Mit Licht gestal­ten – Moderne Beleuch­tungs­pla­nung unter Berück­sich­ti­gung von gesund­heit­li­chen und ener­ge­ti­schen Aspek­ten

Wir möch­ten unsere Wohn­räume nach Mög­lich­keit so gestal­ten, dass wir uns darin geschützt und unse­ren ästhe­ti­schen und kör­per­li­chen Wün­schen ent­spre­chend wohl­füh­len. Hier­bei kommt der rich­ti­gen Beleuch­tung eine ent­schei­dende Rolle zu. Maxi­mi­lian Schä­fer über moderne Beleuch­tungs­pla­nung und gelun­gene Raum­be­leuch­tung.

Unsere moderne Zeit mit ihrer Tech­no­lo­gie­las­tig­keit, ihrer Leis­tungs­ori­en­tiert­heit und Schnell­le­big­keit stellt große Anfor­de­run­gen an das phy­si­sche und see­li­sche Gleich­ge­wicht der Men­schen. Die Zunahme der all­er­gi­schen Beschwer­den, der Herz– und Kreis­lauf­pro­bleme, der psy­cho­so­ma­ti­schen Erkran­kun­gen – das sind nur einige Sym­ptome für die Reak­tio­nen unse­res Kör­pers auf Über­las­tung. Umso wich­ti­ger erscheint es, dass heute in der Aus­ge­stal­tung der Wohn– und Arbeits­um­ge­bung des Men­schen Aspekte von Behag­lich­keit, Wohl­be­fin­den und Gesund­heit wie­der in das Zen­trum der Auf­merk­sam­keit rücken. In der jüdi­schen Über­lie­fe­rung gibt es einen Namen für den weib­li­chen Aspekt Got­tes: "Sche­china". Die­ses Wort kommt von "Schochen" – Woh­nen. So wie es viele Men­schen aller Kul­tu­ren und Zeit­epo­chen glaub­ten und die Mys­ti­ker in sich selbst erle­ben, so geht auch die moderne Phy­sik bereits davon aus, dass die gött­li­che Urkraft unsicht­bar und uner­kannt allen Din­gen inne­wohnt und die Essenz von allem ist. Gott gleicht damit dem Licht, das auch unsicht­bar und für unsere Augen nur erkenn­bar ist, wenn es von fes­ter Mate­rie reflek­tiert wird. Auch uns Men­schen ist mit die­ser Exis­tenz in unse­rem Kör­per­haus eine ursprüng­li­che Lebens­freude und ein Beha­gen mit­ge­ge­ben wor­den, was man sehr gut an Säug­lin­gen und klei­nen Kin­dern beob­ach­ten kann.
Die­ses ver­traute Wohl­ge­fühl immer wie­der her­zu­stel­len, danach strebt jeder Mensch stän­dig, bewusst oder unbe­wusst. In der Erwei­te­rung trifft dies dann auch auf unsere Wohn­räume zu. Wir möch­ten sie nach unse­ren Mög­lich­kei­ten so gestal­ten, dass wir uns darin geschützt und unse­ren ästhe­ti­schen und kör­per­li­chen Wün­schen ent­spre­chend wohl­füh­len.
Die gesamte Schö­ner Wohnen-, Wellness-, Design– und Feng Shui-Welle legt ein Zeug­nis davon ab, auf wel­che Weise wir ver­su­chen, die­ses Urbe­dürf­nis zu befrie­di­gen. Hier kommt der rich­ti­gen Beleuch­tung eine ent­schei­dende Rolle zu, denn sie beschäf­tigt sich mit dem Urele­ment schlecht­hin.

Wie groß der Unter­schied zwi­schen miss­glück­ter und gelun­ge­ner Raum­be­leuch­tung sein kann, zei­gen etwa die Unter­su­chun­gen von Dr. Jacob Liber­man. Er stellte fest, dass man unter qua­li­ta­tiv gutem Licht in der Lage sein sollte, acht Stun­den kon­zen­triert und ent­spannt zu arbei­ten, wäh­rend dies unter her­kömm­li­chem Kunst­licht nur ca. zwei Stun­den auf einem hohen Niveau mög­lich ist.
Jahr­zehn­te­lang aber wurde die Licht­pla­nung dem Dik­tat der DIN-Normen unter­wor­fen. Licht wurde bis in die Mitte der neun­zi­ger Jahre hin­ein in ers­ter Linie in sei­nen quan­ti­ta­ti­ven Aspek­ten berück­sich­tigt: Licht­farbe, Hel­lig­keit und Leucht­dich­ten. Heute wer­den die bis­her für nötig befun­de­nen und mit DIN fest­ge­leg­ten Hel­lig­keits­nor­men für Arbeits­plätze mehr und mehr in Frage gestellt, da das Son­nen­licht im Freien um ca. das 50– bis 200-fache hel­ler ist. So wird von eini­gen Fach­leu­ten die Mei­nung ver­tre­ten, dass die bio­lo­gi­sche Wir­kung erst ab einer Beleuch­tungs­stärke von 2.500 Lux anfange. Dies mag für Drei­ban­den­be­leuch­tung, so wie sie heute in 95% aller Arbeits­be­rei­che ein­ge­setzt wird, zutref­fen. Nach unse­rer über 15-jährigen prak­ti­schen Erfah­rung tritt jedoch ein deut­lich spür­ba­rer Effekt bei voll­spek­tra­lem Licht bereits ab ca. 800 Lux ein. Selbst Prof. Bar­ten­bach aus Inns­bruck, in Beleuch­tungs­krei­sen oft auch als "Licht­papst" bezeich­net, stellt in sei­ner Ver­öf­fent­li­chung "Archi­tek­to­ni­sche Lösun­gen und Beleuch­tungs­kon­zepte" fest, "… dass zum Bei­spiel für Büro­ar­bei­ten bei Kunst­licht­be­leuch­tung eine Beleuch­tungs­stärke von Em = 500 lx emp­foh­len wird. Nach dem … erreicht man eine Gleich­wer­tig­keit bei einer Tages­licht­be­leuch­tung mit Em=250 lx."
Was aber vor allem wei­ter­hin von fast allen Licht­pla­nern unbe­rück­sich­tigt bleibt, ist die Ant­wort auf die Frage, was Licht­qua­li­tät im wesent­li­chen aus­macht. Und dies ist nun ein­mal das Spek­trum mit allen Farb­fre­quen­zen, wie vom natür­li­chen Son­nen­licht vor­ge­ge­ben. Hier kann man oft auch mit ein­fa­chen Mit­teln eine große Wir­kung erzie­len. Licht sollte sich dem Men­schen mit sei­nen bio­lo­gi­schen und psy­chi­schen Vor­aus­set­zun­gen anpas­sen und nicht umge­kehrt.

Denn Licht ist nicht nur eine phy­si­ka­li­sche Größe. Licht und Schat­ten sind nicht ein­fach nur Werte, die in Lux und Lumen gemes­sen wer­den kön­nen. Sie sind Aus­druck der gegen­po­li­gen, lebens­spen­den­den Urkräfte über­haupt, die von den Chi­ne­sen als Yin und Yang bezeich­net wer­den. In deren Span­nungs­feld und bestän­di­gen Wand­lun­gen bewegt sich alles Leben hier auf der Erde und in unse­rem Kör­per.
Licht erzeugt Stim­mun­gen, Licht zieht an oder stößt ab, Licht klärt auf oder ver­schlei­ert, Licht ver­stärkt oder dämpft, Licht macht wach oder schlä­fert ein, Licht regt zur Kom­mu­ni­ka­tion an oder ent­frem­det ein­an­der, Licht kann fas­zi­nie­ren oder abstump­fen. Licht weckt Urer­in­ne­run­gen in uns, wie zum Bei­spiel als Pas­tell­schim­mer im Regen­bo­gen, als Explo­sion wie im Feu­er­werk, als Ker­zen­flämm­chen am Weih­nachts­baum, als dra­ma­ti­sches Gesche­hen wie beim Son­nen­auf– oder –unter­gang, als Lich­ter­meer über den Metro­po­len, als Insze­nie­rung einer gekonn­ten Farb­licht­show oder als tan­zende Licht­re­flexe auf einer spie­geln­den Was­ser­ober­flä­che. Nicht zuletzt aus der Lehre der west­li­chen Geo­man­tie oder des öst­li­chen Feng Shui wis­sen wir, dass Räume – je nach­dem – Ener­gie­räu­ber oder Ener­gie­spen­der sein kön­nen. Dass ihr Cha­rak­ter sowohl Ruhe als auch Akti­vi­tät, Besinn­lich­keit oder Denk­ver­mö­gen, Sinn­lich­keit oder nüch­ter­nen Prag­ma­tis­mus unter­stüt­zen oder hem­men kann.

Licht und Farbe sind die viel­leicht am stärks­ten wir­ken­den ener­ge­ti­schen Fak­to­ren in einer Ein­rich­tungs­pla­nung. Gerade beim Ein­satz von Voll­spek­trum­licht kommt der bewuss­ten gestal­te­ri­schen Mit­ein­be­zie­hung von Raum– und Objekt­far­ben eine ent­schei­dende Bedeu­tung zu. Auch hier gilt es, die Natur zum Vor­bild zu neh­men, bei der ca. zu 90% der gesam­ten Tages– und Jah­res­zeit die Licht­farbe zwi­schen 5.000 und 7.000 Kel­vin ist, also "tages­licht­weiß", wie bezeich­nen­der­weise auch der Fach­aus­druck lau­tet. Der sub­jek­tive Ein­druck von war­mem Licht kommt im Freien von den Far­ben der Natur, dem Braun und Gelb der Erde und der dar­auf leben­den Tiere, dem har­mo­ni­schen Grün der Pflan­zen und Bäume, den bun­ten Blu­men und dem strah­len­den Gelb oder Orange der auf– und unter­ge­hen­den Sonne. Des­we­gen gehört die Erstel­lung eines Farb­kon­zep­tes mit zu unse­ren pla­ne­ri­schen Leis­tun­gen, die wir gemein­sam mit aus­ge­such­ten Part­nern anbie­ten.
Natür­li­ches Tages­licht hat dar­über hin­aus auch noch den bereits erwähn­ten dyna­mi­schen Cha­rak­ter: Es ver­än­dert Rich­tung, Hel­lig­keit, Inten­si­tät und Schat­ten­län­gen, und durch­läuft vom Mor­gen bis zum Abend und ent­spre­chend dem Jah­res­lauf ein gan­zes Spek­trum von Licht­far­ben. Unser Kör­per und unsere Psy­che fol­gen die­sen vor­ge­ge­be­nen Mus­tern; man spricht dabei von der "inne­ren Uhr" oder den "cir­ca­dia­nen Rhyth­men".

Bei 99% unser künst­li­chen Licht­wel­ten dage­gen wer­den diese bio­lo­gi­schen und dyna­mi­schen Aspekte nicht oder nur ansatz­weise berück­sich­tigt und kön­nen so nie­mals zu dem für uns so wich­ti­gen Wohl­ge­fühl bei­tra­gen.
Eine Licht­pla­nung, die ihren Namen ver­dient, sollte aber diese Kri­te­rien mit berück­sich­ti­gen. So gilt es, Beleuch­tungs­kon­zepte zu ent­wi­ckeln, die alle wesent­li­chen Ele­mente einer natur­o­ri­en­tier­ten Beleuch­tung mit­ein­be­zie­hen. Dies kann durch ein­fa­che Mit­tel wie der rich­ti­gen Mischung und Abstim­mung von Leuch­ten, Leucht­mit­teln mit ver­schie­de­nen Licht­far­ben und Beleuch­tungs­stär­ken gesche­hen. Oder aber sehr dif­fe­ren­ziert über eine zen­trale Steue­rung, die ent­spre­chend dem Tages­licht­ver­lauf die unter­schied­li­chen Farb­tem­pe­ra­tu­ren und Hel­lig­keits­ver­än­de­run­gen des Tages­lich­tes nach­ahmt und z.B. auch kurz­zei­tige Licht­schwan­kun­gen wie bei vor­über­zie­hen­den Wol­ken simu­liert Außer­dem wird bei die­sem System das her­ein­fal­lende Tages­licht berück­sich­tigt, so dass immer nur soviel an künst­li­chem Tages­licht ersetzt wird wie gerade nötig ist. Dabei kön­nen vor allem gezielt Morgen-, Mit­tags– und Abend­licht­si­tua­tio­nen rea­li­siert wer­den, was den für unsere kör­per­li­che und see­li­sche Gesund­heit so wich­ti­gen Gleich­klang unse­rer inne­ren Uhr mit dem Rhyth­mus der Natur sti­mu­liert.
Das Ergeb­nis sollte eine wirk­lich spür­bare ener­ge­ti­sche, stim­mungs­mä­ßige und ggf. gesund­heit­li­che Ver­bes­se­rung sein. Außer­dem sollte die Aus­wahl der Leucht­mit­tel und Leuch­ten nach Mög­lich­keit indi­vi­du­ell auf die archi­tek­to­ni­schen Gege­ben­hei­ten und per­sön­li­chen Nei­gun­gen und Bedürf­nisse abge­stimmt wer­den, so dass jedes Objekt sei­nen ganz eige­nen Cha­rak­ter erhält.

Als Abschluss die­ser Betrach­tung sei Prof. Dr. Dr. H.c. Fritz Holl­wich aus einer Ver­öf­fent­li­chung aus dem Jahre 1981 ("Bio­lo­gi­sche Wir­kun­gen des Lich­tes über das Auge auf Stoff­wech­sel und Endo­kri­num", in: Deut­sche Opti­ker Zei­tung Nr. 8, 1981) zitiert, der als ers­ter den so bedeu­ten­den ener­ge­ti­schen Anteil der Seh­bahn wis­sen­schaft­lich nach­voll­zieh­bar dar­ge­stellt hat und aus die­sen Erkennt­nis­sen her­aus zu einem der eif­rigs­ten Ver­fech­ter des Ein­sat­zes von Voll­spek­trum­licht wurde:
"<Was am Auge fehl­ge­lei­tet wird, trifft den gan­zen Men­schen.> (Hugo Kükel­haus) Im Falle künst­li­cher Licht­quel­len sollte das Spek­trum weit­ge­hend dem Tages­licht­spek­trum ent­spre­chen … Aus die­sem Grunde bedarf die Beleuch­tung in der Schule und am Arbeits­platz in jedem Falle der Bera­tung durch einen licht­tech­ni­schen Fach­mann, der Kennt­nis von dem vita­len Ein­fluss des Augen­lich­tes auf den Stoff­wech­sel und die Hor­mon­drü­sen des mensch­li­chen Orga­nis­mus besitzt." (Prof. Dr. Fritz Holl­wich)

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