Astrologisches Coaching – Krankheit verstehen als Prozess der Gesundwerdung

Sylvia Grotsch

Wenn wir unsere Krankheiten angehen – egal ob mit klassisch-medizinischen, alternativen oder psychologischen Verfahren - mit dem Ziel 'ich will meine Krankheit los werden', dürften wir auf dem besten Weg sein, sie zu behalten. Wenn wir sie aber in die Arme nehmen und zu fühlen beginnen, was über aktuelle astrologische Konstellationen gerade zur Sprache drängt, geben wir einem Prozess in uns Raum, der uns zu der für uns richtigen Lösung hinführen wird.

Es ist spät am Abend. Mein Fax-Gerät tickert und ich erhalte den Brief einer Klientin. Sie bittet mich um einen Termin, um mit mir zu klären, ob in ihrem Horoskop gesundheitliche Probleme "zu sehen" seien. Sie hatte sich endlich entschieden, eine Ausbildung im Bereich Fotografie zu beginnen, zweifelt nun aber daran, ob sie sich diese zumuten darf (die Ausbildung ist mit häufigem und vielem Stehen verbunden). Sie leidet seit einigen Wochen unter heftigen Rückenbeschwerden, die sich zunehmend verstärken. Einer ihrer Ärzte erwägt sogar eine Operation, die meine Klientin natürlich gerne vermeiden würde.

Astrologie und Gesundheit. Im Rahmen meiner astrologischen Beratungen werde ich häufig gefragt, wie es denn "gesundheitlich aussehe". Dabei wird vielfach vermutet, dass es "Krankheitskonstellationen" im Horoskop gäbe und/oder Hinweise darauf, ob ein Mensch in der nächsten Zeit gesund bleibt oder nicht. Wir können aufgrund des Horoskops jedoch nie sagen, ob oder dass ein Mensch eine bestimmte Krankheit bekommen wird. Wir können auch keine Aussagen über den Verlauf einer schon bestehenden Erkrankung machen. Krankheiten können aber sehr wohl - müssen aber nicht! - im Zusammenhang mit anstehenden Entwicklungsprozessen auftreten.

Es gibt für mich nun kein besseres Instrument, aktuelle Entwicklungsprozesse bei einem Menschen zu erkennen, als astrologische Prognosetechniken. Ein Blick in das Horoskop meiner Klientin zeigt mir dann auch, dass ihre Saturn-Sonne-Konjunktion im 6. Haus gerade durch einen Pluto-Transit aktiviert wird.

Die Sonne-Saturn-Konjunktion war häufig schon Thema unserer gemeinsamen Gespräche: ihre Neigung, sich unter Druck zu setzen, stets bereit zu sein, die Erwartungen anderer zu erfüllen, alles perfekt machen zu wollen und zu wenig auf das zu achten, was ihr selbst Freude macht. Meiner Klientin war dabei bewusst, dass diese Tendenzen im Zusammenhang mit einem strengen, fordernden Vater stehen.

Wird diese Neigung, sich unter Leistungsdruck zu setzen, um den Erwartungen anderer zu entsprechen, nicht aufgelöst, können nach Jahren schließlich Probleme am Herzen oder Rücken auftreten.

Der Pluto-Transit auf die Sonne-Saturn-Konstellation bringt nun Ungelöstes an die Oberfläche, um einem neuen Selbstausdruck Platz zu schaffen. Er verlangt die Konfrontation mit noch bestehender Selbstverleugnung, mit der Neigung, für andere funktionieren zu wollen und perfektionistischen Leistungsidealen.

Nichts wäre einfacher für mich, als meiner Klientin dies alles zu erläutern. Wenn jedoch eine handfeste Krise bei einem Menschen auftaucht, sind astrologische Beratungen, die sich rein auf die Schilderung und die Interpretation derzeit aktueller Konstellationen beschränken, häufig nur "mentales Futter", das eine Situation zwar erklärt (was in einigen Fällen durchaus hilfreich sein kann), aber keineswegs Grundlegendes im Leben des Betreffenden ändern muss.

Astrologisches Coaching. Ich rufe meine Klientin zurück und schlage ihr vor, zu einem astrologischen Coaching zu mir zu kommen. Ein astrologisches Coaching verbindet astrologisches Wissen mit psychologischen, therapeutischen und mentalen Verfahren.

Meine Klientin kommt und ich lasse mir erzählen, was sie auf dem Herzen hat. Sie schildert mir zunächst sehr lebhaft, was geschehen ist und sie scheint fast glücklich zu sein, durch ihre Krankheit einmal über sich sprechen und sich ausdrücken zu dürfen.

Ich stelle behutsam die eine und andere Frage und achte auf Worte und Sätze, bei denen ich eine "emotionale Ladung" spüre. Ich schlage ihr schließlich vor, ihr zunächst keine astrologischen Erklärungen zu geben und bitte sie um Erlaubnis, mit ihr die Krankheit näher anschauen zu dürfen. Horchen zu dürfen, was sie sagen möchte.

Sie willigt ein und so beginnen wir einen Prozess, der sie genau das fühlen lässt - mit viel Tränen und Wut - was im Horoskop gerade aktiviert ist: den drangsalierenden Druck ihres Vaters, den sie seit Jahren sich selbst gegenüber ausübt. Gleichzeitig fühlt sie im Solarplexus eine große Bewegtheit, sie spürt eine unbändige Lebensfreude und Lebendigkeit in sich, die sich rühren und zeigen will und vor der sie doch gleichzeitig wieder mit Angst zurück schreckt.

Nach eineinhalb Stunden beenden wir den Prozess. Das Gesicht meiner über fünfzigjährigen Klientin ist klar und entspannt, ich sehe in ihren Augen die Freude eines jungen Mädchens aufblitzen, das neugierig auf das Leben ist und das Spaß haben will, das sich ausdrücken und sich mit seiner Lebhaftigkeit anderen zumuten möchte. Es ist ein junges Mädchen, das weiß, was es will und das langsam den Mut fasst, dies auch zu tun.

Erst jetzt gebe ich ihr einige wenige Interpretationen zur aktuellen astrologischen Konstellation in ihrem Horoskop und den damit verbundenen Wachstumsmöglichkeiten. Ich möchte das Erfahrene nicht durch viele Worte an seiner Wirkung hindern.

Ich spüre, dass hier ein erstes Keimen beginnt, das vielleicht noch weiterer Unterstützung bedarf. Und so fragt mich meine Klientin auch, "wie es denn nun weitergehen soll". Wohl wissend, dass sie durch ihre Sonne-Saturn-Verbindung nur zu gerne bereit ist, das zu tun, was andere ihr empfehlen, schlage ich ihr vor, das zu tun, was sie braucht. Sie kann wiederkommen und den Prozess fortsetzen, ich stehe ihr immer zur Verfügung, sie kann ihn aber auch an dieser Stelle stehen lassen und sehen, was sich entfaltet.

Ausblick. Nun werden einige sofort wissen wollen, ob denn die Rückenschmerzen meiner Klientin verschwunden seien. Dies entspringt unserem westlichen Denken, das Nutzen und Effektivität sehen will.

Wenn wir unsere Krankheiten angehen – egal ob mit klassisch-medizinischen, alternativen oder psychologischen Verfahren - mit dem Ziel "ich will meine Krankheit los werden", dürften wir auf dem besten Weg sein, sie zu behalten. Wenn wir sie aber in die Arme nehmen und beginnen zu fühlen, was über aktuelle astrologische Konstellationen gerade zur Sprache drängt, geben wir einem Prozess in uns Raum, der uns zu der für uns richtigen Lösung hinführen wird.


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