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Ist es Wirklichkeit oder spielt es auf dem Holodeck? Diese Frage kennen Liebhaber der Star-Trek-Serien. Eine computergenerierte Scheinwelt erlaubt es der Besatzung von »Raumschiff Voyager« durch Programmieren von Daten beliebige Wirklichkeiten dreidimensional (holografisch) zu simulieren. Generell eignen sich Geschichten im Grenzbereich von Fantasie, Traum und Realität besonders gut für die filmische Darstellung, weil Filmbilder den Zuschauer durch ihre Vieldeutigkeit geschickt über den Realitätsgrad des Dargestellten täuschen können. Zu dieser Verwirrung kommt hinzu, dass das, was im Film Wirklichkeit ist, aus Sicht des Zuschauers eben nur Film (also eine Scheinwelt) ist. Wer schaut uns zu, während wir Filmen zuschauen? Von welcher Ebene aus gesehen ist die Wirklichkeit des Zuschauerraums auch nur ein »Holodeck« oder eine »Matrix?
»Du siehst aus wie ein Mensch, der das, was er sieht, hinnimmt, weil er damit rechnet, dass er wieder aufwacht«, sagt der Meister und lugt hinter seiner schwarz getönten Sonnenbrille hervor. Und er fügt hinzu: »Ironischerweise ist das nahe an der Wahrheit.« Was der Meister seinem Schüler nun mitzuteilen hatte, ist aufs Höchste beunruhigend. Es spricht ein Lebensgefühl an, das vielleicht auch vielen von uns bekannt vorkommt: »Ich will dir sagen, wieso du hier bist. Du bist hier, weil du etwas weißt, etwas, was du nicht erklären kannst. Aber du fühlst es. Du fühlst es schon dein ganzes Leben lang, dass mit der Welt etwas nicht stimmt. Du weißt nicht was, aber es ist da. Wie ein Splitter in deinem Kopf, der dich verrückt macht.« Die Szene mutet an wie die Beschreibung einer spirituellen Suche, die konsequenterweise in ein Erwachen mündet. Der Schüler in dieser Geschichte hat seinen Lehrer jahrelang gesucht, getrieben von einem diffusen Unbehagen an der Wirklichkeit. Irgendetwas an der Welt, die ihn umgibt, erscheint ihm nicht echt. Die Fassadenhaftigkeit der Räume, die puppenhaft funktionierenden Mitmenschen, die im Rahmen vorgegebener Rollen ihren Part in einem teilweise ziemlich banalen Drama spielen. Kann dieses seltsam hölzerne, oft unwirklich erscheinende Spiel denn tatsächlich alles sein, was existiert?
Programmierte Scheinwelt Nun, da er seinem Meister endlich gegenübersteht, ist die brennendste Frage des Schülers die nach der Beschaffenheit dieser Wirklichkeit. »Hattest du schon einmal einen Traum, Neo, der dir vollkommen real schien?«, fragt ihn dieser. Was wäre, wenn du aus diesem Traum nicht mehr aufwachst? Woher würdest du wissen, was Traum ist und was Realität?« Aufmerksame Kinogänger haben natürlich längst erkannt, wo wir uns befinden. Nicht in einer verzwickten Zen-Geschichte, einer Legende über das spirituelle Erwachen eines Suchenden, sondern es ist ein Dialog aus dem ersten Teil der Kino-Trilogie »The Matrix«, einem modernen Klassiker, der auf radikale Weise die Frage nach der Beschaffenheit unserer Realität stellt. Was aber ist die berühmte »Matrix«? »Die Matrix ist allgegenwärtig«, sagt Morpheus, der moderne Guru mit der Sonnenbrille, der mit coolen Sprüchen und kräftigen Handkantenschlägen selbst der actionverliebten Handy-Generation anspruchsvolle philosophische Weisheiten vermittelt. »Es ist eine Scheinwelt, die man dir vorgaukelt, um dich von der Wahrheit abzulenken.« – »Welche Wahrheit?«, fragt Neo. »Dass du ein Sklave bist«, antwortet Morpheus. »Du wurdest in die Sklaverei geboren. Ein Gefängnis, das du weder anfassen noch riechen kannst. Ein Gefängnis für deinen Verstand.« In den »Matrix«-Filmen ist die Welt, die wir Realität nennen eine computergenerierte Traumwelt, geschaffen von seelenlosen Robotern, um die Menschen unter ihrer Kontrolle zu halten. Die »wirkliche Wirklichkeit« sieht ganz anders aus als unsere glatten Hochglanzstädte und sterilen Büroräume. In einer von Atomkrieg zerstörten Welt dienen menschliche Körper den Maschinen als Energielieferanten. Menschen verdämmern ihr ganzes Leben in Wannen mit einer Art Nährflüssigkeit, die »Matrix« als Ablenkungsprogramm wird in ihre Gehirne eingespeist und hindert die Gefangenen daran, sich ihrer wahren Situation bewusst zu werden. Die Welt, wie wir sie kennen, lautet die provokante These des Films, IST die Matrix, ist Schein, nicht wesenhaft.
Philosophen als Filmemacher Die radikale Herausforderung des »Gurus« Morpheus an seinen Schüler Neo lautet nun: Willst du hinter die Fassaden dieser Scheinwelt blicken? Willst du die Wahrheit erfahren, so unbequem, ja schockierend sie dir auch erscheinen mag? Neo schluckt die berühmte rote Kapsel, die ihm Morpheus darreicht und die für ihn das Tor zur Wahrheit darstellt. Und er erwacht. Morpheus ist der Hüter der Schwelle, der Seelenführer, der den Suchenden aus der sicheren, aber begrenzten und begrenzenden Welt, aus der er kommt, hinaus führt in das Abenteuer der Erkenntnis, der geistigen Weite, die allerdings neue, ungeahnte Herausforderungen an ihn stellt. Wer die Kinolandschaft der letzten Jahre aufmerksam beobachtet, stellt fest, dass die Macher von Filmen – Produzenten, Drehbuchautoren und Regisseure – sich verstärkt Themen von hohem philosophischem Gewicht vornehmen und sie in eine massentaugliche Wort- und Bildsprache übersetzen. Es scheint, als ob eine gewisse pädagogische Absicht, die zuvor im Medium Literatur oder Theater zum Tragen kam, nun verstärkt über das moderne Medium Film transportiert würde. Es lohnt sich, Filme ernst zu nehmen – trotz dem manchmal nervigen Geballer und Gekloppe, mit dem sie garniert sind, um die hohen Produktionskosten einzuspielen. Die Frage nach der Scheinhaftigkeit der Realität, die die Brüder Wachowsky, Regisseure und Drehbuchautoren der Matrix-Trilogie, stellen, ist eigentlich eine uralte, die vor allem im Hinduismus und Buddhismus zuhause ist. »Maya« nennen die Weisen Indiens diese flirrende Scheinwelt der tausend Formen, und sie betonen, dass es Aufgabe des spirituellen Suchers ist, die Scheinhaftigkeit dieser Welt zu durchschauen und durch Erkenntnis und Meditation zur »Wahrheit« durchzudringen.
Welt aus »Traumatomen« Was aber ist »Wahrheit«? Die Frage des Pontius Pilatus an Jesus stellt sich heute drängender denn je. Die Quantenphysik hat herausgefunden, dass auf dem Grunde unserer Materie keine stoffliche Festigkeit mehr zu finden ist. In den kleinsten, subatomaren Dimensionen verschwimmt die Materie zu einem Nebel aus nicht mehr vorhersagbaren Bewegungen von Elementarteilchen, von denen nur noch eine Aufenthaltswahrscheinlichkeit angegeben werden kann. In einer anderen Betrachtungsweise besteht die Materie aus Schwingungen, aus Energie – Esoteriker haben daraus vielleicht vorschnell geschlossen: aus Geist. Paramahansa Yogananda, der in seiner Autobiografie zahlreiche sogenannte Wunder der Yogis und spirituellen Meister beschreibt, spricht von »Traumatomen«, aus denen unsere Wirklichkeit zusammengesetzt ist. Der Wissende, der sich der Traumbeschaffenheit unserer Welt bewusst ist, kann diese Atome mit der Kraft seines Geistes neu ordnen, er kann die Naturgesetze manipulieren, Dinge materialisieren und dematerialsieren und auch sonst allerlei »Wunder« vollbringen. Diese »übermenschlichen Kräfte« werden im Sanskrit auch »Siddhis« genannt. Genau dies gelingt auch Neo in den »Matrix«-Filmen. Als er erkennt, dass seine Realität aus einer unendlichen Aneinanderreihung von Zahlencodes (visuell dargestellt durch grünliche Zahlenreihen) besteht, ist er in der Lage diese Scheinwelt beliebig zu manipulieren. Er kann Kugeln in der Luft auffangen, den Raum, der ihn umgibt, verbiegen und durch die Luft fliegen. Wie das geht, erklärt der offenbar auch in Neurophysiologie bewanderte Morpheus: »Wie definiert man Wirklichkeit? Wenn du darunter verstehst, was du fühlst, was du riechen, schmecken oder sehen kannst, dann ist Wirklichkeit nichts weiter als elektrische Signale, interpretiert von deinem Verstand.«
»Leer ist die Welt« Für Buddhisten, die die Philosphie ihres Meisters gut kennen, mögen diese »aufregenden« Erkenntnisse des Matrix-Drehbuchs vielleicht ein alter Hut sein. Sie wissen längst, dass das Wesen unserer Wirklichkeit »Leere« ist. Leere ist nicht nur die Grundbeschaffenheit des Tisches, auf dem ich diesen Text schreibe oder die Beschaffenheit der Hände auf der Tastatur, leer ist sogar mein Innerstes, die Seele. Ihr kommt gemäß der radikalen buddhistischen Philosphie keine Wirklichkeit zu. Im Pali-Kanon sagt Buddha: »Weil die Welt leer ist von einer Seele und leer von allem Seelenhaften, darum heißt es: Leer ist die Welt.« Eine heilige Schrift des Buddhismus mit dem schönen Namen Astasahasrika-Prajnaparamita-Sutra verkündet sogar: »Traum und Wesen sind eins, nicht zweierlei. Alle Dinge sind wie Schein, wie ein Traum.« Das Wort für »Schein«, das in diesem Text gebraucht wird, heißt im Original »Maya«. Ist unsere Welt also tatsächlich eine Matrix? Mit dem Begriff der »Maya« wurde ich schon als Jugendlicher erstmals durch ein Buch Hermann Hesses, »Das Glasperlenspiel«, vertraut gemacht. In der Geschichte »Indischer Lebenslauf« begegnet der Jüngling Dasa einem als Eremit im Wald lebenden Yogi und berichtet ihm von seinem bisherigen, von Liebeslust, Kämpfen und Leiden geschüttelten Leben. Der Mund des Yogis verzieht sich daraufhin zu einem Lächeln, er schüttelt den Kopf und sagt nur zwei Worte: »Maya! Maya!« Hermann Hesse beschreibt die Maya im Folgenden: »Dasas Leben und aller Menschen Leben, alles war in dieses alten Yogin Augen Maya, war etwas wie eine Kinderei, ein Schauspiel, ein Theater, eine Einbildung, ein Nichts in bunter Haut, eine Seifenblase, war etwas, worüber man mit einem gewissen Entzücken lachen und was man zugleich verachten, keinesfalls aber ernst nehmen konnte.« Dasa bittet den Meister daraufhin, ihm mehr über Maya zu lehren (nicht unähnlich der Frage Neos an Morpheus, was die Matrix sei). Der Yogi versetzt ihn daraufhin in einen Schlaf, und unter dem Blick des Lesers, der die Geschehnisse zunächst für real hält, zieht an Dasa der Rest seines (möglichen) Lebens vorbei: Seine geliebte Parvati, stellvertretend für die Verlockungen der Lust, der »Anhaftung« an weltliche Dinge, zieht ihn zurück in das weltliche Leben. Er wird reich, gewinnt Macht, wird angefeindet, in Kriege verwickelt, stürzt vom Thron und gerät in Gefangenschaft. Als er erwacht, bemerkt er, dass sein ganzes »Leben« in der Wirklichkeit des Yogis nur einen Augenblick gedauert hat. Dieses Leben war »Maya«, eine mentale Projektion, die ihm der Weise ermöglicht hat, damit er sich der Nichtigkeit jeder weltlichen Existenz bewusst werden konnte. Dasa bleibt für immer bei dem alten Mann im Wald, er kehrt nie wieder in die materielle Welt zurück. Dasas Lebensbeschreibung, so könnte man auch sagen, ist ein Film gewesen – sein Lebensfilm. Erst am Ende erkennt er dies. Erst im Erwachen weiß man, dass man geschlafen hat.
Trumans Durchbruch Wahrheit, so scheint es, ist in vielen Geschichten der höchste Wert, der auch unter größten Opfern erstritten werden muss. Die Fähigkeit, die Wahrheit zu ertragen, ist mit der Seelenqualität des Muts verbunden. Viele heutige Filme wie etwa »Vanilla Sky« von Tom Cruise haben in diesem Sinn eine aufklärende, emanzipatorische Botschaft. Sie rufen zu einem »Erwachen« auf, das sich aus jeder beengenden, nur vorgegaukelten Scheinrealität befreit. Ein solcher moderner Held ist auch Jim Carrey in Peter Weirs bahnbrechendem Film »Truman Show«. Als eine satirisch überspitzte Version der Kult-Dödel in einschlägigen Reality-Shows wird Truman sein ganzes Leben lang von Kameras überwacht. Sein Leben läuft seit Jahrzehnten in allen Wohnzimmern des Landes – rund um die Uhr. Das Interessante daran: Er weiß nicht, dass er in der Show ist, weil er schon seit seiner Geburt in eine perfekt durchgestylten Welt lebt, in der alle – außer ihm selbst – bezahlte Schauspieler sind. Christoph, der Regisseur und Erfinder der Show ist der »Gott« von Trumans Welt. Er lässt es (aus Wetter-Maschinen) regnen oder die Sonne scheinen, er teilt seinem Geschöpf eine Lebenspartnerin zu und entzieht sie ihm wieder – alles zur Unterhaltung des Publikums. Doch in dem dümmlich-unbedarften Truman erwacht so etwas wie eine Seele, etwas was nicht manipulierbar und mit keiner Kamera zu erfassen ist und darauf drängt, die Wahrheit über seine Existenz ans Licht zu bringen. Er bricht aus seinem Gefängnis, einer von Meer umschlossenen biederen amerikanischen Kleinstadt, aus und flieht über das Wasser, bis er an die »Kuppel« stößt, den äußersten Rand der ihm von Christoph zugedachten Welt. Das »Dahinter« lockt Truman, und es macht ihm zugleich Angst. Er muss – wie Neo in »Matrix« zwischen der blauen Kapsel (dem Weiterträumen) und der roten Kapsel (dem Erwachen) wählen. Noch einmal versucht ihn »Gott« zur Umkehr zu bewegen und spricht als Stimme aus dem Off zu ihm: »Ich bin der Schöpfer der Fernsehsendung, die Millionen Hoffnung und Freude bereitet.« – »Und wer bin ich?«, fragt Truman. – »Du bist der Star.« – »War gar nichts echt?« – »Du warst echt. Deshalb hat man dir so gern zugesehen. Da draußen findest du nicht mehr Wahrheit als in der Welt, die ich für dich geschaffen habe. Dieselben Lügen, derselbe Betrug, aber in meiner Welt gibt es nichts zu befürchten. Du hast Angst. Deshalb kannst du nicht weggehen.« Und dennoch geht Truman in einer bewegenden Szene am Ende durch die Tür nach draußen – in die Freiheit, in die Weite, in die Wahrheit. Wir wissen nicht, was ihn dort erwartet, denn den Film endet an dieser Stelle.
Raus aus der Kästchenwelt Interessanterweise können die Botschaften solcher Filme wie »Matrix« und »Truman Show« sowohl spirituell als auch politisch gedeutet werden. Politisch geht es um die Befreiung von Mächten, die uns manipulieren wollen, weil wir ihnen in irgendeiner Form nützlich sind. (Die Maschinen, die Menschen als Batterien missbrauchen. Der Fernsehsender, der sich durch Truman hohe Einschaltquoten erhofft.) Spirituell betrachtet geht es um Befreiung aus der »Kästchenwelt«, deren scheinbar selbstverständliche Existenz uns zugleich schützt und begrenzt, um den mutigen Durchbruch zu einer höheren Einsicht dessen, was Wirklichkeit ist. Sollten wir die »Realität«, die uns täglich umgibt, etwa hassen und als Maya belächeln? Sollten wir sie gar durch Meditationstechniken schnellstmöglich zu überwinden versuchen? Da eben liegt der Knackpunkt. Die indische Philosophie kennt neben dem (eher abwertenden) Begriff der »Maya« auch den positiveren der »Lila«, des göttlichen Spiels. Die Schöpfung hat alle diese wundersamen Gaukelspiele erfunden, damit sich die Wesen an ihnen erfreuen können – oder eben leiden und bangen, was dem »Lebensfilm« seine Spannung und berührende Dramatik verleiht. Würden wir – um ein Wort von Willigis Jäger zu variieren – beim Tanzen versuchen, möglichst schnell ans Ende der Tanzfläche zu gelangen? Oder würden wir einfach den Tanz weiter genießen, hinter dem sich vielleicht kein anderer »tieferer Sinn« verbirgt als die pure Lust an der Bewegung – ungeachtet der Schweißperlen und der Müdigkeit der Glieder?
Kalkulierter Wiedereinstieg In einem der schönsten Liebesfilme der letzten Jahre, »Vergiss mein nicht«, sind Kate Winslet und der viel beschäftigte Jim Carrey ein Liebespaar, das nach der Trennung versucht, den jeweils anderen mit Hilfe futuristischer Methoden der Gehirnmanipulation aus ihrem Gedächtnis zu löschen. Natürlich klappt das nur bedingt, die beiden verlieben sich aufs Neue, ohne sich zu erkennen. Als sie entdecken, dass sie sich vor Zeiten schon einmal geliebt haben, dass ihre Liebe an unüberbrückbaren Charaktergegensätzen unter Tränen und bösen Worten gescheitert ist, stehen sie vor der Wahl, ob sie quasi sehenden Auges noch einmal in das Drama dieses Liebesfilms einsteigen wollen. An einem bestimmten Punkt erkennen die Liebenden die Kostbarkeit all dieser lust- und schmerzvollen Momente und entscheiden sich, sich noch einmal zu lieben, entscheiden sich quasi für eine Illusion, die sie längst als Illusion erkannt haben, für die »Maya«, für die Rückkehr in die »Matrix«. So ergibt auch der viel gescholtene Schluss der Matrix-Trilogie (»Revolutions«) einen Sinn, in dem die Menschen mit den sie ausbeutenden Maschinen Frieden schließen. Wir Menschen können uns entscheiden, ob wir aus dem »Film« aussteigen wollen (was wahrhaftiger ist) oder ob wir weiter mitspielen wollen (was sich unter Umständen bunter und spannender gestaltet). Eine Kompromisslösung bestünde darin, dass wir uns an den Spielen der Matrix erfreuen, dabei aber stets das volle Bewusstsein dessen besitzen, dass alles nur ein Spiel ist – vielleicht ja auch nur so lange, wie die Kräfte reichen, bis sich unsere Seelen müde getanzt haben. Eine solche Haltung des kalkulierten Wiedereintauchens in die Illusion würde man dann vielleicht ein »erwachtes Leben« nennen. Wir wären, um wieder Morpheus zu zitieren, Menschen, die das, was sie sehen, hinnehmen, weil sie damit rechnen, dass sie wieder aufwachen.
von Roland Rottenfußer
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