Entspannt lernen - der Königsweg!

Tom Freudenthal

Experten haben herausgefunden, dass wir unter Stress nur einen Bruchteil unseres Gehirnpotenzials zum Denken einsetzen können. Wenn wir also etwas Neues lernen wollen, müssen wir uns zunächst einmal entspannen. Tom Freudenthal erläutert, wie wir in den optimalen Lernzustand kommen.

Wieviele unserer Gehirnzellen sind am Lernen beteiligt? 100%? Die Hälfte oder vielleicht doch nur höchstens 10%? Über die genaue Zahl streiten sich die Experten, aber in einem sind sie sich einig: Wer unter Stress steht, kann nur einen Bruchteil seines Gehirnpotenzials zum Denken einsetzen. Und damit ist nicht nur der typische Stress vor Prüfungen gemeint oder der Stress mit Freund oder Freundin. Schon in den fünfziger Jahren wunderte sich Dr. Hans Seyle, der Begründer der modernen Stressforschung, wie viele Lebenssituationen wir als bedrohlich empfinden. An vieles haben wir uns schon so gewöhnt, dass wir es gar nicht mehr als Stress wahrnehmen, aber trotzdem mit unbewussten Angst- oder Fluchtimpulsen reagieren. Fürs Thema Lernen ist das deshalb so bedeutsam, weil wir unter Stress zwar noch so primitive Dinge lernen können, wie die Vermeidung von heißen Herdplatten zum Beispiel – komplexere Lernvorgänge sind dagegen praktisch unmöglich. Es führt also gar kein Weg daran vorbei, als sich zum Lernen erst einmal aus dem Stress in einen entspannten Zustand zu bringen. Als gesicherte Erkenntnis gilt inzwischen, dass man die Effizienz und das Lerntempo enorm fördern kann durch Lernen in Entspannung – und das gilt übrigens auch für das Langzeitgedächtnis. Aber wie kommt man nun dahin – in diesen optimalen Lernzustand?

Aus dem Stress in die Entspannung – so geht’s ... Setzen Sie sich aufrecht auf die volle Sitzfläche eines Stuhls und schließen Sie die Augen. Achten Sie auf die nächsten fünf Atemzüge, atmen Sie einfach so weiter wie bisher. Spüren Sie in Ihren Hals-, Schulter- und Armmuskeln nach, ob Sie verspannt sind und lassen Sie die entsprechenden Körperteile bewusst los. Nun nehmen Sie Ihren linken Fuß und stellen ihn vor den rechten – verschränken also die Füße übereinander. Strecken Sie Ihre beiden Arme nach vorne und legen den rechten über den linken. Jetzt drehen Sie Ihre Hände so, dass die beiden Handflächen zueinander zeigen und verschränken die Finger ineinander wie beim Beten. Letzter Schritt: Führen Sie die ineinander verschränkten Hände in einem Halbkreis nach unten zu Ihrem Körper, berühren Ihre eigene Brust und führen sie wieder so nach oben, dass Ihre Ellenbogen den Körper berühren.
Bleiben Sie in dieser Haltung ungefähr zehn Atemzüge lang und achten Sie darauf, dass Ihre Zunge entspannt ist! Das ist sehr wichtig. Lösen Sie dann Ihre Hände und Füße. In einem letzten Schritt öffnen Sie die Augen, führen Ihre Hände in Augenhöhe so zusammen, dass sich die Fingerspitzen berühren und ziehen sie langsam auseinander, bis sie rechts und links aus Ihrem Sehfeld verschwinden. Sie werden merken, dass dies den Blick und die Wahrnehmung stark erweitert.
Wenn Sie jetzt nachspüren, wie Sie sich fühlen, dann sind Sorgen, Druck oder Versagensängste fürs Erste wahrscheinlich verschwunden – und auf dieser Grundlage macht Lernen nicht nur Spaß, sondern wird auch sehr viel effektiver ...


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