Psychotherapie

Ulrich Heister

Jeder Mensch tut gut daran, seine Seele zu pflegen und sich um sie zu kümmern, ob nun größere Probleme vorliegen (Angstzustände, Zwänge, Depressionen, o.ä.), das Lebensgefühl eingeschränkt ist (z.B. mangelndes Selbstwertgefühl, Unsicherheit) oder 'nur' Unwohlsein (wie etwa Unausgeglichenheit, fehlende Lebensfreude, Empfindung von Sinnlosigkeit) besteht. Psychotherapie ist das Pflegen oder Heilen der Seele.

Das Wort Psyche kommt aus dem griechischen und heißt Atem bzw. Seele. Therapie leitet sich von therapeúein ab und lässt sich übersetzen mit dienen, pflegen, heilen. Psychotherapie ist also das Pflegen oder Heilen der Seele.

Für wen ist Psychotherapie? Es ist die Meinung weit verbreitet, dass derjenige (männliche Schreibweise wegen der besseren Lesbarkeit), der zur Psychotherapie geht, eine starke geistige Störung haben muss. Dem ist aber nicht so. Jeder Mensch tut gut daran, seine Seele zu pflegen und sich um sie zu kümmern, ob nun größere Probleme vorliegen (Angstzustände, Zwänge, Depressionen, o.ä.), das Lebensgefühl eingeschränkt ist (z.B. mangelndes Selbstwertgefühl, Unsicherheit, Antriebsschwäche, Mangel an Gefühlen) oder "nur" Unwohlsein (wie etwa Unausgeglichenheit, fehlende Lebensfreude, Empfindung von Sinnlosigkeit) besteht.
Auch akute Lebenssituationen wie Krisen oder Konflikte lassen sich in der Therapie lösen. Viele Menschen nehmen ohne aktuelle Schwierigkeiten die Unterstützung eines Therapeuten in Anspruch. Zum Beispiel um mehr über sich selbst zu erfahren, eingefahrene Denk- und Verhaltensweisen abzulegen, um die Wahrnehmung von sich selber und der Umwelt zu erweitern, oder um neue Aspekte des Menschseins zu entdecken.

Psychosomatik Es setzt sich mehr und mehr die Ansicht durch, dass die Seele (Psyche) auf den Körper (Soma) direkt einwirkt. Der Körper ist also Ausdrucksmittel des Geistes. Dies ist eine wichtige Erkenntnis, die neue Möglichkeiten der Heilarbeit eröffnet. Jedes körperliche Krankheitszeichen, jedes Unwohlsein, jedes Leiden hat seinen Ursprung in der Seele. Der betroffene Körperteil und die Art der Erkrankung geben Auskunft über deren Ursache. Selbst Unfälle, wenn sie auch willkürlich erscheinen, geben uns wertvolle Hinweise über uns selbst und sind gute Gelegenheiten zu lernen.
Die auf die körperlichen und psychischen Symptome angewendete Medikamente, Operationen und ausschließlich physische Anwendungen können nicht zu wirklicher Heilung führen. Es werden lediglich die äußeren Warnzeichen für innere Störungen beseitigt. Etwa so, als ob nur die Kleider eines Ertrinkenden gerettet werden. Der Körper wir bestenfalls vor weiteren Schäden bewahrt und er wird lebensfähig gehalten. Unsere Seele muss nun neue Krankheitszeichen bilden um auf ihre Not hinzuweisen. Dies kann eine lange Kette von Erkrankungen, Arztbesuchen, Medikamenteneinnahmen und Operationen nach sich ziehen, wenn sich der Erkrankte nicht dazu entscheidet, tiefer in sich hineinzugehen, um sich direkt mit der tatsächlichen Ursache in seinem Innern zu befassen.
Erwähnt sei hier auch noch das Altern. Der Alterungsprozess bis hin zum Siechtum ist der Ausdruck der angesammelten und nicht aufgelösten Muster auf emotionaler und mentaler Ebene. Wer aufmerksam mit seinen Gefühlen und Empfindungen ist, sich mit seinem Unwohlsein und Problemen auseinandersetzt, statt darüber hinwegzugehen, altert in einem gesunden und voll funktionsfähigem Körper. Es mag die körperliche Leistungsfähigkeit nachlassen, aber der Körper ist nicht in seiner Beweglichkeit und Funktionsfähigkeit eingeschränkt. Der Verstand ist rege. Wer sein Leben genutzt hat, um seinen Geist zu erweitern, wird dem Tod angstfrei entgegensehen und ihn als einen sanften Übergang in eine andere Bewusstseinsebene erfahren.

Psychotherapie wozu? Wir alle sind mit Mustern oder Strukturen behaftet, die unsere freie Entscheidungsfähigkeit und Lebendigkeit einschränken. Meist haben wir diese im Baby- bzw. Kleinkindalter erworben. Wir wurden von unserem Umfeld geprägt. Bei schmerzhaften und verletzenden Erfahrungen mussten wir Möglichkeiten finden, wie wir die gegebenen Situationen überstehen konnten. Meist geschieht dies dadurch, dass Verhaltensweisen entwickelt werden, die die Konflikte verhindern, oder die Ereignisse werden verdrängt, d.h. vergessen, da wir als Kind keine andere Chance hatten mit ihnen umzugehen. Beide Wege sind Schutzmechanismen und waren in dieser Situation (über-)lebenswichtig.
Unsere Seele hat das Bestreben zu heilen. Daher will sie uns auf die vergessenen Traumata aufmerksam machen. Gesteuert durch die unbewussten Muster schaffen wir uns immer wieder Lebenssituationen, die der traumatischen entsprechen. D.h. wir erleben immer wieder ähnliche schmerzhafte und unangenehme Umstände, damit wir merken, dass etwas nicht stimmt. Dies sollte dann Anlass dazu sein, uns um uns zu kümmern. Geschieht dies nicht, verstärkt sich das Muster (es können auch mehrere sein), welches als energetische Struktur in die Energiekörper (Aura, Seele) eingebrannt ist, immer mehr. Es entzieht uns Lebensenergie, die es zum seinem Erhalt und zu seiner Verdrängung braucht. Dadurch lässt die Lebendigkeit nach, Verstand, Gefühl und Körper sind geschwächt und es bilden sich unter Umständen körperliche Symptome die sich ebenfalls, mit der Zeit, verstärken können.

Was geschieht in den Sitzungen? In der psychotherapeutischen Sitzung werden die Probleme besprochen (was schon sehr erleichternd sein kann, aber alleine nicht ausreicht). Durch Anwendung verschiedener Methoden, je nach Gegebenheit, werden die vergessenen (verdrängten) Seeleninhalte wieder bewusst. Dadurch lösen sich diese alten Muster auf, die Gefühle werden erlöst (was das wichtigste ist), Zusammenhänge erkannt, festgehaltene Energie wird freigesetzt und es können ganz neue Verhaltens- und Lebensmöglichkeiten gefunden werden.

Dauer Es versteht sich, dass sich Strukturen, die über Jahrzehnte entstanden sind, nicht von heute auf morgen auflösen lassen. Wer wirklich etwas in seinem Leben verändern möchte, muss sich für eine konsequente Arbeit an sich selber entscheiden. Sie wird Monate oder Jahre brauchen, da die Heilung nur Schritt für Schritt zu erreichen ist. Ein forciertes Vorgehen ist nicht möglich, da die Veränderungen Zeit brauchen.
 
Was ist das Ziel? Jeder Mensch kann glücklich und gesund, bis ins hohe Alter hinein, leben. Voraussetzung ist, dass er in jeder Beziehung Verantwortung für sich übernimmt und sich selbst mit allen Stärken und Schwächen akzeptiert.
Es gilt, die in der Kindheit (oder noch früher) angenommenen Prägungen, Verhaltensweisen und Strukturen zu erkennen und auf ihre Tauglichkeit, bezogen auf das gegenwärtige Leben, zu überprüfen, um automatische Verhaltensweisen und Wiederholungen durch freie Entscheidungsfähigkeit zu ersetzen.
Lebendigkeit, Lebensfreude und -wille, Gefühlsreichtum, Mitgefühl, Kreativität, Selbständigkeit sowie Selbstbewusstsein und Selbstwert stellen sich ein.


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