Die Heil­kraft des Yoga

Zur Zeit gibt es viele medi­zi­ni­sche Sys­teme, die sich mit der Behand­lung von Krank­hei­ten befas­sen, und jedes System nähert sich dem Men­schen auf seine beson­dere Art und Weise. Die erfolg­reichs­ten sind immer die, die auf dem ganz­heit­li­chen Ansatz beru­hen. Im fol­gen­den wird die­ses Thema vom Blick­win­kel des Yoga und der Yogat­he­ra­pie aus betrach­tet.

Zur Zeit gibt es viele medi­zi­ni­sche Sys­teme, die sich mit der Behand­lung von Krank­hei­ten befas­sen, und jedes System nähert sich dem Men­schen auf seine beson­dere Art und Weise. Die erfolg­reichs­ten sind immer die, die auf dem ganz­heit­li­chen Ansatz beru­hen. Wir wer­den die­ses Thema vom Blick­win­kel des Yoga und der Yogat­he­ra­pie betrach­ten.

Wenn wir Quel­len im Yoga stu­die­ren, hier spe­zi­ell Patan­jali, wer­den wir ent­de­cken, dass Krank­heit als ein Hin­der­nis auf dem Yoga­weg beschrie­ben wird. Im All­tags­le­ben emp­fin­den wir Krank­heit fast aus­schließ­lich auf diese Weise. Wie sieht es für Men­schen aus, die Yoga prak­ti­zie­ren und sich in die­sem Sinne um eine bewuss­tere Lebens­weise bemü­hen? Ist Krank­heit hier auch ein Hin­der­nis? Ja, und Yoga und Yogat­he­ra­pie bie­ten uns Lösun­gen, damit umzu­ge­hen.

Viele Men­schen kom­men wegen gesund­heit­li­cher Pro­bleme zu uns. Für sie sind Krank­heit und Lei­den und in die­sem Sinne der Wunsch nach Hei­lung der Ein­stieg in den Yoga. Krank­heit ist dann ein Wen­de­punkt und gibt den Impuls zu einem neuen posi­ti­ven Ent­wick­lungs­schritt. Wir ler­nen, die Hin­der­nisse zur eige­nen Ent­wick­lung zu nut­zen, obwohl in einem Krank­heits­fall unsere kör­per­li­chen Mög­lich­kei­ten ein­ge­schränkt sind. Krank­heit wirkt sich auch auf unsere Gedan­ken und Gefühle aus, so gese­hen ist Krank­heit ein Hin­der­nis, weil sie die Ruhe unse­res Geis­tes stört. Krank­heit zer­streut unsere Auf­merk­sam­keit. Wir sind nur noch mit dem Wunsch beschäf­tigt, dass die­ses Lei­den ver­schwin­den oder sich ver­rin­gern soll.

Wir ler­nen im Yoga, dass Sav­idya, Unwissenheit/ Man­gel an Weis­heit, wie ein Schleier über unse­rem Geist liegt und so unsere Sinne beein­träch­tigt, dass es die Haupt­ur­sa­che für unser Lei­den ist. Das bedeu­tet, dass es eigent­lich nicht die Krank­heit selbst ist, unter der wir pri­mär lei­den. Für den einen Men­schen kann Krank­heit ein Hin­der­nis sein, und er wird immer miss­mu­ti­ger und unge­dul­di­ger dadurch. Für den ande­ren Men­schen kann es ein Hin­der­nis sein, dass er nie krank war und des­halb nicht gelernt hat, Ver­ständ­nis und Mit­ge­fühl für lei­dende Men­schen zu emp­fin­den. Dies heißt, dass in die­sen Fäl­len die Krank­heit auch mit Hart­her­zig­keit zu tun hat. Wir erle­ben, dass wenn äußere Schwie­rig­kei­ten mit einer Unaus­ge­gli­chen­heit im Men­schen zusam­men­kom­men und diese Unaus­ge­gli­chen­heit auch nega­tive Gedan­ken erzeugt, oft ein Krank­heits­bild ent­steht.

Unser Geist ist gewöhnt, stän­dig zu wäh­len. Was er wählt, hängt von der Erfah­rung der Ver­gan­gen­heit ab, und er hat die Ten­denz, sich mit dem, was er wählt, zu iden­ti­fi­zie­ren. Das heißt, dass wir die Welt, wie sie in Wirk­lich­keit ist, gar nicht rich­tig erle­ben. Diese Gewohn­heit des Geis­tes ist Ursa­che all unse­rer Lei­den – vom Blick­win­kel des Yoga aus gese­hen. Die­sen Zustand erle­ben wir jedoch als den soge­nann­ten "Nor­mal­zu­stand". Wenn wir in einer Hei­lungs­si­tua­tion unsere nor­ma­len Bah­nen ver­las­sen, das Bekannte, die Sicher­heit und die Bequem­lich­keit auf­ge­ben, dann kommt zunächst ein Gefühl von Unsi­cher­heit oder Unwohl­sein auf, eine Art von Wider­stand, und die­sen Wider­stand kön­nen wir als Krank­heit erle­ben. In die­sem Sinne ist Krank­heit eine Dis­har­mo­nie im Kör­per, die durch unsere geis­tige und emo­tio­nale Hal­tung her­vor­ge­ru­fen wer­den kann.

Patan­jali spricht in den Yoga­su­tren von neun Hin­der­nis­sen, außer Krank­heit wer­den z.B. Zwei­fel, Acht­lo­sig­keit und Faul­heit erwähnt, die einem natür­li­chen gesun­den Leben und der Selbst­ver­wirk­li­chung ent­ge­gen­ste­hen. Bei nähe­rer Betrach­tung sind es ver­schie­dene Arten von psy­cho­men­ta­len Vor­gän­gen, die nicht grund­sätz­lich schmerz­haft sind. Die Hin­der­nisse über­de­cken die Wirk­lich­keit, so dass wir sie nicht wahr­neh­men kön­nen. Um das zu ler­nen, brau­chen wir unge­teilte Auf­merk­sam­keit, ein Frei­sein von Zer­streu­un­gen und innere Ruhe. Wenn wir jedoch krank sind, wenn wir nega­tive Gedan­ken und Depres­sio­nen haben, beein­flusst dies die Atmung, sie kann nicht frei flie­ßen, der Geist ist zer­streut, und wir sind nicht in der Lage, die Wirk­lich­keit rich­tig zu erken­nen. Ob wir im Yoga Krank­heit als Hin­der­nis emp­fin­den, hängt davon ab, wie wir gelernt haben, mit Unan­ge­neh­mem umzu­ge­hen.

Um kör­per­li­che Gesund­heit zu erlan­gen, ist ein Gleich­ge­wicht der bio­lo­gi­schen Kräfte, der Gewebe und Abfalls­pro­dukte außer­or­dent­lich wich­tig. In den Yoga­schrif­ten ler­nen wir, dass wir aus fünf Ele­men­ten beste­hen: Äther, Luft, Feuer, Was­ser, Erde. Jedes der fünf Ele­mente ent­hält die drei grund­le­gen­den gunas, die drei Grund­qua­li­tä­ten der Natur: sattva, rajas und tamas. Sie bedeu­ten Balance, Akti­vi­tät und Träg­heit. Was wir Gleich­ge­wicht nen­nen, ist dann ein Gleich­ge­wicht zwi­schen den fünf Ele­men­ten und den drei grund­le­gen­den gunas. Nichts ist per­ma­nent außer der Ver­än­de­rung, auch in einem Hei­lungs­pro­zess.

In unser Arbeit im Weg der Mitte berich­ten Men­schen, die durch schwere Krank­hei­ten gegan­gen sind, sehr oft über ihre Erfah­rung von Hei­lungs­pro­zes­sen. Die Schick­sale die­ser Men­schen zei­gen, dass Krank­heit nichts Sinn­lo­ses ist. Wir erle­ben im All­tag zwar oft, dass diese Schick­sals­schläge sehr schmerz­lich sind, bei genaue­rer Betrach­tung erken­nen wir jedoch eine Wand­lung im Her­zen, und oft zei­gen sie uns einen neuen Weg, eine neue Rich­tung, die wir im Leben ein­schla­gen kön­nen, um ein erfüll­te­res und gesun­de­res Leben zu erfah­ren. Das Resul­tat die­ser Pro­zesse bedeu­tete für den ein­zel­nen letzt­end­lich eine Inte­gra­tion und Har­mo­ni­sie­rung von Kör­per, Atmung und Geist.

In der Yogat­he­ra­pie sind fünf Haupt­fak­to­ren für die Ent­ste­hung jeder Krank­heit ver­ant­wort­lich: Unter­drü­ckung des Ver­dau­ungs­feu­ers – agniman­dya, die Ansamm­lung von Gift­stof­fen – ama, die Ver­stop­fung der Kanäle – sro­to­rodha, der Ver­lust der Wider­stands­fä­hig­keit der Gewebe – dusya vai­gunya – und zuletzt die Beein­träch­ti­gung der bio­lo­gi­schen Kräfte – doshas. Die Yogat­he­ra­pie befasst sich mit der Besei­ti­gung der Dis­har­mo­nie der doshas. Um Gesund­heit zu erlan­gen oder zu erhal­ten, ist eine rich­tige Ver­dau­ung grund­le­gend. Um gutes Feuer zu haben, was so viel wie gute Ver­dau­ung heißt, ist "Wind" eine Vor­aus­set­zung. Das bedeu­tet, dass agni, das Ver­dau­ungs­feuer, Kraft bekom­men muss. Diese Kraft ent­steht in unse­rem Kör­per durch die Grun­d­en­er­gie aller Bewe­gungs­vor­gänge – vata – die ein Zusam­men­spiel mit agni ein­geht. Das bedeu­tet, dass es äußerst wich­tig ist, die Kon­trolle von vata im Zusam­men­hang mit der Ver­dau­ung zu erlan­gen. Prak­tisch bedeu­tet es, dass wir durch unsere Ein­at­mung das Feuer ver­stär­ken und die Unrein­hei­ten ver­bren­nen. Beim Aus­at­men ent­fer­nen wir die was­ser­lös­li­chen Abfall­pro­dukte aus unse­rem System. Wenn wir asa­nas prak­ti­zie­ren, ändern wir die Posi­tion von agni im Ver­hält­nis zu den Gift­stof­fen im Kör­per. Außer­dem ver­än­dern die ver­schie­de­nen Hal­tun­gen den Pra­nafluss (Lebens­en­er­gie) und eben­falls die Qua­li­tät und den Rhyth­mus unse­res Atems. Vom Gesichts­punkt der Yogat­he­ra­pie und des Ayur­veda ist ein Mensch gesund, wenn die doshas, also die Phy­sio­lo­gie, sich im Gleich­ge­wicht befin­den, wenn Ver­dau­ung und Stoff­wech­sel, agni, gut arbei­ten und rich­tig funk­tio­nie­ren, wenn die Gewebe, dhatu, und Aus­schei­dungs­funk­tio­nen, mala, nor­mal sind und sich dabei Seele, Geist und Sinne im Zustand dau­er­haf­ten inne­ren Glücks befin­den. So wurde es uns von Sus­ruta, einem ayur­ve­di­schen Arzt um 1000 v. Chr., über­mit­telt. Denn wenn die doshas aus dem Gleich­ge­wicht gera­ten, bil­den sich im Kör­per Stoff­wech­sel­schla­cken, ama, in Form von Schleim, Säu­ren oder Gasen. Dadurch ent­ste­hen Krank­hei­ten.

Aus dem Yoga­ver­ständ­nis ist Krank­heit haupt­säch­lich ein Man­gel an prana, an Lebens­en­er­gie. Wir üben asa­nas und pra­na­y­ama, um die fein­stoff­li­chen Kanäle, die nadis, durch die die Lebens­en­er­gie fließt, wie­der durch­läs­sig zu machen. Gesund­heit ist eine Inter­ak­tion zwi­schen ver­schie­de­nen Sys­te­men – dem Kör­per, dem Geist, der Atmung und prana.

Prana, die Lebens­en­er­gie, fließt im Kör­per als ver­schie­dene vitale Kräfte, vayus, z.B. bewegt sich apana-vayu im Unter­leib und regelt die Aus­schei­dung von Ver­dau­ungs­schla­cken. Die Ver­bren­nungs­rück­stände ent­ste­hen, wenn unser Ver­dau­ungs– oder Lebens­feuer, agni, zu schwach ist. Durch eine sol­che Ansamm­lung von Rück­stän­den in die­sem Bereich kann Krank­heit ent­ste­hen, daher arbei­ten wir in der Yogat­he­ra­pie auch mit inne­rer Rei­ni­gung. Wenn wir unsere kör­per­li­chen und psy­chi­schen Schmer­zen ableh­nen, stel­len wir uns der Rea­li­tät des Lebens nicht, wozu auch die Erfah­rung von Schmerz gehört. Sowohl im Yoga als auch in der Yogat­he­ra­pie ist die kör­per­li­che Gesund­heit abhän­gig von der Aus­ge­gli­chen­heit des Geis­tes. Unser Geist ist von Natur aus sehr leben­dig. Um dar­über eine Kon­trolle zu erwer­ben und den Geist zur Ruhe zu brin­gen, ist es wich­tig, ihm eine Aus­rich­tung zu geben. Es ist auch wich­tig zu ler­nen, mit Emo­tio­nen umzu­ge­hen, so dass wir die dahin­ter­lie­gen­den ursprüng­li­chen Gefühle und Impulse ent­de­cken kön­nen. Ein regel­mä­ßi­ges Üben von pra­na­y­ama ist dafür sehr hilf­reich. In der Yogat­he­ra­pie ist ein erstre­bens­wer­tes Ziel die Zunahme von sattva, das den Men­schen krea­ti­ver, gesün­der und glück­li­cher macht. Sattva bedeu­tet z.B. aus­ge­gli­che­ner, kla­rer zu wer­den, zuneh­mend Kraft zu bekom­men.

Im Yoga gehört zum Kör­per­li­chen nicht nur das, was wir im Wes­ten unter Kör­per, son­dern auch das, was wir unter Seele, Psy­che und Geist ver­ste­hen. Die psy­cho­lo­gi­sche und die intel­lek­tu­elle Hülle sind z.B. nur zwei der sie­ben kör­per­li­chen Hül­len, koshas, die unse­ren Wesens­kern, das Selbst, bede­cken. So wird es in der Taittiriya-Upanishad beschrie­ben. Im Yoga tref­fen wir auch auf den Ansatz, dass jede Krank­heit eine men­tale Wur­zel hat, dass sie zuerst auf der men­ta­len Ebene ent­steht. Unsere Arbeit besteht also darin, auf allen Ebe­nen durch einen Rei­ni­gungs– und Stär­kungs­pro­zess zu gehen und so Yoga gesund­heits­för­dernd anzu­wen­den. Wenn wir ernst­haft an einem Hei­lungs­pro­zess arbei­ten, um Lei­den auf­zu­he­ben, kön­nen wir viel­leicht anfangs nicht erken­nen, wie Ursa­che und Wir­kung zusam­men­hän­gen, da wir manch­mal nur ein uner­klär­li­ches Ergeb­nis beob­ach­ten. Oder wir kön­nen viel­leicht eine Ursa­che beob­ach­ten, das Ergeb­nis aber noch nicht wahr­neh­men, da es in die­sem Moment noch nicht zu exis­tie­ren scheint.

Wir kön­nen zwei Arten von Hei­lung beob­ach­ten. Es gibt die Hei­lung, bei der wir Sym­ptome im Kör­per und bis zu einem gewis­sen Grad im Men­ta­len ent­fer­nen, und es gibt eine andere Form der Hei­lung mit dem Ziel, Ganz­heit wie­der­her­zu­stel­len. Die letz­tere ist die schwie­rigste, sie erfor­dert, dass der Behand­ler in sei­nem eige­nen Zen­trum ruht, wo das wirk­li­che Ver­ste­hen – Bha­vana – statt­fin­det, sowohl Nimitta-Bhavana, die Tat­sa­che, dass wir ein Werk­zeug in der Hand des Gött­li­chen sind, als auch Narayana-Bhavana, die Tat­sa­che, dass wir Gott in allem die­nen. Ohne die­ses tiefe Ver­ständ­nis ist unsere Arbeit mühe­voll, mit die­sem Ver­ständ­nis wird die Arbeit zur Andacht. Denn alle unsere Kräfte wer­den durch die Seins­stufe bestimmt, durch den Grad des Bewusst­seins, den wir erlangt haben. Ein Behand­ler muss sei­nen eige­nen Bewusst­seins­zu­stand trai­nie­ren, ein Bewusst­sein über die eigene Kraft erlan­gen und die Bezie­hung zwi­schen der Kraft und dem Men­ta­len ver­ste­hen ler­nen. Wich­tig ist auch zu wis­sen, dass die Vital­kraft als sol­che in ihrem Ursprung rein ist und keine Reak­tio­nen auf nega­tive Gedan­ken­struk­tu­ren hat.

Yoga und Yogat­he­ra­pie sind sehr kom­plexe The­men. Wir betrach­ten dabei den Men­schen in sei­ner Ganz­heit­lich­keit. In der Weg der Mitte-Yogatherapie ler­nen die Teil­neh­mer, Schü­ler und Pati­en­ten die­sen Pro­zess in sei­ner Viel­fäl­tig­keit ken­nen und Schritt für Schritt anzu­wen­den, z.B.:

  • Erhö­hung von Acht­sam­keit und Kon­zen­tra­tion
  • Erwei­te­rung der men­ta­len Fähig­kei­ten, z.B. Erhö­hung des Erin­ne­rungs­ver­mö­gens
  • Erken­nen neuer Dimen­sio­nen der eige­nen per­sön­li­chen Struk­tur
  • gesund­heits­för­dern­der Umgang mit Emo­tio­nen
  • Ein­neh­men von Hal­tun­gen und genaue Bewe­gungs­ab­läufe, Kraft, Fle­xi­bi­li­tät, ange­neh­mes Ruhen
  • Har­mo­ni­sie­rung von Bewe­gung, Geist und Atmung
  • Bewe­gung von innen nach außen
  • Stär­kung der "zen­tra­len Linie"
  • Stär­kung und Ver­fei­ne­rung der Qua­li­tät der Atmung
  • Ver­ständ­nis der Rolle von prana im Gesund­heits­pro­zess.

Prana ist essen­ti­ell für Leben und Gesund­heit und ver­ant­wort­lich für die Funk­tion aller Sys­teme ein­schließ­lich des Geis­tes. Prana fließt durch die nadis, die sub­ti­len Kanäle, von denen es vier­zehn Haupt­ka­näle gibt. Solange die­ser Fluss nicht behin­dert ist, erfah­ren wir Aus­ge­gli­chen­heit und Gesund­heit. Unsere Yoga­pra­xis hilft uns, die Unrein­hei­ten zu ent­fer­nen, die die­sen Fluss beein­träch­ti­gen könn­ten. Der Rei­ni­gungs– und Hei­lungs­vor­gang setzt den rich­ti­gen Gebrauch von Feuer– und Luf­t­e­le­ment unse­res Sys­tems vor­aus. Wir dür­fen nicht ver­ges­sen: Luft nährt das Feuer. Wir benut­zen ver­schie­dene Werk­zeuge, um unsere Auf­merk­sam­keit und den vita­len Fluss von prana zu erhö­hen. Wenn wir Gesund­heit und Har­mo­nie errei­chen wol­len, müs­sen wir uns die ver­schie­de­nen Aspekte des Men­schen anse­hen und ein ganz­heit­li­ches Ver­ständ­nis von Gesund­heit anwen­den. Patan­jali bie­tet uns acht Stu­fen der Bewusst­seins­läu­te­rung. Diese Stu­fen oder Glie­der ste­hen in Bezie­hung zu den ver­schie­de­nen Aspek­ten des Men­schen. In der Yogat­he­ra­pie erstel­len wir ein indi­vi­du­el­les Pro­gramm für jeden Men­schen, in dem wir seine ver­schie­de­nen Berei­che berück­sich­ti­gen: seine Lebens– und Kran­ken­ge­schichte, seine Bil­dung, seine Fami­li­en­si­tua­tion und vie­les andere mehr. Die Wirk­sam­keit einer Behand­lung hängt davon ab, wie gut der Behand­ler die Natur des Kli­en­ten ver­steht, wie gut er beob­ach­ten kann, wie offen sein Geist ist, um rezep­tiv die sub­ti­le­ren Ein­drü­cke mit auf­zu­neh­men und wie lösungs­ori­en­tiert er ist. Es ist sehr wich­tig, dass der Leh­rer oder Behand­ler selbst Yoga regel­mä­ßig prak­ti­ziert, um so klar wie mög­lich zu blei­ben und auch, dass er eine adäquate Aus­bil­dung und tiefe eigene Erfah­run­gen besitzt. Der Patient/Klient muss sich sicher füh­len und ein Gefühl bekom­men, dass die­ses für ihn erstellte Pro­gramm auch rea­li­sier­bar ist. Wir bie­ten die­ses Pro­gramm an, die Ver­ant­wort­lich­keit für die Aus­füh­rung liegt jedoch bei den Pati­en­ten oder Schü­lern. Bis zu wel­chem Grad sie sich auf ihren Pro­zess ein­las­sen oder moti­viert sind, ist ihre eigene Ent­schei­dung. Wenn sie errei­chen, was sie sich selbst vor­ge­nom­men haben, gewin­nen sie Ver­trauen in ihre eigene Fähig­keit, Gesund­heit zu erlan­gen und zu erhal­ten. Ein Leh­rer sagte ein­mal zu mir: "Wenn wir eine beson­dere Fähig­keit erwer­ben wol­len, müs­sen wir wis­sen, warum wir sie wol­len, wie wir sie errei­chen kön­nen und die Schritte ken­nen, die dafür not­wen­dig sind – und unser Geist muss klar ent­schie­den sein." Wenn wir etwas errei­chen wol­len, müs­sen wir den Geist mit unse­ren Hand­lun­gen ver­bin­den und die rich­ti­gen Anstren­gun­gen machen, d.h. wir geben das Beste, was wir kön­nen.

Im Yoga besteht unsere Pra­xis darin, uns von einer kon­flik­t­o­ri­en­tier­ten Sicht­weise zu einem ver­ei­nen­den, inte­grie­ren­den Bewusst­sein zu bewe­gen, einer Her­zens­ver­bin­dung zum Leben. Wenn du die rich­tige Absicht hast und den Wunsch zu hei­len, ist alles ein­fach. Es geht darum, uns selbst einen Hei­lungs­plan anzu­bie­ten, eine eigene Yoga­pra­xis oder ein Yogat­he­ra­pie­pro­gramm durch­zu­füh­ren und so den vol­len Nut­zen aus dem kost­ba­ren Ange­bot des Yoga zu erfah­ren. Yoga ist ein per­sön­li­cher Weg, und der Kern ist eine indi­vi­du­ell zuge­schnit­tene Pra­xis. Yoga ist in Wahr­heit der Leh­rer des Yoga.

Yoga zu prak­ti­zie­ren, ist ein Weg der Selbst­ent­de­ckung und –erfor­schung. Abhän­gig davon, wie wir uns auf unsere Pra­xis ein­las­sen, wer­den wir nach und nach fähig sein, tie­fe­ren Ebe­nen zu begeg­nen und sie zu ver­ste­hen. Wäh­rend die­ser Zeit ler­nen wir, uns ohne Bewer­tung zu beob­ach­ten, dann kön­nen wir durch die Tür zum wirk­li­chen Stu­dium unse­res Selbst im Yoga ein­tre­ten. Im Hei­lungs­pro­zess begeg­nen wir dem, wovon wir glau­ben, das wir es sind – unse­rem Selbst­bild. Wir ent­de­cken dann all­mäh­lich, wer wir wirk­lich sind, und ler­nen, uns zu unse­ren wah­ren Bedürf­nis­sen und Wün­schen zu beken­nen. Wir bemer­ken viel­leicht, wie oft wir in einem Mus­ter fest­ste­cken, und obwohl es sich mög­li­cher­weise wie ein Gefäng­nis anfühlt, zie­hen wir es der essen­ti­el­len Rea­li­tät vor, die anfangs nicht ver­traut erscheint. Wir tref­fen auch auf die von uns selbst "ver­bo­te­nen" Anteile, die wir sozu­sa­gen weg­ge­drückt haben. Jedes Mal, wenn sie in unse­rem Geist auf­tauch­ten, durf­ten wir sie nicht den­ken, jedes Mal, wenn sie sich in unse­rem Kör­per mani­fes­tier­ten, war die­ses Gefühl zu schwer zu ertra­gen. Diese tie­fen Trau­mata kön­nen an die Ober­flä­che kom­men und sich lösen. Momente von Ruhe – und wir ver­wei­len in der Stille des Yoga.

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