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Einführung: Familienstellen (nach Bert Hellinger)
Das Familienstellen hat seine Wurzeln unter anderem in der systemischen Denkweise, die mit Gregory Bateson in den 30er Jahren begann und dann von anderen Therapeuten aufgegriffen und in der Praxis weiterentwickelt wurde. In den therapeutischen Prozess muss demzufolge die Familie, das System eines Klienten, mit einbezogen werden, wenn man die eigentlichen Verstrickungen und Belastungen lösen will.
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Geschichte Das Familienstellen hat seine Wurzeln unter anderem in der systemischen Denkweise, die mit Gregory Bateson in den 30er Jahren begann und dann von anderen Therapeuten aufgegriffen und in der Praxis weiterentwickelt wurde. In den therapeutischen Prozess muss demzufolge die Familie, das System eines Klienten, mit einbezogen werden, wenn man die eigentlichen Verstrickungen und Belastungen lösen will. Der rumänisch-amerikanische Psychiater Jakob Moreno erkannte im Psychodrama durch das Theaterspiel die Bedeutung der sozialen Bindungen seiner Patienten. Virginia Satir, amerikanische Sozialarbeiterin, entwickelte die Familienrekonstruktion und die Familienskulptur. In einem gemeinschaftlichen Prozess finden alle Familienmitglieder heraus, wie sie in den Fluss der Generationen eingebunden sind und wie sie sich von übernommenen Strukturen und Aufträgen der Familie befreien können. Bert Hellinger erlebte die Vorgehensweise des Familienstellens erstmalig bei den Lindauer Psychotherapiewochen. Sehr beeindruckt von den Wirkungen griff er das Instrument auf und entwickelte seine spezifische Form des Familienstellens, die als Grundlage die phänomenologische Vorgehensweise hat.
Bert Hellinger entdeckte die Grunddynamiken, die zu solchen leidvollen Wirkungen führen: Die Liebe des in uns allen existierenden "inneren Kindes" ("die Kinderseele") drückt sich in einer tiefen Treue zur Familie und Sippe aus. Es ist diese blinde, unbewusste Liebe, die sich nur zu gern in andere Schicksale einmischt und schweres Leid anderer Familienmitglieder auf sich nehmen möchte. Dann folgt zum Beispiel ein Enkelsohn gern seinem toten Großvater nach, der im 2. Weltkrieg umkam. Oder eine Tochter wird magersüchtig und will insgeheim sterben, weil es ihren Vater innerlich zu seinem frühverstorbenen Onkel zieht. Hier will die Tochter für den Vater sterben und sie sagt ihm im Inneren "Lieber gehe ich als du, mein lieber Papa!". Durchführung Der Klient sucht sich in der Gruppe für die eigene Person, den Ehepartner, für Kinder, Vater, Mutter, Geschwister und Verwandte Stellvertreter aus, die dann, wenn sie sich gesammelt und ruhig dem Prozess anvertraut haben, die Gefühle und Gedanken der Menschen, für die sie stehen, wahrnehmen. Als Erklärungsmodell dienen hier die "morphogenetischen Felder" nach Sheldrake (engl. Biologe). Die Familienseele existiert offenbar als ein Energiefeld, das alle Informationen über sämtliche Schicksale dieser Familie enthält. Alles, was gedacht, gefühlt und vor allem getan wurde, ist in diesem Feld verzeichnet. Über den Vorgang des Aufstellens wird den Stellvertretern dieses Feld zugänglich gemacht, d.h. sie werden für die Zeit der Aufstellung zu einem Teil des Feldes und erfahren die emotionalen und geistigen Inhalte der jeweiligen Person, für die sie stehen. Die Vorbereitung: Erstellen des Stammbaums Bert Hellinger hat als wesentlichstes Grundbedürfnis des Menschen das Bedürfnis nach Bindung und Zugehörigkeit zu Familie und Sippe beobachtet. Wir werden hineingeboren in unsere Familie und sind ihr absolut auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Als Kind erblicke ich die Eltern und nehme das Leben, wie es in mich hineinfließt. Kinder lieben ihre Eltern absolut und sind ihnen zutiefst treu. Wir begegnen hier dem Bereich der Herkunftsfamilie. Zu ihr gehören stammbaummäßig im Sinne der Verstrickung:
Es empfiehlt sich, zur Klärung der eigenen Familiensituation einen Stammbaum zu zeichnen. Beim Betrachten der Familienmitglieder einschließlich der eigenen Person fragen wir nur nach bedeutsamen Ereignissen, die den Menschen widerfahren sind. In diesem Sinne sind folgende Ereignisse zu beachten (diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit!):
Die Gegenwartsfamilie Ist ein Klient verheiratet oder lebt er (sie) in einer festen Bindung, sprechen wir vom Gegenwartssystem, welches in seiner kleinsten Form Mann und Frau als Paar oder gleichgeschlechtliche Partner umfasst. Häufig wirken Verstrickungen aus der Herkunftsfamilie in die Gegenwartsfamilie hinein. Allein die Aufstellung zeigt oft sofort, welche Problematik die Paarbeziehung belastet. Sind Kinder vorhanden, tragen auch sie häufig schon wieder einen Teil der Belastungen. Hier werden dann meist Personen aus der Herkunftsfamilie mit aufgestellt, um die eigentlichen Verstrickungen ans Licht zu bringen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Kinder oder beide Partner in der Aufstellung gegenwärtig sind. Ein Elternteil vermag manchmal schon Entscheidendes in Bewegung zu bringen, wenn uns die Familienseele den Weg zur Lösung weist. So führt die Therapie der Kinder in der Regel über die Eltern. Wenn sich die Großen der Ordnung und der guten Kraft der Seele anvertrauen, sind die Kleinen entlastet. Anwendungsbereiche
Risiken/Kritik Das Familienstellen ist kein Allheilmittel, mit dem alles kuriert werden kann. Besondere Vorsicht ist zum Beispiel bei Borderline-Patienten, Psychosekranken und Suchtkranken geboten. Im allgemeinen werden Familienaufstellungen nicht im geschlossenen Rahmen einer Klinik, sondern als Tages- oder Wochenendseminare angeboten. Daher fehlt in besonders schweren Fällen die dauernd notwendige Weiterbetreuung. Der Therapeut muss abschätzen können, ob er für den jeweiligen Klienten etwas tun kann und darf (Sorgfaltspflicht). Streng genommen ist das Familienstellen eine Form der Psychotherapie, die gesetzlich gesehen nur von denen ausgeübt werden darf, die über eine Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde verfügen. Empfehlung/Eignung Wenn man nun nach den Qualitäten eines Therapeuten fragt, so lassen sich hier folgende Kriterien kurz darlegen: Therapeuten, die selber noch an einem Helfer- oder Rettersyndrom leiden, sollte man meiden. Sie sind an einem zwanghaften Helfenmüssen zu erkennen, sie meinen es "schrecklich gut" und neigen dazu, Probleme zu verharmlosen oder Schlimmes schön zu reden. In der Regel werden fähige Therapeuten von ihren Klienten gern weiterempfohlen. Auch besteht meist die Möglichkeit, als teilnehmender Beobachter ohne Aufstellung das Gruppengeschehen kennen zu lernen. |


