Ler­nen als Last?

Für viele Men­schen unvor­stell­bar: Ler­nen nicht unter Stress und Druck, son­dern mit Spaß, For­scher­geist und hoher Effi­zi­enz. Ähn­li­che Situa­tion beim Lesen: auch hier hät­ten es viele Men­schen gerne schnel­ler, aber es gibt offen­bar Gren­zen, die schein­bar nur schwer zu über­win­den sind. Warum ist das so? Dafür gibt es ein gan­zes Bün­del von Grün­den, wie Tom Freu­den­thal weiß.

Moderne Erkennt­nisse machen es schnell und effek­tiv …

95% unse­res Gehirns arbei­ten in Bil­dern und mit Gefüh­len – nur unge­fähr 1–2% beschäf­ti­gen sich mit Wor­ten. Da die meis­ten Men­schen aber fast aus­schließ­lich logisch und in Wor­ten den­ken, nut­zen sie nur einen sehr klei­nen Teil ihres Gehirns. Die­ses Phä­no­men wird durch meh­rere Fak­to­ren begüns­tigt; ein ganz wich­ti­ger dabei ist Stress.

Stress als Lern­ver­hin­de­rer Num­mer 1 Dr. Hans Seyle, der Begrün­der der moder­nen Stress­for­schung, stellte schon in den 50er Jah­ren ver­wun­dert fest, dass unser Gehirn prak­tisch alle mensch­li­chen Lebens­be­rei­che als poten­zi­elle Gefahr inter­pre­tiert und mit unbe­wuss­ten Angriffs– oder Flucht­re­ak­tio­nen ant­wor­tet – ein Relikt aus Zei­ten, in denen wir noch mit dem Säbel­zahn­ti­ger kämp­fen muss­ten. Das mensch­li­che Gehirn hat offen­bar bis heute nicht gelernt, Über­le­bens­in­stinkte nur dann ein­zu­set­zen, wenn auch tat­säch­lich Gefahr für unser Leben besteht. Die­ses Phä­no­men macht Lern­pro­zesse auf höhe­rem Niveau prak­tisch unmög­lich.

Den­ken ohne Gefühle gibt es nicht Ein wei­te­rer Hin­de­rungs­grund für effek­ti­ves Ler­nen und Lesen ist die sim­ple Tat­sa­che, dass Infor­ma­tio­nen immer mit Gefüh­len ver­bun­den sind und vom Gehirn auch gar nicht anders ver­ar­bei­tet wer­den kön­nen. Anders aus­ge­drückt: Wer seine Emo­tio­nen am Lern­pro­zess nicht betei­ligt und Infor­ma­tio­nen nicht "sieht", wird sich Dinge sehr schlecht mer­ken kön­nen. Auch wer jedes Wort beim Lesen inner­lich mit­spricht, wird nicht schnel­ler wer­den, als die so genannte "Sub­vo­ka­li­sa­ti­ons­sperre" es zulässt. Und wer kei­nen Sinn im Lern­stoff sieht, also emo­tio­nal nicht betei­ligt ist, wird die Infor­ma­tio­nen nur unter gro­ßen Mühen in den Schä­del bekom­men – ohne Sinn oder Eigen­mo­ti­va­tion kein Ler­nen. Unter ande­rem die For­schungs­er­geb­nisse des Ver­hal­tens­bio­lo­gen Prof. Dr. Dr. Ger­hard Roth vom Hanse-Wissenschaftskolleg Del­men­horst haben diese Zusam­men­hänge immer wie­der ein­dring­lich beschrie­ben.

Kern­pro­blem Schule Und damit sind wir beim viel­leicht wich­tigs­ten Punkt: der Schule. Denn die nimmt bis­her auf all diese Fak­to­ren wenig bis gar keine Rück­sicht, son­dern ver­sucht statt­des­sen Lern­wege zu för­dern, die uns dann für lange Zeit oder meist für immer das Leben schwer machen. Ler­nen ist im Bil­dungs­sys­tem auto­ma­tisch ver­bun­den mit Anstren­gung. Die dadurch ent­stan­de­nen "Lern­wun­den" sind die eigent­li­che Ursa­che für den schlech­ten Ruf des Ler­nens – aber auch für lang­sa­mes Lesen.

Was tun? Nach so viel nega­ti­ven Neu­ig­kei­ten jetzt die gute Nach­richt. Schon mit weni­gen Ver­hal­tens­än­de­run­gen kann das Ler­nen wie­der effek­tiv wer­den. Wie? Das Zau­ber­wort heißt Ent­span­nen! Um aus den Stress­mus­tern her­aus zu kom­men, schlie­ßen Sie vor der Ler­nein­heit für einen Moment die Augen, las­sen Sie sich in den Stuhl sin­ken und atmen tief durch bis sich ein Gefühl der Ruhe ein­ge­stellt hat.
Machen Sie aus Fremd­in­for­ma­tio­nen Eigen­in­for­ma­tio­nen! Wich­tig ist, was Sie suchen und nicht, was sich der Autor für eine Struk­tur für sein Werk aus­ge­dacht hat. Ver­schaf­fen Sie sich also erst einen Über­blick über das Buch, machen Sie sich Noti­zen über die wich­tigs­ten The­men und gehen Sie dann nach Ihrem eige­nen Inter­esse vor. In der Regel sind sowieso nur 10% des Inhalts wirk­lich neu und die zu fin­den ist wich­ti­ger, als das Buch von vorne bis hin­ten durch­zu­le­sen. Visua­li­sie­ren Sie dann Ihre Infor­ma­tio­nen – schrei­ben Sie sie nicht linear unter­ein­an­der, son­dern in Form eines Mind­maps, also gra­phisch. Das Gehirn kann sich wie gesagt Dinge bes­ser in Bil­dern mer­ken, als in Wor­ten. Und damit wären wir beim letz­ten Punkt: Schon die alten Grie­chen wuss­ten, wenn sie die Infor­ma­tio­nen mit Bil­dern, Geschich­ten und Gefüh­len ver­bin­den, dann sind sie gewis­ser­ma­ßen siche­rer im Gehirn auf­ge­hängt. Je unge­wöhn­li­cher und ver­rück­ter Sie diese Geschich­ten rund um Ihre Infor­ma­tio­nen ent­wi­ckeln, desto bes­ser wird Ihr Gedächt­nis. Die Anwen­dung die­ser Tech­ni­ken erfor­dert etwas Übung, das ist der Nach­teil. Aber da diese Art zu Ler­nen von Anfang an Spaß macht, ist diese Erwei­te­rung geis­ti­ger Fähig­kei­ten eine loh­nende Sache.

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