Dyna­mik und Har­mo­nie mit­ein­an­der wech­sel­wir­ken.
Das Vastu Puru­sha Man­dala ver­kör­pert diese kos­mo­lo­gi­schen Prin­zi­pien und lei­tet dar­aus die Blau­pause eines voll­kom­me­nen Gebäu­des ab. Es orga­ni­siert den Raum und wird als ein die Welt umfas­sen­des Sym­bol ange­se­hen. Sei­nen Rand bil­den 32 Qua­drate, die von 32 Gott­hei­ten beherrscht wer­den. Die­ses sind die Beherr­scher der 28 Häu­ser des Mon­des und die Herr­scher der vier Pla­ne­ten, die mit den Punk­ten der Tag und Nacht­glei­che in Zusam­men­hang ste­hen. Das Man­dala wird somit durch die Bewe­gung des Mon­des beherrscht, wäh­rend das im Inne­ren des Vastu Puru­sha Man­da­las ent­hal­tene Erd­man­dala durch die Bewe­gung der Sonne cha­rak­te­ri­siert wird. Es ver­bin­den sich somit zwei Zeit­zy­klen, die einen unter­schied­li­chen Ver­lauf neh­men und nur von Zeit zu Zeit zur Über­ein­stim­mung kom­men. Sol­che Ungleich­hei­ten und Unvoll­kom­men­hei­ten bil­den das Wesen der mate­ri­el­len Wirk­lich­keit. Auch die zykli­sche Bewe­gung der Erd­achse steht nicht mit den Zyklen von Mond und Sonne in Ein­klang. Würde alles mit­ein­an­der in Ein­klang schwin­gen, erstarrte das Leben in Per­fek­tion und die mani­fes­tierte Welt ver­schwände im Unma­ni­fes­tier­ten. Diese Unvoll­kom­men­heit, der die mate­ri­elle Welt ihre Exis­tenz zu ver­dan­ken hat, ist die Basis aller astro­lo­gi­sche Vor­aus­schau und astro­no­mi­schen Berech­nun­gen. Es gibt beim Ver­gleich der ein­zel­nen Zyklen immer einen Rest. Wir ken­nen die­sen Rest durch das Schalt­jahr und die Diver­genz zwi­schen Mond und Son­nen­ka­len­der. Ohne Rest würde nichts fort­schrei­ten, weil alle Zyklen ein­an­der gli­chen. Der Raum, den etwas in der Gegen­wart ein­nimmt, befin­det sich im Rest der Ver­gan­gen­heit. Auf diese Weise lei­tet Vastu den Wohn­raum vom Rest der Zeit­zy­klen ab und weist damit auf die kom­plexe Bezie­hung zwi­schen Raum und Pha­sen­ver­hält­nis­sen von Zeit­zy­klen hin.
In den Veden wird das mate­ri­elle Uni­ver­sum als der Kör­per Got­tes bezeich­net. Es wird somit mit einer kos­mi­schen Per­son (Virat Puru­sha) ver­gli­chen, auf deren Kör­per­tei­len die Ele­mente, Pla­ne­ten­sys­teme, Halb­göt­ter und andere Lebe­we­sen situ­iert sind. Diese Vor­stel­lung von einer kos­mi­schen Per­son hat die vedi­sche Archi­tek­tur in der Form des Vastu Puru­sha umge­setzt.
Das Zen­trum des Man­dala gilt als die Resi­denz des Schöp­fer­got­tes Brahma, der von einer Reihe wei­te­rer Halb­göt­ter umge­ben wird. Die acht Him­mels­rich­tun­gen wer­den von den acht Pla­ne­ten beherrscht. Hier­durch sym­bo­li­siert das Man­dala den hei­li­gen Raum und die zykli­sche Bewe­gung der Zeit und umfaßt damit den voll­kom­men in Raum und Zeit geord­ne­ten Kos­mos.
Für prak­ti­sche Zwe­cke wird das Man­dala mit all sei­nen Unter­tei­lun­gen auf das Grund­stück über­tra­gen, wobei tiefe Mar­kie­run­gen gesetzt wer­den. Indem der Archi­tekt die­sen Vor­gang wie ein Ritual aus­führt, reift in sei­nem Geist die Vor­stel­lung von der Anord­nung der ver­schie­de­nen Teile des zukünf­ti­gen Gebäu­des.

Maße und Pro­por­tio­nen Im Vastu gilt das Qua­drat als die voll­kom­menste Form, in der alle Pola­ri­tä­ten aus­ge­gli­chen sind. Daher wird das Qua­drat als Form für den Grund­riss eines Hau­ses und für ein Grund­stück emp­foh­len. Auch Recht­ecke wer­den als gute For­men akzep­tiert, hier­bei kommt es jedoch auf das Ver­hält­nis zwi­schen Länge und Breite an. Beträgt die­ses Ver­hält­nis 1,25, so deu­te­tet dies auf Stärke, Reich­tum und Per­fek­tion hin. Ein Ver­hält­nis von 1,5 erzeugt Freude, 1,75 Gesund­heit und 2 einen groß­ar­ti­gen Ein­druck. Die Länge sollte jedoch die Breite des Grund­stücks oder Hau­ses nicht um den Fak­tor 2 über­tref­fen. Ein über­läng­li­ches Grund­stück sollte ver­kürzt bzw. unter­teilt wer­den. Im Vastu spie­len auch die Pro­por­tio­nen inner­halb des Gebäu­des eine große Rolle. Die Maße von Höhe, Breite, Umfang, Ver­bin­dungs­li­nien, Mau­er­stär­ken und Zwi­schen­räu­men wer­den mit­ein­an­der in Bezie­hung gesetzt. In den Veden heißt es: Sind die Maße und Pro­por­tio­nen der Tem­pel voll­kom­men, so ist auch das Uni­ver­sum voll­kom­men. Unre­gel­mä­ßig geformte Grund­stü­cke wie Drei­ecke, Tra­peze, Rau­ten oder unre­gel­mä­ßige Rund­for­men soll­ten kor­ri­giert wer­den, indem die stö­ren­den Teile mit­hilfe von Mau­ern oder Zäu­nen abge­trennt und anders genutzt wer­den.

Brunnen
Abb. 4

Vor Beginn des Bau­ens Ist das Grund­stück in die rich­tige Form gebracht wor­den, sollte vor dem Bau­be­ginn zunächst ein Brun­nen gegra­ben wer­den. Ein sol­cher sollte nicht auf einer Dia­go­na­len lie­gen, son­dern dane­ben. Am bes­ten wird ein Brun­nen im Nord­os­ten des Grund­stücks nörd­lich von der Dia­go­na­len gegra­ben. (s. Abb. 4)
Der nächste Schritt besteht darin, das Grund­stück zu begren­zen. Nach Vastu sollte unbe­dingt eine Mauer gezo­gen wer­den, die im Süden und Wes­ten höher und dicker ist als im Nor­den und Osten. Ein Grund­stück, das nicht auf die­ses Weise begrenzt wurde, unter­liegt vie­ler­lei unkal­ku­lier­ba­ren Ein­flüs­sen. Die Begren­zungs­mauer sollte keine Defekte auf­wei­sen. Die Haupt­zu­gänge zum Grund­stück befin­den sich am bes­ten im Nor­den oder Osten. Der Wes­ten ist weni­ger zu emp­feh­len, wäh­rend der Süden ver­mie­den wer­den sollte. Läßt sich ein süd­li­cher Ein­gang nicht umge­hen, sollte zumin­dest ein wei­te­rer Ein­gang im Nor­den oder Osten geschaf­fen wer­den. Es ist gene­rell bes­ser, zwei Zugänge zum Grund­stück zu haben, damit nega­tive Ein­flüsse, die durch einen Ein­gang hin­ein­ge­lan­gen, durch den zwei­ten Ein­gang wie­der her­aus­ge­lan­gen kön­nen.
Wei­ter­hin ist die Auf­tei­lung des Grund­stücks von gro­ßer Bedeu­tung. Es wird zunächst ein­mal in vier Qua­dran­ten auf­ge­teilt. Im süd­west­li­chen Block sollte sich das Haupt­ge­bäude befin­den, da der Süd­wes­ten maxi­mal beschwert wer­den sollte. Im Nord­wes­ten kön­nen Gara­gen für Fahr­zeuge und andere beweg­li­che Dinge gebaut wer­den, wäh­rend der Nord­os­ten am bes­ten frei bleibt, um Gar­ten und Gewäs­sern Raum zu bie­ten. Elek­tri­sche Instal­la­tio­nen und Gerä­te­schup­pen befin­den sich am bes­ten im Süd­os­ten, der auch als Gar­ten genutzt wer­den kann.
Die Gebäude soll­ten im all­ge­mei­nen zumin­dest einen Abstand von 60 bis 90 cm von der Grund­stücks­mauer haben. Ledig­lich im Süd­wes­ten dür­fen die Gebäude direkt an die Mauer angren­zen bzw. diese in das Gebäude mit ein­be­zie­hen.
Im Süd­wes­ten sollte das Grund­stück die höchste Stelle besit­zen. Ein Gefälle aus dem Süd­wes­ten in Rich­tung Nor­den und Osten gilt als sehr glück­ver­hei­ßend. Ebenso soll­ten sich Berge und hohe Bäume nur im Süden und Wes­ten des Grund­stücks befin­den. Der Nor­den und Osten sollte frei sein, damit die Sonne von dort aus unge­hin­dert auf das Grund­stück fal­len kann. Daher sollte im Nor­den und Osten mehr Platz gelas­sen wer­den als im Süden und Wes­ten. Im Nor­den und Osten sind Gewäs­ser bzw. Flüsse sehr glück­ver­hei­ßend. Ein Fluß im Nor­den der aus dem Wes­ten Rich­tung Osten fließt oder ein Fluss im Osten, der von Süden Rich­tung Nor­den fließt, för­dern Gesund­heit und Reich­tum.
Die Form des Hau­ses beein­flusst maß­geb­lich die Lebens­qua­li­tät sei­ner Bewoh­ner. Sie sollte mög­lichst regel­mä­ßig und har­mo­nisch sein. Für prak­ti­sche Zwe­cke wer­den zuwei­len Gebäude mit L oder U-Form gewählt. Im Fall einer L-Form sollte der Nord­os­ten offen sein, so dass der Win­kel des L`s im Süd­wes­ten liegt. U-Formen fin­den sich vor allem bei Schu­len, Behör­den und Kran­ken­häu­sern. Sie kön­nen in allen vier Him­mels­rich­tun­gen lie­gen, wobei der Innen­hof am bes­ten qua­dra­tisch geformt ist.

Aufteilung des Grundstücks in vier Quadranten
Abb. 5
Die Ein­tei­lung des Hau­ses in neun Teile Gehen wir der Ein­fach­heilt hal­ber von einem recht­ecki­gen Haus aus, so lässt sich die­ses in neun gleich große Recht­ecke ein­tei­len. Das Zen­trum ist Brahma zuge­ord­net und sollte frei und offen gehal­ten wer­den. Der Süd­os­ten gehört idea­ler­weise der Küche und auch elek­tri­sche Geräte und Hei­zun­gen funk­tio­nie­ren dort am sichers­ten. Inner­halb der Küche sollte der Herd im Süd­os­ten ste­hen, so dass die Köche beim Kochen Rich­tung Osten schauen. Die Spüle und das Wasch­be­cken pla­ziert man am bes­ten im Nord­os­ten und den Kühl­schrank im Nord­wes­ten. Schwere Dinge wie Getreide und Gewürze lagert man im Süd­wes­ten der Küche, wäh­rend ein Tisch zum Essen sich im Wes­ten der Küche befin­den sollte. Nach vedi­schem Ver­ständ­nis wird jedoch nicht in der Küche geges­sen, um ihre Rein­heit zu gewähr­leis­ten. Dazu sollte ein Spei­se­zim­mer ein­ge­rich­tet wer­den, das sich am bes­ten im Wes­ten des Hau­ses befin­det. Der Wes­ten eig­net sich eben­falls sehr gut als Schlaf­zim­mer für Kin­der oder als Stu­dier­zim­mer, da dort die posi­ti­ven Ein­flüsse von Mer­kur, Jupi­ter, Venus und des Mon­des krea­tive Pro­zesse und die Gehirn­tä­tig­keit unter­stüt­zen.
Schlaf­zim­mer kön­nen sich auch im Süd­wes­ten und im Süden befin­den, wobei der Süd­wes­ten nur von Erwach­se­nen genutzt wer­den sollte. Ansons­ten gehö­ren die Rum­pel­kam­mer, das Trep­pen­haus oder andere schwere Instal­la­tio­nen in den Süd­wes­ten. Vastu emp­fiehlt, im Süd­wes­ten zusätz­lich eine Säule zu pla­zie­ren, die aus dem Boden bis über das Dach des Hau­ses hin­aus­reicht und somit den höchs­ten Punkt des Gebäu­des bil­det. Hier­durch wer­den die nega­ti­ven Ein­flüsse, die über den Süd­wes­ten Ein­gang ins Haus fin­den, am wir­kungs­volls­ten unter­drückt. Idea­ler­weise pla­ziert man auf der Säule Garuda. Der Süden ist der ideale Ort für Schlaf­zim­mer. Es kann sich dort jedoch auch der Salon oder ein an die Küche angren­zen­der Spei­cher befin­den.
Einteilung des Gebäudeinneren in neun Rechtecke
Abb. 6

Der Nord­wes­ten eig­net sich für Gäs­te­zim­mer, um dort Bäder und Toi­let­ten zu instal­lie­ren, oder Getreide zu lagern. Arbeits­zim­mer und Büro fin­den dort eben­falls einen guten Ort. Der Nord­wes­ten unter­stützt Bezie­hun­gen zu ande­ren Men­schen und steht für die Gast­freund­schaft, die in der vedi­schen Kul­tur als sehr wich­tig ange­se­hen wird. Der Nor­den wird von Kuvera beherrscht, der den Reich­tum beschützt. Außer als Platz für das Wohn­zim­mer eig­net er sich daher vor allem für die Auf­stel­lung des Safes und die Lage­rung ande­rer Wert­ge­gen­stände.
Der Nord­os­ten ist die reinste aller Him­mels­rich­tun­gen, da dort der Ursprung aller Halb­göt­ter resi­diert. Er sollte immer rein und ordent­lich gehal­ten wer­den und es soll­ten sich dort keine Toi­let­ten und Bäder befin­den. Er ist der ideale Ort für rei­nes Was­ser und sollte zur Ver­eh­rung Got­tes genutzt wer­den. In vedi­schen Häu­sern befin­det sich dort der Altar oder der Raum zur Ver­eh­rung der Bild­ge­stal­ten Got­tes.
Der Osten wird häu­fig noch von der Küche mit in Anspruch genom­men und eig­net sich ideal für das Bad. Auf diese Weise kommt man beim all­mor­gend­li­chen Bad in den Genuss der Mor­gen­sonne. Die Veranda oder der Bal­kon soll­ten sich daher auch im Osten befin­den.
Diese grobe Ein­tei­lung des Hau­ses in neun Abschnitte gibt einen ein­fa­chen und kla­ren Über­blick über die wich­tigs­ten Anfor­de­run­gen des Vastu. Die Prin­zi­pien des Vastu gel­ten sowohl im Gro­ßen als auch im Klei­nen. Was für das gesamte Grund­stück oder die Pla­nung einer gan­zen Stadt gilt, lässt sich auch auf das Haus und sogar auf die Ein­rich­tung ein­zel­ner Räume anwen­den. Eine detail­lier­tere Behand­lung die­ses The­mas kann in die­sem Arti­kel nicht erfol­gen. Es sei hierzu auf das Buch des Autors ver­wie­sen.

Zwei Grundrisse nach Vastu für verschiedene Orientierungen des Hauses bezüglich der Himmelsrichtungen
Abb. 7

Zwei ideale Grund­risse Die Abbil­dun­gen bezie­hen sich auf zwei Mög­lich­kei­ten, wie ein Haus bezüg­lich der Him­mels­rich­tun­gen lie­gen kann. Der erste Fall, bei dem die Ach­sen des Hau­ses par­al­lel zu den Him­mels­rich­tun­gen lie­gen, ist bes­ser als der zweite, bei dem die Him­mels­rich­tun­gen mit den Ecken des Hau­ses zusam­men­fal­len. Sie geben sche­ma­tisch eine ideale Auf­tei­lung des Gebäudein­ne­ren für den Fall eines Ein­fa­mi­li­en­hau­ses wie­der. Der zweite Fall stellt bereits einen Kom­pro­miss zwi­schen den Vastu-Prinzipien und den Gege­ben­hei­ten des Grund­stücks, der Stra­ßen­lage oder den jewei­li­gen Bau­vor­schrif­ten dar. Wenn es mög­lich ist, sollte eine sol­che Dia­go­nal­lage des Hau­ses bezüg­lich der magne­ti­schen Feld­li­nien ver­mie­den wer­den. Ist die­ses nicht mög­lich, so bie­tet die zweite Abbil­dung einen mög­li­chen Grund­riss an.


Zusam­men­fas­sung
Die­ser Arti­kel konnte nur die Ober­flä­che des wei­ten Mee­res der Wis­sen­schaft des Vastu berüh­ren. Die­ses Meer beinhal­tet jahr­tau­sen­de­al­tes Wis­sen, das auf ebenso alten Schrif­ten beruht und über die Jahr­tau­sende sei­ner Anwen­dung immer wei­ter dif­fe­ren­ziert und erwei­tert wurde. Um Vastu ver­ste­hen und anwen­den zu kön­nen, müs­sen wir uns als Ange­hö­rige einer ande­ren Kul­tur zunächst ein­mal mit den grund­le­gen­den phi­lo­so­phi­schen Gedan­ken der vedi­schen Tra­di­tion ver­traut machen, von der Vastu ein inte­gra­ler Bestand­teil ist. Die Veden sehen den Men­schen in eine kos­mi­sche und gött­li­che Ord­nung ein­ge­bun­den, die es durch das Stu­dium der Schrif­ten, durch Medi­ta­tion und Han­deln zu erken­nen gilt. Der Mensch steht unter dem Ein­fluss der Natur­ge­wal­ten höhe­rer Wesen­hei­ten, die er nur dann ver­ste­hen und erken­nen kann, wenn er sein eige­nes Bewusst­sein aus dem Bann­kreis sei­nes per­sön­li­chen, fami­liä­ren oder natio­na­len Ego­is­mus befreit und in grö­ße­ren und spi­ri­tu­el­len Zusam­men­hän­gen denkt. Wir Euro­päer glau­ben, unsere Abhän­gig­keit von höhe­ren Wesen oder Göt­tern über­wun­den zu haben und uns ein ratio­na­les Ver­ständ­nis der Natur und unse­rer Exis­tenz ange­eig­net zu haben. Es zeigt sich jedoch immer wie­der, dass uns auf diese Weise ein wesent­li­cher Aspekt der Wirk­lich­keit ent­gan­gen ist. Vastu lehrt, wie der Mensch in die Natur, das Lebens­feld der Erde, das Son­nen­sys­tem, den Kos­mos und die gött­li­chen Ord­nung ein­ge­bun­den ist und zeigt ihm, wie er im Ein­klang mit all die­sen Kräf­ten leben und seine Umge­bung krea­tiv gestal­ten kann.
Die alte indi­sche Kul­tur ist für ihre gewal­ti­gen und kunst­vol­len Tem­pel­bau­ten berühmt, die tie­fer Aus­druck die­ses Ver­ständ­nis­ses sind. Die vedi­schen Tem­pel stel­len schon allein von ihrer Archi­tek­tur her eine Brü­cke zu ande­ren Seins­be­rei­chen und Dimen­sio­nen dar. Der Mensch strebt nach Frei­heit, doch kann er diese nicht errei­chen, indem er sich aus dem Zusam­men­hang der Natur­ge­setze her­aus­zu­lö­sen ver­sucht. Dadurch ent­zieht er sich letzt­lich seine eige­nen Lebens­grund­lage und wird zum Feind des Lebens und der Natur. Frei­heit gibt es nur in Ver­ant­wor­tung und in Zusam­men­ar­beit mit dem Rest der Welt, dem wir für seine Tole­ranz und Duld­sam­keit uns gegen­über dank­bar sein kön­nen. Wenn der Mensch bei sei­nen Ein­grif­fen in die Natur mit mehr Respekt und Wis­sen vor­geht und sich dar­über bewusst ist, dass er als Teil der Natur von ihr abhän­gig ist, wird sich auch die öko­lo­gi­sche Situa­tion wan­deln.
Archi­tek­tur schafft ein Abbild des Uni­ver­sums, in dem der Mensch lebt. Ver­zerrt sie die ver­schie­de­nen Aspekte des Kos­mos und stört seine Har­mo­nie, wird der Wohn­raum vol­ler Span­nun­gen sein und die Pro­bleme sei­ner Bewoh­ner ver­stär­ken. Er wird seine Bewoh­ner nicht vor nega­ti­ven Ein­flüs­sen beschüt­zen kön­nen, ebenso wie ein undich­tes Dach kei­nen aus­rei­chen­den Schutz vor Regen und Sturm bie­tet. Wenn die Archi­tek­tur jedoch die Kräfte und Aspekte des Kos­mos in har­mo­ni­scher Weise auf die Erde pro­ji­ziert, ent­steht damit ein Wohn­raum, der die Pro­bleme sei­ner Bewoh­ner aus­gleicht und ihm die posi­ti­ven mate­ri­el­len und geis­ti­gen Ener­gien des Uni­ver­sums zuflie­ßen lässt. Das Ziel des Vastu besteht darin, dem Men­schen die idea­len Vor­aus­set­zun­gen dafür zu geben, glück­lich und har­mo­nisch in die­ser Welt zu leben. Erst in einer sol­chen Situa­tion kann sich der Mensch unge­stört mit den wah­ren Zie­len des Lebens beschäf­ti­gen, nach Selbst– und Got­teser­kennt­nis stre­ben und seine eigene spi­ri­tu­elle Natur und Bezie­hung zu Gott erken­nen.


Lite­ra­tur­ver­zeich­nis

  • Tark­hed­kar, A.r.: Vas­tus­ha­s­tra, An Edi­fice Sci­ence, Cosmo Publis­hing House, India, Dhu­lia 1995
  • Raman, V.v.: Prin­ci­ples and Prac­tice of Vastu Sha­s­tra, Vidya Bha­van, Jai­pur 1996
  • Puri, B. B.: Vedic Archi­tec­ture and Art of Living, A Book on Vastu Sha­s­tra, Vastu Gyan Publi­ca­tion, Delhi 1995
  • Rao, Derebail Mura­lid­har: Hid­den Tre­a­sure of Vastu Shilpa Sha­s­tra and India Tra­di­ti­ons, SBS Publis­hers, Ban­ga­lore 1995
  • Shu­kla, D.N.: Vastu Sha­s­tra, Vol.1, Hindu Sci­ence of Archi­tec­ture, Vastu Van­maya Pra­kasana Sala, Luck­now 1960
  • Gouru Tiru­pati Reddy: The Secret World of Vasthu, Pra­ja­hita Publis­hers, Hydera­bad 1996
  • Boner, A.: Vastu Sutra Upa­nis­had, Sada­siva Rath Sarma, Bet­tina Bäu­mer, Mol­tilal Banar­si­dass, Delhi
  • Sas­tri, K.V.: Vis­wakarma Vas­tus­ha­stram, N.B. Gadre, Tan­jore Saras­vati Mahal Series No. 85, Tan­jore 1958, Mat­sya Purana, Über­set­zung aus dem Sans­krit
  • Jain, Gyan C.: The little Book on Vastu, BPB Publi­ca­ti­ons, Delhi 1996
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