Lebens­hilfe von Sokra­tes und Kol­le­gen

Die Bera­tung in einer phi­lo­so­phi­schen Pra­xis mau­sert sich zur ernst zu neh­men­den Ergän­zung und Fort­füh­rung psy­cho­the­ra­peu­ti­scher Ansätze. Immer öfter ent­de­cken Men­schen die Lust am Den­ken und suchen nach Ant­wor­ten auf ganz all­täg­li­che Fra­gen bei Pla­ton und sei­nen Kol­le­gen.

"Bei Lie­bes­kum­mer Sokra­tes", "Phi­lo­so­phie für Ver­liebte", "Bei Sokra­tes auf der Couch" oder "Trost der Phi­lo­so­phie". Das sind nur einige von etli­chen neuen Buch­ti­teln, die ein immer brei­ter wer­den­des Inter­esse an der prak­ti­schen Phi­lo­so­phie bedie­nen. Ein Begriff, der Anfang der 80er Jahre von Gerd B. Achen­bach geprägt wurde. Er holte die Mut­ter aller Wis­sen­schaf­ten aus ihrem aka­de­mi­schen Elfen­bein­turm und machte sie wie­der zur ange­wand­ten Mög­lich­keit, durch Den­ken und Gespräch neue Erkennt­nisse und Lösungs­wege zu ent­de­cken. 1981 grün­dete er des­halb die erste "phi­lo­so­phi­sche Pra­xis" in Ber­gisch Glad­bach bei Köln, die außer­halb des klas­si­schen Uni­ver­si­täts­be­trie­bes neue Wege beschritt. Ein Modell, das sich von Deutsch­land aus in Europa aus­brei­tete und schließ­lich in die Hoch­burg der the­ra­peu­ti­schen Ange­bote über­schwappte, die USA.

Der Psy­cho­loge Eckard Rusch­mann sieht "diese neue phi­lo­so­phi­sche Dis­zi­plin" als eine Ent­wick­lung von ehe­ma­li­gen Phi­lo­so­phie­stu­den­ten an, die "statt eine aka­de­mi­sche Kar­riere anzu­stre­ben, einen eigen­stän­di­gen Pra­xis­be­ruf auf der Basis einer phi­lo­so­phi­schen Aus­bil­dung eta­blie­ren, und das weit­ge­hend ohne ent­spre­chende pra­xis­be­zo­gene Vor­be­rei­tung oder Schu­lung wäh­rend des Stu­di­ums". Prak­ti­ker wie der Düs­sel­dor­fer Phi­lo­soph Chris­toph Weis­mül­ler oder die Münch­ner The­ra­peu­tin Kay Hoff­man (siehe Inter­view) stüt­zen sich jedoch nicht allein auf ihr Phi­lo­so­phie­stu­dium. Chris­toph Weis­mül­ler: "Ich habe eine psy­cho­ana­ly­ti­sche Aus­bil­dung. Das ist ein Schwer­punkt, den ich auch immer wie­der mit ein­bringe."
In Grup­pen­sit­zun­gen und Ein­zel­ge­sprä­chen wird die Phi­lo­so­phie aus ihren theo­re­ti­schen und hypo­the­ti­schen Zusam­men­hän­gen gelöst und auf ganz all­täg­li­che per­sön­li­che, soziale oder beruf­li­che The­men über­tra­gen.

Ein Kon­zept, das nicht nur die phi­lo­so­phi­schen Bera­ter erfolg­reich umset­zen. Bei­spiels­weise ver­zeich­net der West­deut­sche Rund­funk eine stei­gende Hör­er­be­tei­li­gung beim monat­li­chen "Phi­lo­so­phi­schen Radio". Der Ber­li­ner Pro­fes­sor Lutz von Wer­der lei­tet die inter­ak­tive Sen­dung seit 2000. Ein Novum in den Medien, denn bis dato konn­ten die Hörer oder Zuschauer nur Vor­trä­gen oder Dis­kus­si­ons­run­den – etwa der ZDF-Sendung "Im Glas­haus" – lau­schen, aber selbst nichts bei­steu­ern. Das "Phi­lo­so­phi­sche Radio" dage­gen bie­tet Übun­gen und Den­kauf­ga­ben. Die Hörer kön­nen im Sen­der anru­fen und ihre Ideen und Über­le­gun­gen live vor­stel­len. Seit 1999 mode­riert Lutz von Wer­der außer­dem über­aus erfolg­reich das "Phi­lo­so­phi­sche Café" in Ber­lin. Beide Ange­bote rich­ten sich an alle, die ihren Hori­zont erwei­tern und andere Lebens– oder Denk­per­spek­ti­ven ken­nen ler­nen wol­len. Die Idee hin­ter den öffent­li­chen Dis­kus­si­ons­fo­ren war nicht nur die Anre­gung zum Mit– und Sel­ber­den­ken, son­dern auch zur akti­ven Teil­nahme am Gespräch. Denn Gedan­ken kön­nen beson­ders gut im Aus­tausch mit ande­ren wei­ter­ent­wi­ckelt und geord­net wer­den.
Die prak­ti­sche Phi­lo­so­phie boomt. Fir­men neh­men das Ange­bot phi­lo­so­phi­scher Bera­ter gern in Anspruch, wobei es nicht um die klas­si­sche Unter­neh­mens­be­ra­tung geht, son­dern um die För­de­rung der geis­ti­gen und kom­mu­ni­ka­ti­ven Beweg­lich­keit, aber auch um Anre­gung der Phan­ta­sie und Krea­ti­vi­tät.
Als Ange­bot zur Lebens­be­ra­tung trifft die phi­lo­so­phi­sche Pra­xis eben­falls auf ein stei­gen­des Inter­esse. Mana­ger, Ärzte, Rechts­an­wälte, aber auch The­ra­peu­ten und Men­schen mit einem weni­ger pri­vi­le­gier­ten Hin­ter­grund neh­men die Ange­bote der Bera­ter in Anspruch. Phi­lo­so­phie soll wie­der fes­ter Bestand­teil des All­tags wer­den. So, wie es sich Sokra­tes wohl einst gedacht hat.
Die wie­der ent­deckte Lust am Dis­ku­tie­ren und Phi­lo­so­phie­ren stand in der Antike hoch im Kurs. Der grie­chi­sche Den­ker Epi­kur befand damals: "Wer jung ist, soll nicht zögern zu phi­lo­so­phie­ren, und wer alt ist, soll nicht müde wer­den im Phi­lo­so­phie­ren. Denn für kei­nen ist es zu früh und für kei­nen zu spät, sich um die Gesund­heit der Seele zu küm­mern."

Indi­vi­du­elle Ant­wor­ten auf uni­ver­sale Fra­gen Die fol­gen­den Fra­gen haben wir uns sicher alle schon mal gestellt. Sie gehö­ren zum Kern des­sen, was Phi­lo­so­phen seit der Antike umtreibt:
&##61548; Was ist der Sinn des Lebens?
&##61548; Wie sieht ein erfüll­tes Leben aus?
&##61548; Was ist gut und was schlecht?
&##61548; Was ist die Wahr­heit?
&##61548; Was ist das Rich­tige in die­ser oder jener Situa­tion?
&##61548; Soll ich die­sen Beruf ergrei­fen oder wech­seln?
&##61548; Habe ich den rich­ti­gen Part­ner?

Diese Auf­lis­tung ließe sich belie­big fort­füh­ren. Zuge­ge­ben, keine leich­ten Fra­gen, und die Ant­wor­ten dar­auf lie­gen auch nicht gerade auf der Hand. Wäre es anders, wür­den wir sicher nicht danach suchen. Aber es wird noch kom­pli­zier­ter: Die Ant­wor­ten auf diese Fra­gen­aus­wahl sind so indi­vi­du­ell wie die Men­schen, die danach suchen.
Typi­sche oder klas­si­sche Fälle kann Chris­toph Weis­mül­ler des­halb aus sei­ner Pra­xis als phi­lo­so­phi­scher Bera­ter nicht benen­nen. Denn so wie sich seine Gesprächs­part­ner aus allen Gesell­schafts­schich­ten zusam­men­set­zen, so viel­schich­tig sind auch die The­men des Ein­zel­nen. Und doch las­sen sich immer wie­der­keh­rende Pro­blem­be­rei­che benen­nen: Fra­gen zur Ethik, beruf­li­chen Ori­en­tie­rung, zum Orts­wech­sel oder zu Kon­flik­ten in der Part­ner­schaft und Fami­lie. In eini­gen Fäl­len über­nimmt Chris­toph Weis­mül­ler auch die Nach­be­hand­lung nach einer Psy­cho­the­ra­pie. Der Haupt­teil sei­ner Kli­en­ten aber, so Weis­mül­ler, habe "in irgend­ei­ner Weise ein Pro­blem, das sie auch schon mit gän­gi­gen Mit­teln zu lösen ver­such­ten. Die meis­ten, die das ver­such­ten, stell­ten aber bald fest, dass sich wie­der neue Pro­bleme erga­ben. So kom­men viele, die es mit der Psy­cho­the­ra­pie oder ande­ren Heil­me­tho­den ver­sucht und von der phi­lo­so­phi­schen Pra­xis gehört haben, schließ­lich zu mir."

Gesprächs­be­dürf­nis Aber woher kommt nun das gestei­gerte Inter­esse am Phi­lo­so­phie­ren? Die Ant­wort könnte para­do­xer­weise in der Kom­mu­ni­ka­tion lie­gen, genauer: in unse­rer Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­sell­schaft. Wir leben im Zeit­al­ter der Medien. Infor­ma­tio­nen pras­seln rund um die Uhr auf uns nie­der. Das World­Wi­de­Web lässt die Welt schrump­fen. In Sekun­den­schnelle kön­nen wir Daten und Bot­schaf­ten über­mit­teln. Aber in den Tagen von E-Mail und SMS haben wir ver­lernt, uns im Gespräch mit ande­ren neue Wege zu erschlie­ßen, unsere eige­nen Ansich­ten zu prü­fen und gege­be­nen­falls zu über­den­ken. Gründe für einen ver­ba­len Aus­tausch gibt es viele: Etwa die Über­le­gung, wo man der­zeit steht und wohin der Weg in Zukunft füh­ren soll, All­täg­li­ches oder schlichte Neu­gier.
Natür­lich wer­den einige jetzt ein­wen­den: "Aber wir reden doch mit unse­ren Freun­den, der Fami­lie oder Kol­le­gen." Da ist was dran. Aber – Freunde und Fami­li­en­mit­glie­der sind oft per­sön­lich und emo­tio­nal betrof­fen. Kol­le­gen­ge­sprä­che haben sel­ten die Tiefe, die sie haben könn­ten, weil ein­fach nicht die Zeit und Atmo­sphäre für eine gute Dis­kus­sion da ist. Warum also nicht ein­mal mit einer neu­tra­len Per­son spre­chen? Jeman­dem, der keine vor­ge­fasste Mei­nung hat, keine Theo­rien bestä­tigt sehen will, sei­nen Gesprächs­part­ner ernst nimmt und nicht als ver­meint­lich "kran­ken" Men­schen betrach­tet, dem man nur "pro­fes­sio­nell" hel­fen kann.

Abgren­zun­gen zu ande­ren Ange­bo­ten Die meis­ten Ver­tre­ter der phi­lo­so­phi­schen Pra­xis tren­nen ihre Arbeit scharf von der Psy­cho­lo­gie. "Die Psy­cho­lo­gie hat sich erst Mitte des 19. Jahr­hun­derts von der Phi­lo­so­phie frei gemacht. Sie ist also eine sehr junge Wis­sen­schaft. Die­sen Aspekt sollte man beden­ken", meint Chris­toph Weis­mül­ler. Psy­cho­lo­gen arbei­ten nach ganz bestimm­ten Kri­te­rien, "denen der Wis­sen­schaft­lich­keit und des empi­ri­schen Vor­ge­hens", so der Experte wei­ter. Des­halb wer­den Psy­cho­lo­gen, Psych­ia­ter und Psy­cho­the­ra­peu­ten erst ein­mal mit dia­gnos­ti­schen Ver­fah­ren anset­zen.
Phi­lo­so­phi­sche Bera­ter arbei­ten jedoch weni­ger kon­flikt– als lösungs­ori­en­tiert. Das heißt, nicht die Ana­lyse der Ver­gan­gen­heit steht im Vor­der­grund, son­dern die Pro­blem­be­wäl­ti­gung mit Blick auf die Zukunft. "Ein Psy­cho­loge sucht nach Grün­den. Wenn Sie ein Pro­blem haben, wird er sagen: Aha! Ihre emo­tio­nale Auf­re­gung geht mög­li­cher­weise zurück auf ein Pro­blem in Ihrer Kind­heit", sagt denn auch Lou Marin­off – Pro­fes­sor am New Yor­ker City Col­lege und Prä­si­dent der "Ame­ri­can Phi­lo­so­phi­cal Prac­ti­tio­ners Asso­cia­tion". Er ist sich sicher: "Wir brau­chen manch­mal ein­fach einen Beglei­ter der uns hilft, bereits vor­han­de­nes Wis­sen wie­der zu ent­de­cken." Gerd B. Achen­bach grenzt seine Auf­gabe als Bera­ter eben­falls klar von der Arbeit eines Psy­cho­the­ra­peu­ten ab. Der phi­lo­so­phi­sche Bera­ter arbeite nicht mit, son­dern an Metho­den. Des­halb bie­tet er auch keine vor­ge­fer­tig­ten Lösun­gen oder Ant­wor­ten, viel­mehr gibt er Denk­an­stöße und hilft beim Abwä­gen von Argu­men­ten.

Anre­gung zum Sel­ber­den­ken Mono­loge sind in der phi­lo­so­phi­schen Pra­xis genauso wenig gefragt, wie das unent­wegte Zitie­ren von Theo­rien und Leh­ren berühm­ter Den­ker. Sel­ber den­ken ist die Devise. Das erreicht der Prak­ti­ker am ehes­ten durch kon­zen­trier­tes auf­merk­sa­mes Zuhö­ren. Er wen­det damit sein durch ein ent­spre­chen­des Phi­lo­so­phie­stu­dium erwor­be­nes Wis­sen an, indem er mit­denkt, mit­emp­fin­det und sich auch in unge­wöhn­li­che Denk­an­sätze sei­ner Besu­cher hin­ein­ver­set­zen kann. Des­halb sei es auch nicht zwin­gend not­wen­dig, phi­lo­so­phi­sches Vor­wis­sen zu haben, beru­higt Chris­toph Weis­mül­ler. "Es geht darum, dass der­je­nige, der zu mir kommt – auch mit all sei­nen Pro­ble­men und Schwie­rig­kei­ten – von mir genau dort abge­holt und auf­ge­nom­men wird."
Ziel der phi­lo­so­phi­schen Pra­xis ist die Schär­fung des Bewusst­seins dafür, dass es nicht nur eine Wahr­heit und einen Lösungs­weg gibt. Nietz­sche wusste das auch und meinte: "Tat­sa­chen gibt es nicht, nur Inter­pre­ta­tio­nen." Jeder Kli­ent ist ein Indi­vi­duum mit eige­nen Ideen und Vor­stel­lun­gen. Des­halb muss der Phi­lo­soph nicht nur auf­ge­schlos­sen, son­dern auch fle­xi­bel sein. "Für mich geht es nicht darum, einen Men­schen in eine bestimmte Rolle ein­zu­ord­nen, son­dern ihn und seine indi­vi­du­el­len Schwie­rig­kei­ten in seine Umwelt ein­zu­bet­ten", sagt Chris­toph Weis­mül­ler.

Die prak­ti­sche Phi­lo­so­phie spal­tet sich von der rein theo­re­ti­schen Phi­lo­so­phie ab. Letz­tere glie­dert sich in den ana­ly­ti­schen (sprach­wis­sen­schaft­li­chen) Ansatz und die phi­lo­so­phie­ren­den Wis­sen­schaf­ten, die sich der Ent­wick­lung des Lebens und des Wis­sens wid­men. Pro­fes­sor Lutz von Wer­der zählt in sei­nem "Lehr­buch der phi­lo­so­phi­schen Lebens­kunst für das 21. Jahr­hun­dert" u.a. fol­gende Gebiete zur prak­ti­schen Phi­lo­so­phie: die Exis­tenz– und Dialog-Philosophie (z.B. ver­tre­ten durch Mar­tin Buber, Jean-Paul Sartre), die christ­li­che Phi­lo­so­phie (z.B. von Teil­hard de Char­din), die mys­ti­sche Phi­lo­so­phie (wie von Mir­cea Eliade, Andreas-Salomé) oder die spi­ri­tu­elle Phi­lo­so­phie (wie sie von Ken Wil­ber oder Rudolf Stei­ner ver­tre­ten wird).
Von Wer­der sieht das Ziel der prak­ti­schen Phi­lo­so­phie in der Anre­gung zum Sel­ber­den­ken. "Prak­tisch sind Aus­sa­gen, wenn ihre Nach­prüf­bar­keit durch eigene Denk­pra­xis gelingt", sagt er und fügt hinzu, dass die prak­ti­sche Phi­lo­so­phie nur dann zum Sel­ber­den­ken anre­gen könne, wenn sie ent­spre­chende Übun­gen anbiete, die anschau­lich seien, Impulse gäben, indem sie "vom Leich­ten zum Schwie­ri­gen, vom Kon­kre­ten zum Abs­trak­ten und vom Bekann­ten zum Unbe­kann­ten" gehen soll­ten. In der Bera­tungs­pra­xis sei es wich­tig, dass sich phi­lo­so­phi­sche Inhalte auch als "bio­gra­fi­sche Geschich­ten" dar­stel­len lie­ßen.

Ergän­zung, kein All­heil­mit­tel Die phi­lo­so­phi­sche Pra­xis kann eine Ergän­zung oder Fort­füh­rung zu psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Ansät­zen sein. Aller­dings – das muss klar gesagt wer­den – bei ernst­haf­ten psy­chi­schen Pro­ble­men ist sie nicht geeig­net! "In der phi­lo­so­phi­schen Pra­xis mel­den sich Men­schen, denen es nicht genügt, nur zu leben oder bloß so durch­zu­kom­men, die sich viel­mehr Rechen­schaft zu geben suchen über ihr Leben und sich Klar­heit zu ver­schaf­fen hof­fen über des­sen Kon­tur, sein Woher, Worin, Wohin", schreibt Achen­bach auf sei­ner Home­page. "Sie suchen die Pra­xis eines Phi­lo­so­phen auf, weil sie ver­ste­hen und ver­stan­den wer­den wol­len", so Achen­bach wei­ter. Dabei bewege sie weni­ger die Kant?sche Frage: "Was soll ich tun?", son­dern viel­mehr die Frage: "Was tue ich eigent­lich?" Mit ihr beschäf­tigte sich schon Michel Eyquem de Mon­tai­gne Mitte des 16. Jahr­hun­derts.
Woran erkennt man nun eine gute phi­lo­so­phi­sche Bera­tung? "Die Frage muss sich der Besu­cher stel­len", sagt Chris­toph Weis­mül­ler. "Was konnte er damit anfan­gen, und wie hat er sein Leben dann wei­ter orga­ni­siert? War es ihm mög­lich die Pro­bleme, Lei­den­schaf­ten, Kri­sen, mit denen er in die Pra­xis kam, zu lösen und sein Leben ent­spre­chend neu zu bewer­ten?"
Eine Bera­tung kos­tet zwi­schen 35 und 80 Euro. Je nach Ange­bot auch schon mal mehr. Die Kran­ken­kas­sen erken­nen die phi­lo­so­phi­sche Pra­xis nicht an und über­neh­men daher auch keine Kos­ten. Die Dauer der Kon­sul­ta­tion kann indi­vi­du­ell gere­gelt wer­den.


Inter­view mit Kay Hoff­man
Die Münch­ner The­ra­peu­tin und Auto­rin Kay Hoff­man bie­tet als Teil ihres Body-Mind-Coaching Pro­gramms auch die phi­lo­so­phi­sche Bera­tung an, die beson­ders von Frauen gern ange­nom­men wird.

Warum arbei­ten Sie nicht aus­schließ­lich mit der phi­lo­so­phi­schen Bera­tung?
Kay Hoff­man: Weil ich viel mit eksta­ti­schen Ele­men­ten arbeite. Ich biete die phi­lo­so­phi­sche Bera­tung nur im Ver­bund mit ande­ren Tech­ni­ken an. Bei­spiels­weise der Hyp­no­the­ra­pie, eine unbe­wusste, intui­tive und krea­tive Lösungs­stra­te­gie. Die wie­derum habe ich ken­nen gelernt durch die Begeg­nung mit der öst­li­chen Phi­lo­so­phie, mit dem Tao­is­mus, Yoga-Erfahrungen, Scha­ma­nis­mus und afro-brasilianischen Reli­gio­nen. Ich bin erst nach einer lan­gen Stre­cke wie­der auf die west­li­che Phi­lo­so­phie zurück­ge­kom­men und habe dann mit einer ver­än­der­ten Wahr­neh­mung geschaut, was sich bei uns im Abend­land von die­sen Din­gen wie­der erken­nen lässt. Des­we­gen haben die Logik und die logi­sche Argu­men­ta­tion weni­ger Platz in mei­ner Pra­xis als eksta­ti­sche Ele­mente, die ja im Abend­land durch­aus zu fin­den sind, bei­spiels­weise in der Mys­tik.

Das heißt, es geht Ihnen mehr um Selbst­er­fah­rung?
Kay Hoff­man: Ja, wobei die Phi­lo­so­phie im Gegen­satz zu irgend­wel­chen Glau­bens­sys­te­men eine Ori­en­tie­rungs­auf­gabe hat, und zwar von sich selbst aus­ge­hend und nicht an äuße­ren Instan­zen ori­en­tiert, in der Selbst­er­for­schung und im mün­di­gen Gebrauch des Ver­stan­des und der unver­stell­ten Wahr­neh­mung, sich zurecht zu fin­den in der Infor­ma­ti­ons­flut und den hohen Anfor­de­run­gen, die das moderne Leben an einen stellt.

Wel­che Men­schen kom­men zu Ihnen?
Kay Hoff­man: Vor­wie­gend selbst­stän­dige Frauen in Beru­fen, die ihnen viel abver­lan­gen, im Sinne von sich immer wie­der auf neue Situa­tio­nen ein­stel­len müs­sen ohne Prä­ze­denz­fälle oder Modelle, an die man sich hal­ten kann. Auch Frauen, die von vorn anfan­gen müs­sen.

Wel­che Pro­bleme haben diese Frauen?
Kay Hoff­man: Burn-out, der Über­druss, das Zusam­men­bre­chen alter Wert­vor­stel­lun­gen im Beruf und die Frage nach einem Wech­sel: Ist über­haupt ein Wech­sel mög­lich oder nötig? Wenn ja, was sind die Bedin­gun­gen für eine Ver­än­de­rung? Oft sind es Pro­bleme, die dar­aus resul­tie­ren, dass diese Frauen sich zu sehr auf ihre Kar­riere kon­zen­triert haben, das heißt, auf Erfolg und Aner­ken­nung von außen. Jetzt mel­det sich bei­spiels­weise die Gesund­heit, oder es tau­chen spi­ri­tu­elle Bedürf­nisse auf. Die Frage nach der zwei­ten Lebens­hälfte, dem Lebens­sinn.

Wie läuft eine Sit­zung ab?
Kay Hoff­man: Bevor ich mich mit ihnen zur ers­ten Sit­zung treffe, stelle ich eine Bedin­gung. Ich möchte, dass die Frauen mir schrift­lich ihr Motiv schil­dern. Das ist eine Vor­ar­beit, die sie leis­ten, die ihnen eini­ges an Zeit spart, denn es stimmt sie ein auf unbe­wusste Such­pro­zesse. Für mich sind diese Infor­ma­tio­nen ebenso wich­tig, um mich auf die Per­son ein­zu­stim­men. Es geht auch darum, sich selbst aus­zu­drü­cken, das ist schon die halbe Arbeit. Ich rate immer: "Schrei­ben Sie Tage­buch, machen Sie sich Noti­zen, neh­men Sie sich zehn Minu­ten Zeit. Was steht an? Was sind die The­men, die heute im Unbe­wuss­ten durch­ge­nom­men wur­den?"

Inwie­fern spie­len die Ansätze klas­si­scher Phi­lo­so­phen in Ihrer Pra­xis eine Rolle?
Kay Hoff­man: Ich habe ein gro­ßes Text– und Wis­sens­re­per­toire. So kann ich die Frauen dar­auf ver­wei­sen. Ich gebe hin und wie­der Lite­ra­tur­hin­weise, etwa auf die Mys­ti­ke­rin The­resa von Avila oder auch Hil­de­gard von Bin­gen. Ich ver­weise auf Texte, die eksta­tisch sind, um klar­zu­ma­chen, dass es mensch­li­che Erfah­run­gen sind, die zu Papier gebracht wor­den sind. Im Fall von The­resa von Avila war es ja so, dass sie fest in der Kir­che stand. Wir wis­sen ja alle, dass die Phi­lo­so­phie sehr mas­ku­lin geprägt ist. Des­halb ver­weise ich nicht auf die satt­sam bekann­ten Aus­sa­gen bei­spiels­weise von Epi­kur. Das kommt bei den Frauen nicht gut an.

(Das Gespräch führte Clau­dia Höt­zen­dor­fer.)


Kon­takt­adres­sen
Inter­na­tio­nale Gesell­schaft
für phi­lo­so­phi­sche Pra­xis
Dr. Gerd B. Achen­bach
Hermann-Löns-Str. 56 c
D-51469 Ber­gisch Glad­bach
Tel. 0 22 02 – 95 19 03 – Fax 95 19 07
eMail: achenbach@igpp.org
www.achenbach-pp.de

Kay Hoff­man
Frei­schütz­str. 110/803
81927 Mün­chen
Tel: 089 – 95 23 36
Email: kay-hoffmann@t-online.de
www.kayhoffmann.de

Insti­tut für phi­lo­so­phi­sche Bera­tung und Patho­gnos­tik
Dr. phil. Chris­toph Weis­mül­ler
Am Damm­steg 59
40591 Düs­sel­dorf
Tel. 02 11/22 81 72 – Fax 69 12 121
http://members.aol.com/PsaPhilosophie/index7.html

Lou Marin­off
Depart­ment of Phi­lo­so­phy
The City Col­lege of New York
137th Street at Con­vent Ave­nue
New York, NY 10031
Tel.: 001 – 212 – 650-7827 – Fax: 74 09

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