Grünes Feng Shui - Harmonische Gartengestaltung

Claudia Hötzendorfer

Feng Shui ist die chinesische Kunst, Lebensräume nach bestimmten Regeln so zu gestalten, dass eine wohltuende Atmosphäre entsteht. Diese Kunst lässt sich nicht nur auf Wohnräume anwenden, sondern auch auf deren äußere Umgebung: den Garten. Dabei muss nicht alles perfekt nach dem asiatischen Prinzip ausgerichtet sein. Schon kleine Veränderungen zeigen große Wirkung.

Die Feng Shui-Lehre Es gibt Orte, die gleich ein Gefühl von Vertrautheit und Geborgensein vermitteln, ohne dass man sagen könnte, woran das liegt. Andererseits haben manche Plätze eine unangenehme Ausstrahlung und niemand mag sich dort länger aufhalten. Anhänger der asiatischen Feng Shui-Lehre glauben, dass die "Stimmung" an derartigen Plätzen wesentlich vom dort vorhandenen Energiefluss abhängt. Gemeint ist die chinesische Kunst, Lebensräume nach bestimmten Regeln harmonisch zu gestalten. Über die Jahrtausende bewährte sich die Mischung aus taoistischen und buddhistischen Elementen, Ästhetik, Architektur, Farben- und Formenlehre. Medizinisches Wissen floss ebenso ins Feng Shui ein wie Astrologie und Ernährungsprinzipien. Verschiedene Feng Shui-Schulen verbreiteten sich über Ostasien und fanden schließlich auch den Weg in den Westen.

Die Rolle von Ch’i und Sha Feng Shui bedeutet übersetzt "Wind und Wasser" und strebt die Harmonie mit der sichtbaren und unsichtbaren Umgebung durch die bewusste Lenkung der Lebensenergie "Ch’i" an. Diese fließt in wellenförmigen, sanften Bewegungen und verhält sich ähnlich wie Wind und Wasser. Diese beiden Elemente werden von den Chinesen als Verbindung zwischen Himmel und Erde betrachtet und haben großen Einfluss auf die Auswahl eines Grundstücks.
Feststehende Regeln, die sich an den Gesetzen der Natur orientieren, lenken das Ch’i. Im Haus wie im Garten soll es ungehindert fließen können. Ist dies nicht oder nur eingeschränkt möglich – etwa durch Stauung oder zu hohes Tempo – kommt leicht ein Gefühl von Unruhe oder Disharmonie auf. Die negative Form des Ch’i nennt man Sha. Sind zu viele gerade Formen oder Ecken vorhanden, die das Ch’i zu schnell fließen lassen, wandelt es sich in die zerstörerische Sha-Kraft. Wie gefährlich das Sha sein kann, zeigt sich an begradigten Flüssen und schnurgeraden Straßen, die ein wesentlich höheres Unfallaufkommen verzeichnen.
Diese Missstimmung lässt sich im Gartenbereich jedoch bereits durch kleine Hilfsmittel (Klangspiele) und Veränderungen, wie beispielsweise die Anlage eines Teiches, abschwächen. Geschwungene oder spiralförmige Wege und abgerundete Beetränder verteilen das Ch’i gleichmäßig über den Garten.

Gleichgewicht der Kräfte Bei der Gartengestaltung nach dem Feng Shui-Prinzip steht die Ausgewogenheit zwischen Yin und Yang im Mittelpunkt. Licht und Schatten sind damit ebenso gemeint wie Rundungen und Ecken, Ruhe und Bewegung, Fülle und Leere oder Farbenpracht und zarte Farbakzente. Deshalb ist die Auswahl der Pflanzen besonders wichtig.
Neben der Ausgewogenheit zwischen Yin und Yang spielen die fünf Elemente – Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser – eine wichtige Rolle, die sich gegenseitig sowohl positiv als auch negativ beeinflussen. Jedem Element sind bestimmte Aspekte zugeordnet, die bei der Gartenplanung berücksichtigt werden sollten. Beispielsweise wird dem Feuer die Himmelsrichtung Süden zugeordnet. Die Sonneneinstrahlung ist auf der Südseite am stärksten. Pflanzen, die dort besonders gut gedeihen, sind beispielsweise Geranien, Salbei oder Klatschmohn. Die Hauptblütezeit von Geranien ist der Sommer und ihre Blütenfarbe Rot. Die Jahreszeit und die Farbe finden sich wieder in den Aspekten, die dem Element Feuer zugeordnet werden. Nach dem Prinzip der Balance sollte den roten Blüten eine zartere Farbe zum Ausgleich gegenüber gestellt werden.
Ein anderes Beispiel: Dem Element Wasser wird die Himmelsrichtung Norden zugeordnet. Dort ist die Sonneneinstrahlung nicht besonders stark, deshalb fühlen sich Hortensien, Fingerhut und Lavendel in diesem Gartenteil wohl, denn sie bevorzugen halbschattige Plätze. Die Farben dieser Pflanzen (Blau-Violett oder Rosa) gleichen das starke Rot im Süden wieder aus. Wenn man sich etwas intensiver mit den Pflanzen, ihrem Aussehen und ihren Bedürfnissen beschäftigt, findet man recht schnell heraus, welchem Element sie zugeordnet werden, und damit auch ihren Standort im Garten.

Kompromisse schließen Viele Feng Shui-Ratgeber vermitteln allerdings den Eindruck: alles muss perfekt nach dem asiatischen Prinzip ausgerichtet sein, sonst funktioniert es nicht. Ganz so streng muss es aber gar nicht sein. Es ist nicht notwendig, gleich in das nächste Pflanzencenter zu laufen und teure exotische Gewächse zu ordern, weil die eben zu einem asiatischen Garten gehören. Die heimische Flora tut´s auch.
Nebenbei bemerkt, den Feng Shui-Garten gibt es nicht! Denn die Eins zu Eins-Umsetzung vieler Gartenvorschläge scheitert häufig an den örtlichen Gegebenheiten. Vielleicht zeigt ausgerechnet eine Dachspitze auf Ihr Haus. Natürlich können Sie Ihrem Nachbarn schonend beibringen, dass sein Dachgiebel schlechten Einfluss auf Ihr Ch’i hat. Deshalb wird er aber sein Haus nicht gleich umbauen. Natürlich ist dieses Beispiel überzogen. Es macht jedoch deutlich, dass man bestimmte Umstände als gegeben akzeptieren muss, und für sich das Beste daraus macht – indem man etwa einen Sichtschutz zu Nachbars Haus aufstellt in Form einer Ranke, Hecke oder eines Baums. Da schon kleine Veränderungen im Feng Shui große Wirkung erzielen können, bietet es sich an, schrittweise vorzugehen.

Planung ist die halbe Miete Bevor ein Garten nach dem Feng Shui-Prinzip umgestaltet wird, macht es Sinn, erst einmal den Ist-Zustand zu bewerten. Beginnen sollte man dazu mit der Umgebung. Nachstehende Fragen können helfen festzustellen, ob das Ch’i ungestört fließen kann, oder wo es davon abgehalten wird.

Wie ist die Lage des Grundstücks? Finden sich in der Umgebung Strommasten, Überlandleitungen oder Sendeanlagen, beeinträchtigt dies ebenso sehr die Lebensqualität wie stehendes oder zu schnell fließendes Gewässer, starker Verkehr, Hochhäuser oder ungepflegte Grünanlagen. Da viele der genannten Umstände nicht geändert werden können, bieten sich Hecken, Bäume oder Zäune als Sichtschutz an.
Wichtig ist auch die Bodenbeschaffenheit, die weder zu nass noch zu trocken sein darf. Ganz nach dem Feng Shui-Prinzip ist der goldene Mittelweg das Optimum.
Positiv wirken sich sanfte Hügellandschaften, gepflegte Häuser und Gärten auf die Umgebung aus, ebenso langsam fließende Gewässer, gesunde Bäume und Sträucher.
Die Form des Grundstücks, sagen die Feng Shui-Spezialisten, hat ebenfalls großen Einfluss auf die Verteilung des Ch’i. Als positiv werten sie quadratische und rechteckige Gärten, denn sie repräsentieren die für den Ausgleich wichtige Symmetrie. L-förmige Grundstücksgrenzen können durch einen Trick ebenfalls auf positiv gepolt werden. Dazu muss das kürzere Areal vom längeren Teil waagerecht abgetrennt werden, und schon hat man wieder zwei Rechtecke.
Anders geformte Grundstücke lassen sich durch eine gezielte Bepflanzung "begradigen". Liegt der Garten an einem Hang, ergibt sich kein Problem, wenn die Neigung nur sanft ist, denn so kann das Wasser gut abfließen. Handelt es sich aber um einen steil abfallenden Hang, fließt das Ch’i zu schnell ab, wenn es nicht durch eine Hecke oder einen Zaun aufgehalten wird. Eine flache Landschaft wirkt sich nicht so günstig auf das Ch’i aus. Das lässt sich schnell beheben, indem künstliche Hügel und Wellen angelegt werden.
Ein Feng Shui-Gärtner achtet den Geist des Ortes und sollte sein Grundstück so natürlich wie möglich anlegen. Dazu kann man bei der Planung den Konturen der Landschaft folgen, Einebnungen sind weitgehend zu vermeiden.

Wo befindet sich das Wohnhaus? Im alten China war es üblich, dass die Hauseingänge möglichst im Süden lagen. Denn dort befanden sich in der Regel die Wasserkanäle zur Versorgung der Felder und Gärten. Windrichtung und Sonnenstand spielten außerdem eine wichtige Rolle. In europäischen Ländern verhält es sich anders. Dort liegen meist die Gärten im Süden und die Gebäude stehen mit dem Haupteingang an der Nordseite. Wohl auch deshalb, weil die kalten, trockenen Winde aus dem Norden kommen und die Häuser als Schutzwall genutzt werden. Diese Seitenumkehrung sollte deshalb bei der westlichen Feng Shui-Variante berücksichtigt werden.
Die Experten sprechen vom so genannten "Lehnstuhlprinzip". Gemeint ist, dass Geborgenheit und Wohlbefinden durch ein geschütztes "Rückenteil" unterstützt werden. Eben wie bei einer Stuhllehne, die Ihnen Halt gibt. Begünstigt wird dies durch ein leicht ansteigendes Grundstück hinter dem Haus, so dass sich das Gebäude "anlehnen" kann. Ist diese Erhebung nicht natürlich vorhanden, kann man sie auch künstlich nachgestalten.

Wie soll der Garten genutzt werden? Ein Garten, in dem Kinder spielen können, verlangt andere Voraussetzungen als ein reiner Ziergarten. Wer sich für letzteren erwärmen kann, hat viele Möglichkeiten, das Ch’i über sein Grundstück zu lenken, mit geschwungenen Plattenwegen, Springbrunnen, kleinen Brücken oder Ruheplätzen.
Kindern wird im Feng Shui-Garten im Westen ein Spielplatz eingeräumt, der beispielsweise mit lustigem Spielgerät oder kleinen Windspielen ausgestattet werden kann. In diesem Gartenteil kann man auch Pflanzen platzieren, die besondere Pflege brauchen, sozusagen etwas bemuttert werden müssen. Dazu gehören auch Gemüsebeete oder Obstbäume. 

Grundlagen der Gestaltung - Der Grundriss Viele Feng Shui-Berater benutzen das so genannte "Bagua", ein Neun-Felder-Raster, das auf den Grundriss des Gartens gelegt wird. Jedem Feld ist eine bestimmte Lebensphase zugeordnet, die sich im Garten widerspiegeln soll. Passt das Bagua nicht genau auf den Grundriss, kann man an den nicht ganz ausgefüllten Feldern erkennen, woran es mangelt. An den überlappenden Feldern kann man einen Überschuss feststellen. Beides lässt sich durch Bepflanzung oder den Einsatz von Hilfsmitteln ausgleichen.

Der Hauseingang Der Eingang ist das erste, was Sie und Ihre Gäste sehen. Ein düsterer, verschmutzter Eingang oder ein quietschendes Gartentor stößt ab und verdirbt die Laune. Ranken oder stachelige Pflanzen sind ebenso ungeeignet für diesen Bereich. Positiver wirken Blumentöpfe rechts und links. Sie übernehmen die Schutzfunktion, die in asiatischen Ländern häufig von Symboltieren wie den Drachen (die dort nicht als böse betrachtet werden) besetzt werden und vermitteln Klarheit.

Hecken und Zäune Wenn Sie Ihr Grundstück abschirmen wollen, sollte der (hell gestrichene) Zaun oder die Hecke auf Hüfthöhe aufhören, damit er Ihnen nicht die Sicht nimmt.

Wege und Pfade Wenn es sich einrichten lässt, sollte man den Weg zum Haus nicht gerade darauf zuführen. Auch Pfade, die schnurgerade durch den Garten führen, sollten Sie vermeiden. Besser sind kleine Bögen, etwa aus Trittsteinen oder kleinen hellen Kieseln. So muss man den Schritt verlangsamen und kann auf die Umgebung achten.
Die Bepflanzung am Wegesrand hat großen Einfluss auf die Stimmung. Duften die Blumen zu stark, haben sie auf Besucher möglicherweise eine abstoßende Wirkung. Sind die Sträucher zu hoch oder zu ausladend, behindern sie nicht nur die Sicht, sondern schränken auch den Platz für den Pfad ein.

Sitzecken und Bänke Sitzecken oder Bänke wirken einladender, wenn sie im Rücken geschützt stehen, etwa an einer Mauer oder einer dichten Hecke. Die Sicht nach vorn sollte frei bleiben. Das vermittelt ein Gefühl der Weite und Übersicht.

Die Garten-Mitte Nach dem Prinzip der fünf Elemente sind vier Elemente den Haupthimmelsrichtungen zugeordnet. Das fünfte – die Erde – bildet das Tai Ch’i, den Mittelpunkt. Diese Aufteilung findet sich auch in einem Feng Shui-Garten wieder. In der Gartenmitte soll sich die Energie sammeln, deshalb lässt man ihr dort sehr viel Raum. Beispielsweise durch eine runde Rasenfläche oder eine Spirale aus Steinplatten. Um dieses Zentrum zu betonen, kann man beispielsweise eine Sonnenuhr oder einen Brunnen aufstellen.

Energiequelle Wasser Wasser symbolisiert Wohlstand. Brunnen, Bäche oder kleine Wasserfälle verstärken das Ch’i. Je stärker das Wasser fließt, desto mehr Energie erzeugt es. Stärke ist hier allerdings nicht zu verwechseln mit Schnelligkeit, die das Ch’i davon trägt. Ein Bachrinnsal ist andererseits ein Zeichen für Schwäche, ebenso wie ein nur mäßig vor sich hin plätschernder Brunnen. Ein sprudelnder Brunnen zeugt von Kraft, die man zusätzlich durch verschiedene Düsen kanalisieren kann.
Liegt der Garten auf zwei Ebenen, kann die obere mit der unteren durch einen Wasserfall verbunden werden. Dabei muss allerdings darauf geachtet werden, dass er gleichmäßig und möglichst breit fließt. Spitze Steine begünstigen nur die Aufteilung in Rinnsale, deshalb sollten sie entfernt werden.

Die Pflanzenauswahl Langlebige Pflanzen werden im Feng Shui bevorzugt, denn sie bilden eine Konstante im Garten. Allerdings macht es Sinn, sich vor dem Kauf genau über Wachstum und mögliche Größe zu informieren. Ausladende und schnell wachsende Exemplare können unter Umständen die ganze Planung über den Haufen werfen. Die einzelnen Gartenbereiche sollten gut zugänglich sein, damit die Pflanzen bei Bedarf geschnitten oder ausgedünnt werden können. Bäume, Sträucher oder Blumen wachsen in der Natur selten allein, deshalb sollten sie auch in einem Feng Shui-Garten eine Einheit bilden, weil sie teilweise voneinander abhängig sind (etwa als Schattenspender).
So schön farbenprächtige Blüten sind - weniger ist immer mehr. Eine oder zwei von ihnen ziehen wesentlich mehr Aufmerksamkeit auf sich als ein ganzer Busch. Suchen Sie sich einheimische Arten aus, die sich nicht an die klimatischen Bedingungen und die Bodenbeschaffenheit gewöhnen müssen.
Denken Sie bei der Planung auch daran, dass alles seine Zeit und seinen Platz hat. Um die Balance herzustellen, sollten die blühenden Pflanzen nicht immer im gleichen Gartenteil wachsen. Das laugt nur den Boden aus.

Wer sich einen Küchengarten mit Gemüse- und Kräuterbeeten wünscht, kann die in solchen Fällen üblichen strengen langen Reihen durch eine weniger regelmäßige Bepflanzung auflockern. Wenn man ins Beet treten muss, weil man sonst nicht an das Gemüse heranreicht, wird nur der Boden hart. Deshalb eignen sich kleinere Beete, die durch einen vorher angelegten Weg (es können auch einzelne flache Steine sein) voneinander getrennt sind.
Blumenkästen spiegeln das Feng Shui-Prinzip der fünf Elemente im Kleinen wieder. Das heißt, die Blumen sollten so ausgewählt sein, dass die Mischung ausgewogen ist. Überwiegt ein Element, kann es die Stimmung schon beeinträchtigen.

Erst mal klein anfangen ... Experten geben besonders Anfängern gern den Tipp, den geplanten Garten zunächst einmal aufzuzeichnen oder – für Kreativere – im kleinen Maßstab beispielsweise in einem Schuhkarton oder auf einem Servierbrett zu bauen. Begrünung und Ziergegenstände gibt es in Spielwarenläden (Puppenstubenzubehör) oder im Fachhandel für Modellbau und -eisenbahnen.


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