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Interview mit der Mykotherapeutin Dr. agr. Susanne Ehlers
Anders als in der Traditionellen Chinesischen Medizin sind Pilze als Heilpflanzen bei uns praktisch unbekannt. Völlig zu Unrecht, wie die Mykotherapeutin Dr. agr. Susanne Ehlers, Begründerin der Gesellschaft für Heilpilze, im Interview mit VISIONEN erklärt. Die auch für Laien leicht praktizierbare Mykotherapie findet momentan vor allem Anwendung bei Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes, Allergien, Krebs. Ganz besonders eignet sie sich aber zur Stärkung des Immunsystems: „Hier sind Heilpilze m.E. anderen Pflanzen überlegen.“
Warum sind Pilze als Heilpflanzen bei uns so wenig bekannt? Durch Behörden und die Pharma-Industrie wird der Pilzheilkunde das Leben nicht leicht gemacht. Abmahnfirmen beschränken die kleinen Unternehmen, und durchzusetzen vermögen sich nur diejenigen, die durch persönliche Heilerfolge wie die Bekämpfung der eigenen Leukämie einfach keine wirtschaftlichen Interessen verfolgen, sondern vor allem das Wohl der Menschen als Fernziel im Auge behalten können. Außerdem haben Pilze seit alters her eine „giftige“, abstoßende Vorstellung beim Menschen hervor gerufen. Auch Alexander Fleming (1881-1955) erlitt das Schicksal solcher Unbedachtheit. Penicillium wurde schon 1870 von John Burden Sanderson entdeckt. In den Folgejahrzehnten wurde sporadisch immer wieder einmal in Experimenten festgestellt, dass dieser Pilz effektiv Bakterien abtötet, ohne dem menschlichen Organismus zu schaden. Weiter geschah nichts! 1928 – also fast 60 Jahre später – entdeckte der Bakteriologe Alexander Fleming – wiederum rein zufällig –, dass der (Schimmel-)Pilz Penicillium notatum Bakterien effektiv abtöten konnte und dabei für Tiere ungiftig war! Nach zahlreichen Versuchen veröffentlichte er 1929 diese Ergebnisse! Weiter geschah nichts! Erst 1944 wird in den USA in großem Maßstab mit der Produktion von Penicillin begonnen. 1945 erhält Fleming mit zwei Kollegen den Nobelpreis für Medizin! In der traditionellen chinesischen Medizin spielen Pilze dagegen eine bedeutende Rolle, da dort viele Heilpilzarten vorkommen und auch das Kräuterwissen dort über Jahrtausende bewahrt wurde und einen anderen Stellenwert als in Europa hat. Was unterscheidet Pilze von anderen Gewächsen, allgemein und im Hinblick auf ihre Heilqualitäten? 1. Pilze bilden ein eigenes Reich, neben den Pflanzen und Tieren. Deswegen verwundert es nicht, dass sie ganz andere Biovitalstoffe enthalten als andere Gewächse (s. Kasten). Herausragend und für die ernährungsphysiologische Qualität entscheidend sind Mineralstoffe wie Eisen, Kalium, Phosphor, Kalzium u.a., Spurenelemente wie z.B. Selen, Germanium, Kupfer u.v.a., Vitamine wie D, Vertreter des B-Komplexes u.a., Polysaccharide wie Lentinan aus Shiitake u.a., viele Ballaststoffe, Aromastoffe, Eritadenine, phenolische Derivate, Lektine u.a., die sich sonst in der Natur nicht finden. 2. Pilze heißen auch Schwämme – zumindest in Bayern: „Schwammerl“ –, da sie die verblüffende Fähigkeit besitzen, Spurenelemente und Mineralstoffe unglaublich zu akkumulieren, aufzusaugen wie ein Schwamm. Deshalb werden sie auch zur Bodensanierung eingesetzt. Heilpilze werden natürlich auf geprüften Substraten kultiviert. 3. Die ernährungsphysiologische Bedeutung von Pilzen ist herausragend. Doch kein Mensch kann zweimal täglich frische Pilze essen. Schonend getrocknete Pilzpulver und -extrakte und daraus hergestellte Tabletten bieten einige nicht zu unterschätzende Vorteile: Sie sind haltbar, sie sind verfügbar (die Heilpilze sind frisch – bis auf den Shiitake – gar nicht oder nur selten im Handel), sie sind leichter zu dosieren und zu mykotherapeutischen Zwecken unerlässlich – man kann sie regelmäßig einnehmen. Die Extrakte bieten zudem eine starke Konzentrierung nachgewiesenermaßen wirksamer Komponenten. Eine Ergänzung der Therapie mit Tabletten oder Kapseln stellt die Zubereitung von Frischpilzmahlzeiten allerdings dar, und es lassen sich mit frischen Pilzen dieselben gesundheitlichen Wirkungen erzielen. 4. Es wurden zwar auch schon Pflanzen wie der rote Sonnenhut (Echinacea) entdeckt und erforscht, welche die körperliche Abwehr stärken können, jedoch sind die Pilze insbesondere in der Wirkung auf das menschliche Immunsystem den Pflanzen überlegen.
Für welche Heilzwecke sind Pilze besonders angezeigt? Schwerpunktmäßig werden Heilpilze bei Herz-Kreislauferkrankungen und Übergewicht, zur Organstärkung bei Chemotherapie und als Mittel zur Verbesserung des Allgemeinbefindens und der Libido eingesetzt. Rund 80% der deutschen Bevölkerung setzen mittlerweile auf alternative Therapien. Im Einzelnen findet die Mykotherapie momentan Anwendung bei Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen (Bluthochdruck, Cholesterin, Herzinfarkt, Durchblutungsstörungen, Schlaganfall), Magen-, Darm- und Verdauungsproblemen, Entzündungen, Allergien, in der Tumortherapie, zur Immunsystemstärkung, bei psychischen Ungleichgewichten, Schlafstörungen und vielen anderen Erkrankungen. Wie bereits erwähnt, sind die Pilze m.E. in der Wirkung auf das Immunsystem anderen Pflanzen überlegen. Auch in der alternativen Krebstherapie gibt es zahlreiche Hinweise auf die Wirksamkeit von Pilzen, wie sie mit ähnlichem Stellenwert nur bei einigen wenigen Pflanzen (wie z.B. der Mistel) vorkommt.
Handelt es sich dabei um gesichertes Heilwissen oder um traditionelle Erfahrungswissen? Um beides. Traditionelles Wissen wurde seit dem Einzug moderner Analysetechnik schrittweise überprüft, und man versucht mit Studien, Inhaltsstoffanalysen, Versuchen die traditionell bekannten Wirkungen auch wissenschaftlich zu untermauern. Dies ist auch erfolgreich. Klinische Untersuchungen liegen vor bei Shiitake (Cholesterinsenkung, Antitumoreffekt, Immunsystembeeinflussung, Hepatitis, Tuberkulose u.a.), weiterhin zum Einsatz des Reishi (Krebs, Immunsystem, Anorexie-Symptome, Unterentwicklungen im Gehirn, Muskeldystrophien, Alzheimer, Diabetes, Hepatitis, Lungenerkrankungen, Bronchitis, Herzschwäche, Cholesterinsenkung, Allergien, Höhenkrankheit), außerdem über Hericium (chronische Gastritis) und den Eichhasen (Lungenkrebs und Leukämie) sowie über Maitake (Brustkrebs, Darmkrebs, Lungen- und Magenkrebs, Leberkrebs, Leukämie, Aids, Bluthochdruck, Hepatitis). Woher rührt Ihr Interesse an Heilpilzen? Ich habe mich schon als Kind mit dem Sammeln von einheimischen Pilzen beschäftigt, habe später Studienschwerpunkte in der Pilzkunde und Ernährungsphysiologie gelegt und kam dann auf der Suche nach einem Promotionsthema an Prof. Schnitzler von der Technischen Universität München-Weihenstephan, welches da hieß „Anbau und pharmakologische Wirkungen des chinesischen Heil- und Speisepilzes Hericium erinaceus“. Da dieses Thema auch noch den kulinarischen und medizinischen Aspekt vereinte, war ich mit Leib und Seele dabei und bin dankbar für die Unterstützung meiner Arbeit durch die Tumorbiologie Freiburg und z.B. das Deutsche Krebsforschungszentrum Heidelberg, die mir mit all ihrer guten Ausstattung sehr geholfen haben.
Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie mit Heilpilzen gemacht? Ich habe mit Hericium erinaceus (Igelstachelbart) über 30 kg bis zum Wunschgewicht im Laufe eines Jahres abgenommen, depressive Verstimmungen und Unruhezustände (fast) aus meinem Leben verbannt. Ich habe sehr viel zu vielen Heilpilzen gelernt und erfahren. Kann man eine Behandlung mit Heilpilzen gefahrlos in Eigenregie durchführen? Was ist dabei gegf. zu beachten? Man kann nicht viel Falsches tun, man muss nur auf seinen Körper hören. Es gibt Menschen, die Pilze schlecht verdauen können. Es gibt auch allergische Hautreaktionen. Bei zu vielen rohen Pilzen (täglich 1 kg Frischpilze) können massive Probleme auftauchen, und auch hier gilt der Grundsatz von Paracelsus „Allein die Dosis macht, dass das Ding kein Gift ist“. Prinzipiell sind aufgrund ihres Lebensmittelstatus die Pilze sehr geeignet für eine Behandlung in Eigenregie, nur bei der Auswahl der Heilpilze sollte man sich schon Rat und Hilfe holen.
Wo findet man kompetente Mykotherapeuten und geeignete Heilpilze? Aufgabe der von mir begründeten Gesellschaft für Heilpilze (s. Kontaktadresse) wird es als nächstes sein, die ca. 200 Heilpraktiker, die bereits auf mykotherapeutischem Gebiet tätig sind, zu vereinen und gezielt zu informieren, eine Plattform für gegenseitigen Erfahrungsaustausch zu schaffen sowie eine Liste von ihnen unter vitalpilze.de ins Netz zu stellen. Es gibt auch Naturheilzentren, die schwerpunktmäßig mykotherapeutisch arbeiten. Empfehlenswerte Anbieter von Heilpilz-Produkten erfahren Sie bei der Gesellschaft für Heilpilze (s. Kontaktadresse).
Dr. agr. Susanne Ehlers, geboren 1970, studierte Gartenbauwissenschaften mit Schwerpunkt Gemüsebau in Berlin und promovierte 1998 zum Thema Heilpilze in München. Seitdem propagiert sie die Heilpilze auf verschiedene Art und Weise, hält z. B. Vorträge, begleitete Projekte und gründete 2004 die Gesellschaft für Heilpilze. Im Laufe dieser Arbeit entstanden ein Buch (Chinesische Heilpilze, s. Lesetipps), ein Beitrag im Buch der alternativen Krebstherapien und zahlreiche Veröffentlichungen zu Heilpilzen in Radio und Fernsehen sowie in der allgemeinen und Fach-Presse. Dr. Ehlers ist verheiratet und hat zwei Kinder. Kontaktadresse: Gesellschaft für Heilpilze, Weidenstr. 4, 85368 Wang, Tel. 087 61 – 72 46 81 (Beratung für Heilpilze: Di 9-11, Do 18-20, Fr 9-11 h). Hier erscheint regelmäßig ein Newsletter, beziehbar unter der Internetadresse Seh2044410@hotmail.com.
Infos und Kontakt www.vitalpilze.de und email dr-ehlers@vitalpilze.de
Lesetipps
- Susanne Ehlers, Chinesische Heilpilze, Ehrenwirth Verlag, ISBN 3-431-04066-7, Preis Euro 12,90. – Heilerfolge durch uraltes Wissen, Wirkung und Anwendung von Heilpilzen. Es werden viele Heilpilze beschrieben und Vorschläge für ihren Einsatz bei diveren Krankheiten besprochen. Ein für den Laien gut zu lesendes Buch mit vielen Details und konkreten Ratschlägen.
- Gesellschaft für Heilpilze, Heilpilze, Eigenverlag, kostenlos. – Überblick und Zusammenfassung der wichtigsten Heilpilze und ihrer Einsatzmöglichkeiten bei diversen Krankheiten.
- Jan Lelley, Prof. Die Heilkraft der Pilze, Econ Verlag, ISBN 3-612-20626-5. – Ein sehr übersichtliches Buch zu vielen Heilpilzen, auch für den Laien gut verständlich.
- Jean Pütz / Prof. Dr. Lelley, Lebenselixier Pilze, Hobbythek-Buch, VGS-Verlag, ISBN-Nr 3-8025-6224-0, Peis Euro 15,50. – Heilen, vorbeugen, Stress abbauen und mehr Power durch Heilpilze. Ein ausführliches, leicht zu lesendes Buch, das die wichtigsten Heilpilze und ihren Gesundheitswert ausführlich beschreibt. Des Weiteren wird auch auf den Hobbypilzanbau eingegangen, Rezepte runden dieses hübsche Buch ab!
- Frank-Daniel Schulten, Ling Zhi, Göttlicher Pilz der Unsterblichkeit, Windpferd Verlag, ISBN 3-89385-296-4. – Eine sehr schöne, informative Zusammenfassung des Wissens zum Reishi.
- Dr. Jürgen Weihofen, Ling Zhi, Shiitake & Co, Sanoform Verlag, ISBN-Nr 3-925502-09-2, Preis Euro 3.- – Dieses Buch ist sowohl für den interessierten Laien als auch für den Praktiker (Arzt/Heilpraktiker) zu empfehlen! Es beschreibt ausführlich die Wirkungen des Glänzenden Lackporlings (Ling Zhi). Auch die Wirkstoffe der Pilze Shiitake, Maitake und Affenkopfpilz werden erwähnt und belegt.
- Prof. Hademar Bankhofer/K-H. Dolinschek/Dr. med. Peter Hörtnagl, Heilen mit dem Reishi-Pilz, Kneipp-Verlag, ISBN-Nr 3-901794-60-3, Preis Euro 9,95. – Ein allein von der Aufmachung her sehr schönes Buch, das sich absolut umfassend mit dem Reishi beschäftigt und Inhaltsstoffe, konkrete Krankheiten mit Fallbeispielen u.v.m. ausführlich behandelt.
(Auswahl und Kommentierung: Dr. Susanne Ehlers) |
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