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Christliche Spiritualität als Übungsweg
Viele Menschen spüren heute oft unbewusst in ihrem Dasein ein inneres Defizit, eine innere Leere, die sich immer mehr ausbreitet: Wer nur noch im Kopf lebt, verliert wesentliche Dimensionen seines Menschseins und damit die Fähigkeit zu echten Gefühlen, echten Emotionen, echter, erfüllender Spontaneität.
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Viele Menschen spüren heute oft unbewusst in ihrem Dasein ein inneres Defizit, eine innere Leere, die sich immer mehr ausbreitet: Wer nur noch im Kopf lebt, verliert wesentliche Dimensionen seines Menschseins, und damit die Fähigkeit echter Gefühle, echter Emotionen, echter, erfüllender Spontaneität. Nicht umsonst greifen deshalb heute so viele Menschen nach Angeboten, die ihnen versprechen, etwas von diesem Defizit ergänzen zu können. Oft ist dieses Gespür mehr unbewusst als bewusst - aber sie beginnen, nach etwas zu suchen, was ihnen vielleicht helfen könnte. Vielleicht entdecken sie eines Tages, dass es nicht nur außerhalb der Kirche, sondern auch in der Kirche Angebote gibt, welche für sie hilfreich sein können. Wenn ich Teilnehmer/innen von Tagen der Stille nach ihrer Motivation für solch einen Kurs frage, kehren einige Begründungen immer wieder, etwa: Gesundheit beginnt innen Was steht hinter solchem Suchen? Immer deutlicher meldet sich das Gespür, dass der Mensch nur dann auf die Dauer innerlich gesund bleibt, Es sind Menschen mit hohen Erwartungen, welche sich für Tage der Stille, für Einkehrtage, Retraiten oder Exerzitien anmelden. Sie erwarten vieles für ihr Leben und für ihren christlichen Glauben - sie hoffen, etwas von ihren Defiziten ausgleichen zu können. Das gilt nicht nur für Erwachsene - das gilt besonders für Jugendliche in ihrer hohen Sensibilität für das, was Leben eigentlich sein sollte. Tausende von ihnen finden sich bei den Kirchentagen im Geistlichen Zentrum zu Meditationsangeboten ein: "Ich musste mal raus aus dem Trubel - hier will ich zur Ruhe kommen", sagte einer und sprach aus, was die meisten dachten. Und dann erleben sie in einer Meditation vielleicht erstmals, was sich in ihnen abspielen kann, wenn sie einmal die Stille aushalten, und sei es nur für 20 - 30 Minuten gemeinsamen Schweigens. Nicht durch Belehrung oder theoretisch, sondern im eigenen Vollzug eröffnen sich ihnen neue Dimensionen: Ganz in der Stille sein Was sich in kurzen Meditationsangeboten ereignet, bekommt seine tiefere Fülle dort, wo sich jemand für einige Tage auf diesen inneren, spirituellen Weg einlässt. Beglückende Erfahrungen sind oft wie ein kurz aufleuchtender Berggipfel, den es nun zu besteigen gilt, mit allen Mühen, die das kostet - und die man doch gern auf sich nimmt, weil das Ziel so leuchtend vor Augen stand. Wo ich es mir (und damit auch immer zugleich meinen Mitmenschen) schenke, einmal für einige Tage ganz in die Stille zu gehen, dort bietet sich oft ein neuer Blick auf den Weg, der zum ersehnten Gipfel führt. Dazu werden Tage der Stille angeboten - und immer wieder öffnen sie überwältigende Ausblicke auf das Ziel gelungenen Mensch- und Christseins. Noch intensiver geschieht das dort, wo sich jemand in Einzelexerzitien darauf einlässt, dort für eine Reihe von Tagen nach seinem ureigenen Weg vor Gott zu suchen - mit Hilfe eines Begleiters, der ihm auf diesem Weg zur Seite steht. Das schließt aber in sich, dass der eigentliche Weg, Schritt um Schritt - nicht in solchen "Oasen" gegangen wird, sondern mitten im Alltag des persönlichen Lebens, der nur allzu oft "Wüste" ist. Die Nachfrage nach Angeboten, wie ich mitten in meinem Alltag mein Leben als Christ vertiefen, wie ich dort meinen spirituellen Weg gehen kann, ist in den letzten Jahren gewachsen. Briefkursangebote - eine Art spiritueller Weg im "Fernunterricht" - wurden von unterschiedlichsten Menschen und Gruppen intensiv in Anspruch genommen. Ob es eine Zeit von vier Wochen oder ein Raum über 15 Wochen war - wer sich für diese Zeit darauf einließ, täglich 20 - 30 Minuten vor Gott in die Stille zu gehen, und am Ende jeder Woche noch einmal zurückzublicken und neu das Ziel ins Auge zu fassen, erfuhr sich nach dieser Zeit auf einem neuen Abschnitt seines spirituellen Weges. Drei Voten - unter vielen anderen - nach dem Abschluss des letzten, sich über vier Wochen hin erstreckenden Briefkurses - möchte ich an den Schluss stellen: Solches - und vieles andere - kann dort geschehen, wo ein Mensch sich für eine bestimmte Wegstrecke auf Gott einlässt. Was könnte aus unserem Leben werden, wenn wir mehr und mehr unseren gesamten Alltag in diesen Prozess einzubeziehen übten? Der konkrete Alltag ist das Übungsfeld für den spirituellen Weg, für den geistlichen Weg der Nachfolge Christi - wenn ich den Samen des Wortes Gottes in ihm Wurzel schlagen lasse. Das aber geschieht in der täglichen Zeit der Stille vor Gott. |


