Gesün­der leben mit Wild­pflan­zen

In der 'Rohkost-Szene' ist seit Jah­ren ein star­ker Trend hin zu den Wild­pflan­zen zu beob­ach­ten. Es han­delt sich dabei um die Pflan­zen, die von selbst, also ohne mensch­li­ches Bemü­hen in der Natur wach­sen. Die Wild­kräu­ter sind oft so kraft­voll und lebens­stark, dass der Mensch sie ein­fach nicht aus­rot­ten kann. The­re­sia Muthers beschreibt ihre Erfah­run­gen mit dem Anbau und Genuss von Wild­pflan­zen.
In der Rohkost-Szene beob­achte ich seit Jah­ren einen star­ken Trend hin zu den Wild­pflan­zen, die immer noch von vie­len als "Un"-Kräuter bezeich­net wer­den. Das gibt es aber vom Begriff her genauso wenig wie ein "Un"-Wort! Es han­delt sich ganz ein­fach um die Pflan­zen, die von selbst, ohne mensch­li­ches Bemü­hen in der Natur wach­sen.
Franz Konz (siehe "Der große Gesundheits-Konz", zu bezie­hen über den Bund für Gesund­heit, 52525 Heins­berg) hat viel dazu beige­tra­gen, dass das Essen von rohen Wild­pflan­zen wie­der stark ins Bewusst­sein rückte. Man­che davon sind ja von alters­her sehr wohl als Heil­kräu­ter bekannt und wegen ihrer spe­zi­el­len Heil­wir­kung benutzt wor­den. Aber im Grunde genom­men hat jede Pflanze ganz bestimmte Funk­tio­nen. Nur bei den meis­ten sind diese eher all­ge­mein gesund­heits­för­dernd. Sie wur­den nie unter­sucht, was im übri­gen bei der Methode, die man die "instink­tive" nen­nen kann, auch gar nicht not­wen­dig ist.

Die Wild­kräu­ter sind oft so kaf­t­voll und lebens­stark, dass der Mensch sie ein­fach nicht aus­rot­ten kann. So hat z.B. die Vogel­miere längst ihre Samen neu aus­ge­streut, ehe wir ihre Blü­ten gese­hen hät­ten. Bleibt vom Girsch oder der Quecke nur ein klei­nes Wur­zel­chen in der Erde, so ist der Grund­stock für eine neue Pflanze gelegt.
Wild­pflan­zen sind so geschaf­fen, dass sie genau an dem Platz wach­sen, wo sie hin­ge­hö­ren. Beim "Anbau" im Gar­ten wird man mehr zum Beob­ach­ter des Gesche­hens; man ord­net, unter­stützt und klärt eher, als dass man anbaut. Das macht das Gärt­nern eines­teils leicht, ande­rer­seits schwie­rig, weil diese Art dem alt­be­kann­ten Vor­ge­hen wider­spricht. (Die Ände­rung ein­ge­fah­re­ner Ver­hal­tens­wei­sen macht uns ja auf jedem Gebiet des Lebens die größ­ten Schwie­rig­kei­ten!) Lässt man sich dar­auf ein, kann man schönste Über­ra­schun­gen erle­ben: Auf ein­mal wach­sen viel­leicht genau die Pflan­zen, die der Besit­zer am meis­ten braucht oder die ihm beson­ders gut gefal­len. Das geschieht vor­nehm­lich dann, wenn man sehr inten­siv im und mit dem Gar­ten lebt. Geht man mor­gens bar­fuß hin­ein, soll es beson­ders wir­kungs­voll sein.
Auch zei­gen bestimmte Wild­pflan­zen an, wie der Boden beschaf­fen ist, wel­che Inhalts­stoffe vor­herr­schen bzw. feh­len.

Ein gro­ßer Vor­teil des Wild­pflan­zen­an­baus ist: Es gibt kaum Pro­bleme mit Schäd­lin­gen, Schne­cken­fraß ist kein Thema. Wie muss man dage­gen z.B. junge Salat­pf­länz­chen schüt­zen!
Man erleich­tert und ver­ein­facht sich auf diese Weise das Leben sehr und kann ver­ste­hen, wovon die wei­sen Ein­sied­ler in den chi­ne­si­schen Ber­gen leb­ten, wenn sie sich dort­hin zurück­zo­gen: "Die voll­kom­me­nen Men­schen der Vor­zeit nähr­ten sich von wild­wach­sen­der Speise auf dem Feld Ohnes­orge und leb­ten in dem Küchen­gar­ten Kei­nepflicht." (Zitat nach Lukas Moel­ler: "Gesund­heit ist ess­bar", Goldmann-Verlag 1989, S. 120)
Und es fin­den sich alle Geschmacks­rich­tun­gen, die Viel­falt von Geschmä­ckern, Far­ben und For­men ist über­wäl­ti­gend. Ich kenne süße, saure, herbe, bit­tere, scharfe, schlei­mige, nus­sige, sal­zige, abstrin­gie­rende (zusam­men­zie­hende) Sor­ten und viele Genüsse, die gar nicht zu beschrei­ben sind.

Das Inter­esse an natür­li­chen Anbau­wei­sen steigt, weil immer mehr Men­schen erken­nen, dass unsere Welt nur so lebens­wert erhal­ten wer­den kann. Jeder kann sei­nen Teil dazu bei­tra­gen, indem er auf dem Land, das ihm gehört, nicht nur den eng­li­schen Rasen neben den Rosen und pfle­ge­leich­ten Nadel­bäu­men dul­det, son­dern auch Wild­pflan­zen einen Platz belässt.
Es ist inzwi­schen wie­der all­ge­mein aner­kannt, dass man eine hei­mi­sche gemischte Laub­holz­he­cke pflanzt oder zumin­dest den Bren­nes­seln eine Ecke belässt, weil man weiß, dass die Hecke für die Vögel und die Bren­nes­seln für bestimmte Schmet­ter­linge zur Eiab­lage benö­tigt wird. Und so hat jede Wild­pflanze ihre bestimm­ten Funk­tio­nen, die sie im Zusam­men­spiel mit der Natur erfül­len soll.
Der Mensch leis­tet damit nicht nur für die Umwelt einen Bei­trag, son­dern er holt sich für sich selbst wert­vollste Lebens­mit­tel direkt an sein Haus heran. Bei Unter­su­chun­gen von Kul­tur­pflan­zen im Ver­gleich zu Wild­pflan­zen wurde näm­lich fest­ge­stellt, dass die Inhalts­stoffe bei wild­ge­wach­se­nen Pflan­zen im Schnitt weit­aus höher lie­gen als bei gezüch­te­ten. Hät­ten Sie gedacht, daß z.B. Bren­nes­seln 333mg Vit­amin C auf 100g ent­hal­ten, Zitro­nen dage­gen nur 53mg?! Oder dass sie 630mg Kal­zium haben?! (Es gibt kaum eine Pflanze, die mehr zu bie­ten hat!)

Es ist kaum vor­stell­bar, wie wert­voll die gesamte Wild­pflan­zen­pa­lette für alle Lebe­we­sen ist. Belegt ist z.B., dass Zigeu­ner vor dem Ver­kauf ihrer Pferde diese über län­gere Zeit beson­ders gut mit Wild­kräu­tern – u.a. Bren­nes­seln – füt­ter­ten, um ihnen das typisch glän­zende, sei­dige Fell zu ver­schaf­fen. Auch Rin­der, Zie­gen und Schafe blei­ben gesün­der, wenn sie auf Kräu­ter­wie­sen wei­den dür­fen. Die "glück­li­che" Kuh steht auf der Weide mit Kräu­tern und lie­fert aro­ma­ti­sche geschmack­volle Milch (die aber übri­gens für das eigene Kälb­chen und nicht für den Men­schen bestimmt ist, weil sie nur für die­ses genau passt!). Diese Art des Fut­ters beinhal­tet auch bes­tes Eiweiß. Grün­fut­ter ist als Eiweiß­lie­fe­rant in der Tier­zucht wohl­be­kannt.
Auch wir kön­nen diese Kräfte der Natur nut­zen und den Ver­lust an wert­vol­len Inhalts­stof­fen in unse­ren Kul­tur­pflan­zen zum Teil aus­glei­chen, wenn wir die Wild­pflan­zen mit in unse­ren Spei­se­plan auf­neh­men. So bestä­ti­gen mir ver­schie­dene mei­ner Gäste immer wie­der, dass sie das bei der instink­ti­ven Roh­kost prak­ti­zierte Mor­gen­fas­ten sehr gut durch­hal­ten kön­nen, wenn sie – auch nur geringe Men­gen – Wild­kräu­ter gegen 11.00 Uhr geges­sen haben. Sie spü­ren direkt eine Sät­ti­gung und füh­len sich wohl, aber unbe­las­tet.

Für mich waren alle Pflan­zen von frü­hes­ter Kind­heit an inter­es­sant. Ich war dar­auf aus, mög­lichst von allen den Namen zu wis­sen – und dachte, damit hätte ich ihr Wesen erfasst.
Durch meine inzwi­schen über 11-jährige Pra­xis der instink­ti­ven Roh­kost habe ich mehr und mehr dahin gefun­den, dass es auch geht, ohne dass man weiß, wie die Pflanze heißt und wel­che Inhalts­stoffe sie hat – wobei man sich sowieso dar­über im kla­ren sein sollte, dass die Wis­sen­schaft war­schein­lich nie­mals alle Bestand­teile erfor­schen kön­nen wird.
So pro­biere ich immer wie­der eine Pflanze roh und ein­zeln, die ich noch nicht mit Namen kenne, auf instink­tive Weise, um her­aus­zu­fin­den, ob sie für mich im Moment zum Essen gut geeig­net ist:
Zuerst rie­che ich an den Pflan­zen, nach­dem ich etwas daran gerie­ben habe. Wenn sie nicht gut für mich riecht, ist der Ver­such für mich schon been­det, weil die Nase ganz klar aus­schließt, was über­haupt nicht in Frage kommt. Riecht sie gut, dann teste ich ein win­zi­ges Stück­chen auf der Zun­gen­spitze. Bei unan­ge­neh­men Erschei­nun­gen spu­cke ich sofort aus.
Ist der Geschmack ange­nehm, nehme ich eine kleine Menge zu mir und beob­achte, was pas­siert. Am nächs­ten Tag kann ich dann even­tu­ell – nach erneu­tem Geruchs­test – mehr davon essen.
Eine sinn­volle und sehr vor­sich­tige Pra­xis besteht darin, dass man bei einer unbe­kann­ten Pflanze noch vor der Geruchs­probe einen Rei­be­test mit der­sel­ben an emp­find­li­chen Kör­per­stel­len, z.B. in der Arm­beuge, vor­nimmt und die Reak­tio­nen dar­auf beob­ach­tet.
Nach den Erkennt­nis­sen der instink­ti­ven Roh­kost (siehe Guy Claude Bur­ger: "Die instink­tive Roh­kost­the­ra­pie", Heyne TB, z.Zt. ver­grif­fen) kann man sich – nach einer gewis­sen Umge­wöh­nungs­zeit – bei der Aus­wahl aller Lebens­mit­tel voll­stän­dig auf den Geruchs– und Geschmacks­sinn ver­las­sen, vor­aus­ge­setzt, dass die Lebens­mit­tel völ­lig im Natur­zu­stand belas­sen und unver­mischt sind. Man braucht also nicht mehr so viel zu wis­sen, man muss nur das Lebens­mit­tel für sich tes­ten kön­nen. Wild­pflan­zen haben dabei einen viel tie­fe­ren, typi­schen Geruch und Geschmack als die Kul­tur­pflan­zen.
Sehr oft kann es auch sein, dass schon der Geruch genügt. Wir neh­men ja über die Nase auch Mole­küle auf, die uns näh­ren, und der Vor­teil hier­bei ist, dass sie über die Nasen­schleim­häute direkt ins Blut auf­ge­nom­men wer­den. Bei ange­neh­men Gerü­chen ist das schön, bei unan­ge­neh­men Gerü­chen lei­der sehr belas­tend, weil sie eben beim Atmen in uns ein­drin­gen, ohne dass wir uns weh­ren könn­ten.
Auf diese Weise kom­men uns auch die Wirk­stoffe der star­ken "Heil"kräuter zugute. Wir brau­chen dafür keine Tees mehr zu kochen. Wir rie­chen z.B. an der Pfef­fer­minze oder dem Sal­bei, bis die Geruchs­emp­fin­dung nach­lässt. Bei den Wild­pflan­zen sind junge Blät­ter und Trieb­s­pit­zen meist am ange­nehms­ten, aber auch Wur­zeln, Knol­len, Stän­gel, Blü­ten, Früchte und Samen kön­nen u.U. genos­sen wer­den.

In der von mir erstell­ten Tabelle habe ich ange­kreuzt, was ich im all­ge­mei­nen von den ange­ge­be­nen Pflan­zen nutze. Jeder möge selbst aus­pro­bie­ren und genie­ßen, was für ihn in Frage kommt. (Bei der Eibe aber bitte nur den roten Frucht­man­tel!) Auf jeden Fall aber sollte man jede Pflanze zuerst "mono", d.h. ein­zeln, für sich selbst, tes­ten, ob sie ein Genuss ist.
Danach kann man unter Umstän­den daran den­ken, sich dar­aus einen Salat zu mischen. Unser Instinkt funk­tio­niert ja nur opti­mal, wenn wir uns ein­zelne Lebens­mit­tel roh zur Ent­schei­dung vor­le­gen (siehe hierzu mei­nen Arti­kel "Die Instink­to­the­ra­pie – Gesund essen mit Genuss"). Bei Mischun­gen ver­sagt er, und es könnte unan­ge­nehm oder sogar gefähr­lich wer­den.
Ich habe 100 Arten aus­pro­biert – und es sind sicher­lich noch lange nicht alle! Bei den Bee­ren emp­fehle ich, auch etwas Blatt­werk mit­zu­es­sen.
Die Pflan­zen, die ich in grö­ße­rer Menge pro­blem­los – meist in allen Tei­len – bei­nahe jeder­zeit essen kann, habe ich in der Tabelle mit einem "!" vor dem Namen gekenn­zeich­net. Viel­leicht hilft das beim Ein­stieg. Es han­delt sich dabei um im all­ge­mei­nen milde schme­ckende Sor­ten.
Besor­gen Sie sich ein gutes Wild­pflan­zen­buch, wie z.B. "Was blüht denn da?" aus der Reihe der Kosmos-Naturführer, und dann kann das Erleb­nis "Gesün­der Leben mit Wild­pflan­zen" los­ge­hen.

Hier fin­den Sie die Tabelle mit einer Auf­lis­tung der Wild­pflan­zen als PDF-Version.

Enveda.de hat für Lieferung, Warenqualität und Kundenservice die Note "Sehr gut" (4.8 von 5.00) durch 22 Trusted Shops-Bewertungen erhalten.