Ennea­gramm: Die Gewohn­hei­ten, die wir mit in unsere spi­ri­tu­elle Arbeit brin­gen

Wenn wir anfan­gen, spi­ri­tu­ell zu arbei­ten, brin­gen wir bewusst oder auch unbe­wusst einige Dinge mit. Wir brin­gen unsere Träume mit und unsere Hoff­nung dar­auf, dass wir hier die Ant­wor­ten und die Hei­lung fin­den, die wir suchen. Wir brin­gen unsere Ideen mit, unsere Erwar­tun­gen und unsere Vor­stel­lun­gen dar­über, wie die Arbeit mit dem Leh­rer oder der Leh­re­rin ablau­fen wird und wie er oder sie selbst sein sollte.
Enneagramm

Über­set­zung bear­bei­tet von Leo­nie Wer­ner.

Wenn wir anfan­gen, spi­ri­tu­ell zu arbei­ten, brin­gen wir bewusst oder auch unbe­wusst einige Dinge mit. Wir brin­gen unsere Träume mit und unsere Hoff­nung dar­auf, dass wir hier die Ant­wor­ten und die Hei­lung fin­den, die wir suchen. Wir brin­gen unsere Ideen mit, unsere Erwar­tun­gen und unsere Vor­stel­lun­gen dar­über, wie die Arbeit mit dem Leh­rer oder der Leh­re­rin ablau­fen wird und wie er oder sie selbst sein sollte. Nicht zuletzt brin­gen wir auch unsere Gewohn­hei­ten und die noch nicht völ­lig auf­ge­ar­bei­te­ten Per­sön­lich­keits­an­teile mit in diese Arbeit hin­ein. Dies ist eine grö­ßere Ent­täu­schung für einige von uns, ganz beson­ders wenn wir zu einem neuen Anfang auf einem spi­ri­tu­el­len Pfad auf­bre­chen möch­ten. Es ist Wunsch­den­ken, wenn wir glau­ben, dass der Rest unse­res Lebens uns nicht in die spi­ri­tu­elle Arbeit fol­gen wird. Lei­der ist die feh­lende Offen­heit für einen ehr­li­chen Blick auf die eige­nen Gewohn­hei­ten der häu­figste Grund dafür, dass Men­schen diese Arbeit wie­der auf­ge­ben.

Wel­ches sind nun diese Gewohn­hei­ten und wo kom­men sie her? Von der spi­ri­tu­el­len Per­spek­tive aus gese­hen, könnte man sagen, dass jeder von uns in ein Umfeld hin­ein­ge­bo­ren wird, das einige Her­aus­for­de­run­gen für uns bereit hält. In die­sem Umfeld ler­nen wir, zu über­le­ben und so gut es geht für die Erfül­lung unse­rer Bedürf­nisse zu sor­gen – und das ist grund­sätz­lich nicht schlecht. Viel­leicht fin­den wir im Laufe unse­res Lebens her­aus, dass es andere oder bes­sere Ver­hal­tens– oder Sicht­wei­sen gibt, und genau dann, wenn wir ver­su­chen, unser Ver­hal­ten zu ändern, wer­den unsere alten Gewohn­hei­ten, die uns lange Jahre beglei­tet haben, oft zu Stol­per­stei­nen.

Wenn Men­schen sich der scha­ma­ni­schen Arbeit zuwen­den, höre ich oft von ihnen: "Ich möchte meine Gewohn­hei­ten bre­chen!" Meine Ant­wort dar­auf ist nor­ma­ler­weise: "Wun­der­bar, wel­che Gewohn­hei­ten hast du denn?" Dar­auf schauen mich die meis­ten mit gro­ßen fra­gen­den Augen an, denn sie haben jetzt ein Pro­blem. Wir müs­sen uns zuerst selbst klar sehen, bevor wir wis­sen kön­nen, was es zu ver­än­dern gibt. Wir müs­sen bereit sein anzu­neh­men, dass Dinge, die wir schon seit lan­ger Zeit tun, nicht auto­ma­tisch schlecht sind und sofort geän­dert wer­den müs­sen. Ich habe ein­mal mit einem Kli­en­ten gear­bei­tet, der mir erzählte, dass er sehr hart daran arbei­tete "das Alte in sei­nem Leben zu zer­bre­chen", ohne erst her­aus­ge­fun­den zu haben, was "das Alte" war. Wenn ich ihm zuhörte, kam ich mir so vor, als würde ich jeman­den dabei beob­ach­ten, wie er seine Möbel im Wohn­zim­mer mit ver­bun­de­nen Augen umstellt. Ich muss wohl kaum hin­zu­fü­gen, dass dies zu schwe­ren Pro­ble­men für seine men­tale und seine kör­per­li­che Gesund­heit führte.

Wo sol­len wir also begin­nen? Das Beste ist es, wenn wir zuerst uns selbst und unsere Moti­va­tion erken­nen. Je län­ger wir damit in unse­rer spi­ri­tu­el­len Arbeit war­ten, um so schwie­ri­ger kann es wer­den, uns zu ver­än­dern. Das ist der Punkt, an dem die Arbeit mit einem guten Leh­rer ein wirk­li­ches Geschenk ist. Leh­rer kön­nen auf die­sem Weg die Funk­tion eines Spie­gel über­neh­men und uns damit hel­fen, uns selbst zu erken­nen und wahr­zu­neh­men, wo wir in unse­rem Leben im Kreis lau­fen. Doch Leh­rer sind nicht immer ver­füg­bar und es gibt auch andere Mög­lich­kei­ten für uns, wenn wir an uns selbst arbei­ten wol­len. Meine Leh­rer haben mich vor vie­len Jah­ren in die Arbeit mit dem Rad ein­ge­führt und ich freue mich, es hier wei­ter­ge­ben zu kön­nen. Das Rad nennt sich Ennea­gramm. Es ist das Rad der Gewohn­hei­ten, die wir am häu­figs­ten mit in unsere spi­ri­tu­elle Arbeit hin­ein­neh­men, und es zeigt auch erste Schritte, mit denen wir diese ändern kön­nen. Ich emp­fehle, sich zuerst das gesamte Rad anzu­schauen und sich etwas damit ver­traut zu machen. Es kann uns zu Anfang schwer fal­len, und selbst auf diese Weise zu sehen.

1. Gewohn­heit: Groll. Ver­in­ner­lichte Wut gegen sich selbst.

Die Welt­sicht: "Die Welt ist unvoll­kom­men. Ich arbeite daran, sie zu ver­bes­sern."

Kind­heit: Die kri­ti­sie­rende Stimme der Eltern/Autoritätspersonen wird ver­in­ner­licht.

Aus­rich­tung der Auf­merk­sam­keit: Was ist in der Situa­tion rich­tig oder falsch.

Spi­ri­tu­elle Hin­der­nisse: Der Anspruch, die spi­ri­tu­elle Arbeit gemes­sen an stren­gen ver­in­ner­lich­ten Maß­stä­ben, per­fekt zu tun.

Wachs­tums­chance: Die eige­nen ver­in­ner­lich­ten Regeln und Richt­li­nien zu hin­ter­fra­gen.

Was hel­fen kann: Finde den Unter­schied her­aus zwi­schen ich sollte und ich will. Lerne, die Sicht­wei­sen und Hand­lun­gen ande­rer zu respek­tie­ren und sieh den Wert, den diese Anders­ar­tig­keit hat. Erin­nere dich daran, dass es so viele spi­ri­tu­elle Wege wie Men­schen gibt.

2. Gewohn­heit: Schmei­che­lei. Nach außen ver­la­ger­tes "Was fühle ich?" Bestä­ti­gung für das Selbst im Außen suchen.

Die Welt­sicht: "Die Men­schen brau­chen meine Hilfe. Ich werde gebraucht."

Kind­heit: Geliebt wer­den für die eigene Hilfs­be­reit­schaft. Sich dar­auf kon­zen­trie­ren, was andere brau­chen und sich selbst dar­über ver­ges­sen.

Aus­rich­tung der Auf­merk­sam­keit: Bestä­ti­gung für sich selbst.

Spi­ri­tu­elle Hin­der­nisse: Die Arbeit machen um dadurch dem Leh­rer, den ande­ren Schü­lern oder dem Part­ner zu gefal­len.

Wachs­tums­chance: Sich fra­gen, für wen tue ich das? Für mich selbst oder um dadurch Bestä­ti­gung von ande­ren zu bekom­men?

Was hel­fen kann: Die eige­nen Bedürf­nisse erken­nen, anstatt die der ande­ren zu befrie­di­gen. Unter­schei­den, wann andere Men­schen deine Hilfe wirk­lich brau­chen und wann nicht. Die Gewohn­heit anschauen, etwas zu geben, um dafür etwas zu bekom­men. Ver­su­chen Hilfe frei und ohne Erwar­tun­gen zu geben.

3. Gewohn­heit: Image und Täu­schung. Gefühle wer­den bei­seite gescho­ben, um den Job zu erle­di­gen.

Die Welt­sicht: "Die Welt ach­tet und respek­tiert nur die Gewin­ner. Miss­er­folg muss auf jeden Fall ver­mie­den wer­den."

Kind­heit: Hat nur Bestä­ti­gung für das bekom­men, was erreicht wurde – nicht für sich selbst.

Aus­rich­tung der Auf­merk­sam­keit: Bestä­ti­gung für eine wirk­lich gut gemachte Arbeit.

Spi­ri­tu­elle Hin­der­nisse: Ein per­fek­tes spi­ri­tu­el­les Image zu erschaf­fen, ohne die dazu­ge­hö­rige innere Arbeit zu tun.

Wachs­tums­chance: Ver­trauen, dass das Risiko des Miss­er­fol­ges ein Schritt in Rich­tung Wachs­tum sein kann.

Was hel­fen kann: Ler­nen zwi­schen Tun und Füh­len zu unter­schei­den. In schwie­ri­gen Situa­tio­nen aus­har­ren, anstatt ein neues Pro­jekt zu begin­nen. Ruhig aus­har­ren und der Angst und den Gefüh­len erlau­ben, an die Ober­flä­che zu kom­men.

4. Gewohn­heit: Melan­cho­lie. Nach innen ver­la­ger­tes "Was fühle ich?" Dra­ma­ti­sie­ren der Gefühle.

Die Welt­sicht: "Etwas fehlt. Die ande­ren haben es. Ich wurde ver­las­sen."

Kind­heit: Hat wirk­lich geliebte Men­schen ver­lo­ren und gelernt, dass es nicht sicher ist, im Moment zu leben und zu lie­ben.

Aus­rich­tung der Auf­merk­sam­keit: In der Ver­gan­gen­heit oder Zukunft ist es am bes­ten – am schlimms­ten ist es im Hier und Jetzt.

Spi­ri­tu­elle Hin­der­nisse: Man fühlt sich von der spi­ri­tu­el­len Arbeit ange­zo­gen und will diese als einen Aus­weg aus der All­täg­lich­keit nut­zen.

Wachs­tums­chance: In jedem Moment sein und ler­nen, den Wert des Augen­blicks zu erken­nen.

Was hel­fen kann: Die Trauer völ­lig zuzu­las­sen, um sie damit wirk­lich zu ver­ab­schie­den. Die Schön­heit und Freude im All­tag fin­den. Im Hier und Jetzt zu Hause sein. Die Auf­merk­sam­keit abzie­hen von dem, was noch nicht geschafft ist, und sie auf das rich­ten, was schon bewäl­tigt wurde.

5. Gewohn­heit: Geiz. Ver­in­ner­lichte Angst – Furcht vor Gefüh­len.

Die Welt­sicht: "Die Welt ist zudring­lich. Ich muss allein sein, um den­ken und auf­tan­ken zu kön­nen."

Kind­heit: Hat gelernt, sich zuzu­ma­chen und zurück­zu­zie­hen, um zu über­le­ben.

Aus­rich­tung der Auf­merk­sam­keit: Was wol­len die ande­ren von mir?

Spi­ri­tu­elle Hin­der­nisse: Das Hor­ten von spi­ri­tu­el­lem Wis­sen, von Zeit und per­sön­li­chem Raum.

Wachs­tums­chance: Den Unter­schied zwi­schen intel­lek­tu­el­lem Wis­sen und spi­ri­tu­el­len Wachs­tum wahr­neh­men.

Was hel­fen kann: Wahr­neh­men, wenn Gedan­ken und Emo­tio­nen vor ande­ren ver­bor­gen wer­den. Den Unter­schied zwi­schen Ideen und geleb­ten Erfah­run­gen wahr­neh­men. Akti­vi­tä­ten fin­den, die den Kör­per, Herz und Ver­stand zusam­men­brin­gen.

6. Gewohn­heit: Zwei­fel. Angst, die auf das Umfeld pro­ji­ziert wird.

Die Welt­sicht: "Die Welt ist ein bedroh­li­cher Ort." Stellt Auto­ri­tä­ten in Frage.

Kind­heit: Wurde von Auto­ri­tä­ten auf­ge­zo­gen, die nicht ver­trau­ens­wür­dig waren.

Aus­rich­tung der Auf­merk­sam­keit: Die ver­steck­ten Absich­ten der ande­ren fin­den.

Spi­ri­tu­elle Hin­der­nisse: Zwei­fel am Leh­rer, an der Leh­re­rin, am System, am Schü­ler­kreis und am ein­ge­schla­ge­nen Weg.

Wachs­tums­chance: Ver­trauen, dass die Wahl, die du getrof­fen hast, und die Arbeit, die du in Gang gesetzt hast, dich dort­hin füh­ren wer­den, wohin du für dein Wachs­tum gehen musst.

Was hel­fen kann: Rea­li­tät­schecks mit einem ver­trau­ens­wür­di­gen Freund oder einem Leh­rer. Wahr­neh­men, wenn das Den­ken das Han­deln ersetzt. Ter­mine rea­lis­tisch set­zen, so dass sie trotz Zögern und Hin­aus­schie­ben ein­ge­hal­ten wer­den kön­nen.

7. Gewohn­heit: Per­ma­nen­tes Pla­nen. Nach außen ver­la­gerte Angst wird in ange­nehme Pro­jekte pro­ji­ziert.

Die Welt­sicht: "Die Welt ist voll von Mög­lich­kei­ten. Ich freue mich schon auf die Zukunft."

Kind­heit: Hat gelernt, in ange­neh­men Erin­ne­run­gen zu leben, um zu über­le­ben.

Aus­rich­tung der Auf­merk­sam­keit: Die Auf­merk­sam­keit ist immer auf das Fin­den von ange­neh­men Mög­lich­kei­ten gerich­tet.

Spi­ri­tu­elle Hin­der­nisse: Plant, spi­ri­tu­elle Arbeit zu machen, kann sich aber nicht für einen Pfad ent­schei­den, aus Angst die ande­ren Mög­lich­kei­ten zu ver­lie­ren.

Wachs­tums­chance: Sich für einen Pfad ent­schei­den und auf ihm einen Kreis­lauf zu durch­lau­fen.

Was hel­fen kann: Pro­bleme nicht ver­drän­gen und nicht hof­fen, dass sie schon vor­über­ge­hen. Sich auf die jet­zige Her­aus­for­de­rung kon­zen­trie­ren, anstatt sich vor­zu­stel­len, wel­che ande­ren Dinge man jetzt tun könnte. Akzep­tie­ren, dass die spi­ri­tu­elle Arbeit in Zyklen abläuft und es dabei Höhen und Tie­fen geben wird.

8. Gewohn­heit: Rache. Über­stei­gerte Wut.

Die Welt­sicht: "Die Welt ist unge­recht. Ich ver­tei­dige die Unschul­di­gen."

Kind­heit: Höchst sen­si­ble Kin­der. Sie muss­ten einen har­ten Pan­zer um sich errich­ten, um sich vor Unge­rech­tig­kei­ten zu schüt­zen.

Aus­rich­tung der Auf­merk­sam­keit: Men­schen und Situa­tio­nen wer­den kon­trol­liert.

Hin­der­nisse auf dem spi­ri­tu­el­len Weg: Es wer­den erneut unge­rechte Situa­tio­nen kre­iert, um die ver­in­ner­lichte Anschau­ung zu bestä­ti­gen.

Her­aus­for­de­rung im Wachs­tums­pro­zess: Dem har­ten Pan­zer erlau­ben, weich zu wer­den, so dass die wah­ren Gefühle an die Ober­flä­che kom­men. Ver­trauen, dass diese Gefühle authen­tisch sind.

Was hel­fen kann: Die Gewohn­heit erken­nen, Pro­bleme auf­zu­rüh­ren oder Gesprä­che in die Pola­ri­tät von fair und unfair zu lei­ten. Erken­nen, dass Kon­fron­ta­tio­nen und Über­maß authen­ti­sche Gefühle über­de­cken kön­nen. Ler­nen, dass Kom­pro­misse nicht Ver­sa­gen bedeu­ten.

9. Gewohn­heit: Träg­heit, Selbst­ver­ges­sen­heit. Wut, zu der man kei­nen Zugang hat.

Die Welt­sicht: "Ganz gleich wie sehr ich mich bemühe, es wird nichts nüt­zen. Ich sollte mich zurück­hal­ten."

Kind­heit: Die eige­nen Bedürf­nisse wur­den über­se­hen. Das Kind lernt, die eige­nen Bedürf­nisse nicht zu berück­sich­ti­gen.

Aus­rich­tung der Auf­merk­sam­keit: Mit den Posi­tio­nen ande­rer ver­schmel­zen.

Spi­ri­tu­elle Hin­der­nisse: Nicht erken­nen, dass die Anschau­ung und die Aktio­nen ande­rer ihre sind und nicht deine eige­nen.

Wachs­tums­chance: Die Fra­gen: "Was denke ich?" "Was brau­che ich?" Was ist mir wich­tig?

Was hel­fen kann: Signale der pas­si­ven Aggres­sion erken­nen. Offene, im Moment aus­ge­drückte Wut, als ein Geschenk und einen Schritt in Rich­tung Wachs­tum sehen. Lerne das Auf­stei­gen der Wut im Kör­per wahr­zu­neh­men. Dinge in Aktion brin­gen und sich selbst beloh­nen, wenn etwas zu Ende gebracht wurde.


Lese­vor­schläge:

  • "Das Ennea­gramm" von Helen Pal­mer
  • "The Intel­li­gent Ennea­gram" von A.G.E. Blake.
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