Klang­struk­tu­ren

Den Tönen, dem Klang wur­den von alters her schöp­fe­ri­sche Kräfte zuge­mes­sen. In allen Schöp­fungs­my­then und Reli­gio­nen wird die Ent­ste­hung unse­rer Welt mit Klän­gen und Wor­ten in Ver­bin­dung gebracht. Was steckt hin­ter die­ser ver­bor­ge­nen Schöp­fer­kraft, die den Tönen zuge­schrie­ben wird? Warum emp­fin­den wir man­che Ton­in­ter­valle als har­mo­nisch, wäh­rend wir andere eher als unan­ge­nehm emp­fin­den? Warum erscheint uns die Musik ande­rer Kul­tur­kreise fremd?

Den Tönen, dem Klang wur­den von alters her schöp­fe­ri­sche Kräfte zuge­mes­sen. In allen Schöp­fungs­my­then und Reli­gio­nen wird die Ent­ste­hung unse­rer Welt mit Klän­gen und Wor­ten in Ver­bin­dung gebracht. Was steckt hin­ter die­ser ver­bor­ge­nen Schöp­fer­kraft, die den Tönen zuge­schrie­ben wird?
Warum emp­fin­den wir man­che Ton­in­ter­valle als har­mo­nisch, wäh­rend wir andere eher als unan­ge­nehm emp­fin­den? Warum erscheint uns die Musik ande­rer Kul­tur­kreise fremd?
Alle Töne sind Wel­len mit bestimm­ten Fre­quen­zen, die im Hör­be­reich von 16 – 20000 Hz lie­gen. Wir kön­nen diese Fre­quen­zen mes­sen. Wir kön­nen die Gesetz­mä­ßig­kei­ten ihres Zusam­men­wir­kens erklä­ren. Aber das Wesen der Töne, ihre form­ge­bende, gestal­tende Kraft kön­nen wir damit nicht erfas­sen.
Das Geheim­nis der Klänge, das wir beim Hören erah­nen, offen­bart sich dem Auge, wenn wir die Klang­struk­tu­ren sicht­bar machen.
Klänge sind mehr als ein­fach nur Wel­len mit bestimm­ten Fre­quen­zen. Sie bil­den Struk­tu­ren von aus­ge­wo­ge­ner Har­mo­nie und Schön­heit. Jeder Klang erzeugt, ein­ge­bet­tet in seine Umge­bung, ein neues urei­ge­nes Mus­ter. Es ist, als begeg­ne­ten wir der unge­bän­dig­ten Viel­falt des Lebens sel­ber.
Bereits ein Trop­fen, der in eine ruhige Was­ser­flä­che fällt, macht uns Wel­len­struk­tu­ren sicht­bar. Wenn wir mit offe­nen Augen durch die Welt gehen, kön­nen wir über­all perio­di­sche For­men erken­nen. Men­schen waren offen­bar von jeher von perio­disch wie­der­keh­ren­den Mus­tern fas­zi­niert. Als schmü­cken­des Orna­ment wur­den sie in allen Berei­chen und von allen kul­tu­rel­len Krei­sen ver­wen­det. Die Ana­lo­gie zum Klang liegt nahe. So wurde von unter­schied­li­chen For­schern ver­sucht, Klang­struk­tu­ren sicht­bar zu machen. Hierzu liegt eine Viel­zahl von Arbei­ten vor, die die expe­ri­men­tel­len Befunde umfas­send doku­men­tie­ren.
Stell­ver­tre­tend wer­den die Expe­ri­mente von Ernst Chladni, Jules Antoin Lis­sa­jous und Hanns Jenny nach­fol­gend kurz dar­ge­stellt.
Der deut­sche Phy­si­ker Ernst Chladni hatte mit der Vor­füh­rung der von ihm 1787 ent­deck­ten Klang­fi­gu­ren am fran­zö­si­schen Hofe gro­ßen Erfolg. Napo­leon soll gesagt haben: Der Chladni lässt uns die Töne sehen. Er strich mit einem Gei­gen­bo­gen Metall­schei­ben an, die mit Pul­ver oder Sand bestreut waren. So konnte er die Schwin­gungs­vor­gänge sicht­bar machen.
Auf­grund der begrenz­ten Flä­che der Plat­ten ent­stan­den ste­hende Wel­len. Der Sand lagerte sich in den Wel­len­tä­lern ab, die sich in Ruhe befan­den. Von den Wel­len­ber­gen, die mit maxi­ma­ler Ampli­tude schwan­gen, wurde der Sand weg­ge­fegt.
Lis­sa­jous erhielt 1850 sei­nen Dok­tor­ti­tel für eine Arbeit zur Berech­nung von Kno­ten­li­nien von Chlad­ni­schen Sand­fi­gu­ren. Anschlie­ßend beschäf­tigte er sich mit Wel­len­mus­tern in Was­ser, die durch die Schwin­gung von Stimm­ga­beln erzeugt wur­den. 1855 fand er eine Methode zur Dar­stel­lung der Lissajous-Figuren mit­tels Refle­xion von Licht­strah­len an senk­recht zuein­an­der schwin­gen­den Stimm­ga­beln über ein Spie­gel­sys­tem.
In der Kymatik wer­den Wel­len und Schwin­gun­gen mit ihrer Struk­tur und Dyna­mik unter­sucht. Hanns Jenny prägte die­sen Begriff. Seine Unter­su­chun­gen zu Schwin­gungs­phä­no­me­nen in unter­schied­li­chen Mate­ria­lien sind in den Bän­den "Kymatik I und II" mit vie­len fas­zi­nie­ren­den Bil­dern ver­öf­fent­licht. Er schreibt dazu: "Hier wurde das Ver­fah­ren ange­wen­det, die Erschei­nun­gen in ihrer Ganz­heit zu erfas­sen, das Phä­no­men nicht zu ske­let­tie­ren."
Diese Her­an­ge­hens­weise über­mit­telt nicht nur den Ein­druck der gesam­ten kaum zu über­schau­en­den Viel­falt der Pro­zesse. Sie führt auch zu einer Ver­all­ge­mei­ne­rung, die den kla­ren Ein­druck ent­ste­hen lässt, dass hier Vor­gänge unter­sucht wer­den, die im Gro­ßen und im Klei­nen, in der unbe­leb­ten und in der beleb­ten Welt von prä­gen­der Bedeu­tung sind.
Hanns Jen­nys Unter­su­chun­gen liegt die Erkennt­nis zugrunde, dass in der Natur perio­di­sche, rhyth­mi­sche Vor­gänge und Struk­tu­ren tra­gende Ele­mente dar­stel­len. Ob wir die Atmung, den Herz­schlag, die Impulse im Ner­ven­sys­tem oder den jah­res­zeit­li­chen Wech­sel betrach­ten – das Gesche­hen läuft nicht kon­ti­nu­ier­lich, son­dern fort­wäh­rend schwin­gend, pul­sie­rend ab. Das­selbe gilt für die Form­ge­bung, wo im Größ­ten wie im Kleins­ten seri­elle, perio­di­sche Ele­mente in den unter­schied­li­chen Gewe­ben zu fin­den sind.
Dabei war er sich der Viel­falt von Ein­fluss­fak­to­ren, die die spe­zi­fi­sche Struk­tur her­vor­brin­gen, bewusst. Er schreibt: "Weil die aller­ver­schie­dens­ten Dinge zugrunde lie­gen, die aller­ver­schie­dens­ten Sys­teme in Betracht kom­men, muss das Rhyth­mi­sche, das Seriale in sei­nem jewei­li­gen eigens­ten Bereich auf­ge­sucht, genau ver­folgt und sein eige­ner Cha­rak­ter beob­ach­tet wer­den."
Hanns Jenny hat Schwin­gungs­struk­tu­ren in unter­schied­lichs­ten Mate­ria­lien (auf Plat­ten auf­ge­streu­ter Sand, Was­ser­trop­fen, Gly­ze­rin, brei­ige Sub­stan­zen wie Koalin­masse, fer­ro­ma­gne­ti­sches Mate­rial im Magnet­feld) unter­sucht. Er hat unter­schied­li­che Anre­gungs­mög­lich­kei­ten (Klang, pie­zo­elek­trisch mit Schwing­kris­tal­len) ver­wen­det. Er konnte den Ein­fluss unter­schied­li­cher phy­si­ka­li­scher Grö­ßen (z.B. Wärme) auf die ent­ste­hen­den Mus­ter zei­gen.
Aus den Chlad­ni­schen Figu­ren oder den Klang­bil­dern von Was­ser­ober­flä­chen ist es schwie­rig theo­re­ti­sche Rück­schlüsse auf die innere Struk­tur der Klänge zu zie­hen, da die Zahl der Ein­fluss­fak­to­ren schier unend­lich zu sein scheint. Fre­quenz und Ampli­tude der Klänge, Größe und Form der Platte, die Art der Ein­span­nung, der Ort der Anre­gung und die Mate­ri­al­ei­gen­schaf­ten sel­ber wir­ken sich so dif­fi­zil auf die ent­ste­hen­den Figu­ren aus, dass bereits zwei auf­ein­an­der fol­gende Ver­su­che unter schein­bar glei­chen Bedin­gun­gen unter­schied­li­che Klang­fi­gu­ren zei­gen kön­nen.
Um kla­rere Aus­sa­gen über die innere Struk­tur der Klänge zu erzie­len, soll des­halb zunächst die Aus­bil­dung von Wel­len in einem lan­gen Wel­len­trä­ger unter­sucht wer­den, bei dem die Rand­be­din­gun­gen eine unter­ge­ord­nete Bedeu­tung haben. Ein ein­fa­ches Medium zur Erzeu­gung eines sol­chen Klang­bil­des ist ein Com­pu­ter. Grund­lage der Erzeu­gung der Klang­bil­der ist die Wel­len­glei­chung.

Wor­auf grün­det sich der Wohl­klang von bestimm­ten Ton­in­ter­val­len? Warum emp­fin­den wir Ver­stim­mun­gen bei Musik­in­stru­men­ten als Miss­klang?
Die rei­nen Fre­quenz­an­ga­ben geben dar­über kei­nen Auf­schluss. Schauen wir, was uns die Bil­der sagen. Augen­fäl­lig ist, dass bei har­mo­ni­schen Klän­gen perio­di­sche Wel­len­mus­ter auf­tre­ten, die bei den Dis­har­mo­nien gestört sind.
Ist das die Erklä­rung für unser Har­mo­nie­emp­fin­den? Ist unser Gehirn viel­leicht spe­zi­ell dafür aus­ge­legt, wie­der­keh­rende Wel­len­mus­ter zu erken­nen? Rea­giert unsere Emp­fin­dung sub­til auf eine Stö­rung die­ser Mus­ter?
Es scheint so. Dafür spricht zumin­dest auch eine wei­tere Tat­sa­che. Wäh­rend auch ein geüb­ter Musi­ker die tat­säch­li­che Fre­quenz eines Tones nur sehr grob bestim­men kann, gelingt es selbst einem Laien mühe­los, die Ver­stim­mung eines Instru­men­tes zu hören.
Bei der Betrach­tung der Wel­len­mus­ter zeigt sich, dass eine Ver­än­de­rung der abso­lu­ten Fre­quenz eines Tones oder eines Inter­val­les nur eine Ver­än­de­rung der Wie­der­hol­rate des Mus­ters mit sich bringt, die Wel­len­struk­tur sel­ber bleibt dabei erhal­ten. Dage­gen rea­gie­ren Wel­len­mus­ter sehr sub­til auf eine leichte Ver­stim­mung.
Bereits eine Ver­stim­mung von 3.01:5 führt zu einer sicht­ba­ren Ver­zer­rung des Wel­len­mus­ters. Das ent­spricht einer Ver­stim­mung eines Instru­men­tes von 138 Hz auf 138,46 Hz. Bei einer Ver­stim­mung von 3.1:5 ist das Raum­mus­ter bereits voll­stän­dig gestört. Das ent­spricht etwa einer Ver­stim­mung beim Grund­ton C von 138Hz auf 142,6Hz.
Bei der tem­po­rier­ten Stim­mung eines Instru­men­tes ist also bereits ein emp­find­li­cher Ver­lust der Har­mo­nie der Ton­in­ter­valle zu ver­zeich­nen. Ver­stim­mun­gen von 1–2 Hz zeich­nen sich im Wel­len­mus­ter deut­lich ab und sind bereits deut­lich zu hören.
Das könnte die Erklä­rung dafür sein, warum unser Ohr so fein­sin­nig auf feine Ver­stim­mun­gen eines Instru­men­tes rea­giert, wäh­rend es Mühe damit hat, die tat­säch­li­che Ton­höhe zu erken­nen.
Unser Emp­fin­den über Wohl­klang und Schön­heit in der Musik beruht also kei­nes­falls auf will­kür­li­chen Vor­aus­set­zun­gen, die in unsere Gewohn­hei­ten über­ge­gan­gen sind. Die hin­ter unse­rer Ästhe­tik ste­hen­den ein­fa­chen Zah­len­ver­hält­nisse gal­ten von alters her immer als geheim­nis­voll. Sie sind es aber nicht. Uns offen­bart sich die Har­mo­nie der inne­ren Struk­tur der Töne, die sich gesetz­mä­ßig aus der ein­fa­chen Wel­len­glei­chung der ste­hen­den Wel­len ergibt.
Es sind also ein­fa­che phy­si­ka­li­sche Gesetze der Über­la­ge­rung von Schwin­gun­gen, an die unsere Wahr­neh­mung anknüpft. Unser Ohr sieht offen­sicht­lich die Voll­kom­men­heit der Klang­struk­tu­ren.
Gehen wir von der Theo­rie der holo­gra­fi­schen Struk­tur unse­res Hirns aus, so ist diese Tat­sa­che nicht wei­ter ver­wun­der­lich. Ein Holo­gramm ist nichts ande­res als ein Wel­len­mus­ter, ein Fre­quenz­mus­ter. Die Aus­wer­telo­gik unse­res Gehirn scheint also weit­aus unemp­find­li­cher auf qua­li­ta­tive Ver­än­de­run­gen zu rea­gie­ren als auf die Struk­tur der von ihm emp­fan­ge­nen Wel­len­mus­ter. Es scheint gera­dezu opti­miert zu sein, Wel­len­mus­ter zu erken­nen.
Perio­di­sche Mus­ter erzeu­gen offen­sicht­lich einen beson­de­ren Ein­druck von Schön­heit und Har­mo­nie. Selbst kleinste Abwei­chun­gen davon wer­den von uns mühe­los iden­ti­fi­ziert. Das spricht für die Theo­rie der holo­gra­fi­schen Wahr­neh­mung, die auf Wel­len­mus­tern beruht.

Wir haben die Klang­struk­tu­ren bis­her in unbe­grenz­ten Medien unter­sucht. Dabei sind cha­rak­te­ris­ti­sche Schwin­gungs­bil­der ent­stan­den, deren Grad der Voll­kom­men­heit mit unse­rem Hör­emp­fin­den kor­re­lierte. Wir konn­ten zei­gen, dass har­mo­ni­schen Ton­in­ter­val­len auch streng perio­di­sche Klang­struk­tu­ren zugrunde lie­gen.
Aber die Wel­len­län­gen unse­rer hör­ba­ren Töne erstre­cken sich über meh­rere Meter, so dass wir selbst beim Hören in unse­ren Wohn­räu­men die Rand­be­din­gun­gen nicht ver­nach­läs­si­gen kön­nen. So wie das Licht reflek­tiert, absor­biert und gebeugt wird, so erfolgt es auch beim Schall.
Für die Raum­akus­tik sind Refle­xion und Absorp­tion von Schall­wel­len ent­schei­dend. So kön­nen bei gerin­ger Absorp­tion beson­ders in gro­ßen Räu­men viel­fa­che Refle­xio­nen auf­tre­ten, die den stö­ren­den Nach­hall her­vor­ru­fen. Ebenso spie­len Beu­gungs­phä­no­mene eine Rolle, weil die Wel­len­länge des Schalls mit den Maßen der Gegen­stände in einem Raum ver­gleich­bar ist.
Wen­den wir uns noch ein­mal den anfangs gezeig­ten Klang­fi­gu­ren in Sand und Was­ser zu. Hier­bei lie­gen die Wel­len­län­gen im Bereich der Plat­ten­größe, so dass die Rand­be­din­gun­gen einen wesent­li­chen Ein­fluss haben auf die Eigen­art der auf­tre­ten­den Struk­tu­ren.
Und viel­leicht sind es gerade diese Rand­be­din­gun­gen, die zu der For­men­viel­falt füh­ren, die uns bei der Betrach­tung immer wie­der Ähn­lich­kei­ten mit den in der Natur tat­säch­lich auf­tre­ten­den For­men fin­den las­sen. Unter­su­chen wir also im fol­gen­den genauer, wel­chen Ein­fluss der Rand als form­bil­den­der Fak­tor hat.
Wäh­rend die Klang­fi­gu­ren in Sand wei­test­ge­hend der Plat­ten­geo­me­trie fol­gen und aus die­ser auch leicht ein­zu­ord­nen und zu inter­pre­tie­ren sind, sind die Ver­hält­nisse im Was­ser­trop­fen kom­pli­zier­ter.
Beim Was­ser­trop­fen han­delt es sich um ein plas­ti­sches Gebilde. Das heißt, dass wir die Ober­flä­che des Was­ser­trop­fens ver­mut­lich auf­grund der Ober­flä­chen­span­nung nicht als elas­tisch reflek­tie­ren­den Rand betrach­ten kön­nen. Die Ober­flä­che hat eine Art von Eigen­dy­na­mik, die viel­leicht ver­gleich­bar ist mit der Hülle eines Luft­bal­lons. Die Ober­flä­che absor­biert einen Teil der Schwin­gungs­en­er­gie und gerät ihrer­seits selbst in Schwin­gung. Mit die­ser Annahme erhiel­ten wir aus den Berech­nun­gen Schwin­gungs­struk­tu­ren, die in ihrem Ver­hal­ten mit den beob­ach­te­ten Struk­tu­ren über­ein­stimm­ten. Wir konn­ten das Dre­hen und Alter­nie­ren der Mus­ter sowie deren unter­schied­li­che Zäh­lig­keit simu­lie­ren und erklä­ren. Der Rand gerät selbst in Schwin­gung und bestimmt damit die Dyna­mik des auf­tre­ten­den Mus­ters.

Wir haben schon fest­ge­stellt, dass die Klang­struk­tu­ren nur vom Ver­hält­nis der Wel­len­län­gen zuein­an­der abhän­gen, nicht aber von ihrer abso­lu­ten Fre­quenz.
Das Glei­che gilt auch für die begrenz­ten Struk­tu­ren. Sie sind inva­ri­ant gegen­über Grö­ßen­än­de­run­gen, solange das Ver­hält­nis zwi­schen Wel­len­länge und Abmes­sung der Umgren­zung in allen Para­me­tern erhal­ten bleibt. Also sei es erlaubt, die makro­sko­pi­schen Klang­struk­tu­ren in den Mikrobe­reich zu über­tra­gen.

Wir haben die Schwin­gungs­phä­no­mene im Was­ser­trop­fen unter­sucht. Aber das war nur ein Aus­gangs­punkt. Hanns Jenny schreibt: "Auch die intra­zel­lu­lä­ren Ver­hält­nisse, die Zell­tei­lung, die Gen­sys­teme sind sol­cher oszil­lie­ren­der Prä­gung unter­wor­fen."
Bereits 1920–1930 hat Geor­ges Lak­hovsky das Schwin­gungs­ver­hal­ten von leben­den Zel­len unter­sucht. Er hat umfang­rei­ches Unter­su­chungs­ma­te­rial zusam­men­ge­tra­gen, das belegt: Lebende Zel­len sen­den elek­tro­ma­gne­ti­sche Strah­lun­gen aus und wer­den durch Strah­len selbst beein­flusst. Der Kom­mu­ni­ka­tion in bio­lo­gi­schen Sys­te­men liegt offen­sicht­lich Reso­nanz­kopp­lung zugrunde. Diese Ergeb­nisse konn­ten in der Fol­ge­zeit von vie­len Wis­sen­schaft­lern unter­mau­ert wer­den. Ein zusam­men­fas­sen­der Bericht über die For­schungs­ar­bei­ten auf dem Gebiet der Bio­pho­to­nen wurde von Marco Bischof in "Bio­pho­to­nen" gege­ben. Die­ses umfang­rei­che Mate­rial belegt, dass Schwin­gungs­phä­no­mene in leben­den Zel­len einen ent­schei­den­den Ein­fluss auf Zell­kom­mu­ni­ka­tion, –tei­lung und –dif­fe­ren­zie­rung haben.
Wenn man in den Bereich von leben­den Zel­len über­geht, haben wir es mit Abmes­sun­gen im Mikro­me­ter­be­reich zu tun. Die ange­pass­ten Wel­len­län­gen wür­den dem­zu­folge unter­halb von 1µm lie­gen. Damit kom­men wir in das opti­sche Fens­ter der elek­tro­ma­gne­ti­schen Strah­lung. Das ist der Wel­len­län­gen­be­reich des Lich­tes, der tat­säch­lich mit den gemes­se­nen Wel­len­län­gen für Bio­pho­to­nen über­ein­stimmt.
Die Zell­mem­bran bil­det in der Zelle eine schwin­gungs­fä­hige Haut, die ein spe­zi­fi­sches Eigen­schwin­gungs­spek­trum auf­wei­sen dürfte. Betrach­ten wir die mor­pho­lo­gi­schen Aspekte der Schwin­gungs­struk­tu­ren im Was­ser­trop­fen, so drängt sich der Gedanke auf, dass diese Phä­no­mene Effekte von Zell­tei­lung und Dif­fe­ren­zie­rung her­vor­zu­brin­gen ver­mö­gen. Es han­delt sich dabei um sehr ein­fa­che und auf­grund des Reso­nanz­prin­zi­pes auch sehr sichere Vor­gänge. In ihrer Nicht­li­nea­ri­tät tra­gen sie selbst­re­gu­lie­rende Prin­zi­pien in sich, die immer wie­der zu Mus­tern höhe­rer Ord­nung füh­ren.
Berech­net man die Schwin­gungs­struk­tu­ren für diese kon­kre­ten Bedin­gun­gen, so erge­ben sich Mus­ter, die der Anord­nung der Chro­mo­some wäh­rend der Zell­tei­lung ver­blüf­fend ähn­lich sehen.
Aber Schwin­gungs­struk­tu­ren schei­nen auch dazu geeig­net zu sein, der Natur als form­ge­bende Struk­tu­ren zu die­nen. Bereits 1922 beob­ach­tete Alex­an­der Gur­witsch, dass ultra­vio­let­tes Licht die Zell­tei­lung bei Zwie­beln sti­mu­liert. Er konnte zei­gen, dass lebende Zel­len Licht aus­sen­den, des­sen Inten­si­tät sich unter ande­rem bei der Zell­tei­lung erhöht.
An die­ser Stelle müs­sen wir die Lissajous-Figuren ein wenig genauer betrach­ten, die sich auch bei der Licht­re­flek­tion in Hohl­kör­pern bil­den.
Das Wir­ken der Bio­pho­to­nen inner­halb von Zel­len haben wir bereits behan­delt. Aus der Bio­pho­to­nen­for­schung ist aber wei­ter­hin bekannt, dass es auch eine Wir­kung der Strah­lung über die Zelle hin­aus gibt. Wenn Pflan­zen­teile an einer Stelle beleuch­tet wer­den, so zei­gen sich erhöhte Strah­lungs­in­ten­si­tät noch in sehr gro­ßen Abstän­den von der beleuch­te­ten Stelle. Wei­ter­hin fällt auf, dass die Hüll­blät­ter von Knos­pen innen häu­fig mit einer glän­zen­den Schicht behaf­tet sind. Wenn diese Schicht das Bio­pho­to­nen­licht reflek­tiert, dann ent­ste­hen Lis­sa­jous­fi­gu­ren, die unter bestimm­ten Bedin­gun­gen immer wie­der Strah­len auf bestimmte Stel­len len­ken, die dadurch viel­leicht zu einer bevor­zug­ten Zell­tei­lung ange­regt wer­den. Wenn man runde Lis­sa­jous­fi­gu­ren betrach­tet, so ist die Ähn­lich­keit zu Blü­ten­for­men nicht zu über­se­hen.

Wir haben die Klänge ein­ge­fro­ren, um etwas über ihre innere Struk­tur zu erfah­ren. Aber Wel­len sind der Inbe­griff von etwas Dyna­mi­schem, Fort­schrei­ten­dem, Ver­gäng­li­chem. Sie las­sen sich nicht fest­hal­ten. Kaum gehört sind sie wie­der ver­klun­gen. Das macht die Musik aus. Sie ist Flie­ßen, Ent­ste­hen und Ver­ge­hen. In Wel­len sind Raum und Zeit ver­wo­ben im ewi­gen Wan­del. Unter bestimm­ten Bedin­gun­gen bil­den sie sta­bile Struk­tu­ren. Wan­del und Sta­bi­li­tät sind glei­cher­ma­ßen Bestand­teile ihrer Schöp­fer­kraft.
Klänge sind mehr als ein­fach nur Wel­len mit bestimm­ten Fre­quen­zen. Sie bil­den Struk­tu­ren von aus­ge­wo­ge­ner Har­mo­nie und Schön­heit. Jeder Klang erzeugt, ein­ge­bet­tet in seine Umge­bung, ein neues urei­ge­nes Mus­ter. Vom kleins­ten Atom bis zum Kos­mos ist alles ein­ge­bun­den in Licht und Klänge. Über­all in der Natur lässt sich das Wir­ken der har­mo­ni­ka­len Gestal­tungs­ge­setze erken­nen. Es ist, als begeg­ne­ten wir der unge­bän­dig­ten Viel­falt des Lebens sel­ber.

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