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Obwohl eng mit dem Buddhismus verbunden, ist Zen keine Religion, sondern ein praktischer Übungsweg, der zur Einheitserfahrung der nicht-dualen Wirklichkeit führt. Als christliche Ordensleute wie Hugo Enomiya-Lassalle und Willigis Jäger sich in den 1970er und 80er Jahren in Japan auf den Zen-Weg einließen, weckten sie im Westen ein neues Verständnis für und Interesse an Praktiken der christlichen Mystik, wie z.B. Herzensgebet und Kontemplation. Egmont Einofski beschreibt einige wesentliche Gemeinsamkeiten dieser zwei spirituellen Wege.
In unseren Tagen erlebt die von vielen längst tot geglaubte Mystik eine Auferstehung. Während man sich in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts überwiegend mit den gesellschaftlichen Problemen beschäftigte, begann die Jugend, der Politik überdrüssig geworden, sich den Themen Spiritualität, Meditation und Transzendenz zuzuwenden. In dem bereits 1976 bei Herder erschienenen Taschenbuch „Die Suche nach dem anderen Zustand – Wiederkehr der Mystik?“ schrieb der Herausgeber Gerd-Klaus Kaltenbrunner: „Westliche Intellektuelle, aber auch namhafte Naturwissenschaftler und Management-Experten fühlen sich in zunehmendem Maße von den Lehren des Buddhismus, Hinduismus und Taoismus angezogen... Manche Beobachter sprechen angesichts dieser und ähnlicher Vorgänge bereits von einem ‘Aufbruch des religiösen Geistes‘, der die noch vor kurzem vor allem von Theologen gehegte Erwartung eines ‘religionslosen Zeitalters‘, eines völligen Endes der Religion, Lügen strafe. Allerdings wird meistens hinzugefügt, dass sich dieser religiöse Aufbruch unter mystischen Vorzeichen fast durchweg außerhalb oder am Rande der etablierten christlichen Kirchen abspielt... Unübersehbar ist der Einfluss nichtchristlicher, vor allem fernöstlicher Überlieferungen in die westlichen Gesellschaften – ein Einfluss, von dem Schopenhauer, der als erster Kant und Platon mit Buddha zusammenbrachte, kaum zu träumen gewagt hat.” Es muss wohl im Wesen der mystischen Erfahrung liegen, dass Mystiker aller Zeiten stets mit der etablierten Religion in Konflikt kamen. Kaltenbrunner schreibt: „In der Verachtung, die der konfuzianische Mandarin dem Taoismus entgegenbringt, in dem Misstrauen der römischen Kirche gegenüber den Lehren Meister Eckharts, in der Ächtung des sufistischen Ekstatikers Al-Halladsch durch die islamische Orthodoxie, im Kampf des Görlitzer Hauptpastors Gregorius Richter gegen den eigenwilligen Schuster-Theosophen Jakob Böhme – in den verschiedensten Epochen, Kulturen und Religionen lässt sich jener Gegensatz zwischen institutionalisierter Lehre und freischwebender Mystik, zwischen dogmatischem Gesetz und subjektiver Spiritualität, zwischen vorgegebenem Buchstaben und visionärer Erleuchtung, zwischen hierarchischer Ordnung und charismatischer Anarchie nachweisen... Vielen Theologen erscheint Mystik geradezu als Teufelsgeschenk. Sie war und ist häresieverdächtig“.
Gott als unser ureigenes Wesen erleben In jeder Religion gibt es auch Mystik. Aber die Mystik als innere Erfahrung übersteigt die Religion. Sie drückt das aus, was der Religion zugrunde liegt, ihr innerstes und ureigentliches Wesen. Letztlich sind die Aussagen Jesu, wie sie uns durch Johannes übermittelt wurden, oder die des Paulus nur von einer tiefen mystischen Erfahrung her zu begreifen. Jesus machte Aussagen, die uns Heutigen zwar sehr vertraut sind, aber für die Theologen seiner Zeit ungeheuerlich und blasphemisch waren. So wenn er z.B. in Johannes 10,30 sagt: „Ich und der Vater sind eins.“ Oder in Johannes 14,9: „Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen.“ Und wenn Paulus in Römer 11,36 darauf hinweist, dass aus Gott, durch ihn und in ihm das ganze All ist. Oder wenn er in seiner Rede auf dem Areopag in Athen seinen Hörern zuruft: „Ihr seid Götter!“ Alle diese Aussagen kann man nicht machen ohne die Erfahrung der Unio mystica, bei der Gott nicht mehr als Gegenüber, sondern als das ureigenste Wesen erlebt wird. In der Frühzeit des Christentums gab es eine sehr große Anzahl von Menschen, die mystische Erfahrungen hatten. Man denke dabei nur an die gnostischen Christen, die lange Zeit innerhalb der christlichen Ekklesia ihren Platz hatten. Allmählich jedoch wurden all diese Mystikerinnen und Mystiker aus der Kirche herausgedrängt, und auf verschiedenen Synoden wurde der „rechtmäßige“ orthodoxe Glaube festgelegt. Zum Beispiel wurde die frühchristliche Lehre von der Präexistenz der Seele, also der Existenz bereits vor der Geburt, die noch der bedeutende Kirchenlehrer Origenes vertrat, im Jahre 553 in Konstantinopel verurteilt.
Leerwerden mit Beharrlichkeit Es hat immer wieder in der Geschichte des Christentums Menschen gegeben, die mystische Erfahrungen hatten und die auch darüber berichteten. Ein syrischer Mystiker des 5./6. Jahrhunderts veröffentlichte unter dem Pseudonym Dionysius Areopagita verschiedene mystische Bücher in griechischer Sprache. In einer seiner Schriften, der „Mystischen Theologie“, schreibt Dionysius an seinen Schüler: „Du aber, lieber Timotheus, lass nicht ab, dich den geheimnisvollen Betrachtungen hinzugeben. Den Sinneswahrnehmungen gib (auf diese Weise) ebenso den Abschied wie den Regungen deines Verstandes; was die Sinne empfinden, dem entsage ebenso wie dem, was das Denken erfasst, dem Nichtseienden ebenso wie dem Seienden. Statt dessen spanne dich auf nicht-erkenntnismäßigem Wege, soweit es irgend möglich ist, zur Einung mit demjenigen hinauf, der alles Sein und Erkennen übersteigt. Denn nur wenn du dich bedingungslos und uneingeschränkt deiner selbst wie aller Dinge entäußerst, wirst du in Reinheit zum überseienden Strahl des göttlichen Dunkels empor getragen, alles loslassend und von allem losgelöst.“ Dies klingt sehr stark an das an, was uns von den großen fernöstlichen Meistern des Zen überliefert wurde. So heißt es in einem Brief des chinesischen Zen-Meisters Yüan-wu (12. Jh.): „Es gibt diesen einen Weg, der offen und ohne Hindernis durch und durch führt, und du kannst ihn betreten, wenn du alles hingibst – deinen Leib, dein Leben und alles, was zu deinem geheimsten Selbst gehört. So gewinnst du den Frieden, die Wonne, das Nicht-Handeln und unbeschreibliches Glück.“
Zur Erkenntnis des Einen erwachen Einer der bedeutendsten christlichen Mystiker war Meister Eckhart, der im 13./14. Jahrhunderts lebte. In einer seiner zahlreichen Predigten sagte er: „Wie sind wir denn ‘Söhne Gottes’? Dadurch, dass wir ein Sein mit ihm haben. Damit wir dies nun aber auch verstehen, dass wir der Sohn Gottes sind, dazu muss man äußeres und inneres Erkennen unterscheiden. Das innere Erkennen ist dasjenige, das sich als vernunftgemäß im Sein unserer Seele fundiert. Es ist selber nicht das Sein der Seele, vielmehr wurzelt es darin und ist etwas von ihrem Leben. Wir sagen, dieses Erkennen sei etwas vom Leben der Seele, und meinen damit vernünftiges Leben, und in diesem Leben wird der Mensch als Gottes Sohn und zum ewigen Leben geboren. Und dieses Erkennen ist ohne Zeit, ohne Raum, ohne Hier und Jetzt. In diesem Leben sind alle Dinge eins und alle Dinge miteinander alles in allem und alles in allem geeint.“ Auch bei diesen Worten werden wir an einen der bedeutendsten Zen-Meister, Huang-po (9. Jh.), erinnert, der Folgendes sagte: „Es existiert nur der Eine Geist und kein Teilchen von irgendetwas anderem, an das man sich klammern könnte. Denn dieser Geist ist Buddha. Wenn ihr Schüler auf dem Weg nicht zu dieser Geistsubstanz erwacht, werdet ihr den Geist mit begrifflichem Denken überlagern, den Buddha außerhalb von euch suchen und gebunden bleiben an Formen, fromme Übungen und anderes, was schädlich und keineswegs der Weg der höchsten Erkenntnis ist.“ In einem der frühesten Zeugnisse des Christentums, dem Thomas-Evangelium, findet sich die wohl kürzeste Aussage Jesu überhaupt. Sie lautet: „Werdet Vorübergehende!“ Und an einem Torbogen in Nordindien fand man die Worte Jesu: „Diese Welt ist eine Brücke. Gehet hinüber, aber bleibt nicht auf ihr stehen!“ Dies bedeutet, nicht an dieser Welt und all ihren Gütern anzuhaften. Man kann die Dinge dieser Welt haben, aber sich gleichzeitig ihrer Vergänglichkeit bewusst sein und auf diese Weise nicht an ihnen haften. Dasselbe meint auch Zen-Meister Huang-po, wenn er sagt: „Schon der leiseste Wunsch, an diesem oder jenem festzuhalten, schafft gedankliche Symbole, die euch in vielfältige Wiedergeburten zurückführen. Darum sei eure symbolische Vorstellung die der Leere; dann wird sich euch die wortlose Lehre des Zen offenbaren.“
Durch das Tor der Stille eintreten Spätestens bei diesem Satz wird mir bewusst, welche Schwierigkeit es bereitet, über solche Dinge etwas schreiben zu wollen. Man kann es letztlich nur selbst in seinem innersten Wesen erfahren. Menschliche Worte vermögen es nicht auszudrücken, was Paulus im 1. Korintherbrief 2,9 so ausdrückt: „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: Das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“ Auch unser Zen-Meister Huang-Po weist in die gleiche Richtung, wenn er sagt: „Volles Begreifen kann nur durch ein unausdrückbares Mysterium kommen. Der Zugang zu ihm heißt das Tor zur Stille jenseits aller Tätigkeit. Willst du dies verstehen, dann wisse, dass ein plötzliches Begreifen aufblitzt, wenn der Geist vom Gestrüpp der gedanklichen und unterscheidenden Denktätigkeit gereinigt ist. Wer die Wahrheit mit Hilfe des Intellekts und von Gelehrsamkeit sucht, wird sich nur immer weiter von ihr entfernen.“ Hier ist es nun sehr hilfreich, was ein bedeutender Zen-Meister unserer Zeit, Zensho W. Kopp, in seinem Werk „Zen und die Wiedergeburt der christlichen Mystik“ (siehe Lese-Tipps) dazu ausführt: „Wir dürfen jetzt diese Worte Huang-pos aber nicht dahingehend missverstehen, dass man überhaupt nicht mehr denken soll. Es besteht nicht die geringste Notwendigkeit, unsere intellektuellen Möglichkeiten zu unterdrücken oder das freie Fließen unserer Gedanken mit der Fähigkeit vernunftgemäßer Betrachtung zu unterbinden. Man sollte sich nur der Grenzen allen begrifflichen Denkens bewusst werden. Wir unterliegen einem verhängnisvollen Irrtum, wenn wir – wie es heute leider bei vielen westlichen Vertretern des Zen üblich geworden ist – glauben, unseren Intellekt negieren zu müssen. Viele sind allen Ernstes der Ansicht, man bräuchte nur den ‘bösen Intellekt‘ zu unterdrücken, und schon würde sich das heißersehnte Nirvana offenbaren. Bezeichnenderweise ist es so, dass die Erfahrung lehrt, dass gerade diejenigen, die niemals einen besonders ausgeprägten Intellekt hatten, am schnellsten bereit sind, ihn wegzuwerfen. Es kann aber nicht nachdrücklich genug darauf hingewiesen werden, dass dies mit wirklicher Zen-Praxis nicht das Geringste zu tun hat.“
Das Denken nicht verdrängen, sondern übersteigen Zensho W. Kopp gelangt zu der abschließenden Feststellung: „Es geht niemals darum, das Denken zu verdrängen, sondern darum, das Denken zu übersteigen. Denn nur wer in seinem geistigen Ringen bis an die Grenzen des Denkens gelangt ist, wird hierzu fähig sein und den Sprung in die ‘Große Leere‘ wagen. Es ist der Sprung in den unermesslichen Urgrund des göttlichen Seins. Wenn wir uns des begrifflichen Denkens in dieser Weise entledigen, dann wird sich unser wahres Selbst in seiner ganzen Herrlichkeit offenbaren, und wir sind zur Quelle allen Seins zurückgekehrt.“ Es kommt also nicht darauf an, unser Denken auszuschalten, sondern alle unsere Vorstellungen, alle unsere Konditionierungen, zu übersteigen. Die christlichen Mystiker drücken es mit den Worten aus: „Freund, steig höher hinauf“ oder: „Du musst von einem Licht fort in das andre gehn!“ Sie alle wussten darum, von welch großer Bedeutung ein immerwährendes Umdenken ist. Denken wir an Jesus, der seinen Weg mit den Worten begann: „Denket um, denn das Königreich Gottes ist nahe herbeigekommen!“ Dieses geistige Königreich ist kein Ort, den man irgendwo lokalisieren kann; es ist ein geistiger Bewusstseinszustand. Im Thomas-Evangelium sagt Jesus: „Wenn eure Anführer euch sagen: Seht, das Königreich ist im Himmel, dann werden die Vögel des Himmels euch zuvorkommen. Wenn sie sagen: Es ist im Meere, werden die Fische euch zuvorkommen. Aber das Königreich ist inwendig in euch und außerhalb von euch. Wenn ihr euch erkennt, dann werdet ihr erkannt werden, und ihr werdet wissen, dass ihr die Söhne (und Töchter) des lebendigen Vaters seid. Wenn ihr euch aber nicht erkennen werdet, dann seid ihr in Armut, und ihr seid die Armut.“
Hingabe und der beglückende Durchbruch Immer wieder lesen wir im Neuen Testament von der Freude, und nicht ohne Grund bedeutet das Wort „Evangelium“ ja „frohe Botschaft.“ Leider hat die Kirche oft aus dieser Frohbotschaft eine Drohbotschaft gemacht. Dies ist jedoch unvereinbar mit dem Denken der Urchristenheit. Paulus weist immer wieder darauf hin, wie wichtig es ist, dass wir uns immerdar freuen. In Philipper 4,4 fordert er uns dazu auf: „Freuet euch in dem Herrn immerdar. Wiederum will ich sagen: Freuet euch!“ Zen-Meister Zensho W. Kopp schreibt: „Eine wesentliche Voraussetzung zur Erkenntnis der Wahrheit ist die ruhige, vertraute Heiterkeit der Seele. Denn um zur Erkenntnis zu gelangen, muss die Seele, die unruhig und verwirrt gewesen ist – weil sie voll war von religiösen Formeln und gehirnakrobatischen Spekulationen –, rein und heiter werden.“ Der Weg zur Befreiung führt über die Hingabe an die göttliche Wirklichkeit. Dies finden wir in allen Hochreligionen. Um zu dieser absoluten Hingabe fähig zu werden, ist es jedoch notwendig, dass wir unserem alten Wesen absterben. In der christlichen Mystik wird dies der mystische Tod genannt. Zen-Meister Hakuin (18. Jh.) schreibt darüber: „Der Übende kommt dahin, dass sein Geist wie tot, sein Wille wie erloschen ist; weite Leere über einem steilen Abgrund, kein Halt für Hände und Füße. Alle Gedanken schwinden, in der Brust steigt heiß die Angst auf. Da plötzlich zerbricht zugleich Geist und Leib. Dieser heißt der Augenblick des Loslassens über dem Abgrund. Die große Freude wallt auf. Dies heißt Wiedergeburt im Reinen Land, dies heißt Schauen der eigenen Natur.“ Dazu Zen-Meister Zensho W. Kopp: „Beim Hören von diesem dem Erleuchtungserlebnis stets vorausgehenden Zustand des großen Zweifels, mag manch einem das Gefühl von geistigem Unbehagen und Furcht überkommen. Doch ist zu bemerken, dass es nichts Beglückenderes geben kann als das Hindurchbrechen durch die Wahnvorstellung einer raum-zeitlichen, vielheitlichen Welt in die grenzenlose Weite des Einen Geistes.“ Der Görlitzer Mystiker Jakob Böhme schildert, wie sein Geist nach hartem Sturme durchgebrochen sei durch die Pforten der Hölle bis in den innersten Grund der Gottheit: „Was aber für ein Triumphieren im Geist gewesen, kann ich nicht schreiben oder reden. Es lässt sich auch mit nichts vergleichen als nur mit dem, wo mitten im Tod das Leben geboren wird und vergleicht sich der Auferstehung von den Toten... In diesem Licht hat mein Geist alsobald durch alles gesehen und an allen Kreaturen, sowohl an Kraut und Gras Gottes erkannt, wer der sei, und was sein Wille sei.“
Ein Leben ohne Schablonen ohne Fesseln Ich möchte noch bemerken, dass wir „Westler“ vom Zen sehr viel lernen können, uns selbst zu erkennen und unser eigenes Wesen besser zu verstehen. Dazu müssen wir auf keinen Fall Buddhisten werden. Zen ist keine Religion, sondern im Zen geht es um die persönliche Erfahrung, ebenso wie in der echten christlichen Mystik. Ich erwähne absichtlich die echte christliche Mystik, denn es gab im Raum der Kirche auch sehr viel irregeleitete Mystik, die die Menschen nicht zu wahrer innerer Befreiung führte. Deshalb meint van der Leeuw: „Die Mystik der Kirche ist eine gehemmte Mystik.“ Wir müssen wieder zum Ursprung des christlichen Glaubens gelangen, und auf diesem Wege kann uns Zen eine entscheidende Hilfe sein. Zum Abschluss dieses Artikels möchte ich nochmals Zen-Meister Zensho W. Kopp zu Wort kommen lassen: „Im Zen liegt nichts Besonderes oder Geheimnisvolles, es offenbart sich gerade in den allergewöhnlichsten Dingen des Alltags. Es ist stets gegenwärtig – gerade in diesem Augenblick. Im Trinken eines Glases Wasser oder beim Binden meiner Schnürsenkel – liegt das ganze Geheimnis und Wunder des Zen. Ein alter Zen-Spruch lautet: ‘Wundervolle Taten und Handlungen voller Wunder! Ich schöpfe Wasser und trage Brennholz.‘ Dies ist aber nur für denjenigen erfahrbar, der aus dem Augenblick heraus die Dinge erlebt. Deshalb heißt es im Zen: Erfasse den Augenblick, und sei jetzt-hier! Mit anderen Worten: Erkenne alles so wie es ist, und halte dich nicht an der Schablone deiner dualistischen und eingrenzenden Betrachtungsweise fest! Zen ist ein Leben ohne Fesseln, ein Leben in Freiheit und ist die Freiheit selbst. Lassen wir unsere selbst geschaffenen Ketten des anhaftenden, kleinen Ichs zerbrechen, und das wahre Selbst erstrahlt in seiner ganzen Herrlichkeit – allumfassend und alles durchdringend. Unser ursprüngliches wahres Wesen ist vollkommen frei und ohne die geringste Unterscheidung und Gegensätzlichkeit. Es ist allgegenwärtig, still und rein und äußert sich als geheimnisvolle, friedvolle Freude. Es ist das, was wir in jedem Augenblick unseres Lebens vor uns haben, in der ganzen Vollkommenheit des göttlichen Seins, ohne dass wir uns dessen bewusst sind.“
Autor: Egmont Einofski
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Egmont Einofski leitet den Gnosis-Verlag (mit Sitz in Wiesbaden), in dem die Bücher des Mystikers und Gnosis-Forschers Ewald Nörr (1905-1972 erscheinen. Herausgabe der Zeitschrift GNOSIS. Website: www.gnosis-verlag.de
Zensho W. Kopp ist der direkte Dharma-Nachfolger des 1977 verstorbenen Zen-Meisters Soji-Enku. Er hat bereits mehrere Bücher über Befreiung auf dem Zen-Weg verfasst und unterweist als Leiter des Zen-Zentrums Tao Chan in Wiesbaden eine große Gemeinschaft von Schülern. Kontakt: Tao Chan Zentrum, Yorckstr. 6, D-65195 Wiesbaden, www.tao-chan.de
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