Kin­der­hilfe Mida­lam in Süd­in­dien

Seit zehn Jah­ren schon gibt es die Kin­der­hilfe Mida­lam in Süd­in­dien, eine ganz kleine Hilfs­or­ga­ni­sa­tion, die von weni­gen Pri­vat­leu­ten ehren­amt­lich betrie­ben wird. Sie ist ein über­zeu­gen­des Bei­spiel, wie durch Eigen­in­itia­tive von Pri­vat­per­so­nen auch im klei­nen Rah­men effek­tiv gehol­fen wer­den kann. Ein Bericht von Ronald Engert.

Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen gibt es so viele wie Wel­len auf dem Ozean. Fast jeder kennt die größ­ten Insti­tu­tio­nen wie "Brot für die Welt", "Unicef" usw. Diese gro­ßen Orga­ni­sa­tio­nen wir­ken schon fast wie kari­ta­tive Kon­zerne, abs­trakt, über­di­men­sio­niert und unper­sön­lich, und so manch einem ist nicht wohl bei der Über­le­gung, was denn eigent­lich mit dem gespen­de­ten Geld genau gemacht wird. Wie­viel davon ver­braucht der Ver­wal­tungs­ap­pa­rat? Wo lan­det das Geld genau? Wel­che Pro­jekte wer­den davon finan­ziert? Wie sinn­voll sind diese Pro­jekte? Weiß die rechte Hand noch, was die linke tut? Diese Fra­gen kann der ein­zelne in der Regel nicht beant­wor­ten, und er ist dar­auf ange­wie­sen, in gutem Glau­ben den Ver­wal­tern sei­ner Spen­den zu ver­trauen.
Anders liegt der Fall, wenn es sich um eine ganz kleine Hilfs­or­ga­ni­sa­tion han­delt, die von weni­gen Pri­vat­leu­ten betrie­ben wird, die man kennt, ja die – wie in mei­nem Fall – aus der Ver­wandt­schaft kom­men.
Seit zehn Jah­ren gibt es schon die Kin­der­hilfe Mida­lam, die von drei Mit­glie­dern der katho­li­schen Kir­chen­ge­meinde Hof­heims (Ried) ehren­amt­lich betrie­ben wird. Die Fügung des Schick­sals wollte es wohl, dass ich erst die­ses Jahr von die­ser Initia­tive erfah­ren habe, nach­dem mein Bru­der seine Frau gehei­ra­tet hatte, denn ihre Mut­ter, Lore Maul, ist eine der drei Akti­ven. Gleich­zei­tig frischte sich der Kon­takt zu mei­ner Cou­sine auf und ich erfuhr, dass es eben ihr neuer Lebens­part­ner, Axel Fischer, ist, der die Kin­der­hilfe Mida­lam 1992 gegrün­det hat und auch heute noch der Haupt­ver­ant­wort­li­che ist. So war es mir mög­lich, mich aus aller­ers­ter Hand von der Seriö­si­tät und selbst­lo­sen Absicht die­ser Arbeit zu über­zeu­gen.

Die Kin­der­hilfe Mida­lam betreibt seit 1994 ein Kin­der­heim für Mäd­chen in dem süd­in­di­schen Ort Mida­lam. Im Jahre 2001 kam dann ein wei­te­res Kin­der­heim für Mäd­chen im 50 km von Mida­lam ent­fern­ten Nal­la­yan­pur­nam dazu. Zur Zeit wer­den in die­sen bei­den Kin­der­hei­men je 40 Mäd­chen im Alter von 6 bis 16 Jah­ren betreut, die ent­we­der Halb­wai­sen sind oder aus sehr armen Fami­lien stam­men. Ein drit­ter Stand­ort, Vell­ama­dam, ist gerade in der Erschlie­ßungs­phase. Das Pro­jekt wird von den deut­schen Initia­to­ren sowie von den indi­schen Betrei­bern aus­drück­lich als öku­me­ni­sches Pro­jekt ver­stan­den, das unab­hän­gig von Reli­gion und Her­kunft hilft. Die Initia­to­ren und Betrei­ber sind Chris­ten, aber es wer­den aus­drück­lich auch Mos­lems und Hin­dus auf­ge­nom­men. Ziel ist es, zu einem bes­se­ren Ver­ständ­nis unter den Reli­gio­nen bei­zu­tra­gen, um Gewalt­tä­tig­kei­ten aus reli­giö­sen Grün­den abzu­bauen. Es geht auch nicht darum, den Kin­dern einen euro­päi­schen Lebens­stil auf­zu­zwin­gen, son­dern ihnen zu hel­fen, in ihrer Umge­bung zurecht­zu­kom­men. "Der Mensch ist immer im Vor­der­grund. Das ist unsere Auf­gabe", so Axel Fischer.
Dass es sich um aus­schließ­li­che Mäd­chen­heime han­delt, begrün­den die Initia­to­ren mit der schlech­ten sozia­len Stel­lung von Mäd­chen und Frauen, die in Indien lei­der noch oft als Men­schen zwei­ter Klasse gel­ten. Gleich­wohl ist die Hilfs­or­ga­ni­sa­tion auch in ande­ren Berei­chen wie z.B. Kran­ken­für­sorge und Auf­bau der ört­li­chen Infra­struk­tur tätig. Trä­ger in Indien ist eine Stif­tung (Kanya­ku­mari District Child­ren Wel­fare Trust), die eigens für die­sen Zweck gegrün­det wurde. Ehren­amt­li­che Vor­sit­zende sind die tami­li­schen Pries­ter Patrick Xavier und Prof. Dr. Hie­rony­mus Cruz, die auch vor Ort für die Lei­tung der Pro­jekte zustän­dig sind.
Den Ansatz für die Hilfs­pro­jekte sehen die Initia­to­ren einer­seits in der Ver­sor­gung der Kin­der (Unter­brin­gung, Ver­pfle­gung, Hygie­ne­aus­bil­dung) sowie ande­rer­seits in der schu­li­schen Bil­dung bis zum Berufs­ab­schluss (Com­pu­ter­kurse, Karate zur Stär­kung des Selbst­be­wusst­seins, unter­stützt von geschul­ten Leh­re­rin­nen).
Ziel ist es, die Mäd­chen durch die Aus­bil­dung sowohl sozial als auch finan­zi­ell aus dem nor­ma­len Kreis­lauf, immer am Exis­tenz­mi­ni­mum zu leben, her­aus­zu­ho­len.

Zur Frage, warum gerade Indien, erklärte mir Axel Fischer: "1990 war ich das erste Mal in Indien. Diese Begeg­nung hat mich gefes­selt. Mich fas­zi­niert das Land, die Men­schen, ihre Aus­strah­lung. Die Men­schen haben immer noch Freude im Gesicht, trotz ihrer Not. Sie ken­nen keine Ver­bis­sen­heit, wie man sie in unse­ren Wohl­stands­ge­sell­schaf­ten so oft beob­ach­ten kann. Die indi­sche Kul­tur an sich habe ich mir noch nicht so genau ange­schaut. Ich freue mich an der Kul­tur, an den Gebäu­den, an den Tem­peln. Aber vor­ran­gig inter­es­sie­ren mich die prak­ti­schen Dinge. Wie kann ich hel­fen? Bei mei­nem ers­ten Besuch musste ich mit gro­ßer Betrof­fen­heit beob­ach­ten, wie sich die Kin­der, denen wir Kau­gummi und Bon­bons ver­teil­ten, in Reih und Glied anstell­ten und sich von einem wich­tig­tue­ri­schen Erwach­se­nen, der für Ord­nung sor­gen wollte, mit einem Stock schla­gen lie­ßen. Trotz­dem waren die Kin­der über­glück­lich, ein Bon­bon zu bekom­men und nah­men das Gedränge und die Stock­hiebe in Kauf. Das war ein Schlüs­sel­er­leb­nis für mich, wor­auf­hin ich mich ent­schloss, für die­ses Land etwas zu tun. Die Sehn­sucht zu hel­fen wurde schon in mei­ner frü­hen Jugend geweckt, als ich einen Film über Albert Schwei­zer sah."

Axel Fischer fährt jedes Jahr min­des­tens ein­mal nach Indien (auf eigene Kos­ten), um sich von dem Fort­gang der Pro­jekte per­sön­lich zu über­zeu­gen und mit­zu­ar­bei­ten. Seit 1992 konnte er mit sei­nen Mit­strei­tern fast 500.000 Euro an Spen­den sam­meln. Den größ­ten Anteil sam­meln die Gemein­den in Hofheim/Ried und Bob­stadt (Süd­hes­sen) sowie Bobenheim-Roxheim (Rheinland-Pfalz). So konnte allein im Jahr 2001 die Summe von 98.000 DM durch die Gemein­den zusam­men­ge­tra­gen wer­den. Die Spen­den wer­den rein für die Kin­der ver­wen­det. Haus– und Grund­stücks­kos­ten wer­den pro­jekt­be­zo­gen von grö­ße­ren Spen­den­or­ga­ni­sa­tio­nen wie der Kin­der­mis­sion in Aachen und ande­ren kirch­li­chen Mis­si­ons­grup­pen bestrit­ten.
Die Erfah­rung zeigt, dass für die Ver­sor­gung und Aus­bil­dung von 40 Mäd­chen pro Jahr 10.000 Euro gebraucht wer­den, so Axel Fischer. Das macht pro Kind und Monat 21 Euro. Die inten­sive Zusam­men­ar­beit der deut­schen Unter­stüt­zer mit den ein­hei­mi­schen Betrei­bern sorgt dafür, dass die Hil­fen auch wirk­lich sinn­voll und effek­tiv ein­ge­setzt wer­den. Von gro­ßer Bedeu­tung erwies sich zum Bei­spiel die Per­so­nal­schu­lung der Leh­re­rin­nen und Betreue­rin­nen. Die Kin­der gehen vor­mit­tags in die staat­li­che Schule und wer­den zusätz­lich nach­mit­tags im Heim unter­rich­tet. Mitt­ler­weile zäh­len die Mäd­chen aus der Kin­der­hilfe zu den bes­ten Schü­le­rin­nen im Ort. Ein Gemü­se­gar­ten sorgt neu­er­dings dafür, die Kos­ten zu sen­ken und gleich­zei­tig den Kin­dern prak­ti­sche Erfah­run­gen mit Selbst­ver­sor­gung zu ermög­li­chen.
Die Kin­der­hilfe Mida­lam ist damit ein über­zeu­gen­des Bei­spiel, wie durch Eigen­in­itia­tive von Pri­vat­per­so­nen auch im klei­nen Rah­men effek­tiv gehol­fen wer­den kann. Die Orga­ni­sa­tion ist dank ihrer Klein­heit völ­lig trans­pa­rent und per­sön­lich. Es ist jeder­zeit mög­lich, vor Ort zu rei­sen und mit­zu­hel­fen, Erfah­run­gen zu machen und Freunde zu fin­den. Die Bil­der auf die­sen Sei­ten sol­len einen Ein­druck von den Men­schen und dem Ort geben und spre­chen für sich. Tattva Viveka emp­fiehlt diese Initia­tive, wenn Sie, liebe Lese­rin­nen und Leser, eine wohl­tä­tige Orga­ni­sa­tion unter­stüt­zen möch­ten.

Spen­den sind steu­er­lich absetz­bar. Die Orga­ni­sa­to­ren sind dank­bar für jede Spende auf das Spen­den­konto der "Kin­der­hilfe Mida­lam", Konto-Nr. 678 520 bei der Raiff­ei­sen­bank Ried eG, BLZ 509 612 06.
Kon­takt: Axel Fischer, Bens­hei­mer Straße 1A, 68623 Lampertheim-Hofheim, Tel. 06241 – 30 57 55, Fax 06241 – 30 57 46

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