Ganz­heits­me­di­zin

Dr. med. Tho­mas Kroiss, Arzt für All­ge­mein­me­di­zin und Grün­der des Kroiss-Krebs-Zentrums für Alter­na­tive Krebs­the­ra­pien, über Medi­zin 'als Wis­sen­schaft' und Medi­zin 'als Kunst', über Schul­me­di­zin, Ganz­heits­me­di­zin und Natur­heil­kunde.

Man muss wis­sen, dass die Medi­zin in wei­ten Berei­chen keine Wis­sen­schaft in jenem Sinne ist, dass "wis­sen­schaft­lich fun­diert" etwas getan wird, und dann ist not­ge­drun­gen der Erfolg vor­han­den. Es ist nicht eine Wis­sen­schaft wie "Brü­cken­bauen". Von einem Brü­cken­bauer würde man abso­lut ver­lan­gen, dass am Ende eine funk­tio­nie­rende Brü­cke da ist, unter der Schiffe hin­durch­fah­ren kön­nen und dar­über Autos und Eisen­bahn.
So ist das in der Medi­zin nicht.
Es gibt drei Mög­lich­kei­ten für Sie als "Kon­su­ment": Ent­we­der

  1. die wis­sen­schaft­lich eta­blierte Methode funk­tio­niert, oder
  2. die wis­sen­schaft­lich eta­blierte Methode funk­tio­niert nicht oder unge­nü­gend, oder
  3. sie ist gar nicht ange­bracht und man muß sich den rich­ti­gen Arzt suchen – wenn es ihn über­haupt gibt.

Was die Suche nach dem rich­ti­gen Arzt betrifft, ist diese Suche bei Punkt 1 rela­tiv leicht. Man sucht sich den Arzt nach Anse­hen oder Sym­pa­thie oder nach sei­nen Kos­ten oder nach sei­nem Stand­ort aus. Was die Ganz­heits­me­di­zin betrifft, so kom­men Punkt 2 und 3 zum Tra­gen. Denn jetzt brau­chen Sie eine außer­ge­wöhn­li­che Lösung. Hier haben wir die Medi­zin sozu­sa­gen "als Wis­sen­schaft" ver­las­sen und betre­ten die Medi­zin als "Kunst"!
Bei­spiel: Viele Frauen haben immer wie­der­keh­rende Bla­sen­ent­zün­dun­gen oder Schei­den­pilze. Man geht zum Arzt und bekommt Anti­bio­tika – durch­aus rich­ti­ger­weise. Und die Krank­heit ver­schwin­det, jedoch nicht für immer. Es trifft zu: "die wis­sen­schaft­lich eta­blierte Methode funk­tio­niert nicht oder unge­nü­gend" (Punkt 2). Nun betre­ten wir das Gebiet der Ganz­heits­me­di­zin und hier gibt es lei­der keine ein­heit­li­che Behand­lungs­phi­lo­so­phie, son­dern jeder "Künst­ler" übt die Kunst ganz nach sei­ner Art aus – nach sei­ner Ein­stel­lung, nach sei­ner Aus­bil­dung und nach sei­ner Erfah­rung.
Was den Punkt 3 oben betrifft (die "schul­me­di­zi­ni­sche" Methode ist gar nicht ange­bracht oder es gibt gar keine funk­tio­nie­rende): Dort ist die Suche am schwers­ten. Alle Krank­hei­ten, die übli­cher­weise nicht aus­ge­heilt wer­den, lan­den dort. Der Pati­ent, der bereits meh­rere erfolg­lose Ver­su­che unter­nom­men hat, gesund zu wer­den, wird sehr inten­siv suchen müs­sen.

Zum bes­se­ren Ver­ständ­nis einige Defi­ni­tio­nen:

  • "Ganz­heits­me­di­zin": Dies bedeu­tet, dass man MEHR in Betracht zieht, vor allem etwas "Gan­zes" anstatt nur das Detail. Man sieht etwas in sei­nen ver­schie­de­nen Zusam­men­hän­gen, von einem dis­tan­zier­te­ren Blick­punkt, wohin­ge­gen man sich ansons­ten zu sehr auf die Ein­zel­teile kon­zen­triert. Die Mei­nun­gen gehen aus­ein­an­der und es gibt daher zwei von­ein­an­der unter­schied­li­che Defi­ni­tio­nen:
    1. Der Zusam­men­hang GEIST – KÖR­PER wird her­vor­ge­ho­ben. Es sollte eine Krank­heit in die­ser Kom­ple­xi­tät betrach­tet wer­den und nicht ein­fach nur mecha­nisch als etwas Mate­ri­el­les allein, als etwas rein Kör­per­li­ches. Den Krank­hei­ten wird eine mehr see­li­sche Ursa­che zuge­spro­chen, deren Fol­ge­er­schei­nun­gen bzw. Sym­ptome dann als "Krank­heit" zutage tre­ten.
    2. Aber auch auf rein medizinisch-körperlichem Gebiet erken­nen wir VER­BIN­DUN­GEN und ZUSAM­MEN­HÄNGE, wel­che nur in ihrer "GANZ­HEIT" rich­tig erfasst wer­den kön­nen. Bei­spiels­weise kann ein Kopf­schmerz mit der Ver­stop­fung in Zusam­men­hang ste­hen, und er geht auch tat­säch­lich weg, wenn man den Bauch (zum Bei­spiel den Dick­darm) in Ord­nung bringt. – Wäh­rend man also übli­cher­weise die Erkran­kung am Kopf sucht (zu lokal und zu ein­sei­tig gedacht, nach der Mei­nung der "Ganz­heits­me­di­zi­ner"), befin­det sich die Ursa­che in einem ande­ren Kör­per­teil. Ganz ein­fach mecha­nisch, mate­ri­ell, auf kör­per­li­cher Ebene: ganz­heit­lich.

  • "Natur­heil­kunde" (Defi­ni­tion aus dem "klei­nen Brock­haus"):
    "Lehre der Krank­heits­be­hand­lung, die auf die Stei­ge­rung der dem Men­schen inne­woh­nen­den Natur­heil­kräfte (Selbst­hei­lungs­kräfte) hin­zielt. Diese müs­sen unter­stützt, krank­heits­för­dernde Fak­to­ren aus­ge­schal­tet wer­den." Diese Defi­ni­tion liegt mir sehr am Her­zen, denn sie zeigt meh­rere Dinge auf: Ers­tens gibt es Selbst­hei­lungs­kräfte, an die wir in der Medi­zin zu wenig den­ken. Wenn wir eine Ope­ra­tion machen, so rech­nen wir auto­ma­tisch damit, dass danach alles von sel­ber zusam­men­heilt. Wenn wir eine Grippe haben, dann kön­nen wir eben­falls davon aus­ge­hen, dass wir gesund wer­den! Und so ist es bei allen Krank­hei­ten: der Kör­per hat die Fähig­keit, sie aus­zu­hei­len! – Aber hoppla: warum gibt es dann Kranke?? Nun, eine Krank­heit kann nur dann nicht aus­hei­len, wenn die Selbst­hei­lungs­kräfte dar­nie­der­lie­gen. Was dar­aus folgt: Bei einer chro­nisch gewor­de­nen Krank­heit müs­sen ZUERST die Selbst­hei­lungs­kräfte wie­der instand­ge­setzt wer­den, damit über­haupt ein Erfolg erzielt wer­den kann. Oder anders aus­ge­drückt: Es ist ganz zweck­los, eine The­ra­pie zu begin­nen, solange man die Selbst­hei­lungs­kräfte nicht wie­der instand­ge­setzt hat. Oder: eine Krank­heit kann nur des­halb chro­nisch wer­den, weil die Selbst­hei­lungs­kräfte bereits eine Weile davor ver­siegt sind.
    Ein guter Ganz­heits­me­di­zi­ner wird also den Schwer­punkt sei­ner The­ra­pie zuerst und zur Haupt­sa­che dar­auf ver­le­gen, die Heil­kräfte der Natur zu unter­stüt­zen, zu ver­bes­sern, zu len­ken, zu lei­ten – und damit so umzu­ge­hen, dass am Schluss Aus­hei­lung erzielt wird.
    Zwei­tens erkennt man in der obi­gen Defi­ni­tion von Natur­heil­kunde, dass eine Krank­heit aus dem schäd­li­chen Ein­fluss einer­seits und den Reak­tio­nen des Orga­nis­mus ander­seits besteht. Dar­aus ergibt sich für die Pra­xis, dass es (zum Bei­spiel) nicht not­wen­di­ger­weise rich­tig ist, Fie­ber und Ent­zün­dung zu unter­drü­cken, denn diese sind das fal­sche Ziel! Nicht die Bemü­hun­gen des Orga­nis­mus soll der Arzt schmä­lern, son­dern den schäd­li­chen Ein­fluss.
    Dass dies nicht in der Defi­ni­tion der Medi­zin, son­dern ledig­lich in der Defi­ni­tion der Natur­heil­kunde ent­hal­ten ist, deu­tet dar­auf hin, dass man die­sen Umstand heute nicht genü­gend beach­tet und somit beim Kran­ken die Repa­ra­ti­ons­ver­su­che des Orga­nis­mus unter­drückt anstatt ihm zu hel­fen, sich zu hei­len (Pil­len statt Hei­lung).
    Natur­heil­kunde heißt so, weil man die natür­lich vor­han­de­nen Heil­kräfte nutzt.
  • "Alternativ-Medizin", "Kom­ple­men­täre Medi­zin": Auch diese bei­den Begriffe sol­len erwähnt wer­den, weil es sie gibt. "Alter­na­tiv­me­di­zin" ist natür­lich ein sehr ober­fläch­li­cher Aus­druck, der dafür steht, dass etwas nicht so ist wie üblich. Also alter­na­tiv zur übli­chen Routine-Medizin. Bezeich­net wird damit im Volks­mund all jenes, was der Pati­ent bei einem "gewöhn­li­chen" Schul­me­di­zi­ner nicht bekommt. – Ein wenig wis­sen­schaft­li­cher Aus­druck also, für unsere Zwe­cke nicht beson­ders gut geeig­net. Da er aber am ehes­ten ver­stan­den wird, hat er seine Berech­ti­gung. "Kom­ple­men­tär" (ergän­zend) wird diese Art von Medi­zin genannt, weil man man­cher­orts meint, dass es sich um eine Ergän­zung zur Schul­me­di­zin han­delt.
  • "Homöo­pa­thie": Gerade in Öster­reich ist die­ser Aus­druck sehr bekannt, aber die wenigs­ten wis­sen, was er bedeu­tet. Fälsch­li­cher­weise wird er von den Men­schen mit "Natur­me­di­zin" oder "Ganz­heits­me­di­zin" gleich­ge­setzt. Den hohen Bekannt­heits­grad ver­dankt er Pro­fes­sor Dorcsi aus Wien, weil es dort zu sei­ner Zeit zwar "seine" Homöo­pa­thie gab, aber sonst keine Ganz­heits­me­di­zin. So hat man im Volk jede medi­zi­ni­sche "Alter­na­tive" mit "Homöo­pa­thie" bezeich­net.
    Homöo­pa­thie bedeu­tet jedoch "der Krank­heit ähn­lich" und ist nur ein sehr klei­ner Teil der ganz­heits­me­di­zi­ni­schen oder natur­heil­kund­li­chen Ver­fah­ren, neben Ernäh­rung, Vit­ami­nen, Ozon-Therapien, Kräu­ter­heil­kunde, Aku­punk­tur etc. Man behan­delt in der Homöo­pa­thie mit ver­dünn­ten Sub­stan­zen, wel­che in vol­ler Kon­zen­tra­tion jedoch Gift­stoffe sind. Man ver­dünnt sie, um den Orga­nis­mus nicht zu ver­gif­ten, aber man gebraucht das Gift, indem man jenes aus­wählt, das der Krank­heit am ähn­lichs­ten ist. Mit ande­ren Wor­ten: wenn man pul­sie­rende Kopf­schmer­zen hei­len möchte, muß man jenes Mit­tel wäh­len, das pul­sie­rende Kopf­schmer­zen ver­ur­sa­chen würde! Das ist Homöo­pa­thie.

Ich denke, dass Sie jetzt, wenn Sie das Obige gut durch­ge­le­sen haben, eine Ori­en­tie­rung bekom­men haben, was man unter die­sen Begrif­fen ver­steht. Ich denke auch, dass es dazu beige­tra­gen hat, dass Sie jetzt mit mehr Ver­ste­hen an Ihre Arzt­su­che her­an­ge­hen kön­nen und zum Bei­spiel mit ein paar Fra­gen an den Arzt erken­nen kön­nen, ob er Ihren Anfor­de­run­gen ent­spricht. Lei­der gibt es keine ein­heit­li­che Aus­bil­dung für diese Art von Medi­zin. Lei­der gibt es genau genom­men über­haupt keine Aus­bil­dung und so kommt es, dass man auf sehr unter­schied­li­che The­ra­peu­ten stößt, mit unter­schied­li­chen Phi­lo­so­phien und mit unter­schied­li­chen Ver­fah­ren.

Zum Abschluss möchte ich Ihnen noch eine ein­fa­che Faust­re­gel auf den Weg mit­ge­ben, die sehr wich­tig ist: Wann gehe ich zum "Schul­me­di­zi­ner" und wann gehe ich zum Ganz­heits­me­di­zi­ner??
Es gibt einen wesent­li­chen Unter­schied zwi­schen einer aku­ten und einer chro­ni­schen Erkran­kung: "Chro­nisch" bedeu­tet "mit Zeit ver­bun­den". Das heißt also, eine chro­ni­sche Krank­heit ist eine Krank­heit, die über eine Zeit hin­weg andau­ert. "Akut" bedeu­tet "spitz, scharf". Eine akute Krank­heit ist eine Krank­heit, bei der die Erschei­nun­gen "spitz, scharf" sind – meis­tens gehen sie rasch vor­bei. Wenn die Beschwer­den andau­ern, wer­den sie "chro­nisch".
Viele Krank­hei­ten mit dem glei­chen Namen kön­nen eine akute und eine chro­ni­sche Form haben. Las­sen Sie mich das am Bei­spiel der Bron­chi­tis erklä­ren. Bron­chi­tis ist eine Ent­zün­dung der Atem­wege (Bron­chien = Atem­wege, "-itis" bezeich­net immer eine Ent­zün­dung). Die akute Bron­chi­tis geht mit hef­ti­gen ("spitz", "scharf") Krank­heits­er­schei­nun­gen ein­her: Fie­ber, Hus­ten, Aus­wurf, Schmer­zen, star­kes Krank­heits­ge­fühl.
Eine chro­ni­sche Bron­chi­tis schleppt sich dahin: man hus­tet, hat höchs­tens ein biss­chen Fie­ber (meist gar kei­nes), kann viel­leicht sogar arbei­ten gehen, aber man wird die Krank­heit nicht wirk­lich los. (Der Orga­nis­mus kann sie nicht aus­hei­len, weil seine Abwehr ver­sagt hat!)
Wenn sich der Orga­nis­mus hef­tig wehrt, ergibt das also eine akute Erkran­kung. Wenn er sich nur schwäch­lich wehrt, ent­steht eine chro­ni­sche Erkran­kung. Das heißt, eine akute Erkran­kung zeugt von einem guten Abwehr­sys­tem, ins­be­son­dere dann, wenn der Orga­nis­mus gut Fie­ber erzeu­gen kann. Eine chro­ni­sche Krank­heit sagt uns, dass das Immun­sys­tem schwach ist.
Es ist wich­tig zu wis­sen, dass Fie­ber und Ent­zün­dung die Abwehr­me­cha­nis­men des Kör­pers sind. Die sicherste Art, aus einer guten Abwehr eine schwäch­li­che zu machen, ist es, bei einer aku­ten Ent­zün­dung die Bemü­hun­gen des Orga­nis­mus zum Bei­spiel durch fie­ber­sen­kende und ent­zün­dungs­hem­mende Mit­tel zu bekämp­fen. Es ist doch ein­leuch­tend, dass es nur sinn­voll sein kann, den "Feind" zu schwä­chen und nicht den Freund.

Also lau­tet die Faust­re­gel: Bei aku­ten Krank­hei­ten zum Schul­me­di­zi­ner, bei chro­ni­schen Krank­hei­ten zum Ganz­heits­me­di­zi­ner.
Bei einer aku­ten Erkran­kung ist die Abwehr gut genug bei­sam­men, so dass eine schul­me­di­zi­ni­sche Behand­lung (zusam­men mit der intak­ten Abwehr) Gesund­heit her­bei­füh­ren wird. Wenn die Selbst­hei­lungs­kräfte jedoch bereits zu schwach sind, wird die schul­me­di­zi­ni­sche Behand­lung alleine nicht zum Erfolg füh­ren. Krän­kelt man also dahin, oder kommt die Krank­heit immer wie­der zurück (!), muss das Immun­sys­tem unter­stützt und gelenkt wer­den, so dass der Orga­nis­mus sel­ber die letzt­li­che Aus­hei­lung her­bei­füh­ren kann.
Das ist die Faust­re­gel.
Alles Gute!

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