Pflan­zen­heil­kunde und Ayur­veda

Wir leben heute in einer her­aus­for­dern­den Zeit, in der west­li­che und öst­li­che Betrach­tungs­wei­sen sich ver­mehrt begeg­nen. Gerade in den Berei­chen Spi­ri­tua­li­tät, Phi­lo­so­phie und Heil­wis­sen­schaf­ten wird dies deut­lich. Erstaun­li­cher­weise kön­nen wir auch Gemein­sa­mes fin­den in die­sen schein­bar gegen­sätz­li­chen Wel­ten. In der Pflan­zen­heil­kunde z.B. ergän­zen, kor­ri­gie­ren und bestä­ti­gen sich west­lich ana­ly­ti­sche und öst­lich ener­ge­ti­sche Grund­auf­fas­sun­gen gegen­sei­tig.

"Die Essenz aller Wesen ist die Erde.
Die Essenz der Erde ist das Was­ser.
Die Essenz des Was­sers sind die Pflan­zen.
Die Essenz der Pflan­zen ist der Mensch."
"Esam bhu­t­anam prt­hivi rasha, prt­hi­vya apo raso-pam osad­hayo rasa, osad­hinam puruso rasah."
Chan­do­gya Upa­nis­had I.1.2

Wir leben heute in einer her­aus­for­dern­den Zeit, in der west­li­che und öst­li­che Betrach­tungs­wei­sen sich ver­mehrt begeg­nen. Gerade in den Berei­chen Spi­ri­tua­li­tät, Phi­lo­so­phie und Heil­wis­sen­schaf­ten wird dies deut­lich. Erstaun­li­cher­weise kön­nen wir auch Gemein­sa­mes fin­den in die­sen schein­bar gegen­sätz­li­chen Wel­ten. Es geht bei bei­den um eine Erwei­te­rung des Bewusst­seins, dies jedoch in ver­schie­dens­ter Weise. In der Pflan­zen­heil­kunde ergän­zen, kor­ri­gie­ren und bestä­ti­gen sich west­lich ana­ly­ti­sche und öst­lich ener­ge­ti­sche Grund­auf­fas­sun­gen gegen­sei­tig. Dies wird bei einer genaue­ren Betrach­tung offen­sicht­li­cher und sei somit im wei­te­ren näher erläu­tert.

Die west­lich ori­en­tierte Pflan­zen­heil­kunde ten­diert dazu, sich in linear-therapeutischen Betrach­tungs­wei­sen auf­zu­split­tern und ver­liert dadurch oft an the­ra­peu­ti­schem Wert im ganz­heit­li­chen Sinne (wobei dies nicht als eine Gene­ra­li­sie­rung gemeint ist). Das Wis­sen um die genauen Wir­kungs­me­cha­nis­men einer bestimm­ten Pflanze z.B. hat Vor­rang.
Das indi­sche Ayur­veda hin­ge­gen macht von einer frei flie­ßend energetisch-elementar ori­en­tier­ten Betrach­tungs­weise ver­schie­de­ner Wir­kungs­dy­na­mi­ken in Heil­pflan­zen Gebrauch. Es ist hier jedoch zu bemer­ken, dass ener­ge­ti­sche Betrach­tungs­wei­sen durch­aus von ratio­na­len Betrach­tungs­wei­sen (ein posi­ti­ver Ansatz in der west­lich ori­en­tier­ten Heil­kunde) pro­fi­tie­ren.

Der west­li­che Heil­pflan­zen­kun­de­an­satz ist in ers­ter Linie auf die The­ra­pie der Krank­heit aus­ge­rich­tet und nicht auf die Lehre des energetisch-körperlichen umfas­sen­den Krank­heits­bil­des, wie dies im Ayur­veda zu fin­den ist. Die west­li­che Pflan­zen­heil­kunde betont die Nut­zung von spe­zi­fi­schen pflanz­li­chen Inhalts­stof­fen, was sich beson­ders in der heu­ti­gen Stan­dar­di­sie­rung von Fer­tig­prä­pa­ra­ten zeigt. Lei­der wird dadurch die Pflanze in ihrer Ganz­heit­lich­keit über­se­hen, statt­des­sen wird sie auf phar­ma­zeu­tisch nutz­bare Inhalt­stoffe redu­ziert.

Die ayur­ve­di­sche Pflan­zen­be­trach­tung Eine ayur­ve­di­sche Pflan­zen­be­trach­tung kon­zen­triert sich stär­ker auf uni­ver­sale, in der Natur vor­han­dene Prin­zi­pien und kommt in die­sem Sinne einer ganz­heit­li­chen Heil­kunde näher. Hier geht es um eine sys­te­mi­sche Behand­lung – die Grund­the­ma­tik des Men­schen betref­fend. Eine ener­ge­ti­sche Ein­tei­lung von Pflan­zen nach ihren Kräf­ten und Qua­li­tä­ten basiert im wesent­li­chen auf dem Ver­ste­hen von Natur­ge­set­zen sowie auf einer bewuss­ten und sen­si­blen Wahr­neh­mung unse­rer selbst und unse­rer Umwelt.

Beim west­li­chen Ansatz fällt auf, dass die­ser stark von regio­na­len und kul­tu­rel­len Per­spek­ti­ven und Zeit­epo­chen geprägt ist: so wird zum Bei­spiel Bein­well erst seit kur­zer Zeit als gif­tig für die Leber betrach­tet, und man ver­gisst plötz­lich den jahr­hun­der­te­lan­gen erfolg­rei­chen Gebrauch die­ser Pflanze.

Ayur­veda strebt nach einer ganz­heit­li­chen Lebens– und Heil­kunst (Ayur = Leben und Veda = Wis­sen­schaft). So wird auch das Umfeld des Men­schen in die Betrach­tungs­weise ein­zel­ner Dis­har­mo­nien mit ein­be­zo­gen. Ayur­veda hat sich seit mehr als 5.000 Jah­ren als eines der ältes­ten Heil­sys­teme mit einer aus­dau­ern­den sowohl theo­re­ti­schen als auch kli­nisch prak­ti­schen Grund­lage bewährt. Ayur­veda betrach­tet Leben als ein dyna­mi­sches Zusam­men­spiel ver­schie­dens­ter Phä­no­mene: kör­per­li­che Pro­zesse beein­flus­sen sich gegen­sei­tig mit äuße­ren Fak­to­ren wie Klima, krea­ti­vem Aus­druck, Spi­ri­tua­li­tät, Gefühls– und Gedan­ken­welt, Ernäh­rung und Lebens­stil im wei­te­ren Sinne.

Immer mehr Men­schen begrei­fen, dass es bei der Bewäl­ti­gung von Unaus­ge­wo­gen­hei­ten oder Krank­hei­ten weni­ger um die Krank­heit selbst geht. Viel­mehr geht es um den ?Boden?, den wir der Krank­heit bie­ten – durch alle Aspekte unse­res Daseins.

Das Tri-Dosha-System Das Tri-Dosha-System (Drei-Säfte-System) im Ayur­veda gibt uns die Mög­lich­keit, Gesund­heit in sei­ner Gesamt­heit zu ver­ste­hen. Krank­heit wird hier beschrie­ben als eine Unaus­ge­wo­gen­heit zwi­schen Vata (Ner­ven­en­er­gie), Pitta (Stoff­wech­sel­ab­bau­en­er­gie) und Kapha (stoff­wech­sel­auf­bau­ende bzw. näh­rende Ener­gie). Vata, Pitta und Kapha beste­hen aus den fünf Ele­men­ten: Vata (Raum und Luft), Pitta (Feuer und Was­ser), Kapha (Was­ser und Erde). Eine ent­spre­chende Zusam­men­set­zung die­ser ver­schie­de­nen Ele­mente bei der Geburt bestimmt unsere Kon­sti­tu­tion (Pra­kruti), eine Abwei­chung von die­ser hin­ge­gen unsere Unaus­ge­wo­gen­heit (Vikruti).

Alle Fak­to­ren unse­res Lebens haben einen Ein­fluss auf die Zusam­men­set­zung der oben erwähn­ten ent­spre­chen­den Doshas. Durch Ver­än­de­run­gen in Ernäh­rung und Lebens­weise im ayur­ve­di­schen Sinne wird Gesund­heit und geistig-seelische Aus­ge­wo­gen­heit geför-dert. Heil­pflan­zen die­nen im Ayur­veda als beson­dere Nähr­stoffe zum Aus­lei­ten von Über­schüs­sen und zum Stär­ken von Schwä­chen.

Ein wei­te­rer Aspekt im Umgang mit ayur­ve­disch ori­en­tier­ter Pflan­zen­heil­kunde ist die Aus­ein­an­der­set­zung mit den Lebensfeuer-Prinzipien (Agnis), die durch spe­zi­fi­sche Pflan­zen ange­regt wer­den. Diese Lebens-Feuer sind ver­ant­wort­lich für alle Trans­for­ma­ti­ons­vor­gänge und reprä­sen­tie­ren die Leis­tungs­fä­hig­keit ein­zel­ner Organe und Sys­teme. Sie sind wei­ter ver­ant­wort­lich für die Koor­di­na­tion von Stoffwechsel-Prozessen und spie­len eine wich­tige Rolle in Ver­dau­ungs– und Ent­gif­tungs­pro­zes­sen.

Von den Pflan­zen ler­nen "Das Sanskrit-Wort für Pflanze ist "osadhi" und bedeu­tet wört­lich ein Auffangbehälter/Geist (=dhi), in dem das Feuer der Trans­for­ma­tion (= osa) brennt." (Lad/Frawley, 1988) Pflan­zen geben ihr Poten­tial frei, gerade wenn wir uns mit Bewusst­sein auf sie bezie­hen, was einer Ver­ei­ni­gung mit ihnen ent­spricht, anstatt sie nur zu Heilzwe­cken zu kon­su­mie­ren. Es geht also um die eigene wach­same Bezie­hung in der Wahr­neh­mung von Pflan­zen und zu ler­nen, uns ihnen gegen­über zu öff­nen.
"Pflan­zen sind Ver­mitt­ler. Sie über­mit­teln die Kräfte und Gaben der Göt­ter und des Him­mels genauso wie die der Erde. Wir essen die Götter/das Gött­li­che, wir atmen sie/es ein. In uns wer­den sie mikro­sko­pisch. In uns erneu­ern sie sich, geben uns Inspi­ra­tio­nen, Ein­sich­ten, Lebens­kraft – kurz, sie machen uns zu dem, was wir sind".
"Wir müs­sen uns von einer mecha­ni­schen Auf­fas­sung der Heil­mit­tel­wir­kung befreien. Der beseelte Orga­nis­mus befin­det sich im labi­len Gleich­ge­wicht. Er eig­net sich die Wirk­stoffe an, die er gerade braucht, um eine Home­o­sta­sis her­zu­stel­len". (Storl, 1996)

Was ist das Schwerste von allem?
Was dir das Leich­teste dünkt:
Mit den Augen zu sehen, was vor den Augen dir liegt.
(Goe­the)

Ein­hei­misch, ört­lich vor­ge­fun­dene Heil­pflan­zen ste­hen also in einer direk­ten Ver­bin­dung zu uns und der Erde, die uns nährt. Wir soll­ten diese Freund­schaft aner­ken­nen, ach­ten und auch the­ra­peu­tisch nut­zen. West­li­che Pflan­zen sind weder bes­ser noch schlech­ter als ori­en­ta­li­sche. Es hängt eben davon ab, wie und wo wir die ent­spre­chen­den Pflan­zen vor­fin­den und nut­zen. Der direkte Kon­takt mit der leben­di­gen Pflanze, die uns mit the­ra­peu­ti­schen Eigen­schaf­ten ver­sorgt, nimmt eine beson­dere Wich­tig­keit ein. Sie wach­sen wild und sind uns somit zugäng­lich. Sie sind außer­dem frisch und des­halb wir­kungs­vol­ler in der the­ra­peu­ti­schen Anwen­dung. Gerade in der Ernäh­rung und Her­stel­lung von Frisch-Pflanzensäften, Kräuter-Ölen und Tink­tu­ren sind sie jedem Heil­pflan­zen­freund unent­behr­lich. Pflan­zen müs­sen nicht aus exo­ti­schen Län­dern kom­men, um the­ra­peu­tisch wirk­sam zu sein! Wie so oft gilt auch hier wie­der ein­mal: Wozu in die Ferne schwei­fen, wenn das Gute liegt so nah?

Geben wir den Pflan­zen vor unse­rer Tür doch eine Chance, uns zu berüh­ren!

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