7 von 9
Neue Weiblichkeit als Heilsweg
Nicht nur auf der individuellen Ebene, sondern auch in Ökologie, Ökonomie und Politik macht sich das Fehlen einer weiblichen Kultur und der Mangel an weiblichen Werten schmerzlich bemerkbar, konstatiert die Buchautorin Ingrid Kraaz von Rohr. Sie plädiert dafür, einen neuen Weg zu finden als Basis für 'den notwendigen Quantensprung des menschlichen Bewusstseins auf Mutter Erde'.
|
Neulich saß ich im Abteil mit drei Gymnasiallehrerinnen. Es lag auf der Hand, dass wir letztlich über die Politik, über die Erziehungswerte und über das Weltschicksal redeten. Wir endeten mit der Feststellung, dass wir Frauen aufgrund der vielen Erfahrungen, die wir erleben durften, seit vielen Jahrhunderten anfingen, im Untergrund - wie Wühlmäuse – zu arbeiten. Wir wissen, was unseren Kindern gut tut, was unsere Männer eigentlich mögen, wie Kinder großgezogen werden, wie der Lebensunterhalt verdient werden muss, auch wenn nichts da ist. Wir haben gelernt, uns zu organisieren - notwendigerweise. Wie oft wurden wir unserer geistigen Grundlagen beraubt. Die Weisheit und die Erfahrung einer Frau oder Mutter wurde verlacht, als "weibisch" abgetan oder ins Unbewusste abgedrängt. Männlich-rationale Bewusstseinsstrukturen und Wertmaßstäbe wurden derart verinnerlicht, dass emotionale, intuitive und offen "ungeordnete" Impulse keine Geltung mehr gewinnen konnten. Die Dominanz der linken Gehirnhälfte führte dazu, dass ein Pionier der psychologischen Erforschung des menschlichen Bewusstseins, Sigmund Freud, über Frauen gesagt haben soll: "Die große Frage, die, die ich trotz meines dreißigjährigen Studiums der weiblichen Seele nicht zu beantworten vermag, lautet: Was will eine Frau eigentlich?" Ohne Frage ist es nach wie vor notwendig, Natur- und Menschenrechte auch für Frauen einzufordern, zu erarbeiten und zu erkämpfen. Denn nach wie vor gibt es die Gleichberechtigung oft lediglich auf dem Papier. Auch wenn es sehr viel besser ist als noch vor hundert Jahren. Denken wir nur an die immer noch existierende Praxis von vielen Gerichten, Misshandlungen oder Missbrauch an Frauen und Mädchen de facto als "Kavaliersdelikt" zu verharmlosen. Je nach innerer Einstellung des jeweiligen Richters. Der Hintergrund dafür ist meines Erachtens eine nach wie vor bestehende Respektlosigkeit gegenüber Frauen. Vielleicht aus unbewusster Rache oder Angst. Mir geht es allerdings um einen neuen Weg zwischen dem überholten angepassten und nachgeäfften Konsum-Idol-Abklatsch als Puppendasein einerseits und feministischem Megärentum andererseits. Es geht meiner Auffassung nach um mehr als "nur" um die Verbesserung der individuellen Situation von uns Frauen. Es geht um eine grundlegende Veränderung der Welt! Denn die Vorherrschaft männlich geprägter Weltbilder hat ja auf unser gesamtes Leben auf diesem Planeten zurückgeschlagen. Doch was ist das Ergebnis? Wir betreiben eine immer weiter gehende Industrialisierung, beuten Menschen und Natur dabei immer stärker aus und zerstören unsere Umwelt und damit unsere Lebensgrundlage scheinbar unaufhaltsam. Mangel an weiblichen Werten Zu den großen, zumeist unterschätzten Problemen gehört übrigens auch die gigantische Überbevölkerung mit all ihren Konsequenzen für die Nahrungsmittelversorgung, für den Lebensraum, die Lebensbedingungen und die Erziehung. Verantwortlich für unsere gegenwärtige Misere ist ein zergliederndes, vermeintlich rationales Nützlichkeitsdenken aus der linken Gehirnhälfte und die Vernachlässigung und Unterdrückung der schöpferisch fließenden Bewusstseinsprozesse der rechten Gehirnhälfte. Anders ausgedrückt: Verantwortlich dafür ist der Mangel an weiblichen Werten. Wenn man an die Werbung als verlängerten Arm der Waren-, Dienstleistungs- und Informationsproduktion denkt und ihre subtile Wirkung, Vorbilder zu prägen, Wünsche zu wecken und Werte zu definieren, sind die gekünstelt-verschämte "Schönung" von Menstruation und Menopause in der Massenkonsumwerbung ein beredtes Exempel dafür, wie ein natürlicher Vorgang mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln ins Abseits der desinfizierten und deodorierten Schmutzigkeit geschoben werden soll. Ist denn die Vagina so abstoßend, dass "Applikatoren" gebraucht werden müssen, um beim Einsetzen eines Tampons auf jeden Fall den Kontakt der Haut mit eigener Haut zu vermeiden? Fehlen einer weiblichen Kultur Nicht nur in Ökologie oder Ökonomie, sondern auch in der Politik macht sich das Fehlen einer weiblichen Kultur schmerzlich bemerkbar. Hätte es eine Invasion Kuweits, eine Zerstörung Afghanistans oder Nahostkriege, ob in Irak, Israel oder Pakistan, gegeben, wenn in den jeweiligen Regierungen so viele Frauen gesessen hätten, wie es repräsentativ dem Bevölkerungsanteil entspricht, oder wenn wenigstens einige betroffene Frauen an den Schaltstellen der Macht wären? Viele Fälle in der Praxis beweisen immer wieder, dass ein uraltes Verhaltensmuster bei zahlreichen Männern noch vorhanden ist. Es gibt allerdings auch Frauen, die sich "männlich" verhalten. Harmonie und Frieden Ich bin davon überzeugt, dass, wenn Frauen in der Regierung in angemessener Weise mitsprechen und entscheiden könnten, es weniger Kriege gäbe. Das liegt alleine schon an der Tatsache, dass eine Frau, die Kinder neun Monate lang ausgetragen und dann aufgezogen hat - oft unter schwersten Bedingungen - natürlicherweise einfach mehr Achtung und Respekt vor der Schöpfung besitzt. Eine Frau hat in der Regel - es gibt Ausnahmen - gelernt, zu geben und aus Notwendigkeit und Liebe zu ihrer Familie zu verzichten. Eine Mutter wird ihre Kinder nicht zum Töten wegschicken oder die Nahrungszufuhr verhindern, die Wohnmöglichkeiten wegnehmen - oder die aufgezogenen Kinder als Kanonenfutter verwerten. Das weibliche Gedankengut sorgt für Harmonie, Lebenserhaltung und Frieden. Beispiele von Machtbesessenheit lassen sich beliebig fortführen: brutalste Niederschlagung der Demokratiebewegung auf dem Tiananmen-Platz in Peking, die Besetzung Tibets, das nicht enden wollende Töten in Nordirland, im Nahen Osten. Die wichtige und interessante Frage lautet: Brauchen wir einen ökonomisch, ökologisch, politisch, psychologisch und sozial motivierten Feminismus, einen Kampf gegen vorherrschende Ideologien? Oder würde das nur die Polaritäten verstärken? 1. Wir brauchen ein neues Selbstwertgefühl der Frauen, das auf der Erfahrung und Verwirklichung von Qualitäten beruht, die zu den Erscheinungsformen der "Göttin" gehören. 2. Wir müssen neue Formen der Partnerschaft zwischen Frau und Mann entwickeln, in denen Frauen ihre Männlichkeit und Männer ihre Weiblichkeit entdecken können, ohne ihre Eigenart aufzugeben und ohne sich gegenseitig gering zu schätzen. 3. Wir müssen als Frauen wieder unseren Platz in der Mitte des geistigen und geistlichen Lebens einnehmen, wieder unsere spirituellen Fähigkeiten spüren und sie nicht nur "privat", sondern auch gesellschaftlich relevant anwenden - in einer Weltgemeinschaft, die spirituell inspiriert ist. 4. Die Erziehung und Bildung muss endlich wieder unter weiblicher Führung erfolgen. Die Zukunft sind unsere Kinder, die nach den neuesten pädagogischen Erkenntnissen geleitet werden sollten. Die Kinder werden somit auf das Leben vorbereitet, damit sie ihr höchstes Ziel erreichen und gute Menschen werden. Eine Mutter weiß, dass kein Kind "schlecht" sein will. Sie werden ermuntert, sich als Bewohner einer globalen Gemeinschaft zu sehen, deren Wachstum und Wohlstand auf menschliches Miteinander und Kooperation beruht. Die wichtigsten Kriterien dazu sind folgende: · Ethische Werte 5. Wir müssen einen neuen Weg gehen und vorleben, dass wir in unserem Herzen Liebe und Achtung für alle haben. Denn nur dann werden wir eine Gesellschaft sein, in der sich die Menschen so verhalten, als ob die Mitmenschen Teil der eigenen Familie wären. Hiermit versuche ich, Ihnen einen Weg zu beschreiben, der zum weiblich-weisen Glücklichsein führen kann. Sowohl für Frauen als auch für die Männer. Denn hinter einem großen Mann steckt jeweils eine große Frau. |


