Tanz und Bewe­gung als krea­ti­ver Hei­lungs­weg

Bewe­gung ist die Grund­ei­gen­schaft von allem, was lebt. Bewe­gung ist gegen­wär­tig, sie geschieht in jedem Moment. Das bewusste Erle­ben von phy­si­scher Bewe­gung und krea­ti­vem Kör­pe­r­aus­druck bzw. Tanz ber­gen wun­der­bare Ent­fal­tungs­mög­lich­kei­ten in sich.

Bewe­gung ist die Grund­ei­gen­schaft von allem, was lebt. Bewe­gung ist gegen­wär­tig, sie geschieht in jedem Moment. Das bewusste Erle­ben von phy­si­scher Bewe­gung und krea­ti­vem Kör­pe­r­aus­druck bzw. Tanz ber­gen wun­der­bare Ent­fal­tungs­mög­lich­kei­ten in sich. Sie geschieht auch dort, wo sie nicht sicht­bar ist. Alles was ist, ist leben­di­ges Pul­sie­ren und Strö­men von mehr oder weni­ger ver­dich­te­ter Ener­gie. Sich in die­sen immer­wäh­ren­den Fluss von Bewe­gung ein­ge­bet­tet, sich in ihm gebor­gen und getra­gen zu füh­len, wo immer der Strom uns auch hin­füh­ren mag, ist eine hohe Lebens­kunst.
Wir Men­schen sind ener­ge­ti­sche, mit allem ver­bun­dene Wesen, die in sich die Kraft zur Selbst­ver­wirk­li­chung tra­gen. Die­ses Selbst drückt sich durch unse­ren Kör­per aus. Unser Kör­per ist das sicht­bare Ver­bin­dungs­glied zwi­schen Him­mel und Erde, ist Tem­pel und Aus­drucks­in­stru­ment unse­rer Seele. Unsere Seele ist ein künst­le­risch ver­an­lag­tes "Wesen", das sich indi­vi­du­ell und krea­tiv zum Aus­druck brin­gen möchte. Um für ihre fei­nen Impulse sen­si­bel zu sein, ist es wich­tig, die­ses Instru­ment stim­men zu ler­nen. Durch ein gestimm­tes Instru­ment klin­gen die Impulse unge­hin­dert in die Welt hin­ein. Gleich­zei­tig ist ein gut gestimm­ter Kör­per fle­xi­bel und anpas­sungs­fä­hig genug, um den sich stän­dig ändern­den Anfor­de­run­gen des irdi­schen Lebens gerecht zu wer­den. Er besitzt gleich­zei­tig die Kraft und den Mut, unkon­ven­tio­nelle Ideen zum Wohle und zur Freude aller zu ver­wirk­li­chen.
Unser phy­si­scher Kör­per ist im Ide­al­fall in das leben­dige Strö­men des Uni­ver­sums ein­ge­bun­den. Die­ser Ide­al­fall bedeu­tet gut ver­wur­zelt auf der Erde zu ste­hen, zu gehen, zu han­deln sowie eine stän­dige Offen­heit und ein Ange­bun­den­sein an die schöp­fe­ri­sche Quelle zu erfah­ren. Das Bild eines Bau­mes mag das hier kurz ver­deut­li­chen. Der Baum ist ein kraft­vol­les Sym­bol von Wachs­tum, Erneue­rung und kon­ti­nu­ier­li­chem Wan­del. Dort wo das Alte im Abster­ben begrif­fen ist, keimt bereits das Neue, das Wer­dende. Im Sym­bol des Bau­mes sehen wir die Pole des Seins, das Himm­li­sche und das Irdi­sche in voll­kom­me­ner Weise ver­eint. So kön­nen uns die Wur­zeln auf das Irdi­sche ver­wei­sen, auf den Boden, die Mut­ter Erde, Was­ser, Luft und Sonne, auf den Kör­per und sei­nen schöp­fe­ri­schen Aus­druck, die Freude und das Leben. Die Krone hin­ge­gen ver­bin­det uns mit den himm­li­schen Qua­li­tä­ten von Liebe und Weis­heit, Kraft und Inspi­ra­tion, Frie­den, stil­lem Glück und ewi­gem Seins, das unse­rem irdi­schen Leben erst eine tie­fere Bedeu­tung ver­leiht. Im Stamm voll­zieht sich der Aus­tausch die­ser flie­ßen­den Kräfte, die wir auf der Kör­perebene in unse­rer Wir­bel­säule wie­der­fin­den.
Die auf­rechte Struk­tur des mensch­li­chen Kör­pers ist Aus­druck unse­rer Fähig­keit, das Himm­li­sche und das Irdi­sche zu ver­bin­den und unse­ren Kör­per zu einem Kanal, zu einem wir­kungs­vol­len Instru­ment der uni­ver­sel­len Schöp­fer­kraft aus­zu­bil­den. Die Kunst, die­ses Instru­ment stim­men zu ler­nen, müs­sen die meis­ten von uns erst wie­der neu erler­nen. Die Aus­gangs­si­tua­tion, die Moti­va­tion eines jeden Men­schen ist dabei sehr unter­schied­lich. Letzt­lich ist jedoch stets wich­tig, ein per­fek­tes Zusam­men­schwin­gen aller Ebe­nen unse­res Seins in spi­ri­tu­el­ler, emo­tio­na­ler, men­ta­ler und phy­si­scher Hin­sicht anzu­stre­ben; denn nur so kann die gött­li­che Schöp­fer­kraft unge­hin­dert durch uns wir­ken. Um die­sem per­fek­ten Zusam­men­schwin­gen näher zu kom­men, ist Übung in frei­heit­li­cher Dis­zi­plin not­wen­dig. Zu wel­cher Art von Übung sich ein Mensch hin­ge­zo­gen fühlt, ist indi­vi­du­ell sehr unter­schied­lich. Oft­mals ist es auch über lange Zeit zu beob­ach­ten, dass Men­schen ledig­lich Teil­be­rei­che "trai­nie­ren", ohne z.B. eine Ver­bin­dung zwi­schen ihrer Medi­ta­ti­ons­pra­xis und dem all­täg­li­chen Leben in Gedan­ken, Wor­ten und Taten her­stel­len zu kön­nen. Viele Men­schen wid­men sich einer spi­ri­tu­el­len Dis­zi­plin, füh­len sich aber in ihrem Kör­per ver­spannt, unwohl und in ihrem freien Aus­druck gehemmt. Andere wie­derum üben Tanz­tech­ni­ken, trei­ben Gym­nas­tik, Fit­ness o.ä., füh­len sich aber in der Welt nicht ver­bun­den, weil sie kei­nen Zugang zu ihren Gefüh­len und keine spi­ri­tu­elle Anbin­dung haben. Letzt­lich ist es sicher neben­säch­lich, an wel­cher Stelle ein Mensch anfängt, sein Leben eigen­ver­ant­wort­lich in die Hand zu neh­men; denn die Erfah­rung zeigt, dass der Weg der Bewusst­wer­dung unauf­halt­sam wei­ter­führt, wenn wir ein­mal begon­nen haben, ihn zu gehen.
Ich möchte mit die­sen Zei­len hier die wun­der­ba­ren Ent­fal­tungs­mög­lich­kei­ten auf­zei­gen, die das bewusste Erle­ben von phy­si­scher Bewe­gung und krea­ti­vem Körperausdruck/Tanz in sich ber­gen.
Dazu werde ich im fol­gen­den zunächst meine per­sön­li­che Geschichte erzäh­len. Eine Geschichte, die mei­nen Weg aus dem Schmerz, der Bewe­gungs– und Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit hin zur Leben­dig­keit, Sinn­fin­dung und per­sön­li­chen Beru­fung beschreibt. Eine Geschichte, die ein­mal mehr zeigt, dass hin­ter Ein­schrän­kun­gen und schein­ba­ren Hin­der­nis­sen stets ein gro­ßer Schatz ver­bor­gen liegt, der geho­ben wer­den will.
Diese Geschichte beginnt damit, dass ich mit einem Hüft­lei­den in diese Welt gebo­ren wurde. Das bedeu­tete für mich als Klein­kind ver­schie­dene Ope­ra­tio­nen, bei­nahe zwei Jahre Kran­ken­haus­auf­ent­halt sowie das Ein­ge­sperrt sein in ein Gips­bett. Ca. drei­jäh­rig wurde ich dann end­lich auf meine klei­nen Füße gestellt und durfte lau­fen ler­nen. Es folgte eine Kind­heit, in der aller natür­li­che Bewe­gungs­drang im Keime erstickt wurde. Auf Anord­nung der behan­deln­den Ärzte durfte ich nicht tur­nen, nicht toben, nicht klet­tern. Der nächste Stol­per­stein war die Berufs­wahl. Es war klar, dass es ein Beruf sein musste, bei dem ich sit­zen konnte. Ich fügte mich in mein Schick­sal und erlernte den Beruf der Indus­trie­kauf­frau. Mitt­ler­weile völ­lig unglück­lich mit mei­nem Leben, begann ich Alko­hol und Dro­gen zu kon­su­mie­ren, und sofort nach Been­di­gung mei­ner Lehr­zeit stieg ich aus dem "gere­gel­ten" Berufs­le­ben aus. Ich war 19 Jahre alt und rebel­lierte gegen alles – gegen die Kir­che, gegen die Unter­drü­ckung von Frauen, gegen Krieg, gegen Atom­kraft .… Es folg­ten viele Jahre, in denen mein lebens­lang unter­drück­ter Bewe­gungs­drang sich in einem äußerst unste­ten Leben sei­nen Aus­druck suchte. Die Suche nach einer gerech­ten und lie­be­vol­len Welt war der Motor, mich in immer neue Wel­ten und Bewe­gun­gen vor­zu­wa­gen, doch fühlte ich mich nir­gendwo zuhause. Mitt­ler­weile war ich Vege­ta­rie­rin gewor­den, inter­es­sierte mich für alter­na­ti­ves Hei­len, Yoga .… doch konnte ich nie all diese Dinge wirk­lich mit mir selbst in Ver­bin­dung brin­gen. Ich fühlte mich getrennt von allem, ohne dass ich mein per­ma­nen­tes Lei­den damals hätte so benen­nen kön­nen. Was ich jedoch benen­nen konnte, waren die mitt­ler­weile sehr stark gewor­de­nen Schmer­zen in den Hüf­ten, den Knien, dem Rücken und eine seit dem Tod mei­nes Vaters nun schon über zehn Jahre andau­ernde mas­sive Atem­not. Die vie­len Ärzte, die ich kon­sul­tierte, waren hilf­los, und die Mög­lich­keit, aktiv an der Ver­bes­se­rung mei­ner Situa­tion zu arbei­ten, war mir bis dahin völ­lig fremd.
Erst die Aus­sage eines Ortho­pä­den, mir könne nur noch mit Schmerz­mit­teln gehol­fen wer­den, ließ mich auf­wa­chen; denn ein Leben in Abhän­gig­keit von Schmerz­mit­teln konnte ich mir ein­fach nicht vor­stel­len.
Im Alter von 29 Jah­ren gelangte ich end­lich durch einen glück­li­chen "Zufall" in eine Gruppe von Frauen, die Bauch­tanz übten. Hier erlebte ich zum ers­ten Mal in mei­nem Leben, was es bedeu­tet, sich selbst wahr­zu­neh­men, den eige­nen Kör­per zu spü­ren. Was ich bis dahin gespürt hatte, war Schmerz. Nun spürte ich hin­ter dem Schmerz end­lich mich selbst! Es war eine echte Offen­ba­rung für mich. Zwar war mein Kör­per spröde, und für viele der Übun­gen, die dort in der Gruppe aus­ge­führt wur­den, war ich viel zu steif. Doch meine Bewe­gungs­neu­gierde war geweckt. Ich begann intui­tiv Übun­gen zu erfin­den, pro­bierte aus, was mir gut tat. Bereits nach kur­zer Zeit fühlte ich starke Ver­än­de­run­gen in mir. Auch nach außen hin fiel auf, dass ich ein ande­rer Mensch gewor­den war. Die Bewusst­heit, mit der ich mich zu bewe­gen begann, löste innere Bewe­gung und Wachs­tum auf allen Ebe­nen aus. Es war ein ech­tes Wun­der für mich. Und erst­mals in mei­nem Leben wusste ich, was ich gern tun würde: Das, was mich in so per­fek­ter Weise unter­stützte und heilte, wollte ich gern an andere Men­schen wei­ter­ge­ben.
Mein auto­di­dak­ti­scher Lern­weg begann. Für irgend­eine Aus­bil­dung in Bewe­gung oder Tanz konnte ich mich nicht ent­schei­den, zumal es auf­grund mei­ner ja immer noch vor­han­de­nen Bewe­gungs­ein­schrän­kun­gen ohne­hin schwie­rig war, wirk­lich geeig­nete Leh­re­rIn­nen zu fin­den. Wenn ich nicht bis dahin bereits ein eher unkon­ven­tio­nel­les Leben gewöhnt gewe­sen wäre, hätte ich mich viel­leicht ent­mu­ti­gen las­sen. So aber war mir klar, dass es einen Weg geben würde, der ganz spe­zi­ell für mich gedacht war. Vom Bauch­tanz wech­selte ich bald über zu expe­ri­men­tel­len Tanz­for­men, in denen ich mich auf meine Weise zum Aus­druck brin­gen konnte.
Mein schwie­ri­ger und schmer­zen­der Kör­per erwies sich als mein bes­ter Leh­rer. Er wies mich in meine Schran­ken, wenn ich zu ehr­gei­zig wurde und führte mich ziel­si­cher hin zu den Übun­gen und Aus­drucks­for­men, die stim­mig waren. In einer unend­li­chen Neu­gier erforschte ich den Kör­per, ver­schie­denste (Tanz-)Techniken, Metho­den, Übungs­wege und kre­ierte neue, eigene For­men. Alles, war mir wesent­lich erschien, inte­grierte ich in meine Arbeit; denn inzwi­schen hatte ich auch bereits begon­nen, meine Erfah­run­gen in Grup­pen­kur­sen wei­ter­zu­ge­ben.
In dem Maße, wie ich mich selbst bes­ser ken­nen lernte, ver­fei­nerte sich auch meine Wahr­neh­mungs­fä­hig­keit für andere Men­schen, ihre Kör­per und ihre Lebens­the­men. Ich lernte mehr und mehr, in den Kör­pern der Men­schen zu lesen. Mich auf eine bereits vor­han­dene Methode zu spe­zia­li­sie­ren, kam für mich nicht in Frage. Ich hatte erkannt, dass es nicht eine bestimmte Methode war, die Ver­bes­se­run­gen in mei­ner Befind­lich­keit bzw. Erkennt­nis­pro­zesse aus­ge­löst hatte. Es war viel­mehr der Grad der Acht­sam­keit, den ich den Übun­gen zukom­men ließ. Wei­ter­hin schien der rich­tige Zeit­punkt in Ver­bin­dung mit mei­ner inne­ren Bereit­schaft, einen wei­te­ren Schritt in Rich­tung Hei­lung zu gehen, von Bedeu­tung zu sein.
So fügte sich ein Mosa­ik­stein­chen auf das andere. Die Ent­wick­lung mei­ner Arbeits­weise durch­lief viele ver­schie­dene Pha­sen, und immer neue Aspekte kamen hinzu. Zeit­weise wur­den die Schmerz­sym­ptome wie­der mas­siv ver­stärkt, so dass ich sehr viel Kraft benö­tigte, um nicht auf­zu­ge­ben. Doch es war tat­säch­lich so, dass ich stets, wenn ich Grup­pen unter­rich­tete, unglaub­lich viel Ener­gie zur Ver­fü­gung hatte, um Bewe­gungs­übun­gen und Tanzim­pro­vi­sa­tio­nen anzu­lei­ten. Es war, als wäre ich dann an einen Tropf ange­schlos­sen, der mich nährte. Die­ses ist bis heute so geblie­ben, und das gibt mir die Gewiss­heit, dass ich mit mei­ner Arbeit das Rich­tige tue.
Inzwi­schen hat mein Kör­per seine Schmer­zen und Span­nun­gen los­ge­las­sen, die tiefs­ten inners­ten Kri­sen sind über­wun­den, und ich bin glück­lich, dass sich in mei­ner Arbeit nun alle Aspekte, ange­fan­gen von krea­ti­vem Tanz über Ganz­heit­li­che Bewegungs-/Körperbewusstseinsschulung bis hin zu medi­ta­ti­vem Gewahr­sein ver­bin­den.
Ich bin davon über­zeugt, dass "sich bewe­gen ler­nen" ein indi­vi­du­el­ler Pro­zess ist, der alle Berei­che unse­res Seins ein­schließt und umfas­sen­des Wachs­tum begüns­tigt – vor­aus­ge­setzt, wir öff­nen uns für ein wirk­lich ganz­heit­li­ches Erle­ben von Bewe­gung. Das heißt, dass wir den Kör­per nicht als ein von uns getrenn­tes "Etwas" betrach­ten, was es zu trai­nie­ren gilt, damit es funk­tio­niert, son­dern dass wir ler­nen, die Spra­che des Kör­pers zu ver­ste­hen. Unser Kör­per ist das per­fekte Spie­gel­bild unse­rer Sicht­wei­sen, Gefühle, Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten sowie ver­gan­ge­ner und gegen­wär­ti­ger Erfah­run­gen. Die Spra­che des Kör­pers lügt nicht. Die Hal­tun­gen und Gebär­den eines Men­schen sagen oft­mals mehr als viele Worte. Diese laut­lo­sen Worte ver­ste­hen zu ler­nen, mit ihnen zu kom­mu­ni­zie­ren und von ihnen zu ler­nen, ist eine große Hilfe auf dem Weg zu uns selbst.
Viele Men­schen sehen über­haupt keine Not­wen­dig­keit, den Bewe­gungs– und Aus­drucks­mög­lich­kei­ten ihres Kör­pers aus­rei­chend Auf­merk­sam­keit zukom­men zu las­sen. Diese Ten­denz ist auch sehr stark bei spi­ri­tu­el­len Men­schen zu beob­ach­ten. Das ist sehr schade; denn gerade Bewe­gung und Tanz sind her­vor­ra­gend dazu geeig­net, im Zell­ge­dächt­nis ein­ge­fro­rene Infor­ma­tio­nen auf­zu­tauen und in Fluss zu brin­gen. In Bewe­gung zu kom­men, befreit uns von den Fes­seln der ange­lern­ten Zwänge und Ver­hal­tens­mus­ter, befreit uns von auf­ge­stau­ten Emo­tio­nen.
So war es bei mir in den ers­ten Jah­ren, nach­dem ich begon­nen hatte, zu tan­zen und mei­nen Kör­per zu schu­len und wahr­zu­neh­men: Ich weinte und weinte, oft wusste ich nicht mal warum. Es war, als würde sich alles auf­lö­sen, was mich all die Jahre vor­her so mühe­voll zusam­men­ge­hal­ten hatte. Die Erstar­rung wich von mir, und ich lernte zu füh­len. Ganz von allein geschah es, dass ich mich für spi­ri­tu­elle The­men und Inhalte öff­nete. Die äußere Bewe­gung hatte die Tür zur inne­ren Füh­rung auf­ge­sto­ßen. Die­ses kann ich mitt­ler­weile auch bei vie­len mei­ner Schü­le­rIn­nen beob­ach­ten. Es ist, als würde die Übung am Kör­per, der Tanz, die Erfah­rung von Raum aus­glei­chend wirk­sam wer­den. So fin­den die einen hin zu mehr Erdung, Struk­tur und Boden­stän­dig­keit, wäh­rend andere sich für spi­ri­tu­elle Ebe­nen und ihre innere Füh­rung öff­nen sowie neben kör­per­li­cher auch geis­tige Fle­xi­bi­li­tät ent­wi­ckeln. Wohl­ge­merkt, die­ses geschieht, ohne dass ich das im Unter­richt stän­dig the­ma­ti­sie­ren würde!
Sich in Bewe­gung und Tanz zu üben, bringt uns in die Gegen­wart. Die­ses will gelernt und erfah­ren wer­den. Auch gelingt es anfangs oft nicht, sich wirk­lich gegen­wär­tig zu füh­len. Doch im bewuss­ten Üben klin­ken wir uns ein in die Kon­ti­nui­tät des Wan­dels. Wir erfah­ren, dass die Gegen­wart heilt. Was ges­tern war, wird immer unwich­ti­ger, weil die Kör­per­zel­len mehr und mehr freud­volle Erfah­run­gen im jewei­li­gen Moment erfah­ren – Freude und Leich­tig­keit. Lei­der ist die Kör­per­masse oft­mals bei vie­len von uns sehr träge. Spe­zi­ell am Anfang gilt es, Frus­tra­tion und Lan­ge­weile zu über­win­den, bevor mehr und mehr Frei­heit erfahr­bar wird. In der Bewe­gungs­er­fah­rung ler­nen wir, wie­der spie­le­risch und neu­gie­rig zu wer­den wie Kin­der.
Bei mir war es z.B. so, dass ich die Phase des Krie­chens und Krab­belns, des inter­es­sier­ten Erkun­dens mei­ner Umge­bung, die die meis­ten Klein­kin­der natür­lich durch­lau­fen, nicht erle­ben konnte, weil ich zu die­ser Zeit in einem Gips­bett lag. Spä­ter (ich war bereits mehr als 30 Jahre alt) lernte ich diese Bewe­gun­gen – Krie­chen und Krab­beln. Mein Kör­per hatte so die Gele­gen­heit, Ver­säum­tes nach­zu­ho­len und neue Ver­bin­dun­gen zum Gehirn zu schal­ten. Der Effekt war enorm, auch wenn ich ihn nicht im Moment des Übens selbst wahr­neh­men konnte. Doch ich bemerkte, dass ich nach und nach selbst­si­che­rer wurde, fes­ter mit mei­nen Füßen auf der Erde stand und zum ers­ten Mal in mei­nem Leben begann, bewusst meine Beine zu benut­zen. Ist es nicht so, dass wir erst dann weite Höhen­flüge genie­ßen kön­nen, wenn wir wirk­lich gelernt haben, fest ver­wur­zelt auf dem Boden zu ste­hen?! Und ist es nicht auch wich­tig, die Erfah­run­gen aus den himm­li­schen Höhen irdisch zum Aus­druck zu brin­gen?
Im acht­sa­men Üben des Kör­pers sowie im krea­ti­ven, tän­ze­ri­schen Erkun­den von Bewe­gung ent­fal­ten sich Schritt für Schritt neue Facet­ten unse­res Lebens. Dabei geht es nicht darum, bestimm­ten Nor­men zu ent­spre­chen, son­dern den ganz eige­nen Weg zu gehen. Aus­schlag­ge­bend ist ledig­lich, dass ich mich jeder­zeit auf best­mög­li­che Ent­fal­tung und Erfah­run­gen aus­richte. Wich­tig ist wei­ter­hin, Wert­ur­teile über den eige­nen Kör­per los­zu­las­sen und sich stets an den klei­nen Fort­schrit­ten in Bezug auf Fle­xi­bi­li­tät, Kraft und Vita­li­tät zu erfreuen.
Im Ver­lauf des Übungs­pro­zes­ses rich­tet sich der Kör­per immer mehr mit Anmut und Leich­tig­keit auf, Span­nun­gen fal­len förm­lich nach unten und wer­den von der Erde ver­wan­delt in Kraft und Freude. Wir rich­ten uns auf zu unse­rer wah­ren Größe und wer­den zu einem durch­läs­si­gen Kanal für den gött­li­chen Atem, für die Inspi­ra­tion aus der Schöp­fer­quelle. Acht­sa­mes, hin­ge­bungs­vol­les Üben oder auch ein Tanz kön­nen hel­fen, Kno­ten im Kopf oder im Bauch zu lösen, damit die Ideen und die Ener­gien wie­der in Fluss kom­men. Ein wei­te­rer posi­ti­ver "Neben­ef­fekt" ist, dass uns der Atem mit mehr Leich­tig­keit durch­strömt. Wir brau­chen uns nicht um den "rich­ti­gen" Atem zu bemü­hen; denn er fließt wie von selbst, weil durch die auf­merk­same Hin­wen­dung zum Kör­per neue Räume erschlos­sen wer­den, in die er sich aus­deh­nen kann.
Mit der im medi­ta­ti­ven Gewahr­sein aus­ge­führ­ten Bewe­gungs­schu­lung wird eine opti­male Basis geschaf­fen für per­fek­tes Wohl­be­fin­den, Erdung und Stand­fes­tig­keit, Kraft und Fle­xi­bi­li­tät. Der Weg hin zu spie­le­ri­schen Aus­drucks­for­men im Tanz ist dann nicht mehr weit, oft­mals wird er regel­recht zum Bedürf­nis. Tan­zend kön­nen wir den Kon­takt zu uns selbst, zu unse­ren Mit­men­schen, ja zu allen Daseins­for­men ent­de­cken und ver­tie­fen sowie neue Erkennt­nisse gewin­nen. So sagte z.B. kürz­lich eine Teil­neh­me­rin einer von mir gelei­te­ten Jah­res­gruppe nach einer Tanzim­pro­vi­sa­tion: "Plötz­lich konnte ich mir vor­stel­len, dass es mög­lich ist, sich von Licht zu ernäh­ren!"
Sich bewe­gen ler­nen, ist ein kon­ti­nu­ier­lich fort­wäh­ren­der Pro­zess, der alle Berei­che unse­res Lebens umfasst. Ich wün­sche mir sehr, dass sich viele Men­schen für Bewe­gung auf allen Ebe­nen ihres Seins öff­nen, ihre schöp­fe­ri­schen Kräfte zur vol­len Ent­fal­tung brin­gen und dass die himm­li­schen und die irdi­schen Qua­li­tä­ten mehr und mehr zusam­men­fin­den. Ich selbst bin sehr dank­bar dafür, dass ich auf die­sen Weg geführt wurde, der mir so viele neue Hori­zonte eröff­net und mich das Wun­der der Hei­lung durch Bewe­gung gelehrt hat.

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