Neue Weib­lich­keit als Heils­weg

Nicht nur auf der indi­vi­du­el­len Ebene, son­dern auch in Öko­lo­gie, Öko­no­mie und Poli­tik macht sich das Feh­len einer weib­li­chen Kul­tur und der Man­gel an weib­li­chen Wer­ten schmerz­lich bemerk­bar, kon­sta­tiert die Buch­au­to­rin Ingrid Kraaz von Rohr. Sie plä­diert dafür, einen neuen Weg zu fin­den als Basis für 'den not­wen­di­gen Quan­ten­sprung des mensch­li­chen Bewusst­seins auf Mut­ter Erde'.

Neu­lich saß ich im Abteil mit drei Gym­na­si­al­leh­re­rin­nen. Es lag auf der Hand, dass wir letzt­lich über die Poli­tik, über die Erzie­hungs­werte und über das Welt­schick­sal rede­ten. Wir ende­ten mit der Fest­stel­lung, dass wir Frauen auf­grund der vie­len Erfah­run­gen, die wir erle­ben durf­ten, seit vie­len Jahr­hun­der­ten anfin­gen, im Unter­grund – wie Wühl­mäuse – zu arbei­ten. Wir wis­sen, was unse­ren Kin­dern gut tut, was unsere Män­ner eigent­lich mögen, wie Kin­der groß­ge­zo­gen wer­den, wie der Lebens­un­ter­halt ver­dient wer­den muss, auch wenn nichts da ist. Wir haben gelernt, uns zu orga­ni­sie­ren – not­wen­di­ger­weise.

Wie oft wur­den wir unse­rer geis­ti­gen Grund­la­gen beraubt. Die Weis­heit und die Erfah­rung einer Frau oder Mut­ter wurde ver­lacht, als "wei­bisch" abge­tan oder ins Unbe­wusste abge­drängt. Männlich-rationale Bewusst­seins­struk­tu­ren und Wert­maß­stäbe wur­den der­art ver­in­ner­licht, dass emo­tio­nale, intui­tive und offen "unge­ord­nete" Impulse keine Gel­tung mehr gewin­nen konn­ten. Die Domi­nanz der lin­ken Gehirn­hälfte führte dazu, dass ein Pio­nier der psy­cho­lo­gi­schen Erfor­schung des mensch­li­chen Bewusst­seins, Sig­mund Freud, über Frauen gesagt haben soll: "Die große Frage, die, die ich trotz mei­nes drei­ßig­jäh­ri­gen Stu­di­ums der weib­li­chen Seele nicht zu beant­wor­ten ver­mag, lau­tet: Was will eine Frau eigent­lich?"

Ohne Frage ist es nach wie vor not­wen­dig, Natur– und Men­schen­rechte auch für Frauen ein­zu­for­dern, zu erar­bei­ten und zu erkämp­fen. Denn nach wie vor gibt es die Gleich­be­rech­ti­gung oft ledig­lich auf dem Papier. Auch wenn es sehr viel bes­ser ist als noch vor hun­dert Jah­ren.

Den­ken wir nur an die immer noch exis­tie­rende Pra­xis von vie­len Gerich­ten, Miss­hand­lun­gen oder Miss­brauch an Frauen und Mäd­chen de facto als "Kava­liers­de­likt" zu ver­harm­lo­sen. Je nach inne­rer Ein­stel­lung des jewei­li­gen Rich­ters. Der Hin­ter­grund dafür ist mei­nes Erach­tens eine nach wie vor beste­hende Respekt­lo­sig­keit gegen­über Frauen. Viel­leicht aus unbe­wuss­ter Rache oder Angst.

Mir geht es aller­dings um einen neuen Weg zwi­schen dem über­hol­ten ange­pass­ten und nach­ge­äff­ten Konsum-Idol-Abklatsch als Pup­pen­da­sein einer­seits und femi­nis­ti­schem Megä­ren­tum ande­rer­seits. Es geht mei­ner Auf­fas­sung nach um mehr als "nur" um die Ver­bes­se­rung der indi­vi­du­el­len Situa­tion von uns Frauen. Es geht um eine grund­le­gende Ver­än­de­rung der Welt! Denn die Vor­herr­schaft männ­lich gepräg­ter Welt­bil­der hat ja auf unser gesam­tes Leben auf die­sem Pla­ne­ten zurück­ge­schla­gen.

Doch was ist das Ergeb­nis? Wir betrei­ben eine immer wei­ter gehende Indus­tria­li­sie­rung, beu­ten Men­schen und Natur dabei immer stär­ker aus und zer­stö­ren unsere Umwelt und damit unsere Lebens­grund­lage schein­bar unauf­halt­sam.

Man­gel an weib­li­chen Wer­ten Zu den gro­ßen, zumeist unter­schätz­ten Pro­ble­men gehört übri­gens auch die gigan­ti­sche Über­be­völ­ke­rung mit all ihren Kon­se­quen­zen für die Nah­rungs­mit­tel­ver­sor­gung, für den Lebens­raum, die Lebens­be­din­gun­gen und die Erzie­hung. Ver­ant­wort­lich für unsere gegen­wär­tige Misere ist ein zer­glie­dern­des, ver­meint­lich ratio­na­les Nütz­lich­keits­den­ken aus der lin­ken Gehirn­hälfte und die Ver­nach­läs­si­gung und Unter­drü­ckung der schöp­fe­risch flie­ßen­den Bewusst­seinspro­zesse der rech­ten Gehirn­hälfte. Anders aus­ge­drückt: Ver­ant­wort­lich dafür ist der Man­gel an weib­li­chen Wer­ten.

Wenn man an die Wer­bung als ver­län­ger­ten Arm der Waren-, Dienst­leis­tungs– und Infor­ma­ti­ons­pro­duk­tion denkt und ihre sub­tile Wir­kung, Vor­bil­der zu prä­gen, Wün­sche zu wecken und Werte zu defi­nie­ren, sind die gekünstelt-verschämte "Schö­nung" von Mens­trua­tion und Meno­pause in der Mas­sen­kon­sum­wer­bung ein bered­tes Exem­pel dafür, wie ein natür­li­cher Vor­gang mit allen mög­li­chen und unmög­li­chen Mit­teln ins Abseits der des­in­fi­zier­ten und deodo­rier­ten Schmut­zig­keit gescho­ben wer­den soll. Ist denn die Vagina so absto­ßend, dass "Appli­ka­to­ren" gebraucht wer­den müs­sen, um beim Ein­set­zen eines Tam­pons auf jeden Fall den Kon­takt der Haut mit eige­ner Haut zu ver­mei­den?

Feh­len einer weib­li­chen Kul­tur Nicht nur in Öko­lo­gie oder Öko­no­mie, son­dern auch in der Poli­tik macht sich das Feh­len einer weib­li­chen Kul­tur schmerz­lich bemerk­bar. Hätte es eine Inva­sion Kuweits, eine Zer­stö­rung Afgha­nis­tans oder Nah­ost­kriege, ob in Irak, Israel oder Pakis­tan, gege­ben, wenn in den jewei­li­gen Regie­run­gen so viele Frauen geses­sen hät­ten, wie es reprä­sen­ta­tiv dem Bevöl­ke­rungs­an­teil ent­spricht, oder wenn wenigs­tens einige betrof­fene Frauen an den Schalt­stel­len der Macht wären?

Viele Fälle in der Pra­xis bewei­sen immer wie­der, dass ein ural­tes Ver­hal­tens­mus­ter bei zahl­rei­chen Män­nern noch vor­han­den ist. Es gibt aller­dings auch Frauen, die sich "männ­lich" ver­hal­ten.
Wenn einem Mann das Objekt der Lust weg­ge­nom­men wurde oder er konnte es nicht erobern, glaubt er, dass er an Macht ver­lo­ren hat. Dass er keine Aner­ken­nung erhal­ten hat in sei­nen Augen. Dies macht sich als Trieb­fe­der und dann lei­der als Macht­miss­brauch aus blin­dem Hass, Ver­gel­tungs­sucht oder Gier nach Aner­ken­nung unter allen Umstän­den bemerk­bar. Dies wie­derum führt zur Zer­stö­rung und Unfrie­den. Die Bil­der in der Geschichte eini­ger Staats­män­ner zei­gen es tra­gi­scher­weise zu deut­lich.

Har­mo­nie und Frie­den Ich bin davon über­zeugt, dass, wenn Frauen in der Regie­rung in ange­mes­se­ner Weise mit­spre­chen und ent­schei­den könn­ten, es weni­ger Kriege gäbe. Das liegt alleine schon an der Tat­sa­che, dass eine Frau, die Kin­der neun Monate lang aus­ge­tra­gen und dann auf­ge­zo­gen hat – oft unter schwers­ten Bedin­gun­gen – natür­li­cher­weise ein­fach mehr Ach­tung und Respekt vor der Schöp­fung besitzt. Eine Frau hat in der Regel – es gibt Aus­nah­men – gelernt, zu geben und aus Not­wen­dig­keit und Liebe zu ihrer Fami­lie zu ver­zich­ten. Eine Mut­ter wird ihre Kin­der nicht zum Töten weg­schi­cken oder die Nah­rungs­zu­fuhr ver­hin­dern, die Wohn­mög­lich­kei­ten weg­neh­men – oder die auf­ge­zo­ge­nen Kin­der als Kano­nen­fut­ter ver­wer­ten. Das weib­li­che Gedan­ken­gut sorgt für Har­mo­nie, Lebens­er­hal­tung und Frie­den.

Bei­spiele von Macht­be­ses­sen­heit las­sen sich belie­big fort­füh­ren: bru­talste Nie­der­schla­gung der Demo­kra­tie­be­we­gung auf dem Tiananmen-Platz in Peking, die Beset­zung Tibets, das nicht enden wol­lende Töten in Nord­ir­land, im Nahen Osten.
Sehr oft geschieht die­ses Töten mit "reli­giö­sem" Hin­ter­grund. Der Schöp­fer – und es gibt nur einen – kennt jedoch nur Liebe und Gnade.

Die wich­tige und inter­es­sante Frage lau­tet: Brau­chen wir einen öko­no­misch, öko­lo­gisch, poli­tisch, psy­cho­lo­gisch und sozial moti­vier­ten Femi­nis­mus, einen Kampf gegen vor­herr­schende Ideo­lo­gien? Oder würde das nur die Pola­ri­tä­ten ver­stär­ken?
Ich meine, dass wir einen neuen Weg fin­den müs­sen, einen Weg, der zu fünf grund­le­gen­den Ver­än­de­run­gen führt, die das ein­zig trag­fä­hige Fun­da­ment für den not­wen­di­gen Quan­ten­sprung des mensch­li­chen Bewusst­seins auf Mut­ter Erde dar­stel­len, um unser Über­le­ben glo­bal zu sichern:

1. Wir brau­chen ein neues Selbst­wert­ge­fühl der Frauen, das auf der Erfah­rung und Ver­wirk­li­chung von Qua­li­tä­ten beruht, die zu den Erschei­nungs­for­men der "Göt­tin" gehö­ren.

2. Wir müs­sen neue For­men der Part­ner­schaft zwi­schen Frau und Mann ent­wi­ckeln, in denen Frauen ihre Männ­lich­keit und Män­ner ihre Weib­lich­keit ent­de­cken kön­nen, ohne ihre Eigen­art auf­zu­ge­ben und ohne sich gegen­sei­tig gering zu schät­zen.

3. Wir müs­sen als Frauen wie­der unse­ren Platz in der Mitte des geis­ti­gen und geist­li­chen Lebens ein­neh­men, wie­der unsere spi­ri­tu­el­len Fähig­kei­ten spü­ren und sie nicht nur "pri­vat", son­dern auch gesell­schaft­lich rele­vant anwen­den – in einer Welt­ge­mein­schaft, die spi­ri­tu­ell inspi­riert ist.

4. Die Erzie­hung und Bil­dung muss end­lich wie­der unter weib­li­cher Füh­rung erfol­gen. Die Zukunft sind unsere Kin­der, die nach den neu­es­ten päd­ago­gi­schen Erkennt­nis­sen gelei­tet wer­den soll­ten. Die Kin­der wer­den somit auf das Leben vor­be­rei­tet, damit sie ihr höchs­tes Ziel errei­chen und gute Men­schen wer­den. Eine Mut­ter weiß, dass kein Kind "schlecht" sein will. Sie wer­den ermun­tert, sich als Bewoh­ner einer glo­ba­len Gemein­schaft zu sehen, deren Wachs­tum und Wohl­stand auf mensch­li­ches Mit­ein­an­der und Koope­ra­tion beruht. Die wich­tigs­ten Kri­te­rien dazu sind fol­gende:

· Ethi­sche Werte
· Selbst­lo­ses Hel­fen und Die­nen
· Respekt vor allem Leben und für die Erde
· Ver­glei­chende Reli­gi­ons­wis­sen­schaf­ten, um Ver­ständ­nis für andere Kul­tu­ren zu erwer­ben
· Kon­flikt­lö­sungs­stra­te­gien
· För­de­rung der Team­ar­beit
· Medi­ta­tion zur Kon­zen­tra­ti­ons­stei­ge­rung und Ent­span­nung

5. Wir müs­sen einen neuen Weg gehen und vor­le­ben, dass wir in unse­rem Her­zen Liebe und Ach­tung für alle haben. Denn nur dann wer­den wir eine Gesell­schaft sein, in der sich die Men­schen so ver­hal­ten, als ob die Mit­men­schen Teil der eige­nen Fami­lie wären.

Hier­mit ver­su­che ich, Ihnen einen Weg zu beschrei­ben, der zum weiblich-weisen Glück­lich­sein füh­ren kann. Sowohl für Frauen als auch für die Män­ner. Denn hin­ter einem gro­ßen Mann steckt jeweils eine große Frau.

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