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"Lernen ist anstrengend, schwer und erfordert viel Ausdauer und Sitzfleisch." Diesen Glaubenssatz und ähnliche habe ich so oft zuhause und in der Schule gehört, dass ich am Ende daran geglaubt habe. Wie viele Kinder sitzen täglich vor ihren Hausarbeiten und bewältigen die Anforderungen nur mit großer Mühe und nur sehr langsam. Babys und Kinder lernen intuitiv durch Spiel und Spaß. Der Lernprozess ist eingebettet ins Spiel. Spielerisch lernt das Kind, wie man die Rassel ergreifen und zum Mund führen kann und - später - wie man den Turm so baut, dass er nicht umkippt. Der Spaß, den es dabei hat, verbindet den Lernprozess mit positiven Gefühlen und motiviert es, weiter zu spielen und zu lernen. In vielen Fällen verursacht allein schon der Übergang vom intuitiven, spielerischen Lernen im Kindergarten zum systematisierten und leistungsbezogenen schulischen Lernen enorm viel Stress. Durch strukturiertes und abstrakt-logisches Denken sollen die Kinder auf das Berufsleben vorbereitet werden, dabei bleiben oft Spaß und Spiel und damit die wichtigsten Verstärkungen für intuitives Lernen auf der Strecke. Wenn die Beziehung zum Lehrer oder zur Lernumgebung stressreich ist, sinken auch die Lernleistungen rapide ab. Es hat sich in der Praxis gezeigt, dass es bei einem Kind mit Lernschwierigkeiten allein durch den Wechsel des Lehrers oder der Klasse zu sofortiger Besserung kommen kann. Jedes Kind entwickelt für sich eine individuelle Lernstrategie, die sich aus seinen Lernerfahrungen ergibt. Manche Kinder lernen gut über die visuelle Wahrnehmung, d.h. sie brauchen viele Bilder, die den Lernstoff illustrieren. Andere Kinder wiederum lernen besser über den auditiven Wahrnehmungskanal, d.h. sie behalten am besten, was sie in einem Vortrag gehört haben. Es gibt auch Kinder, die gut über Nachahmung lernen, also brauchen sie jemanden, der ihnen etwas wiederholt vormacht. Das sind die eher handwerklich begabten Kinder, die schon früh Uhren zerlegen, um zu sehen wie sie funktionieren. Kinder lernen durch eine Mischung aus Hören, Sehen, Tasten, Riechen und Schmecken. Sie benutzen ihre individuellen Stärken, um Lernstrategien zu entwickeln, die sie immer wieder anwenden, wenn sie vor neuen Situationen oder Aufgaben stehen. Auch als Erwachsene entwickeln wir neue Lernstrategien. Unser Lernen hat System und folgt meistens logischen Regeln. Legasthenie ist eine erhebliche Störung im Lernprozess und bezieht sich meistens auf Rechtschreib- oder Leseschwäche. Folge davon sind Konzentrationsschwächen, Müdigkeit, Kopfschmerzen und vor allem übermäßig große Anstrengungen beim Arbeiten und Lernen. Diese Menschen müssen einen erheblichen Aufwand leisten, um ihre täglichen Aufgaben (Schule/Arbeit) zu bewältigen. Für Schüler droht oft die Sonderbeschulung, für berufstätige Erwachsene wird jede neue Aufgabe zur Qual.
Dr. Phil. Paul Dennison, ein Pädagoge und Kinesiologe, hat in den 70er Jahren in einem Heim für Kinder mit Lernschwäche gearbeitet. Er hat festgestellt, dass Lernstress uns immer wieder in ein kindliches Verhaltensmuster zurückwirft. Legastheniker nutzten ihre intellektuellen Fähigkeiten nicht aus. Sie fallen vielmehr in altbewährte Denkmuster zurück und brauchen dadurch wesentlich länger für den Lernvorgang. Dennison stellte auch fest, dass Lernen mit Bewegung einher geht. Er entwickelte eine Methode, die solcherart lerngestörten Kindern und Erwachsenen hilft, ihre Lernstrategien zu verändern und zu verbessern. Die Behandlungsmethode für Rechtschreibschwäche, Konzentrationsschwäche und psychischen Stress nannte Dennison BRAIN-GYM, was auf deutsch soviel wie Gehirntraining bedeutet. BRAIN-GYM ist eine kinesiologische Methode, d.h. Muskelreaktionen gelten als Indikator für körperliche und psychische Abläufe. Mit ihrer Hilfe gelingt es, den kritischen Lernstress zu identifizieren und durch einfache Übungen und Bewegungsabläufe zu korrigieren. Mit BRAIN-GYM kann man seine Lernstrategien verbessern und sie an die eigenen Fähigkeiten anpassen. Eingefahrene und nicht adäquate Verhaltensmuster können abgelegt werden, so dass wir unsere Lebensaufgaben leichter besser bewältigen können. Durch die Zielsetzung in einer BRAIN-GYM-Sitzung werden störende Glaubenssätze (z.B.: "Lernen ist anstrengend"), die wir jahrelang mit uns tragen, verändert und gelöscht. Lehrer in der Schule bekommen durch BRAIN-GYM die Möglichkeit zu erkennen, in welchen Bereichen des Lernens ihre Schüler besondere Blockaden haben. Durch mehrere einfache Übungen kann man die Gehirnintegration und –organisation fördern und damit auch das Lernen verbessern. Für die betroffenen Schüler bedeutet dies, dass sie ihre Lernschwächen gezielt und mit viel Spaß abbauen können. BRAIN-GYM ist keineswegs nur eine Methode zur Behandlung von Lernschwächen, sondern bietet auch eine Möglichkeit, die Funktion der Sinnesorgane zu optimieren (z.B. die Hand-Auge-Koordination, wie sie beim Golfspielen, bei vielen anderen Sportarten, aber auch bei Künstlern besonders gefordert ist). Die Arbeit mit BRAIN-GYM ist sehr vielfältig und eröffnet neue Wege, das Leben besser zu verstehen und zu meistern. Dazu möchte ich ein Beispiel aus der Praxis bringen: J., ein 13-jähriges Mädchen, kann sehr gut malen und ist sehr kreativ, hatte aber seit geraumer Zeit Lernprobleme in Mathematik. Sie brauchte für einfache Rechenaufgaben wie das Addieren und Subtrahieren viel Zeit und machte dabei oft Fehler. Für sie war der Mathematikunterricht eine Qual. Für ihre Mutter war der tägliche Kampf um die Schularbeiten ebenfalls ein erheblicher Stressfaktor.
Sie kam mit J. in die Praxis, um herauszufinden, ob ihr BRAIN-GYM helfen kann. Wir haben zusammen für sie ein Ziel formuliert. Mit verschiedenen Übungen aus BRAIN-GYM haben wir gemeinsam daran gearbeitet, alle Hindernisse, die ihr bei der Zielerreichung im Weg standen, zu beseitigen. Zum Schluss bekam J. noch ein paar Übungen für zuhause mit, die ihr helfen sollten, ihr Ziel endgültig zu integrieren. Zwei Wochen später rief mich die Mutter aufgeregt an und erzählte, dass sich bei ihrer Tochter etwas geändert habe. Seit unserer Sitzung mache J. ihre Schularbeiten ohne weitere Aufforderung. Die Mutter berichtete erstaunt, dass J. jetzt sogar Spaß an ihren Hausaufgaben habe. Wenn sie nach Hause komme, setze sie sich hin und mache direkt Hausaufgaben. Auch 6 Monate nach dieser einzigen Sitzung berichtete die Mutter über einen anhaltenden Effekt. Das Problem in Mathematik sei zwar noch nicht behoben, aber der Stress, der damit verbunden war, sei durch die Sitzung verschwunden. Das ist die beste Voraussetzung für intuitives Lernen.
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