Die Heil­kraft der Liebe

Liebe ver­leiht dem Her­zen Flü­gel und baut damit die Brü­cke zwi­schen Ver­stand und Glau­ben; Liebe führt zu einer höhe­ren Ver­nunft, ver­ei­nigt die Gegen­sätze, befreit von Ängs­ten und schafft Frei­heit und Frie­den, meint Wolf­gang Mai­worm. Sein Fazit: Liebe ist die denk­bar beste The­ra­pie! Ein Plä­do­yer für die Liebe.

Liebe in ihrer uni­ver­sel­len Kraft schenkt Wil­len, Hoff­nung, Zuver­sicht, Ver­trauen: Schwie­rig­kei­ten zu meis­tern, Pro­bleme zu lösen, Schmer­zen aus­zu­hal­ten, Pro­zesse anzu­neh­men, Gewohn­hei­ten los­zu­las­sen, Begren­zun­gen zu über­win­den, Ver­lo­re­nes wie­der zu fin­den, Anfech­tun­gen zu beste­hen, Feind­li­chem zu begeg­nen, Frem­des zu ver­ste­hen, Ver­let­zen­dem zu ver­zei­hen – Liebe ver­leiht dem Her­zen Flü­gel und baut damit die Brü­cke zwi­schen Ver­stand und Glau­ben, führt zu einer höhe­ren Ver­nunft, ver­ei­nigt die Gegen­sätze, befreit von Ängs­ten, schafft Frei­heit und Frie­den.

Gibt es ein bes­se­res Heil­mit­tel? Wel­ches Heil­mit­tel hätte wohl mehr Kraft als die Liebe? – Liebe heilt. Liebe ist die denk­bar beste The­ra­pie!

Ein wei­ser Mann sagte dazu: "Die Welt braucht The­ra­pie, weil ihr die Liebe fehlt. In einer lie­be­vol­len Welt braucht man keine The­ra­pie; Liebe genügt voll­auf. Jeman­den in die Arme zu neh­men, ist ein­fach eine Geste der Liebe, der Wärme, der Anteil­nahme. Allein das Gefühl der Wärme, das von dem ande­ren in dich fließt, bringt viele Krank­hei­ten in dir zum Schmel­zen; dein Eis­klotz, dein kal­tes Ego schmilzt. Du wirst wie­der zum Kind. Die Psy­cho­lo­gen wis­sen inzwi­schen, dass einem Kind etwas Grund­le­gen­des fehlt, wenn es keine Zärt­lich­keit bekommt. So wie der Kör­per Nah­rung braucht, braucht die Seele Liebe. Man kann dem Kind alles geben, was sein Kör­per braucht, alle Annehm­lich­kei­ten, aber wenn man es nicht küsst und herzt, wächst es nicht zu einem gesun­den, hei­len Wesen heran. – Du magst alles über The­ra­pie wis­sen, du magst ein Therapie-Experte sein, aber wenn du die Kunst des Lie­bens nicht beherrschst, bleibst du an der Ober­flä­che des Wun­ders, des Wun­ders der The­ra­pie.
Wenn du beginnst, für den Pati­en­ten zu füh­len, für den, der lei­det … von hun­dert Fäl­len lei­den neun­zig haupt­säch­lich des­halb, weil sie nicht geliebt wer­den. Wenn du das Bedürf­nis des Pati­en­ten nach Liebe spürst, und wenn du die­ses Bedürf­nis erfül­len kannst, wird eine fast an Zau­be­rei gren­zende Ver­än­de­rung im Pati­en­ten pas­sie­ren. – Liebe ist die beste The­ra­pie … und ver­gesst nicht: Nur wenn man den ande­ren anschaut, kann Liebe wach­sen. Des­halb ist es gut, sich bei Licht zu lie­ben und nicht im Dun­keln. Dass wir uns im Dun­keln lie­ben, ist noch ein ani­ma­li­scher Zug in uns; wir ver­mei­den dadurch, den andern anzu­se­hen – so kön­nen wir dem andern aus dem Weg gehen.

Sig­mund Freud hatte große Angst vor der Liebe; er fürch­tete sich vor sei­ner eige­nen unter­drück­ten Liebe. Er hatte Angst, in eine Lie­bes­af­färe zu gera­ten, sich auf etwas ein­las­sen zu müs­sen. Er wollte abseits ste­hen, sich nicht auf die Per­son ein­las­sen, nicht zum Teil ihrer Innen­welt wer­den, nicht in tie­fere Gewäs­ser vor­drin­gen; er wollte der wis­sen­schaft­li­che Beob­ach­ter blei­ben, der abseits steht, los­ge­löst, kühl, dis­tan­ziert. Er wollte die Psy­cho­ana­lyse zur Wis­sen­schaft machen. Doch sie ist keine Wis­sen­schaft, und sie wird nie eine sein. Sie ist eine Kunst, die der Liebe weit näher ist als der Logik. Und ein wirk­li­cher Ana­ly­ti­ker drückt sich nicht darum, tief in die Innen­welt des Pati­en­ten ein­zu­drin­gen – er ris­kiert es. Es ist ris­kant, es kann dich in gefähr­li­che Gewäs­ser trei­ben. Viel­leicht ertrinkst du dabei selbst – schließ­lich bist du auch nur ein Mensch.

Ein wirk­li­cher Mensch forscht immer, er ist immer auf der Reise. Und ein for­schen­des Herz ist ein gesun­des Herz. Wenn du mit Glau­bens­sät­zen bela­den bist, bist du krank. Wenn du aber das Kind im Pati­en­ten berüh­ren kannst, wenn du wie ein Kind forschst, nichts glaubst, ehe du es nicht erfah­ren hast, wenn du nicht nur sagst "Ich liebe dich", son­dern das Kind (im Pati­en­ten) umarmst, strei­chelst und in den Arm nimmst, wird es euch bei­den hel­fen: Ihr wer­det mit­ein­an­der ver­schmel­zen, jün­ger, fri­scher, leben­di­ger sein – und das macht euch gesund. – Wenn du jeman­den ana­ly­sierst, arbei­test du mit dem Kopf, wenn du jeman­den in die Arme nimmst, gehst du den Weg des Her­zens. Der Kopf ist die Ursa­che aller Krank­hei­ten, das Herz ist die Quelle aller Hei­lung.

Wenn wir manch­mal intim per­sön­lich wer­den, gehen wir ein Risiko ein. Viele sind noch im alten Mus­ter gefan­gen und wol­len das nicht, wer­den uns zurück­wei­sen. Sie möch­ten lie­ber all­ge­mein ange­spro­chen wer­den und nicht die Gefahr ein­ge­hen, die jeder Liebe inne­wohnt: die Unmit­tel­bar­keit einer Bezie­hung. – Es geht aber nicht anders: Wenn wir eine Bezie­hung zuein­an­der auf­bauen möch­ten, müs­sen wir uns wech­sel­sei­tig für­ein­an­der inter­es­sie­ren, uns wech­sel­sei­tig für­ein­an­der auf­ma­chen. Wir müs­sen uns dafür von nichts und nie­man­dem abwen­den, nur offen sein für Schön­heit, Trans­pa­renz, lie­be­volle Zuwen­dung, wohl­mei­nende Infor­ma­tion, dem Gan­zen die­nende Aktion. Je mehr wir uns in die­ser Weise lie­be­voll auf­ein­an­der ein­las­sen, umso tie­fer wer­den wir uns berüh­ren. Wir wer­den ver­trauen ler­nen – und wenn wir es nicht recht­fer­ti­gen, wer­den wir uns wie­der tren­nen. Denn Liebe ergreift nicht Besitz, Liebe lässt frei. – Ich bin sicher, dass sich immer die Rich­ti­gen tref­fen, denn lie­bende Her­zen fin­den sich, frü­her oder spä­ter. Kon­kur­renz und Eifer­sucht gibt es in die­sem Zusam­men­spiel nicht, nur Hin­gabe, Mut zur Ver­än­de­rung, Mut zur Unsi­cher­heit, Mut zur Grenz­über­schrei­tung, denn "Liebe kennt keine Gren­zen".

Und noch etwas darf eine Bezie­hung aus­ma­chen und heil­sam wir­ken: Liebe hat über­haupt nichts mit Dauer zu tun; da besteht keine not­wen­dige Ver­bin­dung. Wir sind uns in einem bestimm­ten Moment begeg­net, haben in einer bestimm­ten Situa­tion zuein­an­der gefun­den, haben uns lie­ben gelernt. Das kann wie ein Blitz vor­über­ge­hen, aber das heißt doch nicht, dass ein Blitz unecht wäre, nur weil er nicht von Dauer war. Eine Blume blüht am Mor­gen auf und am Abend ist sie ver­welkt. Doch das bedeu­tet nicht, dass die Blume nicht echt gewe­sen wäre. Und nur dar­auf kommt es an: Wir wol­len eine offene, ehr­li­che Bezie­hung zuein­an­der. Wir wol­len eine immer tie­fer gehende Bezie­hung zuein­an­der – und dazu gehört die Bereit­schaft zur Ver­än­de­rung. – Bezie­hung ist Ord­nung, Liebe ist Un-ordnung!

Unter die­sem Gesichts­punkt stelle ich auch bestimmte Aus­sa­gen zur Hellinger-Arbeit, deren heil­same Wir­kung bei bewuss­ten, selb­stän­di­gen Men­schen nicht zu leug­nen ist, in Frage. Eine "Ord­nung der Liebe" gibt es nicht, es gibt nur eine Ord­nung in Bezie­hun­gen. Bezie­hun­gen engen ein, geben Bedin­gun­gen vor, Liebe lässt immer frei, ver­pflich­tet nicht (denn Liebe ist Leben, ist Ener­gie – und die fließt ste­tig). Dort, wo sie ver­pflich­tet, ist es ein Betrug, erst recht, wenn sich das so arti­ku­liert: Ich bin ein lie­ben­der Mensch, weil ich eine Bezie­hung habe. – Bezie­hung ist im Gegen­teil oft Ersatz für Liebe und Bezie­hung zer­stört oft die Liebe, da sie in aller Regel besitz­er­grei­fend und aus­schließ­lich ist. – Hellinger-Arbeit wird dann sinn­voll, wenn die Abhän­gig­kei­ten ent­spre­chend unse­res jahr­hun­der­te­al­ten Bezie­hungs­mus­ters auf­ge­deckt wer­den; wenn die Blind­heit aller Betei­lig­ten gegen­über wah­rer Liebe erkannt wird; wenn ver­stan­den wird, dass unsere Eltern und Groß­el­tern auch nur Opfer die­ses immer­wäh­ren­den, lieb­lo­sen Wahn­sinns waren, die Fami­li­en­mit­glie­der auf­ein­an­der zu fixie­ren, sie wie Leib­ei­gene zu behan­deln, sie in kon­fes­sio­nelle und poli­ti­sche Mus­ter ein­zu­pres­sen; wenn über die­ses Ver­ste­hen, dass die Vor­fah­ren Gefan­gene ihres Sys­tems von Bezie­hun­gen waren, lie­ben­des Ver­zei­hen wird, d.h. ein Sich-nicht-mehr-übel-nehmen unter dem Motto "Ver­gib ihnen, denn sie wis­sen (wuss­ten) ja nicht, was sie tun". – Wer aber bringt so viel Bewusst­sein bei einer Familien-Aufstellung nach Hel­lin­ger ein? – Weil das meis­tens nicht der Fall ist, ergibt sich wie­der nur eine abhän­gige Bezie­hung zu dem Hellinger-Therapeuten bzw. zu des­sen theo­re­ti­scher Vor­gabe, was hei­lend wirke.

Las­sen wir zum Schluss noch ein­mal den Wei­sen zu Wort kom­men: "Ein Mensch, der liebt und frei ist, ist das Schönste, was es auf der Welt gibt. Und wenn sich zwei Men­schen mit sol­cher Schön­heit tref­fen, ist ihre Bezie­hung über­haupt keine Bezie­hung. Es ist ein Sich-Beziehen. Es ist ein stän­di­ges, fluss­glei­ches Strö­men, ein Wachs­tum den größ­ten Höhen ent­ge­gen. Der höchste Gip­fel von Liebe und Frei­heit ist die Erfah­rung des Gött­li­chen. In Gott fin­dest Du bei­des: unend­li­che Liebe, totale Liebe und totale Frei­heit" – und Gesund­heit.

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