Christliche Meditation

Karin Johne

'Meditation' ist seit einigen Jahren zu einem Modewort geworden. Weithin verbindet man heute diesen Begriff mit fernöstlichen Religionen. Das Suchen der Menschen in unserer heutigen Zeit nach alternativen Lebensmöglichkeiten ist groß.

"Meditation" ist seit einigen Jahren zu einem Modewort geworden. Weithin verbindet man heute diesen Begriff mit fernöstlichen Religionen. Das Suchen der Menschen in unserer heutigen Zeit nach alternativen Lebensmöglichkeiten ist groß. Vielerorts vermögen die heutigen konfessionellen Kirchen diesen inneren Bedarf der suchenden Menschen nicht mehr abzudecken, aus welchen Gründen auch immer. Man unterscheidet zwischen den "exoterischen" (nach außen gerichteten) Wegen (die man in den Kirchen zu erleben meint) und den "esoterischen" (nach innen gerichteten) Wegen (die man in den fernöstlichen Religionen z.B. des Buddhismus zu finden hofft).

Das Suchen im fernen Osten geht bis in die Klöster und die Ordensgemeinschaften hinein. Gerade dort hat man nun aber wieder neu ins Bewusstsein genommen, dass es von Urbeginn an in der christlichen Kirche auch die "esoterische", die meditative Richtung gegeben hat. Buddhistische Zen-Meister haben Christen, die zu ihnen kamen, daran erinnert, dass es bereits seit den Anfängen, seit dem Neuen Testament die christliche Mystik gibt, die den esoterischen Weg geht.

Deshalb ist es vor etwa 30 Jahren in den christlichen Kirchen zu einer "Meditationswelle" gekommen, die bis heute in unterschiedlichsten Formen Kurse anbietet: Meditationskurse, Exerzitienkurse, Retreats, Stille Tage, Tanzkurse, Bibliodramakurse und manches andere, darunter auch Schweigekurse, die aber auf bewusst christlicher Basis gründen.
Christliche Meditation und christliche Meditationskurse (auch in Form von "Exerzitien im Alltag") werden von Menschen gesucht, die "einmal zur Ruhe kommen möchten", die wieder einmal "auftanken möchten", welche spüren, dass das heutige leistungsorientierte Leben doch letztlich nicht im tiefsten befriedigen kann, kurz gesagt, dass es doch noch ein "Mehr" geben müsste, nach dem sich jeder Mensch im tiefsten sehnt.

Im Unterschied zur fernöstlichen Meditation weiß christliche Meditation, dass der Mensch Gott in seinem tiefsten Herzen finden kann, dass Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist, und dass ich in der Meditation einem Du begegnen kann, von dem ich unermesslich geliebt bin, ein Gott, der selbst Mensch wurde, weil er den freien, verantwortlichen und ganzheitlichen Menschen will.

Und vielleicht ist es auch unter anderem dieses, was viele Menschen den Kirchen entfremdet hat, dass oft in der christlichen Kirche häufiger von einem strafenden Gott die Rede war als von dem Vater Jesu Christi, der die Liebe selbst ist und nichts anderes als Liebe - und dessen tiefstes Anliegen es ist, den Menschen in die Freiheit und Eigenverantwortung zu führen (neben manchem anderen).

Aber da auch das Wort "Liebe" heute in so vielfältigen und oft so verflachten Formen benutzt wird, ist es ja vielen Menschen auch gar nicht mehr bewusst, wie sehr sie sich in ihrem tiefsten Herzen nach Liebe und Geliebtwerden sehnen, so bleibt oft nur das unbestimmte Gefühl, dass es doch noch ein "Mehr" geben müsste. Es besteht kein Zweifel, dass in vielen Menschen heute unerfüllte Sehnsucht vorhanden ist, die nur zu oft verdrängt wird.

Aber zu einem "heilen Leben" gehört eben auch, dass der Mensch seinen verdrängten Wünschen und Sehnsüchten Raum gibt, weil durch eben diese Verdrängungen eine Menge von Kräften gebunden werden, die dann für ein gelingendes Leben fehlen.

Also als Fazit: Christliche Meditation kann helfen, mehr und mehr von innen her "ganz" und "heil" zu werden, tiefste Sehnsüchte erfüllt zu bekommen.

Vielfältige Angebote gibt es in Häusern der Stille und in vielen Klöstern: Meditationskurse, Exerzitien, Retreats; darüber hinaus empfiehlt sich regelmäßige Meditation zu Hause (Exerzitien im Alltag, Briefkurse zur Anleitung zum täglichen betenden Meditieren über mehrere Wochen hinweg, Stille Tage, stille Bibelmeditation zu Hause mit Anleitungen).

Bei psychisch kranken Menschen kann Meditieren eine Hilfe sein. In besonderen Fällen kann aber auch bei Psychosen ein neuer Schub ausgelöst werden. Deshalb ist ärztlicher Rat vorher einzuholen.


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