Einführung: Atemtherapie

Gabriele Callegari

Tiefe und Heilkraft des Atems sind von weit größerer Dimension, als sich dies in Worten ausdrücken lässt. So können durch die Aktivierung der Lungen- wie auch der Zellatmung viele körperliche, aber auch seelische Leiden positiv beeinflusst werden. Atemtherapie entspannt zutiefst und führt schließlich hinaus aus den engen Grenzen der Ich-Strukur.

Atemtherapie - Heilung und Linderung

Geschichte/Begründer Die Wurzeln der Atemtherapie gründen in jahrtausendealten Erfahrungen des Buddhismus, Tao, Tai Chi, Yoga etc. Im "Westen" wurde die Kraft des Atems vor allem seit Beginn dieses Jahrhunderts intensiv erforscht. Einige Namen dieser Pioniere wurden sehr bekannt: Schlaffhorst, Anderson, Dürckheim, Middendorf, Glaser, Vening, Schmitt ... um nur einige zu nennen. Sie haben weitgehend auch ihre Atemerfahrungen publiziert. Doch muss wohl auch Hildegard von Bingen schon außergewöhnlich große Kenntnisse des Atems gehabt haben, ohne die z.B. ihre Gesangskompositionen nicht praktikabel gewesen wären.

Tiefe und Heilkraft des Atems sind von weit größerer Dimension, als sich dies in Worten ausdrücken lässt. Intellektuelles Wissen kann ihn nicht erfassen, sein unermeßlicher Reichtum kann nur in der persönlichen unmittelbaren Erfahrung erkannt werden. Traditoneller Weise wurde das Wissen um den Atem immer vom Lehrer zum Schüler unmittelbar weitergegeben.

Manche der Atemschulen beziehen sich nur auf den Atem, andere sind tiefenpsychologisch fundiert und der Humanistischen bzw. der Transpersonalen Form der Psychothera-pie zuzuordnen. Namen wie A. Lowen, W. Reich, C.G. Jung, Wilber, Adler sind in diesem Zusammenhang zu nennen. Neben der Entwicklung der individuellen Persönlichkeit gewinnt die Anbindung an die Universelle Ordnung mehr und mehr an Bedeutung. Verbindungen zum Zen-Buddhismus werden deutlich.

Auf der psycho-physischen Ebene tangiert das Wissen um den Atem die Bereiche der Psychologie, Medizin, Philosophie und der religionsübergreifenden Spiritualität.

Methode bzw. Idee und Erklärung der Wirkung 
Atem vermag die stoffliche und die geistige (= spirituelle) Welt miteinander zu verbinden, da er aus dem Äther durch Nase und Haut einströmt und jede Zelle unseres Körpers durchdringt. So verbindet er unser Innen mit dem Außen. Das materielle Sein strukturiert sich aus Informationen des Nichtmateriellen oder Geistigen. So kann durch die Aktivierung der Lungen- wie auch der Zellatmung so ziemlich jedes körperliche, aber auch seelische Leiden geheilt oder zumindest positiv beeinflusst werden. Atemtherapie entspannt zutiefst und führt schließlich hinaus aus den engen Grenzen der Ich-Strukur, fördert gesellschaftliche Kontakte und den Bezug zu Leben schlechthin.

Atemtherapie - Heilung bzw. Linderung körperlicher und seelischer Leiden

Anwendungsbereiche Heilung bzw. Linderung körperlicher und auch seelischer Leiden:

  • Typische Frauenleiden: gesenkter Beckenboden, Frigidität, Unfruchtbarkeit, Ausbleiben der Periode
  • Sehr förderlich bei Schwangerschaft und Geburt
  • Atemwegserkrankungen, Atemstörungen: Apnoe, Stottern, Asthma, Hochatem, verengter Brustkorb, mangelnde Bauchatmung, Luftanhalten, zu geringer Atem
  • Schlafstörungen, Stress, Mangelnde Konzentration, Rückenbeschwerden, zu viel Denken, Kopfschmerz, Angst, Panik
  • Psychosomatische Beschwerden, Einsamkeit, eingeschränkte Beweglichkeit
  • Depression, Manie
  • Gelenkbeschwerden
  • Vor allem ältere Menschen werden die verjüngende Wirkung des Atems schätzen lernen.

Darüber hinaus öffnet Atemtherapie die Atemräume bei Sängern und Rednern, erweitert die Resonanz und fördert die Bühnenpräsenz bei Schauspielern.

Atemtherapie

Durchführung Atemtherapie ist in Form von Einzelarbeit und Gruppenunterricht möglich.
Einzelarbeit: Gezielt kann hier der Therapeut/die Therapeutin mit seinen/ihren Händen den Atemfluss erspüren und lenken, Blockaden lösen, Atemräume öffnen bzw. erweitern, den Bodenkontakt fördern, Energieüberschuss aus dem Kopf- und Schulterbereich abfließen lassen.
Gruppenunterricht: Durch sehr leichte, meditative Übungen wird der Schüler angeleitet, sich in seinem eigenen Körper wahrzunehmen, den Atem auch gezielt in jede Region des Körpers fließen zu lassen. In einem weiteren Schritt lässt man den Ausatem über die Stimmbänder streifen, es entsteht das sogenannte Tönen, durch das verstärkt Schlackstof-fe abgebaut werden. Durch diese innere Reinigung kann verstärkt neuer Atem - und somit Sauerstoff - aufgenommen werden, was die Neigung zur Krankheit mindert und die allgemeine Lebensqualität wesentlich erhöht.

Risiken/Kritik Wer nicht gut "geerdet" ist, sollte die Atemarbeit vorsichtig dosieren. Ebenso ist in Krisenzeiten - bei starker psychischer Belastung - Vorsicht geboten. Eine Absprache mit dem Therapeuten/der Therapeutin ist in solchen Fällen ratsam. Schwierig ist die Atemarbeit auch, wenn man sich überhaupt nicht konzentrieren kann. Andererseits fördert sie das Konzentrationsvermögen sehr.

Empfehlung/Eignung Alle bedeutenden Atemschulen haben sich in Deutschland in der AFA (Arbeits- und Forschungsgemeinschaft für Atempflege e.V.) zusammengeschlossen. Ein AFA-Diplom ist also ein Hinweis auf ein besonders hohes Qualitätsniveau der Atemlehrer- und Therapeu-ten. Doch vermittelt auch die Atemschule Köln ein sehr qualifiziertes Wissen, um mit Menschen auch in sensiblen Bereichen arbeiten zu können.


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