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Shiatsu kontra Stress
Im Laufe einer Shiatsu-Behandlung wird zumeist der Parasympathikus des autonomen Nervensystems aktiviert. Ulrike Schmidt, Shiatsu-Lehrerin und Mitbegründerin der Berliner Schule für Zen Shiatsu erläutert, warum Shiatsu auf viele Menschen so entspannend wirkt.
![]() Shiatsu wirkt auf das autonome Nervensystem Foto: Ulrike Haffke |
Neben mir auf dem Futon liegt eine Frau auf dem Bauch, die ich nie zuvor gesehen habe. Ich sitze neben ihr im Fersensitz auf dem Boden. Die Sonne scheint seidigmatt durch die Vorhänge. Von meinen Praxiskollegen sind entfernt Stimmen zu hören. Ich sammle mich, atme tief, bin gelassen. Dann lege ich sacht eine Hand auf den Rücken der Frau. Die Hand – warm, weich, schwer. Ich beginne mich nun um ihren Körper herumzubewegen. Meine Hände wissen, was zu tun ist. Nach kurzer Zeit atmet sie sehr tief, sehr ruhig, sie schläft! Wie kann das geschehen? Auf Alltagsstress reagieren Nun besteht der moderne Alltag nicht aus derartigen lebensbedrohlichen Gefahren, wie unsere Ahnen sie erleben mussten. Die Gefahren heute sind möglicherweise sogar schlimmer einzustufen, da häufig ein Wechsel und somit ein Ausgleich zwischen "Gefahr" und "Sicherheit" nicht mehr stattfindet. Der Mensch von heute erlebt vielfältige "Gefahrensituationen", und das nennen wir dann Stress! Schulstress, Arbeitsstress, Freizeitstress, Beziehungsstress, Urlaubsstress, Stress mit Kindern, Eltern, Nachbarn, Chefs, Autofahrern, und und und ... Angst zu versagen, nicht gut genug zu sein, verlassen zu werden, entlassen zu werden ... Obwohl die Gefahren von Seiten der Natur tatsächlich in unseren Breitengraden weitgehend nicht real existieren, reagiert der Sympathikus bei Stress, denn das ist seine Aufgabe. Er versetzt den Körper-Geist-Seele-Komplex des Menschen in eine erhöhte Bereitschaft, bei anhaltendem Stress in eine dauernde Alarmbereitschaft. Das wirkt sich u.a. auf unser Schlafverhalten aus, auf unsere Fähigkeit "abzuschalten" und zu verdauen. Der Parasympathikus wird aktiviert Im Idealfall wird im Laufe einer Shiatsu-Behandlung der Parasympathikus aktiviert. Oft setzen unmittelbar nach der "Kontaktaufnahme" die typischen Verdauungsgeräusche ein. Das ist für uns Behandler die "Musik im Shiatsu", denn wir können folgern: Aha, der Parasympathikus hat sich "angeschaltet" und die Führung übernommen. Die Atmung vertieft sich spürbar, das Herz wird ruhiger, ganze Muskelgruppen können sich in kürzester Zeit entspannen (z.B. gut zu beobachten an der Halsmuskulatur: in Rückenlage rollt der Kopf oft von alleine entspannt zur Seite). In den Zeiten, in denen der Parasymphatikus "herrscht", erleben viele Menschen neben der tiefen körperlichen Entspannung auch Momente großer Geistesklarheit, kreativer Ideen oder überraschender Lösungen. |



