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Niemand, der nicht die Qualen der Nikotin-Abhängigkeit kennt, kann sich das bohrende Verlangen vorstellen, das Körper, Geist und Seele peinigt, wenn der treue Begleiter Zigarette nicht zur Stelle ist. Raffiniert setzt das Nikotin in der hochsensiblen Schaltstelle des Menschen an und bemächtigt sich der Schnittstelle zwischen Körper und Geist. Sie sagen nicht: "Ein Abfall der Dopamin-Konzentration in meinem Gehirn erfordert es, dass ich jetzt rauche!", sondern Sie sagen: "Ich will jetzt rauchen!", d.h. das "Ich", welches ihre Person, Ihren Willen, Ihre Psyche umfasst, will rauchen – aus freien Stücken, ohne gezwungen zu sein, und es ist doch gezwungen, von materiellen körperlichen Vorgängen im Gehirn, die das "Ich" nicht durchschaut. Dazu kommt, dass diese physische Abhängigkeit ergänzt wird durch die psychische, da Sie "gelernt" haben, dass die Zigarette in unterschiedlichsten Situationen das Leben erleichtert. Immer, wenn Sie in diesen Situationen sind, greifen Sie automatisch zur Zigarette.
Der Abschied von der Zigarette kann nur gelingen, wenn die enge Verzahnung zwischen Körper und Psyche berücksichtigt wird und wenn mit allen Sinnen erlebt wird, welchen Gewinn in allen Lebensbereichen das Nicht-Rauchen bedeutet.
Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit dem Gebiet der Persönlichkeitsentwicklung: Unter welchen Bedingungen gelingt es uns, unser Potential zu entfalten? Was macht es uns so schwer, unsere Fähigkeiten in ihrem vollen Umfang zu entwickeln? Weshalb wird so oft selbstschädigendes Verhalten (und dazu gehört das Rauchen ja) eingesetzt, und zwar wider besseres Wissen. Wie kann es also gelingen, "Herr oder Frau im eigenen Haus" zu werden? Hier gibt es Antworten in der westlichen Psychologie und in der Hirnforschung, die mich interessiert haben, und dazu kam meine langjährige Beschäftigung mit Qi Gong und der Traditionellen Chinesischem Medizin. Viele Menschen, die Qi Gong praktizieren berichten davon, dass ihr Rauchverlangen, ihre Lust auf Süßigkeiten oder auf alkoholische Getränke abnehmen oder ganz verschwinden. In meiner Arbeit habe ich eine Verbindung zwischen traditionellen psychologischen Ansätzen zur Raucherentwöhnung und den fernöstlichen, auf Erfahrungswissen basierenden Methoden entwickelt.
Der Schlüssel ist die Achtsamkeit - das Beobachten des eigenen Rauchverhaltens - ohne Verurteilung und Selbstvorwürfe. Die Zigarette kann da wie ein Lotse in die eigenen, bislang nicht bewusst wahrgenommenen Persönlichkeitsbereiche sein.
In den ersten drei, vier Wochen gilt es zu untersuchen, welches die ganz persönliche Schlüsselsituationen sind, in denen man raucht. Da gibt es ganz große individuelle Unterschiede. Manche rauchen eher in Stress-Situationen, andere eher zur Entspannung. Schon die Phase der Selbstbeobachtung leitet eine Heilung ein. Wenn wir unser ständig stattfindendes inneres Selbstgespräch einmal genau beobachten, kommen wir uns auf die Schliche. Es wird klar, wo und wie die Zigarette eingesetzt wird, um bestimmte Ängste, Wünsche, Unsicherheiten, aber auch Glückserfahrungen nicht zu spüren. In der Phase der Selbstbeobachtung sollte gleichzeitig das "Edle Rüstzeug" erworben werden. Den Ausdruck habe ich geprägt, weil ich Methoden wie Qi Gong, Meditation, Visualisierungen für einen wertvollen Schatz halte. Wer sich - so wie ich es beschreibe - dieses Edlen Rüstzeuges bedient, der wird bald am eigenen Leib erfahren, wie wohltuend und heilsam es ist. Beim Üben von Qi Gong werden Körper, Geist und Seele in Einklang gebracht. Besonders die von dem chinesischen Arzt Xiao Wen Zheng entwickelten Übungen eignen sich hervorragend für den Prozess der Raucherentwöhnung. Ebenso wirken sie gewichtsregulierend und Stress abbauend.
Qi Gong - die "Arbeit mit dem Qi" - scheint vordergründig auf der körperlichen Ebene anzusetzen, aber die sanften vom Atem begleiteten Bewegungen wirken gleichzeitig auf die Psyche. In der chinesischen Medizin gibt es die Trennung zwischen Körper, Geist und Seele nicht. Das Rauchverlangen deutet an, dass der Mensch nicht in seiner Mitte ist, dass er verzweifelt auf der Suche ist, etwas "braucht". Das tägliche Üben von Qi Gong beruhigt das aufgewühlte Ich. Der Übende lernt, wie er Zugang zu seinen ureigensten Kraftquellen findet und sich un-abhängig macht, einerseits von dem Suchtstoff, andererseits aber auch von äußerer Zustimmung und Bestätigung.
Schon vor der Selbstbeobachtungsphase legt der Nichtraucher in spe einen Aufhörtag fest. Es kann sein, dass schon dadurch, dass das Rauchverhalten unter die Lupe genommen wird, eine Verringerung des Konsums eintritt. Ab dem Tag X ist die Freude über das rauchfreie Dasein so groß, dass jeder Tag als Nichtraucher genossen wird. Das heißt nicht, dass es keine Anfechtungen geben wird. Aber auch mit Verführungen wie "Nur eine!" kann umgegangen werden. Auch Visualisierungen können in Zeiten der Anfechtung stabilisierend wirken.
Das Rauchen hat den Raucher jahrelang in Abhängigkeit gehalten. Der ständige Wunsch aufzuhören, gepaart mit dem Ohnmachtsgefühl, es nicht zu schaffen, hat dem Selbstwertgefühl schweren Schaden zugefügt. Die gelebte Erkenntnis, es geschafft zu haben, wirkt sich dann auf alle Lebensbereiche aus. Mehr Selbstvertrauen, mehr Lebensfreude sind die Folgen eines rauchfreien Daseins. Der Schritt vom Raucher zum Nicht-Raucher bedeutet deshalb einen Quantensprung in der Persönlichkeitsentwicklung.
Aus Studien ist zu ersehen, dass der Königsweg zu einer erfolgreichen Raucherentwöhnung eine tief in der Person verankerte Motivation ist. In meiner Arbeit suche ich den Zugang zu dem Kern, der in jedem von uns schlummert, zu der Energie, die wachsen will, sich entfalten will, sich entwickeln will. Dann ist der Abschied von der Zigarette nicht Verzicht, sondern Gewinn, und zwar Gewinn in allen Lebensbereichen (nicht zuletzt übrigens auch ein Gewinn an Euro ...). |