Droge Fern­se­hen

Rund zehn Jahre sei­nes Lebens ver­bringt der deut­sche Durch­schnitts­bür­ger hoch­ge­rech­net vor dem Fern­se­her: Zehn unge­nutzte Jahre für die per­sön­li­che Wei­ter­ent­wick­lung, für den Kon­takt mit Freun­den und Fami­lie und für krea­tive Tätig­kei­ten – zehn Jahre Abhän­gig­keit von einer macht­vol­len Droge.

Statt fern­se­hen lie­ber Zeit mit­ein­an­der ver­brin­gen …

Obwohl das Fern­se­hen che­misch gese­hen keine inva­sive Wir­kung hat, macht es genauso abhän­gig und wirkt phy­sio­lo­gisch genauso schä­di­gend wie Dro­gen. Es ermög­licht, die reale Welt aus­zu­blen­den und in einen ange­neh­men, men­tal pas­si­ven Trance-Zustand zu glei­ten. In die­sem Zustand wer­den die vom Fern­se­her ver­mit­tel­ten Infor­ma­tio­nen nicht mehr dis­tan­ziert und kri­tisch wahr­ge­nom­men, son­dern quasi unver­daut geschluckt.
Schon in den 60er Jah­ren ermit­telte der ame­ri­ka­ni­sche Wer­be­for­scher Her­bert Krug­man, dass sich die Gehirn­ak­ti­vi­tät beim Fern­seh­schauen bereits inner­halb von 30 Sekun­den aus dem Bereich bewuss­ter Auf­merk­sam­keit und Wach­heit in einen unfo­kus­sier­ten, aber hoch rezep­ti­ven Zustand des Tag­träu­mens begibt. Die linke Gehirn­he­mi­sphäre bleibt dabei weit­ge­hend inak­tiv, die emp­fan­ge­nen Infor­ma­tio­nen wer­den nicht mehr logisch und ana­ly­tisch, son­dern rein emo­tio­nal und unre­flek­tiert über die rechte Gehirn­hälfte auf­ge­nom­men. Wäh­rend die Rezep­tion eines Tex­tes die ana­ly­ti­schen Fähig­kei­ten des Geis­tes vor­aus­setzt und akti­viert – um einer Gedan­ken­li­nie zu fol­gen, muss der Leser die Fähig­keit des Klas­si­fi­zie­rens, Schluss­fol­gerns und Argu­men­tie­rens ein­set­zen und kann so eher Unwahr­hei­ten und zu starke Ver­all­ge­mei­ne­run­gen erken­nen ? ver­mit­telt das Fern­se­hen mühe­los rie­sige Men­gen an Infor­ma­tio­nen, die unre­flek­tiert auf­ge­nom­men wer­den.

Beste Vor­aus­set­zun­gen also für Mani­pu­la­tion und Gehirn­wä­sche. Uni­for­mi­tät, Kon­trol­lier­bar­keit und Wie­der­hol­bar­keit sei­ner Inhalte machen das Fern­se­hen zu einem aus­ge­zeich­ne­ten Hilfs­mit­tel für Bewusst­seins– und Ver­hal­tens­kon­trolle. Prä­sen­tiert wird eine syn­the­ti­sche, oft­mals destruk­tive Ver­sion der Rea­li­tät, die weit über­pro­por­tio­nal um Sex, Über­le­ben, Macht, Geld, Dro­gen und Gewalt kreist. Mit ewi­ger Wie­der­ho­lung wer­den so Gier, Neid, Exis­tenz­angst und die Unfä­hig­keit zu fried­vol­ler Lösung von Kon­flik­ten geför­dert. Bei Kin­dern und Jugend­li­chen führt erhöh­ter Fern­seh­kon­sum nach­weis­lich zu gestei­ger­ter Aggres­si­vi­tät, ver­rin­ger­ten Auf­merk­sam­keits­span­nen, man­geln­der kör­per­li­cher Vita­li­tät und Schlaf­stö­run­gen. Die Gewalt­dar­stel­lung in den Medien blen­det in der Regel die Kon­se­quen­zen einer rea­len Gewalt­tat, für Opfer wie Täter, aus. Gewalt­aus­übung wird zur coo­len Demons­tra­tion der eige­nen Macht.

Bewuss­te­res Fern­se­hen hin­ge­gen schont auch die Haus­halts­kasse: Auf­schluss­reich ist das Bei­spiel einer Bekann­ten, die nach lan­gem, akten­rei­chen Arbeits­tag als Juris­tin enthu­si­as­tisch einen Heim­trai­ner im Tele­shop­ping bestellt. Als nach zwei Wochen ein freund­li­cher Paket­bote den Trai­ner in den Flur wuch­tet, wun­dert sie sich sehr ? denn sie hatte den Kauf schon kom­plett ver­ges­sen …

Bereits 1983 warnte Ben Bagdi­kian in sei­nem Buch "The Media Mono­poly" vor einer zu stark wach­sen­den Kon­trolle ein­zel­ner Medien-Konzerne. Dabei waren es 1983 noch 50 Unter­neh­men, die in den USA rund 95% der Medien besa­ßen ? in 2001 schon nur noch sechs. Sechs Fir­men mit voll­stän­di­ger Kon­trolle über den wesent­li­chen Teil der ver­füg­ba­ren Infor­ma­ti­ons­quel­len Radio, Fern­se­hen und Presse. In Europa voll­zie­hen sich ana­loge Kon­zen­tra­ti­ons­pro­zesse in den Medien, nicht sel­ten mit Betei­li­gung der wesent­li­chen ame­ri­ka­ni­schen Player. Anlass genug, sich genau anzu­schauen, wel­che Infor­ma­tion und Unter­hal­tung von wem zu wel­chem Zweck in die gute Stube gestrahlt wird.


Bewuss­tes Fern­se­hen ist gesün­der
- Kau­fen Sie sich eine infor­ma­tive Pro­gramm­zeit­schrift. Schal­ten Sie den Fern­se­her nur ein, wenn Sie kon­kret eine Sen­dung sehen möch­ten, nicht auto­ma­tisch, zur Ablen­kung oder aus Gewohn­heit.
- Set­zen Sie sich ein Zeit­bud­get.
- Ver­mei­den Sie Zap­ping.
- Ver­su­chen Sie, wäh­rend des Fern­se­hens immer die Dis­tanz des stil­len Beob­ach­ters zu bewah­ren und sich nicht voll­stän­dig von der Hand­lung und den Cha­rak­te­ren gefan­gen neh­men zu las­sen.
- Zur Ver­mei­dung des Elek­tro­s­mogs und des schäd­li­chen Fla­ckerns eines Röhren-Fernsehgerätes ist die Anschaf­fung eines LCD-Monitors rat­sam.

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