Bedeutung von spiritueller Kunst - Malen als innerer Weg

Judit Hildebrandt

Die Aufgabe der spirituellen Kunst, wie die spirituelle Malerin Judit Hildebrandt es sieht, ist es, eine Verbindung zwischen innerer und äußerer Welt zu schaffen. Wenn der Künstler sich bewusst mit dem Göttlichen verbindet, kann er aus diesem inneren Raum Energien in die Welt der Erscheinungen transformieren durch Bilder, Musik, Tanz, Architektur, Landschaftsgestaltung. Das Interview führte Lo Brandón, freier Redakteur für medizinische und spirituelle Themen.

Lo Brandón: Wie würdest Du kurz die Bedeutung von spiritueller Malerei beschreiben?
Judit Hildebrandt: Malerei und Kunst - es sind Bereiche in unserem täglichen Leben, die wir persönlich und subjektiv wahrnehmen. Das ist das Wirkungsfeld auf unserer physischen Ebene. Auf der seelisch-geistigen Ebene existiert gleichzeitig eine andere Art des Sehens, das mehr als Empfinden bezeichnet werden kann. Die Aufgabe der spirituellen Kunst, wie ich es sehe, wird es sein, eine Verbindung zwischen innerer und äußerer Welt zu schaffen. Wenn der Künstler sich bewusst mit dem Göttlichen verbindet, kann er aus diesem inneren Raum Energien in diese Welt der Erscheinungen transformieren durch Bilder, Musik, Tanz, Architektur, Landschaftsgestaltung. Diese Visionen des Künstlers werden in die Tat umgesetzt, rufen Wirkungen hervor, beeinflussen die Menschen und Orte, harmonisieren. So ist Kunst Meditation und Erschaffung einer neuen Welt, gleichgültig aus welcher spirituellen Tradition sie entspringt.

L.B.: Welche Bedeutung hat das Malen für Dich?
J.H.: Das Malen und das künstlerische Schaffen ist meine Lebensaufgabe, meine Berufung, die ich bereits als Kind spürte. Als ich in meiner Jugendzeit nicht malen durfte, war ich oft traurig. Später wurde es wie ein innerer Drang, sich künstlerisch auszudrücken, der nie aufhört und immer größere Herausforderungen an mich stellt. Nach langjährigen Erfahrungen merkte ich, dass das Malen für mich ein Akt der Transformation geistiger Energien ist, die durch mich fließen, um sie in Bildern zu manifestieren. Meine Arbeit ist gleichzeitig ein innerer geistiger Weg, eine Entwicklung, die ich seit ca. 18 Jahren gehe. Meine Begabung und meine fundierte Ausbildung in Grafik, Zeichnung und Malerei haben mir eine Grundlage gegeben, immer freier zu werden und zu meiner Intuition zu finden, die die Quelle meines Schaffens ist. Die Wahrnehmungen haben sich über die Jahre verfeinert, tiefe Prozesse der Umwandlung und der Heilung fanden in mir statt durch Meditation, Yoga, geistiges Heilen und durch das Malen selbst.

L.B.: Heißt das, dass Deine geistige Entwicklung tief mit dem Prozess des Malens verknüpft ist?
J.H.: Ja. Aber nicht nur der Prozess des Malens, sondern besonders die "Themen" oder Energien meiner Bilder wirken an meiner Entwicklung mit. Sie kommen zu mir, und ich durchlebe und durcharbeite sie als geistige Energien. Jedes Bild hat seine eigene Geschichte, die tief mit meinem Leben verknüpft ist. Z.B. beim Malen des Bildes "Excalibur", bei dem ich auch im täglichen Leben die geistigen Essenzen von Macht, Klarheit und Entscheidung zu bearbeiten hatte. Da war ich gezwungen, die Licht- und Schattenseiten in mir anzuschauen.
Oder: Das erste meiner Engelbilder ist der Musizierende Engel, der vor einem Tor schwebt. Erst später verstand ich das Symbol, dass er mir das Bewusstsein und die tiefe Liebe zur Engelwelt öffnete.
Oder: Der Gralsengel als Hüter der Gralsenergie. Er trägt in seinem Herzen den Gral, den Kelch der nie endenden göttlichen Liebe. Er zeigte mir, dass diese Liebe in unserem Herzen verankert und unsere Quelle ist. Ich erlebte in dieser Zeit eine tiefe Verbundenheit mit meinem Wesen.

L.B.: Ich möchte noch mehr über die geistigen Energien erfahren, die Du durchlebst. Sind sie in den Bildern "enthalten"?
J.H.: Ja. Es geschieht durch Farben, Formen, Ursymbole sowie durch die unsichtbare strahlende Kraft, die hinter den Bildelementen liegt. D.h. diese Schwingungen, die während des Malens durch mich wirken und die ich als sehr gnadenvoll erfahre, manifestieren sich in den Bildern. Ich empfinde sie als Energie-Qualitäten der Liebe, der Barmherzigkeit, der Heilung, der Macht und Klarheit, des Vertauens, der Fülle. Dafür bin ich unendlich dankbar. So werden die Bilder zu Kraftträgern und strahlen auch auf den Betrachter aus. Er “liest” bewusst oder unbewusst diese Muster, die in ihm Erinnerungen an seine Verbindung mit dem Göttlichen erwecken. Ich kann dies alles nicht erklären. Das Geheimnis des Schaffens ruht in der Intuition und der kreativen Umsetzung. Aber es bleibt letztendlich ein Mysterium.

L.B.: Würdest Du sagen, dass Du medial malst?
J.H.: Ich sehe mich nicht als mediale Künstlerin, weil durch mich kein Wesen malt, obwohl ich während des Malens die starke Empfindung habe, dass Energiefelder oder Wesenheiten mich begleiten und inspirieren. Meine Visionen führen mich direkt in geistige Sphären, die ich wahrnehme und durch meine kreative Tätigkeit in der physischen Welt erscheinen lasse. Ich benütze dabei auch meine Erfahrungen und mein Wissen aus verschiedenen Epochen, in denen ich gelebt und gewirkt habe. Daraus ist die Vielseitigkeit meiner Themen, der Form- und Farbgebung besser zu verstehen, die sich aus östlichen und westlichen Kulturen speisen. Meine Bilder "sprechen" von Energien, Wesenheiten, mythologischen Themen und Musik wie z.B. Erzengel, Göttin Tara, Gral, Christus, Phönix, Heilungskreuz, Feuervogel, Excalibur, Schöpfung, Zauberflöte, Blütenträume.

L.B.: Viele Menschen lieben Deine Darstellungen. Was erleben Sie bei Deinen Bildern?
J.H.: Durch viele Erzählungen habe ich gehört, was Menschen durch meine Bilder erfahren: Geistige Öffnung, Harmonie, Meditationshilfe, wachsende Wahrnehmung der geistigen Welt, Unterstützung von Heilprozessen, Schutz, Schönheit, Herzensöffnung. Z.B. wird das Bild "Erzengel Raphael" als ein Transformationsbild für Heilungsenergie in Kliniken und von Ärzten benützt. Die kaskadenförmigen Flügel bilden eine sprudelnde Quelle und stellen gleichzeitig ein schützendes Federkleid dar, das Geborgenheit vermittelt und mit seinen grünen Farben den Heilungsstrahl unterstützt. Der Blick des Engels ist nach innen gewandt, als ob er im Betrachter anwesend wäre und ihn von innen mit der Energie des Vertrauens speist.

L.B.: Deine Wesenheiten stellst Du z.B. mit Gesichtern, in menschenähnlichen Formen, mit Flügeln und Federn dar. Siehst Du sie in dieser Art und Weise?
J.H.: Formen sind für mich Kanäle, um die geistigen Energien in die physische Welt übersetzen zu können. Es ist nicht so, dass Engel genau so aussehen, wie ich sie male. Dann würde ich ja “naturalistisch” malen. Vielmehr sucht sich die erlebte Energie ihre Form durch mich und ich suche die beste Form zu erspüren und sie in meiner individuellen Weise umzusetzen. Mit Flügeln kann ich die Kraft der Bewegung und der Vibrationen, der Schwingungen darstellen, die sich in dauernder Änderung befinden. Die Engel können ja in verschiedenen Gestalten, Formen und Farben erscheinen. Als Momentaufnahme versuche ich dieses vibrierende Energiefeld zu fassen. Auch unsere Sprache kennt die Verwandtschaft von den Schwingen (Flügeln) und den Schwingungen der Energie. Geistigkeit, Luftigkeit sind damit verbunden. Ich male z.B. Engel deshalb menschenähnlich, weil sie für mich nicht äußere Energien sind, sondern unsere eigenen Qualitäten darstellen, wenn wir tief nach innen schauen und sie in uns erwecken.

L.B.: Du hast eine Reihe Musikbilder gemalt, die in der Budapester Oper ausgestellt worden sind. Ich finde, dass alle Deine Bilder etwas Musikalisches besitzen, das Schwingende, die Farbakkorde, die melodische Strichführung, die Sphären, in denen Du Dich bewegst.
J.H.: Viele meiner Bilder sind von klassischer oder zeitgenössischer meditativer Musik inspiriert. Z.B. das Bild "Der heilige Gral", gemalt nach der Musik des Oratoriums "Christus" von Franz Liszt, oder das Bild "Erwachen" nach den Tönen des meditativen Musikstücks "Northern Light". Oft begleitet mich beim Malen Musik, da sie mir Räume öffnet, ohne dass ich diese Musik in Bilder umsetze. Ich fühle mich durch sie ganz nahe der Schöpfungskraft und der Stille.

L.B.: Ein großer Teil Deiner Bilder ist auf Seide gemalt. Hat das einen speziellen Grund?
J.H.: Ich liebe die Seide, durch die die Farben eine Transparenz und Leuchtkraft erhalten, die es mir ermöglicht, meine Visionen aus der geistigen Welt mehrdimensional darstellen zu können. Durch langjährige Erfahrung entwickelte ich eine eigene Technik auf Seide, die als Lasurtechnik in der Ölmalerei bekannt ist. D.h. das Bild wird mehrschichtig gemalt: Von großflächiger Aquarelltechnik bis zur Miniaturmalerei der Gesichter werden die Formen schichtweise herausgebildet. Dies entspricht auch meinem inneren Prozess, der beim Malen abläuft. Ich arbeite auch an neuen Techniken, um mit Öl- und Temperafarben ähnliche Wirkungen erreichen zu können.

L.B.: Kannst Du uns noch etwas mehr über Deine Farbenwelt sagen?
J.H.: Ich verwende nur Farben in ihren klaren Tönen (ohne Schwarz und Mischtöne), denn nur dann wirken sie positiv und heilsam. Bei meinen Rottönen füge ich immer Orange, Pink oder Magenta hinzu, um die Schwingung des Rots zu erhöhen. Ich verwende die Farben des Lichtspektrums. Farben sind Schwingungen, die sich durch verschiedene Frequenzen als unterschiedliche geistige Energien manifestieren. Sie haben ihre Entsprechung in der Musik als Ton, in der Welt der Formen, in allen seelisch-geistigen Eigenschaften des Universums sowie im menschlichen Körper. Ich setze aber die Farben nicht nach bestimmten Definitionen ein. Es sind Intuition, Kompositionsgefühl und das Wissen um die Bedeutung der Farben, die zu meiner Farbgestaltung führen.

L.B.: Danke für das Gespräch.

 


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