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Kahlil Gibran:
Oft hörte ich euch reden von einem, der Unrecht tat, als sei er nicht einer von euch, sondern ein Fremder unter euch und ein Eindringling in eurer Welt. Doch ich sage euch: Wie der Heilige und Gerechte nicht höher steigen kann als das Heiligste, das in jedem von euch wohnt, ebenso kann der Böse und Schwache nicht tiefer fallen, als das Niedrigste, das in euch liegt. Und wie ein einzelnes Blatt nicht vergilbt, ohne das stumme Wissen des ganzen Baumes. So kann der Übeltäter kein Unrecht tun, ohne den verborgenen Willen von euch allen.
Hermann Hesse:
Voll Blüten steht der Pfirsichbaum, Nicht jede wird zur Frucht, Sie schimmern hell wie Rosenschaum Durch Blau und Wolkenflucht.
Wie Blüten gehn Gedanken auf, Hundert an jedem Tag - Lass blühen! Lass dem Ding den Lauf! Frag nicht nach dem Ertrag!
Es muss auch Spiel und Unschuld sein Und Blütenüberfluss, Sonst wär die Welt uns viel zu klein Und Leben kein Genuss.
Rainer Maria Rilke:
Man muss den Dingen die eigene, stille, ungestörte Entwicklung lassen, die tief von Innen kommt, und durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann; alles ist austragen - und dann Gebären. Reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt und getrost in den Stürmen des Frühlings steht, ohne Angst, dass kein Sommer kommen könnte.
Er kommt doch!
Aber er kommt nur zu den Geduldigen, die das sind, als ob die Ewigkeit vor ihnen läge, so sorglos still und weit.......
Man muss Geduld haben, gegen das Ungelöste im Herzen und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben, wie verschlossene Stuben, und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.
Es handelt sich darum, alles zu leben. Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich, ohne es zu merken, eines fremden Tages in die Antwort hinein.
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