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Was ist Zen?
Selbst wenn wir alles erreicht hätten, was wir uns wünschten, wären wir immer noch nicht zufrieden. Genau das ist die Ursache unseres Unbehagens, vor allem innerhalb einer Gesellschaft, die uns alles verspricht, uns des Wesentlichen aber beraubt.
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Das Erwachen Selbst wenn wir alles erreicht hätten, was wir uns wünschten, wären wir immer noch nicht zufrieden. Genau das ist die Ursache unseres Unbehagens, vor allem innerhalb einer Gesellschaft, die uns alles verspricht, uns des Wesentlichen aber beraubt. |
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Zen ist nicht eine Erkenntnis, die man mit anderen vergleichen kann, weniger noch Gegenstand intellektueller Spekulation oder Diskussion. Es ist das allerintimste und kann nur eine ganz persönliche Erfahrung sein, etwas, das niemand an unserer Stelle tun kann. Das heißt, man muss Zazen praktizieren: sich auf ein rundes Kissen in richtiger Haltung setzen, die Wirbelsäule so gerade wie möglich, mit gekreuzten Beinen und völlig unbeweglich; an einem ruhigen Platz und in der Stille, langsam und tief atmen und so den bewegten Geist zur Ruhe bringen, abklären. Man spürt sehr schnell die wohltuende Wirkung; die Sorgen des Alltags ärgern nicht mehr; sie entfernen sich und erscheinen schließlich als das, was sie sind: als unbedeutende kleine Wellen auf der Oberfläche unseres Selbst. |
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Nach und nach tritt Gewissheit anstelle von Angst, eine nie zuvor gekannte Ruhe macht dem ständigen unruhigen Stürmen Platz, ein erstes Anzeichen von innerer Klarheit. Allmählich zeigt sich das Gefühl von Erleichterung, von wiedergefundenem Gleichgewicht. Und das geschieht tatsächlich. Das bestätigen heute Mediziner der Universitäten in Tokio, Europa und Amerika, die die physiologischen Auswirkungen von Zazen an Meditierenden untersucht haben. Die Kontrolle über den Atem verlangsamt und beruhigt den Herzrhythmus, reguliert den Kreislauf, vermindert die Spannung. Bei tiefer Ausatmung werden die Rückstände an Kohlenstoff aus den Lungen ausgestoßen, der dort gewöhnlich festsitzt und Nervosität und Angst hervorruft; der Milchsäuregehalt im Blut, der mit ein Aggressivitätsfaktor ist, verringert sich spürbar, während das Strecken der Wirbelsäule dieser ihre Geschmeidigkeit wiedergibt und die von ihr ausgehenden Nervenstränge freilegt.
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Selbsterkenntnis Am Anfang dieses Erwachens steht die Selbsterkenntnis. Dies ist und war das Wesentliche vieler Philosophen, von denen Sokrates der berühmteste war. Diese Suche nach Selbsterkenntnis aber führte zur Stärkung des Ego und zum Individualismus. Heute, nach den Entdeckungen der Tiefenpsychologie, hat sich die Konzeption des Ich und des Selbst weiterentwickelt und darf sich weder auf eine objektive, rationale Untersuchung des Bewusstseins noch auf eine rein intellektuelle Analyse beschränken. Außerdem kann der Mensch scheinbar nicht mehr so weiterleben, indem er sich lediglich an die äußeren sozialen, religiösen und moralischen Werte hält. Er hat das Bedürfnis nach einer inneren Verbundenheit, die er in seiner Tiefe spürt. Das Leben in der Gesellschaft erzieht die Menschen nach Bedingungen, die ihnen beibringen, über gut und böse nach Maßstäben zu urteilen, die mehr eine erworbene Gewohnheit als wahrhaft gelebte Erkenntnis sind. Mehr und mehr wird man sich heute dieser Tatsache bewusst, und dies ist einer der wichtigsten Faktoren für das allgemein empfundene Unbehagen. Dies führt zu einer stärkeren und persönlicheren Suche und bringt uns auf andere Weise zu dem Problem: "Was ist die Natur des Menschen und des Universums? Was ist das Leben? Was ist der Tod?" Weder die Wissenschaft noch die Religion haben im Laufe der Menschheitsgeschichte eine Antwort darauf gefunden. Wir, mit Körper und Geist, sind das "Leben". Das ist die Antwort des Zen. "Klar sehen in unserem Geist". Wenn wir diese Einheit tief in uns verwirklichen und leben, können wir die Quelle des Lebens in uns selbst finden, "hier und jetzt". Dieses Lebensgefühl ist das universelle in uns und wir im universellen, jenseits des Ego, jenseits von Leben und Tod, in gegenseitiger Verflechtung aller Wesen. Dieses Gefühl von universeller Einheit liegt der Liebe zugrunde, die alles lebendige miteinander verbindet.
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Lebensweise Zen läutert die gesunden Triebe des Menschen und hebt sie auf ihre höchste Stufe. Das kann dazu beitragen, die Krise der modernen Zivilisation zu überwinden, nicht nur im tiefen Bewusstsein jedes einzelnen, sondern im Bewusstsein der ganzen Menschheit. Zen stärkt in hohem Maße das Selbstbewusstsein und den inneren Frieden; man gibt den individuellen Egoismus auf und lernt, seinen Geist zur Ruhe zu bringen; so kann man Zugang finden zum ewigen Fluss des Wirkens und der Energie, und zum intuitiven Wissen.
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Tätigkeit "Aus der im "Hier und Jetzt" manifestierten Spontaneität entspringt die schöpferische Tätigkeit wie auch eine höchst realistische und angemessene Lebenshaltung." (Akira Onda, Prof. für Psychologie) Das tägliche Leben beruht im Zen auf der Spontaneität und der Übung der körperlichen Konzentration, nicht des Denkens. Es ist schöpferisch. So kann derjenige, der Zazen übt, “hier und jetzt” seine Fähigkeiten verwirklichen, da er zu seiner wahren Natur erwacht und er ganz selbst wird. Die Kreativität ist nicht nur Sache des Genies; jedes Kind ist spontan schöpferisch, jeder sollte es in seinem eigenen Leben wieder werden. |
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Wirksamkeit Aber den Geist reinigen bedeutet nicht, dass man alle Aktivität lassen soll. Zen ist keine Methode zum Ausweichen oder fliehen. Im Gegenteil, die Praxis des Zazen, die unsere Energie zur Entfaltung bringt, konzentriert sich auf den jeweiligen Moment und erlaubt uns, unserer alltäglichen Wirklichkeit mit einer Ruhe, einem Scharfblick, einer Objektivität zu begegnen, derer wir uns nicht für fähig hielten und die uns überrascht. So stellt sich bei Schwierigkeiten und Problemen die richtige und wirksame Reaktion von selbst spontan ein, denn wir sind frei von inneren Sperren, die uns zuvor unzugänglich machten. In der Tat selbst finden wir unseren wahren Frieden, und umgekehrt, der Friede ist Tat.
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Freiheit Die Grenzen seiner eigenen Konflikte überschreiten, sich eins fühlen mit allen anderen und natürlich sein, das ist der Weg der Freiheit. Die wahre Freiheit ist in uns. Sie ist das Vertrauen in sich selbst. Es ist möglich, sich Regeln anzupassen und dennoch frei zu bleiben.
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Religion Zen ist das Hauptkapitel im gesamten Buddhismus. Aber vor allem ist es im Wesentlichen der Kontakt mit dem Absoluten in uns selbst; das Erwachen zur Wirklichkeit jenseits aller sichtbaren Erscheinungen, das Begreifen unserer tiefen, unsichtbaren menschlichen Natur. Darum ist Zen universell.
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