Unserer Natur gemäß essen

Christian Opitz

Angefragt: Christian Opitz plädiert für die Wiederentdeckung natürlicher Ernährung: 'Ein Großteil der Nahrung sollte frisch und ungekocht sein.'

Was heißt für Dich "bewusste Ernährung"?

Christian Opitz: In erster Linie entwickelt sich für mich bewusste Ernährung aus einem intelligenten Hinterfragen unseres biologischen Designs. Wie ist der Mensch von Natur aus beschaffen, was sollte er also essen? Wichtig ist es, seinen Instinkten und seinem Körpergefühl mehr zu folgen als einer Ernährungslehre oder biochemischen Aufsätzen. Schauen wir ins Tierreich, da gibt es keine degenerativen Erkrankungen – auch ohne dass die Tiere irgendwelchen Ernährungsvorschriften folgten.

Der Zusammenhang zwischen Ernährung und Umweltzerstörung ist heute unbestritten. Was kann der einzelne tun, um aus diesem Kreislauf auszusteigen bzw. sich (umwelt-)bewusst zu ernähren?

Christian Opitz: Keine Produkte aus konventioneller Agrarwirtschaft essen. Deren Monokultur, deren Einsatz von Pestiziden, Herbiziden, Fungiziden, Kunstdünger etc. vergiftet die gesamte Nahrungskette. Ein wesentlicher Ansatzpunkt, diesen Kreislauf zu stoppen, ist der Verzicht auf Fleisch. 90 Prozent der Getreideproduktion gehen in die Massentierhaltung. Um ein Kilo Fleisch zu erzeugen, werden 7 bis 10 Kilo Getreide benötigt. Massentierhaltung ist nicht nur grausam, sondern auch uneffektiv. Davon abgesehen ist Fleisch nicht die Nahrung, für die der Mensch gemacht ist.

Oft widersprechen sich die Aussagen der verschiedenen Ernährungslehren. Was sind Deine Tipps für "Anfänger", die die für sie "richtige" Ernährung suchen?

Christian Opitz: Wieder zu lernen, naturbelassene Produkte zu genießen. Fertigprodukte so weit wie möglich reduzieren. Über Zutaten Bescheid wissen und sie beim Einkauf checken. Die Lebensmittelindustrie hat unseren Geschmack dermaßen überzüchtet, dass man sich bei diesem Umlernprozess etwas Zeit gönnen sollte. Langsam anfangen. Dabei kann es einem sehr helfen, einfach mal mit Einfachheit zu experimentieren. Ein paar schöne Obstsorten zum Frühstück. Den Geschmack neu entdecken. Mittags einen rohen Salat. Allerdings sollten die Zutaten unbedingt aus biologischem Anbau kommen. Was den theoretischen Teil angeht – vielleicht nicht so sehr auf die Widersprüche zwischen den Ernährungslehren schauen, sondern deren Gemeinsamkeiten suchen. Sich nicht auf das konzentrieren, was verboten ist, sondern mal Empfehlungen ausprobieren. Auf keinen Fall sich von einem Regelwerk gängeln lassen. Ganz wichtig noch: Beim Essen nur essen – nicht Zeitunglesen, kein Fernsehen, nicht zwischendurch aufspringen und sonstwas machen.

Welche "Grundbausteine" gehören für Dich zu gesunder Ernährung?

Christian Opitz: Frisches Obst, das naturbelassen ist. Überzüchtete Sachen wie kernlose Trauben oder Melonen oder dergleichen sind zwecklos. Das ist so weit von aller Natur entfernt, das muss man nicht essen. Grünes Blattgemüse. Rohes pflanzliches Fett aus Leinöl, Avocado, Oliven, Nüssen und dergleichen. Leinöl stellt mit der alpha-Linolensäure einen wichtigen Vitalstoff bereit, der den meisten anderen Lebensmitteln weggezüchtet wurde. Gleichzeitig zählt dessen Mangel in der Ernährung zu den wesentlichen Krankheitsursachen heutzutage. Ganz allgemein lässt sich sagen, dass mindestens drei Viertel des Essens frisch und ungekocht sein sollte. Dann verträgt der Körper auch zwischendurch mal Essen, das nicht ganz so optimal ist.

Im EnvedaMagazin berichten wir darüber, dass in Milch und allen glutenhaltigen Getreiden opioide Peptide enthalten sind. Aus dem regelmäßigen Konsum dieser Lebensmittel resultiert natürlich einerseits Betäubung, andererseits Abhängigkeit. Sind Dir diese Informationen bekannt?

Christian Opitz: Opiate in Milch und überzüchteten Getreiden wie Weizen sind seit langem bekannt. Letzten Endes kann jedoch jedes Essen abhängig machen und betäuben. Sehr einfach ist es, Essen als Ersatz für Liebe, Anerkennung etc. zu gebrauchen, das geht ja in der frühen Kindheit schon los. Obst, rote Beete, Eiweiß, Fett, isolierter Zucker, hybridisierter Weizen – das kann alles süchtig machen, das kann alles eingesetzt werden, um das Bewusstsein zu dämpfen. Aber ich sehe das relativ gelassen. In meiner Umgebung stelle ich fest, dass der Grad an Unabhängigkeit von solchen "Essdrogen" mit fortschreitender emotionaler Reife wächst. Einfach ausgedrückt: Wer bei sich ist, braucht kein Getreide zur Betäubung. Er muss es aber auch nicht krampfhaft meiden.

Du beschäftigst Dich außer mit dem Thema Ernährung unter anderem mit Hirnforschung und der Erweiterung des menschlichen Potentials. Welche Rolle spielt die Ernährung bei diesen Themen?

Christian Opitz: Einerseits ist Ernährung Ausdruck unseres Bewusstseins, andererseits beeinflusst Ernährung unser Bewusstsein. Wie gesagt ist Essen leicht einsetzbar als emotionales Regulativ, als Ersatz für Liebe, Bestätigung und so weiter. Je mehr man emotionale Unabhängigkeit erlangt hat – unter anderem dadurch, dass man sich den unangenehmen Dingen in seinem Leben stellt, statt sie mit Essen zu dämpfen – desto unabhängiger wird man auch von solchen Hilfs- und Fluchtmitteln wie Essen. Das Bewusstsein bestimmt die Struktur unseres Körpers und umgekehrt. Ich vergleiche den Körper gerne mit einer Violine. Die macht von alleine noch keine Musik, sie ist nur das Instrument, mit dem der Musiker sich ausdrückt. Ist die Violine falsch gestimmt, wird der musikalische Ausdruck des Musikers zu wünschen übrig lassen. Ist der Körper schlecht gestimmt, weil man ihm alle möglichen Gifte über die Nahrung zugeführt hat, dann wird auch das Bewusstsein schlecht gestimmt sein und sich nicht ausdrücken können. Das ist eine eindeutige Wechselwirkung.

Mit welchen Schwerpunkten wirst Du Deine Seminarreihen in Deutschland fortsetzen?

Christian Opitz: Ende September, Anfang Oktober komme ich für zwei Seminare. Zusammen mit Daniel Barron, dem Erfinder von ESH, der Methode, die wir in den Seminaren vorstellen. Für mich ist ESH (Emotive Subself Healing) eine der stärksten Methoden für wirklich tiefe emotionale Heilung.


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