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Unsere moderne Zeit mit ihrer Technologielastigkeit, ihrer Leistungsorientiertheit und Schnelllebigkeit stellt große Anforderungen an das physische und seelische Gleichgewicht der Menschen. Die Zunahme der allergischen Beschwerden, der Herz- und Kreislaufprobleme, der psychosomatischen Erkrankungen - das sind nur einige Symptome für die Reaktionen unseres Körpers auf Überlastung. Umso wichtiger erscheint es, dass heute in der Ausgestaltung der Wohn- und Arbeitsumgebung des Menschen Aspekte von Behaglichkeit, Wohlbefinden und Gesundheit wieder in das Zentrum der Aufmerksamkeit rücken. In der jüdischen Überlieferung gibt es einen Namen für den weiblichen Aspekt Gottes: "Schechina". Dieses Wort kommt von "Schochen" - Wohnen. So wie es viele Menschen aller Kulturen und Zeitepochen glaubten und die Mystiker in sich selbst erleben, so geht auch die moderne Physik bereits davon aus, dass die göttliche Urkraft unsichtbar und unerkannt allen Dingen innewohnt und die Essenz von allem ist. Gott gleicht damit dem Licht, das auch unsichtbar und für unsere Augen nur erkennbar ist, wenn es von fester Materie reflektiert wird. Auch uns Menschen ist mit dieser Existenz in unserem Körperhaus eine ursprüngliche Lebensfreude und ein Behagen mitgegeben worden, was man sehr gut an Säuglingen und kleinen Kindern beobachten kann. Dieses vertraute Wohlgefühl immer wieder herzustellen, danach strebt jeder Mensch ständig, bewusst oder unbewusst. In der Erweiterung trifft dies dann auch auf unsere Wohnräume zu. Wir möchten sie nach unseren Möglichkeiten so gestalten, dass wir uns darin geschützt und unseren ästhetischen und körperlichen Wünschen entsprechend wohlfühlen. Die gesamte Schöner Wohnen-, Wellness-, Design- und Feng Shui-Welle legt ein Zeugnis davon ab, auf welche Weise wir versuchen, dieses Urbedürfnis zu befriedigen. Hier kommt der richtigen Beleuchtung eine entscheidende Rolle zu, denn sie beschäftigt sich mit dem Urelement schlechthin.
Wie groß der Unterschied zwischen missglückter und gelungener Raumbeleuchtung sein kann, zeigen etwa die Untersuchungen von Dr. Jacob Liberman. Er stellte fest, dass man unter qualitativ gutem Licht in der Lage sein sollte, acht Stunden konzentriert und entspannt zu arbeiten, während dies unter herkömmlichem Kunstlicht nur ca. zwei Stunden auf einem hohen Niveau möglich ist. Jahrzehntelang aber wurde die Lichtplanung dem Diktat der DIN-Normen unterworfen. Licht wurde bis in die Mitte der neunziger Jahre hinein in erster Linie in seinen quantitativen Aspekten berücksichtigt: Lichtfarbe, Helligkeit und Leuchtdichten. Heute werden die bisher für nötig befundenen und mit DIN festgelegten Helligkeitsnormen für Arbeitsplätze mehr und mehr in Frage gestellt, da das Sonnenlicht im Freien um ca. das 50- bis 200-fache heller ist. So wird von einigen Fachleuten die Meinung vertreten, dass die biologische Wirkung erst ab einer Beleuchtungsstärke von 2.500 Lux anfange. Dies mag für Dreibandenbeleuchtung, so wie sie heute in 95% aller Arbeitsbereiche eingesetzt wird, zutreffen. Nach unserer über 15-jährigen praktischen Erfahrung tritt jedoch ein deutlich spürbarer Effekt bei vollspektralem Licht bereits ab ca. 800 Lux ein. Selbst Prof. Bartenbach aus Innsbruck, in Beleuchtungskreisen oft auch als "Lichtpapst" bezeichnet, stellt in seiner Veröffentlichung "Architektonische Lösungen und Beleuchtungskonzepte" fest, "... dass zum Beispiel für Büroarbeiten bei Kunstlichtbeleuchtung eine Beleuchtungsstärke von Em = 500 lx empfohlen wird. Nach dem ... erreicht man eine Gleichwertigkeit bei einer Tageslichtbeleuchtung mit Em=250 lx." Was aber vor allem weiterhin von fast allen Lichtplanern unberücksichtigt bleibt, ist die Antwort auf die Frage, was Lichtqualität im wesentlichen ausmacht. Und dies ist nun einmal das Spektrum mit allen Farbfrequenzen, wie vom natürlichen Sonnenlicht vorgegeben. Hier kann man oft auch mit einfachen Mitteln eine große Wirkung erzielen. Licht sollte sich dem Menschen mit seinen biologischen und psychischen Voraussetzungen anpassen und nicht umgekehrt.
Denn Licht ist nicht nur eine physikalische Größe. Licht und Schatten sind nicht einfach nur Werte, die in Lux und Lumen gemessen werden können. Sie sind Ausdruck der gegenpoligen, lebensspendenden Urkräfte überhaupt, die von den Chinesen als Yin und Yang bezeichnet werden. In deren Spannungsfeld und beständigen Wandlungen bewegt sich alles Leben hier auf der Erde und in unserem Körper. Licht erzeugt Stimmungen, Licht zieht an oder stößt ab, Licht klärt auf oder verschleiert, Licht verstärkt oder dämpft, Licht macht wach oder schläfert ein, Licht regt zur Kommunikation an oder entfremdet einander, Licht kann faszinieren oder abstumpfen. Licht weckt Urerinnerungen in uns, wie zum Beispiel als Pastellschimmer im Regenbogen, als Explosion wie im Feuerwerk, als Kerzenflämmchen am Weihnachtsbaum, als dramatisches Geschehen wie beim Sonnenauf- oder -untergang, als Lichtermeer über den Metropolen, als Inszenierung einer gekonnten Farblichtshow oder als tanzende Lichtreflexe auf einer spiegelnden Wasseroberfläche. Nicht zuletzt aus der Lehre der westlichen Geomantie oder des östlichen Feng Shui wissen wir, dass Räume - je nachdem - Energieräuber oder Energiespender sein können. Dass ihr Charakter sowohl Ruhe als auch Aktivität, Besinnlichkeit oder Denkvermögen, Sinnlichkeit oder nüchternen Pragmatismus unterstützen oder hemmen kann.
Licht und Farbe sind die vielleicht am stärksten wirkenden energetischen Faktoren in einer Einrichtungsplanung. Gerade beim Einsatz von Vollspektrumlicht kommt der bewussten gestalterischen Miteinbeziehung von Raum- und Objektfarben eine entscheidende Bedeutung zu. Auch hier gilt es, die Natur zum Vorbild zu nehmen, bei der ca. zu 90% der gesamten Tages- und Jahreszeit die Lichtfarbe zwischen 5.000 und 7.000 Kelvin ist, also "tageslichtweiß", wie bezeichnenderweise auch der Fachausdruck lautet. Der subjektive Eindruck von warmem Licht kommt im Freien von den Farben der Natur, dem Braun und Gelb der Erde und der darauf lebenden Tiere, dem harmonischen Grün der Pflanzen und Bäume, den bunten Blumen und dem strahlenden Gelb oder Orange der auf- und untergehenden Sonne. Deswegen gehört die Erstellung eines Farbkonzeptes mit zu unseren planerischen Leistungen, die wir gemeinsam mit ausgesuchten Partnern anbieten. Natürliches Tageslicht hat darüber hinaus auch noch den bereits erwähnten dynamischen Charakter: Es verändert Richtung, Helligkeit, Intensität und Schattenlängen, und durchläuft vom Morgen bis zum Abend und entsprechend dem Jahreslauf ein ganzes Spektrum von Lichtfarben. Unser Körper und unsere Psyche folgen diesen vorgegebenen Mustern; man spricht dabei von der "inneren Uhr" oder den "circadianen Rhythmen".
Bei 99% unser künstlichen Lichtwelten dagegen werden diese biologischen und dynamischen Aspekte nicht oder nur ansatzweise berücksichtigt und können so niemals zu dem für uns so wichtigen Wohlgefühl beitragen. Eine Lichtplanung, die ihren Namen verdient, sollte aber diese Kriterien mit berücksichtigen. So gilt es, Beleuchtungskonzepte zu entwickeln, die alle wesentlichen Elemente einer naturorientierten Beleuchtung miteinbeziehen. Dies kann durch einfache Mittel wie der richtigen Mischung und Abstimmung von Leuchten, Leuchtmitteln mit verschiedenen Lichtfarben und Beleuchtungsstärken geschehen. Oder aber sehr differenziert über eine zentrale Steuerung, die entsprechend dem Tageslichtverlauf die unterschiedlichen Farbtemperaturen und Helligkeitsveränderungen des Tageslichtes nachahmt und z.B. auch kurzzeitige Lichtschwankungen wie bei vorüberziehenden Wolken simuliert Außerdem wird bei diesem System das hereinfallende Tageslicht berücksichtigt, so dass immer nur soviel an künstlichem Tageslicht ersetzt wird wie gerade nötig ist. Dabei können vor allem gezielt Morgen-, Mittags- und Abendlichtsituationen realisiert werden, was den für unsere körperliche und seelische Gesundheit so wichtigen Gleichklang unserer inneren Uhr mit dem Rhythmus der Natur stimuliert. Das Ergebnis sollte eine wirklich spürbare energetische, stimmungsmäßige und ggf. gesundheitliche Verbesserung sein. Außerdem sollte die Auswahl der Leuchtmittel und Leuchten nach Möglichkeit individuell auf die architektonischen Gegebenheiten und persönlichen Neigungen und Bedürfnisse abgestimmt werden, so dass jedes Objekt seinen ganz eigenen Charakter erhält.
Als Abschluss dieser Betrachtung sei Prof. Dr. Dr. H.c. Fritz Hollwich aus einer Veröffentlichung aus dem Jahre 1981 ("Biologische Wirkungen des Lichtes über das Auge auf Stoffwechsel und Endokrinum", in: Deutsche Optiker Zeitung Nr. 8, 1981) zitiert, der als erster den so bedeutenden energetischen Anteil der Sehbahn wissenschaftlich nachvollziehbar dargestellt hat und aus diesen Erkenntnissen heraus zu einem der eifrigsten Verfechter des Einsatzes von Vollspektrumlicht wurde: "<Was am Auge fehlgeleitet wird, trifft den ganzen Menschen.> (Hugo Kükelhaus) Im Falle künstlicher Lichtquellen sollte das Spektrum weitgehend dem Tageslichtspektrum entsprechen ... Aus diesem Grunde bedarf die Beleuchtung in der Schule und am Arbeitsplatz in jedem Falle der Beratung durch einen lichttechnischen Fachmann, der Kenntnis von dem vitalen Einfluss des Augenlichtes auf den Stoffwechsel und die Hormondrüsen des menschlichen Organismus besitzt." (Prof. Dr. Fritz Hollwich)
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