Christ­li­che Spi­ri­tua­li­tät als Übungs­weg

Viele Men­schen spü­ren heute oft unbe­wusst in ihrem Dasein ein inne­res Defi­zit, eine innere Leere, die sich immer mehr aus­brei­tet: Wer nur noch im Kopf lebt, ver­liert wesent­li­che Dimen­sio­nen sei­nes Mensch­seins und damit die Fähig­keit zu ech­ten Gefüh­len, ech­ten Emo­tio­nen, ech­ter, erfül­len­der Spon­ta­nei­tät.

Viele Men­schen spü­ren heute oft unbe­wusst in ihrem Dasein ein inne­res Defi­zit, eine innere Leere, die sich immer mehr aus­brei­tet: Wer nur noch im Kopf lebt, ver­liert wesent­li­che Dimen­sio­nen sei­nes Mensch­seins, und damit die Fähig­keit ech­ter Gefühle, ech­ter Emo­tio­nen, ech­ter, erfül­len­der Spon­ta­nei­tät. Nicht umsonst grei­fen des­halb heute so viele Men­schen nach Ange­bo­ten, die ihnen ver­spre­chen, etwas von die­sem Defi­zit ergän­zen zu kön­nen. Oft ist die­ses Gespür mehr unbe­wusst als bewusst – aber sie begin­nen, nach etwas zu suchen, was ihnen viel­leicht hel­fen könnte. Viel­leicht ent­de­cken sie eines Tages, dass es nicht nur außer­halb der Kir­che, son­dern auch in der Kir­che Ange­bote gibt, wel­che für sie hilf­reich sein kön­nen. Wenn ich Teilnehmer/innen von Tagen der Stille nach ihrer Moti­va­tion für solch einen Kurs frage, keh­ren einige Begrün­dun­gen immer wie­der, etwa:
- "Ich möchte ein­mal wie­der zu mir kom­men."
- "Ich stehe vor schwie­ri­gen Ent­schei­dun­gen und hoffe, hier mehr Klar­heit für mei­nen Weg zu fin­den."
- "Ich stehe voll im Stress – und merke, dass es so auf die Dauer nicht mehr wei­ter­geht – ich suche nach neuen Wegen."
- "Ich spüre, dass mein Christ­sein zu kopf­las­tig ist und suche Wege da her­aus."
- "Ich bin auf mei­nem geist­li­chen Weg irgend­wie an einen toten Punkt gekom­men und suche nach neuen Impul­sen."

Gesund­heit beginnt innen Was steht hin­ter sol­chem Suchen? Immer deut­li­cher mel­det sich das Gespür, dass der Mensch nur dann auf die Dauer inner­lich gesund bleibt,
- wenn er nicht nur im Lärm lebt, son­dern auch Stille fin­det, um zu sich zu kom­men …
- wenn er nicht nur immer wei­ter vor­wärts stürmt, son­dern sich dazwi­schen auch die Zeit zum Ver­wei­len nimmt, um Erleb­nisse zu ver­ar­bei­ten und zu klä­ren …
- wenn er nicht nur allein im Kopf lebt, son­dern auch sei­nen tie­fe­ren Schich­ten (den Gefüh­len, Emo­tio­nen, der Phan­ta­sie, der Spon­ta­nei­tät) Lebens­recht ein­räumt …
- wenn er nicht nur auf­geht im Schauen auf das Detail, in immer grö­ße­rer Spe­zia­li­sie­rung und damit Leis­tungs­fä­hig­keit, son­dern wenn er die Ein­zel­hei­ten auch immer wie­der in den grö­ße­ren Sinn­zu­sam­men­hang des Gan­zen hin­ein­zu­stel­len ver­mag …
- wenn er sich nicht nur damit begnügt, zu tun, was jeder­mann tut, son­dern sei­nen eige­nen, unaus­tausch­ba­ren und urper­sön­li­chen Weg ahnt und ihn immer mehr fin­det und erkennt …

Es sind Men­schen mit hohen Erwar­tun­gen, wel­che sich für Tage der Stille, für Ein­kehr­tage, Retrai­ten oder Exer­zi­tien anmel­den. Sie erwar­ten vie­les für ihr Leben und für ihren christ­li­chen Glau­ben – sie hof­fen, etwas von ihren Defi­zi­ten aus­glei­chen zu kön­nen. Das gilt nicht nur für Erwach­sene – das gilt beson­ders für Jugend­li­che in ihrer hohen Sen­si­bi­li­tät für das, was Leben eigent­lich sein sollte. Tau­sende von ihnen fin­den sich bei den Kir­chen­ta­gen im Geist­li­chen Zen­trum zu Medi­ta­ti­ons­an­ge­bo­ten ein: "Ich musste mal raus aus dem Tru­bel – hier will ich zur Ruhe kom­men", sagte einer und sprach aus, was die meis­ten dach­ten. Und dann erle­ben sie in einer Medi­ta­tion viel­leicht erst­mals, was sich in ihnen abspie­len kann, wenn sie ein­mal die Stille aus­hal­ten, und sei es nur für 20 – 30 Minu­ten gemein­sa­men Schwei­gens. Nicht durch Beleh­rung oder theo­re­tisch, son­dern im eige­nen Voll­zug eröff­nen sich ihnen neue Dimen­sio­nen:
- Im eige­nen Erle­ben erken­nen sie kla­rer, was ihnen sonst im Leben fehlt, und wie wich­tig die­ses ist …
- Im Aus­tausch nach sol­chen Medi­ta­tio­nen begrei­fen sie neu, wie ver­schie­den innere Wege sein kön­nen und dass Frei­heit hei­ßen kann, sei­nen eige­nen Weg zu gehen und zu fin­den, der nicht vor­be­stimmt ist durch das, was alle tun …
- Im Erle­ben sol­chen Gesche­hens spü­ren sie manch­mal, dass sie hier eine Ver­hei­ßung geschaut haben, der sie nun nach­ge­hen sol­len, damit ihr Leben rei­cher und erfüll­ter wird. Und oft spü­ren sie auch, dass hier ein wei­ter und lan­ger Weg vor ihnen liegt.

Ganz in der Stille sein Was sich in kur­zen Medi­ta­ti­ons­an­ge­bo­ten ereig­net, bekommt seine tie­fere Fülle dort, wo sich jemand für einige Tage auf die­sen inne­ren, spi­ri­tu­el­len Weg ein­lässt. Beglü­ckende Erfah­run­gen sind oft wie ein kurz auf­leuch­ten­der Berg­gip­fel, den es nun zu bestei­gen gilt, mit allen Mühen, die das kos­tet – und die man doch gern auf sich nimmt, weil das Ziel so leuch­tend vor Augen stand. Wo ich es mir (und damit auch immer zugleich mei­nen Mit­men­schen) schenke, ein­mal für einige Tage ganz in die Stille zu gehen, dort bie­tet sich oft ein neuer Blick auf den Weg, der zum ersehn­ten Gip­fel führt.

Dazu wer­den Tage der Stille ange­bo­ten – und immer wie­der öff­nen sie über­wäl­ti­gende Aus­bli­cke auf das Ziel gelun­ge­nen Mensch– und Christ­seins. Noch inten­si­ver geschieht das dort, wo sich jemand in Ein­zele­x­er­zi­tien dar­auf ein­lässt, dort für eine Reihe von Tagen nach sei­nem urei­ge­nen Weg vor Gott zu suchen – mit Hilfe eines Beglei­ters, der ihm auf die­sem Weg zur Seite steht. Das schließt aber in sich, dass der eigent­li­che Weg, Schritt um Schritt – nicht in sol­chen "Oasen" gegan­gen wird, son­dern mit­ten im All­tag des per­sön­li­chen Lebens, der nur allzu oft "Wüste" ist. Die Nach­frage nach Ange­bo­ten, wie ich mit­ten in mei­nem All­tag mein Leben als Christ ver­tie­fen, wie ich dort mei­nen spi­ri­tu­el­len Weg gehen kann, ist in den letz­ten Jah­ren gewach­sen. Bri­ef­kurs­an­ge­bote – eine Art spi­ri­tu­el­ler Weg im "Fern­un­ter­richt" – wur­den von unter­schied­lichs­ten Men­schen und Grup­pen inten­siv in Anspruch genom­men. Ob es eine Zeit von vier Wochen oder ein Raum über 15 Wochen war – wer sich für diese Zeit dar­auf ein­ließ, täg­lich 20 – 30 Minu­ten vor Gott in die Stille zu gehen, und am Ende jeder Woche noch ein­mal zurück­zu­bli­cken und neu das Ziel ins Auge zu fas­sen, erfuhr sich nach die­ser Zeit auf einem neuen Abschnitt sei­nes spi­ri­tu­el­len Weges.

Drei Voten – unter vie­len ande­ren – nach dem Abschluss des letz­ten, sich über vier Wochen hin erstre­cken­den Bri­ef­kur­ses – möchte ich an den Schluss stel­len:
- "Der Medi­ta­ti­ons­kurs war ein gutes Stück neuer geist­li­cher Erfah­rung. Die Berei­che­rung durch diese Wochen war allzu spür­bar."
- "Ist da nicht wirk­lich viel pas­siert? Und das ist nicht meine Leis­tung, darum wage ich es zu sagen."
- "Der Bri­ef­kurs war etwas für mich, für das ich schwer Worte finde, sie sind alle zu flach. Das Gehen von Tag zu Tag hat mich befruch­tet und berei­chert und den Wunsch und die Sehn­sucht nach Gott ver­stärkt. Danke von Her­zen!" …

Sol­ches – und vie­les andere – kann dort gesche­hen, wo ein Mensch sich für eine bestimmte Weg­stre­cke auf Gott ein­lässt. Was könnte aus unse­rem Leben wer­den, wenn wir mehr und mehr unse­ren gesam­ten All­tag in die­sen Pro­zess ein­zu­be­zie­hen übten? Der kon­krete All­tag ist das Übungs­feld für den spi­ri­tu­el­len Weg, für den geist­li­chen Weg der Nach­folge Christi – wenn ich den Samen des Wor­tes Got­tes in ihm Wur­zel schla­gen lasse. Das aber geschieht in der täg­li­chen Zeit der Stille vor Gott.

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