Die Inte­gra­tion der spi­ri­tu­el­len Arbeit in unser
All­tags­le­ben

'Wie kann ich meine spi­ri­tu­elle Arbeit in mein täg­li­ches Leben inte­grie­ren?' Diese Frage wird sehr oft von Men­schen gestellt, die am Anfang ihres spi­ri­tu­el­len Weges ste­hen. Zu Beginn kann es leicht so aus­se­hen, als sei der All­tag getrennt von der spi­ri­tu­el­len Arbeit, den Übun­gen und den Trai­nings. Es kann viel Zeit in Anspruch neh­men, bis sich geklärt hat, was wel­chen Platz hat in dem neuen Leben, das sich lang­sam formt, und in die­sem Pro­zess müs­sen Zwei­fel, Feh­ler und Fal­len über­wun­den wer­den.

Über­setzt von Leo­nie Wer­ner.

"Wie kann ich meine spi­ri­tu­elle Arbeit in mein täg­li­ches Leben inte­grie­ren?" Diese Frage wird mir sehr oft von Schü­lern und Schü­le­rin­nen gestellt, die am Anfang ihres spi­ri­tu­el­len Weges ste­hen. Zu Beginn kann es leicht so aus­se­hen, als sei der All­tag getrennt von der spi­ri­tu­el­len Arbeit, den Übun­gen und den Trai­nings. In einem gewis­sen Sinn stimmt das auch, und da die meis­ten mei­ner Schü­ler aus einer Kul­tur kom­men, die ihnen keine klare Vor­stel­lung von ihrer spi­ri­tu­el­len Basis mit­gibt, kann es selbst den fort­ge­schrit­tens­ten unter ihnen nahezu unmög­lich erschei­nen, ihre Erfah­run­gen in ihren All­tag zu inte­grie­ren. Es kann viel Zeit in Anspruch neh­men, bis sich geklärt hat, was wel­chen Platz hat in dem neuen Leben, das sich lang­sam formt, und in die­sem Pro­zess müs­sen Zwei­fel, Feh­ler und Fal­len über­wun­den wer­den.

Ich möchte zuerst über zwei Fal­len schrei­ben, die gleich zu Beginn auf­tre­ten.

Erste Falle: Ich trenne die spi­ri­tu­el­len Erfah­run­gen vom All­tag und lebe zwei Leben.

Wenn du am Anfang dei­ner Aus­bil­dung stehst, kann es dir vor­kom­men, als leb­test du zwei Leben. Auf der einen Seite den Arbeits­all­tag von Mon­tag bis Frei­tag und dann am Wochen­ende das spi­ri­tu­elle Leben im Rah­men dei­ner Trai­nings. Dort gel­ten dann jeweils unter­schied­li­che Regeln, du hast ver­schie­dene Freunde und unter­schied­li­che Erwar­tun­gen. Eine Zeit lang mag diese Über­gangs­lö­sung funk­tio­nie­ren, näm­lich solange du neue Wege aus­pro­bierst und dich noch nicht ganz auf sie ein­las­sen willst. Doch, wenn du zu lang in die­sem Zustand bleibst, kann er zu einer Falle wer­den, aus der du nur schwer her­aus­fin­dest. Du sam­melst dann im Laufe der Zeit einen Berg an Infor­ma­tio­nen, Tech­ni­ken und Übun­gen an, die nicht zu einem Teil von dir wer­den. Es kann dir leicht pas­sie­ren, dass du die­sen Berg als etwas außer­halb von dir siehst und denkst: "Eines Tages werde ich etwas damit anfan­gen." Gehst du immer wei­ter so durchs Leben, kann es im ungüns­tigs­ten Fall so aus­ge­hen, dass du eine Ent­schei­dung tref­fen und eines von bei­den auf­ge­ben musst.

Zweite Falle: Ich werfe alles in einen Topf und sor­tiere das aus, was nicht passt.

Inte­gra­tion bedeu­tet nicht, dein spi­ri­tu­el­les und dein all­täg­li­ches Leben ein­fach zu ver­mi­schen. In unse­rem All­tag gibt es eine Zeit und einen Platz für unsere spi­ri­tu­el­len Übun­gen und dann die Zeit, in der du Auto oder U-Bahn fährst. Am Anfang willst du dich meist zwin­gen, deine spi­ri­tu­el­len Übun­gen mit­ten im Arbeits­all­tag zu machen. Doch das kann genauso wenig gelin­gen wie der Ver­such, Büro­ar­beit wäh­rend einer Zere­mo­nie zu erle­di­gen. Hier ist dein Unter­schei­dungs­ver­mö­gen gefragt. Es ist sicher nicht ein­fach, aber du wirst ler­nen, was wo sei­nen Platz in dei­nem Leben und in dei­nem Tages­ab­lauf hat.

Ver­giss bitte nicht, dass der Fort­schritt auch im spi­ri­tu­el­len Leben Zeit braucht. Lass dich nicht von dei­nem Enthu­si­as­mus für eine neue Übung oder Tech­nik über­wäl­ti­gen zwinge sie dei­ner Umge­bung mög­lichst nicht auf. Freunde, die deine spi­ri­tu­elle Sicht tei­len, sind genau so wich­tig für dich wie die Freunde, die nicht immer einer Mei­nung mit dir sind und einen ande­ren Weg gehen. Es kann auch eine Falle sein, wenn du dar­auf bestehst, dass alle um dich herum deine Sicht der Dinge tei­len müs­sen. Inte­gra­tion heißt nicht, die Welt um dich herum davon zu über­zeu­gen, dass du dich ver­än­dert hast. Wenn du das Gelernte inte­griert hast, wirst du nicht ein­mal mehr dar­über nach­den­ken, es wird zu einem Teil von dir gewor­den sein.

Wenn also sowohl das Tren­nen wie auch das mit­ein­an­der Ver­mi­schen jeweils in eine Falle führt, wel­chen Weg sollst du dann wäh­len? Inte­gra­ti­ons­ar­beit ist ein sehr lang­sa­mer Pro­zess, der täg­li­ches Arbei­ten und Üben erfor­dert. Denke daran, dass du auf lang­fris­tige Ziele hin­ar­bei­test, auf Ver­än­de­run­gen, die jeden Teil dei­nes Lebens beein­flus­sen wer­den. Viele von uns begin­nen die spi­ri­tu­elle Arbeit ohne eine voll­stän­dige und sta­bile Basis, und dadurch kann der Inte­gra­ti­ons­pro­zess zu einer Her­aus­for­de­rung für uns wer­den.

Die fol­gen­den Übun­gen und Leit­sätze gebe ich mei­nen Schü­lern zu Beginn unse­rer Arbeit mit:

Sei dir dei­nes Schwer­punk­tes und dei­ner Absicht bewusst. Ein Zen-Sprichwort sagt, dass ohne Schwer­punkt jede Her­aus­for­de­rung zu unse­rem größ­ten Pro­blem wird, wir mit einem Schwer­punkt aber über­haupt keine Pro­bleme haben. Ich erin­nere meine Schü­ler immer wie­der daran, zu ihrem Schwer­punkt und ihrer Absicht zurück­zu­keh­ren. Frage dich selbst: "Was will ich? Was ist hier der grö­ßere Zusam­men­hang?" Unser Schwer­punkt und unsere Absicht füh­ren uns in die rich­tige Rich­tung und hel­fen uns durch schwie­rige Zei­ten hin­durch.

Mache täg­lich eine Übung für deine Erdung, je prak­ti­scher und kör­per­li­cher je bes­ser. Ganz gleich ob du spa­zie­ren gehst, im Gar­ten oder im Haus­halt arbei­test, mit dei­nen Haus­tie­ren spielst oder still in der Natur sitzt – dich täg­lich zu erden, ist wich­tig für die Balance und Inte­gra­tion dei­ner spi­ri­tu­el­len Arbeit.

Kom­bi­niere das mit einer wöchent­li­chen Rei­ni­gungs­übung. Oft kann ein Ungleich­ge­wicht zwi­schen Ver­stand, Kör­per und Herz dar­auf zurück­ge­führt wer­den, dass wir an Ereig­nis­sen aus der Ver­gan­gen­heit fest­hal­ten und nicht wis­sen, wie wir diese alten Dinge los­las­sen kön­nen. Je mehr wir spi­ri­tu­ell arbei­ten, ler­nen, wach­sen und uns ver­än­dern, um so weni­ger pas­sen unsere alten Gewohn­hei­ten im Leben. Wir müs­sen einen Weg fin­den, um diese Gewohn­hei­ten und Ereig­nisse anzu­er­ken­nen, sie los­zu­las­sen und dann wei­ter­zu­ge­hen. Hierzu emp­fehle ich die Arbeit mit den Ele­men­ten. Ein ein­fa­cher Vor­gang wie auf­schrei­ben, was du los­las­sen möch­test und es dann der Erde oder dem Feuer zu über­ge­ben, kann dei­nen Geist und deine Lebens­en­er­gie befreien.

Atem – denke daran, bewusst zu atmen. Es kann hel­fen, wenn du dich nur fünf Minu­ten am Tag hin­setzt und nichts tust als nur dei­nen Atem zu beob­ach­ten. Achte dar­auf, dass sich dein Brust­korb und dein Bauch bei jedem Atem­zug mit bewe­gen, aber erzwinge nichts.

Hab keine Angst davor anzu­wen­den, was du lernst. Pro­biere ver­schie­dene Metho­den aus, finde her­aus, wel­che dir lie­gen und arbeite eine Zeit lang mit die­sen. Es geht über­haupt nicht darum, Dut­zende von Übun­gen zu machen. Lass die Übun­gen bei­seite, die für dich nicht funk­tio­nie­ren, aber pro­biere sie erst aus. Ich habe oft Schü­ler Übun­gen kri­ti­sie­ren hören, die sie noch nie aus­ge­führt hat­ten. Stol­pere mög­lichst nicht in diese Falle.

Lass dir Zeit. Das ist wahr­schein­lich am schwie­rigs­ten, aber auch am wich­tigs­ten. Wenn du Schwie­rig­kei­ten mit der Inte­gra­tion dei­nes neuen Wis­sens hast, dann tust du viel­leicht zu viel auf ein­mal. Du weißt, dass dein Ver­stand sehr schnell wei­ter­ge­hen will und mit sei­nen Ansprü­chen dein Herz und auch dei­nen Kör­per schnell über­for­dern kann. Ich emp­fehle mei­nen Schü­lern, erst dann neue Übun­gen oder Tech­ni­ken zu ler­nen, wenn die, mit denen sie zur Zeit arbei­ten, bereits zu einem Teil von ihnen selbst gewor­den sind.

Erlaube dir und ande­ren, in der für sie pas­sen­den Geschwin­dig­keit wei­ter­zu­ge­hen. Spi­ri­tu­elle Arbeit ist kein Wett­be­werb, doch manch­mal machen wir und unsere Freunde sie zu einem. Denke daran, dass du auf lang­fris­tige Ver­än­de­run­gen hin­ar­bei­test und dass sich jeder in sei­ner eige­nen Geschwin­dig­keit ent­wi­ckelt.

Prak­ti­ziere deine Übun­gen wei­ter, auch wenn die anfäng­lich damit ver­bun­dene Auf­re­gung ver­flo­gen ist. Ich wen­dete mich auch ein­mal an meine spi­ri­tu­elle Leh­re­rin, weil ich dachte, ich hätte ein gro­ßes Pro­blem. Ich erzählte ihr, dass alle meine spi­ri­tu­el­len Übun­gen so nor­mal gewor­den waren und dass sie kaum noch Gedan­ken oder Mühe erfor­der­ten. Sie waren mir nicht etwa lang­wei­lig gewor­den, es ging mehr darum, dass ich nicht mehr über sie nach­den­ken musste. Ich dachte damals wirk­lich, ich würde etwas ver­kehrt machen! Sie sah mich an, stellte mir ein paar Fra­gen und sagte dann: "Gut, sie wer­den jetzt zu einem Teil von dir."

Inte­gra­tion braucht Zeit, sie wird dir Ein­sicht und Erfah­rung brin­gen. Erfah­rung wie­derum erdet unsere Arbeit und das, was du gelernt hast, wird für den Rest dei­nes Lebens ein Teil von dir sein.

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