Manuelle Therapien

Cornelia Colb

Schaut man in einschlägigen Büchern nach, so steht der Begriff der manuellen Medizin ausschließlich für Diagnose- und Therapiemaßnahmen am Bewegungsapparat, (vor allem der Wirbelsäule) mit denen Funktionsstörungen ermittelt und manuell, also ohne apparative Hilfe, behandelt werden können.

Schon in allen alten Hochkulturen war bekannt, dass durch Handgriffe schmerzhafte Funktionsstörungen am Bewegungsapparat oft schlagartig beseitigt werden konnten. Dieses Wissen wurde – wie alles Handwerk zu früheren Zeiten – innerhalb bestimmter Berufsgruppen weitergegeben. In Deutschland nannte man sie früher z.B. die „Knochenbrecher“ oder „Knochenflicker“.

Erst vor ca. 100 Jahren teilte sich das alte Wissen – speziell der „Knochenflicker“ - in zwei verschiedene, dennoch sich ergänzende Heilmethoden auf: die Osteopathie und die Chiropraktik. Diese Methoden werden teilweise noch bis heute außerhalb der akademischen Medizin (der sog. „Schulmedizin“) angesiedelt, erfahren aber immer mehr Anerkennung, nachdem die Ausbildungen deutlich aufgewertet wurden.
Die Osteopathie wurde vom Arzt STILL etwa im Zeitraum von 1860 bis 1874 entwickelt, die Chiropraktik stammt von dem Heilpraktiker PALMER; er gründete 1895 die erste Schule für Chiropraktik in Davenport/Iowa.
Über die mit den Händen ausgeführte gezielte  Manipulation am blockierten Gelenk oder Wirbel wird nicht nur das Gelenkspiel wieder hergestellt, sondern auch Einfluss auf die irritierten Nerven ausgeübt, was dann unvermittelten positiven Einfluss auf schmerzhaften Muskelverspannungen hat.
Diese Handgrifftherapien machen besonders dort Sinn, wo eine Blockierung an der Auslösung oder der Fortdauer eines Krankheitsgeschehens beteiligt ist.

Wie alle medizinischen Anwendungen muss auch die manuelle Therapie den erfahrenen Therapeuten vorbehalten sein.

Manuelle Therapie („Mit der Hand“)  beinhaltet  für mich aber – wie der Name schon sagt  -  auch alle weiteren Anwendungen am Menschen, die mit den Händen ausgeführt werden. Dazu gehören neben z.B. der Akupressur auch Massagen, die je nach dem Ziel der Behandlung sehr unterschiedlich ausgeführt werden. Hier erfährt der Patient direkte und spürbare Zuwendung, er braucht selbst nichts zu tun, er wird be-hand-elt.  Ein jeder von uns kennt die wohltuende Kraft, die man bei einer Massage erfährt. Manchmal ersetzt man damit sogar eine seelische Zuwendung, die man eigentlich bräuchte.

Eine klassische Massage hat umfangreiche  Wirkungen. Dazu gehören:
  • Steigerung der Durchblutung,  dadurch auch die
  • Verbesserung der Ernährung von Haut und Bindegewebe,
  • Entstauung im Venen- und Lymphbereich,
  • Minderung der Muskelspannung,
  • Stabilisierung des vegetativen Nervensystems und natürlich
  • psychische Entspannung mit Verbesserung des subjektiven Wohlbefindens.

Die Handgriffe unterteilen sich in Streichungen, Knetungen, Abreibungen, Klopfungen und viele mehr.

Außer der klassischen Massage gibt es noch eine Fülle spezieller Massagen wie z.B.
  • Die Lymphdrainage, eine sehr zeitaufwändige Behandlung die bei Lymphschwellungen den gestörten Lymphabfluss wieder in Gang bringen soll,
  • Die Kolonmassage, um bei der Behandlung über die Bauchdecke den Bewegungsablauf des Dickdarms regulierend zu  beeinflussen.
  • Die Bindegewebsmassage, bei der die veränderten Bindegewebsschichten des Unterhautbereiches bevorzugt mit einem als „Dehnzug“ gekennzeichneten Griff behandelt werden.
  • Die Atemmassage, die bei der Behandlung von Fehlatemformen eingesetzt wird, immer als Teil einer Gesamtbehandlung. Schmerzhaft verkrampfte oder verkürzte Muskulatur im Bereich des Brustkorbes, Verklebungen, schrumpfende Narben usw., all das, was  eine freie Atmung behindert, wird hierbei kombiniert mit Atemübungen gesondert behandelt.
  • Sowie reflexorientierte Massagen: Mit der Reflexzonen-Massage wirkt der Behandler über bestimmte Gebiete der Körperdecke, also der Haut, auf bestimmte innere Organe heilend oder schmerzlindernd ein. Von einem der  bedeutendsten Reflexologen, Prof. Dr. med. W. Kohlrausch, stammt der Satz: „Alles körperliche Geschehen, insbesondere jede innere Krankheit, zeigt sich in einer Änderung der Spannung der Körperdecke“. Diese Hautareale sind heute in sog. Head´sche Zonen eingeteilt, so benannt nach ihrem Entdecker, dem englischen Neurologen HEAD.

Dass bei einem Magendurchbruch die Bauchdecke hart wie ein Fußball wird, weiß jeder. Es ist auch allgemein bekannt, dass bei der Angina pectoris die Schmerzen bis zur linken Hand ausstrahlen können. Von den inneren Organen laufen also Reflexbahnen zur Körperdecke. Und Erkrankungen innerer Organe verändern bestimmte Gebiete in der Körperdecke. Die Veränderungen zeigen sich durchaus sehr unterschiedlich.  Sie werden durch Sicht- oder Tastbefunde erhoben.

Einige Beispiele:  Man findet spröde, schuppige Haut in einem Bezirk, während am übrigen Körper die Haut normal und geschmeidig ist. Oder man sieht eine Hautverfärbung an einer bestimmten Stelle. So fallen größere gelbliche Flecken inmitten einer ansonsten gut durchbluteten Haut besonders auf.
Tastet man in Ruhe und mit Sorgfalt über die Haut, so gleiten die tastenden Finger ohne Widerstand über gesunde Haut und Unterhaut hinweg. Möglicherweise stellt man dann inmitten einer elastischen, leicht eindrückbaren Stelle einen Widerstand fest. Oder man kann die betreffende Hautfalte schwerer abheben als die der Umgebung. Am häufigsten findet man knotenförmige Verhärtungen in der Muskulatur, die an Erbsen oder Bohnen erinnern, oder sogar noch größer sind. Diese sog. Myogelosen kommen meistens nach einer Überbeanspruchung, bei entzündlichen Muskelerkrankungen, oder aber auch als Reaktion auf Gelenkerkrankungen vor.

Vielleicht fragen Sie sich, warum denn Ihr Körper so selten (oder gar noch nie?) von Kopf bis Fuß auf Hautveränderungen, Widerstände in der Unterhaut, Schwellungen, Höcker, Dellen oder Verhärtungen in der Muskulatur untersucht wurde?

Es ist ganz einfach: Eine solche Untersuchung braucht („kostet“) u.a. Zeit.....
Ich kann nur aus meiner Praxis berichten, und bekomme es von vielen Kollegen und Kolleginnen bestätigt:  Die Tatsache, dass ich mir in der Sprechstunde Zeit nehmen kann, um dem Patienten aufmerksam zuzuhören, mir alles in Ruhe anzuschauen und ausgiebig zu besprechen, erspart manche teure Apparate-Diagnostik.
Aber ich möchte nicht zu weit vom Thema abkommen. Genau so wie am ganzen Körper, spiegeln sich Reflexzonen auch in einzelnen Körperteilen wider. Bei der Ohrakupunktur wird diese Besonderheit z.B. genutzt, aber auch in den Händen und Füßen zeigen sich bestimmte Areale bestimmten Organen zugeordnet.
In meiner Praxis spielen daher Füße eine besondere Rolle!

Da man aus den Reaktionen bestimmter Körperzonen Rückschlüsse auf Organe ziehen kann, eignet sich die Untersuchung der Füße ganz besonders als weiterer kleiner Baustein  in der Diagnosefindung. Gerade bei Kindern, denen oft „ Der Bauch weh tut“, wenn sie erkrankt sind, hilft die Untersuchung der Fuß-Reflexzonen häufig schnell weiter. Auch bei einer Erst-Untersuchung eines Patienten ergeben sich wertvolle Hinweise darauf, in welcher Richtung man unbedingt weiter forschen sollte.

Wie gesagt: „Als kleiner Baustein“! Leider musste ich schon häufig ängstliche oder sehr verunsicherte Patienten beruhigen. Sie hatten z.B. von einer Urlaubsbekanntschaft die sich angeblich mit Fußreflex-Behandlung auskannte, medizinische Diagnosen auf den Kopf zugesagt bekommen. Von Herzschwäche über Gallensteine war schon alles Mögliche dabei.

Wie gesagt: Sobald jemand einen medizinischen Anspruch stellt, sollten alle manuellen Therapien erfahrenen Therapeuten vorbehalten sein.

Fragen Sie danach!
Im Laufe der vielen Jahre Praxiserfahrung zeigte sich etwas ganz besonderes, die Reflexzonen-Massagen am Fuß betreffend. Eine „Zone“ fiel mir auf, die ich in keinem der vielen  Lehrbücher beschrieben fand. Ich wüsste auch gar nicht, wie ich sie benennen sollte. Vielleicht die „Kommunikations-Zone?“
Ich weiß auch gar nicht mehr den Zeitpunkt. Plötzlich hatte ich entdeckt, dass immer dann, wenn ich bestimmte Zonen an den Füßen rechts und links der Ferse, von den Knöcheln bis zur Fersenspitze, sanft  kreisend massierte, der Patient „das Reden“ anfing. Auch wenn er während des Gesprächs am Schreibtisch gerade nur das Notwendigste auf Fragen meinerseits antwortete: Hier war es, als sei plötzlich eine Schranke aufgehoben worden. Jetzt konnte gesprochen werden, und manch einer hat sich das Herz ausschütten können.
So schließt sich hier der Kreis: Manuelle Therapien, und alles das, was in liebevoller achtsamer Weise mit den Händen am Menschen ausgeübt wird, dient nicht nur der körperlichen, sondern auch der seelischen Gesundheit.
Wenn diese Therapien immer seltener verordnet werden, dann liegt es nicht daran, dass sie nichts nützten. Für die „kranken Kassen“  ist dies lediglich eine Kostenfrage. Wenn Sie sich etwas Gutes tun wollen, oder wenn Sie Beschwerden haben von denen Sie glauben, dass sie mit manuellen Therapien gebessert oder gar geheilt werden könnten, wenden Sie sich vertrauensvoll an ausgebildete (Naturheil-) Therapeuten.

Cornelia Kolb, Heilpraktikerin







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